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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Veráguas - Verband.

besetzte dann die Stadt. Die Franzosen marschierten 27. Febr. von hier in das Innere, und V. blieb während der ganzen Dauer der französischen Okkupation bis 1867 der strategische Stützpunkt der Armee.

Veráguas, Departement des Staats Panama der Bundesrepublik Kolumbien, liegt zwischen Chiriqui und Colon (Aspinwall) und erstreckt sich vom Karibischen Meer bis zum Stillen Ozean. Die granitische Kordillere von Verágua durchzieht das Land. Die Zahl der Bewohner war 1870: 6,239. Landbau und Fischzucht bilden die Haupterwerbszweige, aber Gold lockte die Spanier zuerst ins Land und veranlaßte Kolumbus 1503, Veráguas, die erste spanische Niederlassung auf dem amerikanischen Festland an der Mündung der Belen, zu gründen. Die auf den Mesas entdeckten indianischen Friedhöfe, deren Gräber Schmucksachen aus Gold und Kupfer enthalten, beweisen, daß das Land früher eine gebildetere Bevölkerung hatte. Hauptstadt ist Santiago de Veráguas (s. d.).

Veránda (span.), halb offener, oben bedachter, meistens auf hölzernen Pfosten ruhender und mit Pflanzen bezogener Anbau an Land oder Wohnhäusern, worin man, vor Regen geschützt, die freie Luft genießen kann. Um der Zugluft nicht ausgesetzt zu sein, wird die V. zwischen Gebäudeflügel eingerückt oder an den Schmalseiten durch Holz- oder Glaswände geschlossen.

Veränderliche Sterne, Fixsterne mit veränderlicher Lichtstärke; vgl. Fixsterne, S. 323.

Veranschlagung, s. v. w. Taxation (s. d.).

Verapāz, ehemalige Provinz im mittelamerikan. Staat Guatemala, jetzt aus den drei Departements V. baja, V. alta und Peten bestehend, mit zusammen (1885) 147,870 Einw., meist Indianern. V. grenzt an Mexiko und Britisch Honduras und umfaßt sowohl kalte Gebirgsgegenden als Strecken von Tiefland, liegt aber vorzugsweise in der Tierra templada. Hauptflüsse sind der Usumacinta und der in die Laguna dulce fließende Palochic ^[richtig: Polochic]. Im N. liegt der See von Peten (s. d.). Große Strecken zeichnen sich durch Fruchtbarkeit aus, und im N. und NO. bedecken ausgedehnte Urwälder das Land, die außer wertvollen Holzarten auch Sassaparille, Vanille, Kakao und andre Produkte in den Handel liefern. Den Dominikanern gelang es seit 1536, die durch lange Kriege verwilderten Indianer einer gesitteteren Lebensweise zuzuführen, und das Land verdankt diesem Umstand seinen Namen (»wahrer Friede«). Die Hauptstädte der zwei Departements V. baja und V. alta sind Salaná und Cobán.

Veratrīn C22H49NO2 ^[C_{22}H_{49}NO_{2}], Alkaloid, findet sich in den Samen von Sabadilla officinalis, in der weißen Nieswurz von Veratrum album, auch in den Wurzelstöcken von Veratrum viride, wird meist aus Sabadillsamen dargestellt, indem man denselben mit salzsäurehaltigem Wasser auskocht, die Flüssigkeit verdampft, mit etwas Salzsäure versetzt, filtriert, dann mit Kalk versetzt und aus dem Niederschlag das V. mit Alkohol auszieht (Ausbeute 0,3-0,4 Proz.). V. bildet ein farb- und geruchloses kristallinisches Pulver, kristallisiert aber auch in verwitternden Prismen, erregt, in geringster Menge eingeatmet, heftigstes Niesen, schmeckt sehr scharf und brennend, nicht bitter, ist leicht löslich in Alkohol, schwer in Äther, kaum in kaltem Wasser, schmilzt bei 115°, ist nicht flüchtig, reagiert alkalisch und bildet mit Säuren kristallisierbare Salze. Es ist höchst giftig, wirkt örtlich reizend, erzeugt, innerlich genommen, Erbrechen, bedeutenden Kollaps, Bewußtlosigkeit und den Tod. Es dient gegen Neuralgien, kruppöse Pneumonie, rheumatische Leiden, Keuchhusten, Hypochondrie, Hysterie, Veitstanz etc.

