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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rouennerie; Rouergue; Roués; Rouge; Rougé

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Rouennerie - Rougé.

Der Handel der Stadt hat infolge der Anlage von Docks und Entrepots, Beseitigung der Schiffahrtshindernisse auf der Seine etc. neue Förderung erfahren. 1886 kamen bei dem Zollamt von R. in der Einfuhr Waren im Wert von 160,9 Mill., in der Ausfuhr im Wert von 32,9 Mill. Frank zur Verzollung; die beim Import eingehobenen Zölle beliefen sich auf 19,2 Mill. Fr. Die Hauptartikel sind in der Einfuhr: Getreide und Mehl, Wein, Garne, Schafwoll- und Baumwollwaren, Kupfer, Chemikalien, Holz, Petroleum, Kohle, Maschinen, Blei, Baumwolle, Öl und Ölfrüchte; in der Ausfuhr: Zucker, Hadern, Holzwaren, rohe Häute und Felle, Chemikalien u. a. Der Warenverkehr von R. ist übrigens in Wirklichkeit viel bedeutender, da er sich zum großen Teil über Havre bewegt und daher im dortigen Verkehr aufgeht. Als Förderungsmittel des Handels dienen: eine Filiale der Bank von Frankreich, ein Warenbörse, eine Handelskammer, eine Sparkasse und andre Kreditinstitute. 1886 sind bei der internationalen Schiffahrt 1327 beladene Schiffe mit 641,267 Ton. (darunter 1093 Dampfer mit 558,213 T.) eingelaufen und 884 beladene Schiffe mit 322,623 T. (darunter 682 Dampfer mit 273,909 T.) ausgelaufen; der Hauptanteil kam auf den Verkehr mit England. Bei der Küstenschiffahrt (hauptsächlich im Verkehr mit Havre) sind eingelaufen 725 beladene Schiffe mit 106,932 T. und ausgelaufen 737 beladene Schiffe mit 102,194 T. An Wohlthätigkeitsinstituten sind zu nennen: 3 Zivilspitäler (darunter das Hôtel-Dieu mit 600 Betten), eine Blindenanstalt, ein Irrenhaus, Waisenhaus u. a. Sehr reich ist R. an Unterrichts- und Bildungsanstalten. Hierher gehören: eine theologische Fakultät, ein Lyceum, ein großes und kleines Seminar, eine Vorbereitungsanstalt für Medizin und Pharmazie, eine Sekundärschule für Wissenschaften und Litteratur, eine Lehrerbildungsanstalt, eine hydrographische Schule, eine Handels-, eine Gewerbeschule, zahlreiche Speziallehrkurse und ein Taubstummeninstitut. Außerdem befinden sich hier eine Akademie der Wissenschaften und Künste, eine Antiquitätenkommission, 7 gelehrte und gemeinnützige Gesellschaften, eine Bibliothek (110,000 Bände, 350 Inkunabeln und 2960 Manuskripte), eine Gemäldegalerie, ein Antiquitätenmuseum, ein naturhistorisches und ein Industriemuseum. R. ist Sitz der Präfektur, des 3. Armeekorps-Kommandos, eines Erzbistums und mehrerer Konsuln fremder Staaten (darunter auch eines deutschen), hat einen Appell- und Assisenhof, ein Handels- und ein Seegericht, ein protestantisches Konsistorium und ein Rabbinat.

Seit dem 16. Jahrh. besaß R. eine Fayencefabrikation, welche sich um die Mitte des 17. Jahrh., vornehmlich durch den Töpfer Edme Poterat, zu großer Blüte entwickelte und erst um 1830 erlosch. Anfänglich von Revers beeinflußt, bildete sich der Industriezweig später nach japanischen, chinesischen und holländischen Mustern. Die ältesten Fabrikate zeichnen sich durch das milchweiße Email aus, das später gräulich, bläulich und selbst grünlich wird. Die Verzierungen waren meist blau, seltener rot und gelb. Für das 17. Jahrh. ist die Lambrequin- und Spitzenverzierung charakteristisch, für die Rokokozeit Füllhörner, Blumen und Insekten. Man fabrizierte nicht nur Gebrauchsgeschirr jeglicher Art, sondern auch Öfen, Kamine, Wand- und Bodenplatten, Apothekergefäße, Vasen, Schreibzeuge, Weihkessel, Laternen, Jardinieren, kleine Möbel, Spiegelrahmen, Flaschen, Figuren etc. Vgl. Pottier, Histoire de la fayence de R. (Rouen 1870).

Bei den Alten hieß R. Rotomagus und war Hauptstadt der Vellokasser und unter Konstantin d. Gr. Hauptstadt der Provincia Lugdunensis secunda. Im Mittelalter hieß es Rothomum und Rodamum. 841 wurde die Stadt von den Normannen eingenommen, die sich seit 859 dauernd hier festsetzten. Seit der Belohnung Rollos 912 war sie Hauptstadt der Normandie und Residenz der Herzöge derselben und stand daher, wie diese Provinz, seit Wilhelm dem Eroberer (1066) unter englischer Herrschaft. 1204 wurde sie von Philipp August von Frankreich dem König Johann ohne Land entrissen. Die Engländer eroberten sie zwar nach tapferer Verteidigung durch die Franzosen 1419 wieder, aber 1449 kam sie wieder an Frankreich zurück. 1431 wurde in R. die Jungfrau von Orléans verbrannt. Die Eroberung Rouens, das von Montgomery verteidigt wurde, 1562 war einer der ersten Erfolge, welche die katholische Partei in den Hugenottenkriegen davontrug. Heinrich IV. belagerte R. 1591-92 vergebens und erhielt es erst 1594 durch Kapitulation. 1633 verwüstete ein Orkan und 1774 ein großer Brand die Stadt. Durch die Austreibung der Hugenotten 1685 litt dieselbe sehr. Am 25. Febr. 1848 wurden bei einem Tumult die Fabrikstätten der englischen Spinnereien demoliert; 27. und 28. April 1848 fand hier ein Aufstand und Barrikadenkampf wegen der Wahlen statt. Im deutsch-französischen Krieg war R. vom 6. Dez. 1870 bis 22. Juli 1871 von deutschen Truppen besetzt. Die Geschichte der Stadt schrieben Périaux (Rouen 1874) und Fouquet (das. 1875).

Rouennerie (franz., spr. ruann'rih), buntes Baumwollzeug aus Rouen (s. d.).

Rouergue (spr. ru-ärgh, Rutenicus pagus), alte französische Provinz, im S. zwischen Guienne, Languedoc und Auvergne gelegen, in gallischer Zeit von den Rutenern bewohnt, wurde seit dem 9. Jahrh. von Grafen aus dem Haus Toulouse beherrscht, welche 1066 ausstarben, dann an die Grafen von Carlat verkauft, ging 1302 durch Heirat in den Besitz der Armagnacs über und wurde 1589 mit der französischen Krone vereinigt.

Roués (franz., spr. ruē, "Geräderte"), Name, mit dem man unter der Regentschaft des Herzogs Philipp von Orléans (s. Orléans, S. 446) die Lebemänner, Stutzer und Lions jener liederlichen Zeit bezeichnete. Zuerst waren es die Genossen der Ausschweifungen des Herzogs, welche sich R. nannten, um sich von ihren Bedienten zu unterscheiden, welche nur Pendards ("Galgenvögel") waren. Später erhielten alle vornehmen Wüstlinge diese Benennung.

Rouge (franz., spr. ruhsch), rot.

Rougé (spr. ruhsché), Olivier Charles Camille Emmanuel, Vicomte de, franz. Ägyptolog, geb. 11. April 1811 zu Paris aus einer altbretonischen Familie, studierte zuerst die Rechtswissenschaft, wandte sich dann dem Studium der Sprachen zu, widmete sich seit 1844 ausschließlich der Ägyptologie und wurde 1849 zum Konservator der ägyptischen Sammlung im Louvre und 1854 zum Staatsrat in der Abteilung des Innern und des öffentlichen Unterrichts ernannt. Schon 1853 hatten ihm seine Arbeiten einen solchen Ruf verschafft, daß er zum Mitglied des Instituts erwählt wurde. Nach Lenormants Tod (1859) zum Professor der ägyptischen Archäologie am Collège de France ernannt, starb er 27. Dez. 1872 auf seinem Schloß Bois-Dauphin (Sarthe). Die Werke Rougés bestehen hauptsächlich aus Abhandlungen für die "Revue archéologique" (seit 1847) und die "Mémoires" des Instituts. Er übersetzte aus d'Orbineys