Verātrum L. (Germer, Nieswurz), Gattung aus der Familie der Liliaceen, perennierende Kräuter mit dickem, walzenförmigem Wurzelstock, einfachem Stengel, meist breiten, elliptischen oder oblongen bis lanzettlichen, in der Regel der Länge nach gefalteten, den Stempel scheidig umfassenden Blättern, weißlichen, grünlichen oder schwarz purpurnen Blüten in endständiger, meist pyramidaler Rispe und häutiger, kurz dreihorniger Kapsel. Neun Arten in der nördlichen gemäßigten Zone beider Erdhälften. V. album L. (weiße Nieswurz, Schampanierwurz, Hemierwurz), mit 1,25 m hohem Stengel, elliptischen, unterseits flaumigen Blättern und weißlichen oder grünlichen Blüten, wächst in den höhern Gebirgen (1000-3000 m) Europas und Asiens. Das frisch knoblauchartig riechende, nach dem Trocknen geruchlose, anhaltend scharf und bitter schmeckende Rhizom ist offizinell und scharf giftig; es enthält als wirksamen Bestandteil Jervin, Veratroidin, Veratramarin und eine dem Veratrin der Sabadillsamen sehr ähnliche Substanz. Es wird gegenwärtig nur noch äußerlich gegen Läuse, als Niesmittel etc. angewandt. V. nigrum L., in Bergwäldern, auf trocknen Gebirgswiesen in Mittel- und Südeuropa, auch im südlichen Sibirien, mit schwarzvioletten Brüten in langer, reicher Endrispe, kommt, wie die vorige Art, öfters als Zierpflanze in Gärten vor. Das Rhizom ist dem von V. album ähnlich, aber weniger wirksam. V. Sabadilla oder V. officinale, s. Sabadilla.

Veräußerung (lat. Alienatio), das Übertragen oder Aufgeben eines Rechts. Die Befugnis zur V. liegt in der Regel in dem fraglichen Recht selbst; sie kann aber teils durch dessen besondere Natur, teils durch besondere gesetzliche oder auf Vertrag oder letztwilliger Verfügung oder richterlicher Verfügung beruhende Beschränkung ausgeschlossen sein (Veräußerungsverbote). Übrigens liegt auch in der Verpfändung einer Sache oder in der Belastung derselben mit einer Dienstbarkeit eine V., während im engern (gewöhnlichen) Sinn V. s. v. w. Verkauf ist.

Verbāl (lat.), mündlich, in Worten bestehend; vom Verbum abstammend.

Verbālinjurie (lat.), wörtliche Beleidigung (s. Beleidigung, S. 637).

Verballhornen, s. Ballhorn.

Verbālnote, im diplomatischen Verkehr Note einer Regierung an ihren Gesandten, welche, bloß zum Vorlesen bestimmt, mehr den Charakter einer vertraulichen Mitteilung an das jenseitige Kabinett trägt.

Verbālnomĭna, s. Verbum.

Verband, eine mittels Binden kunstgerecht ausgeführte Bedeckung oder Einwickelung verwundeter, gequetschter, gebrochener oder entzündeter Körperteil. Alles, was sich auf den V. von Wunden und Quetschungen bezieht, s. unter Wunde. Es bleiben dann als Verbände im engern Sinn diejenigen chirurgischen Hilfsmittel übrig, mit welchen sich die Desmologie (Verbandlehre) beschäftigt, und die eine Vereinigung von gebrochenen Knochen, von verrenkten Gelenken, eine Befestigung und ruhige Lage operierter, entzündeter oder verkrümmter Glieder zum Zweck hat. Entweder bedient man sich zur Anlegung eines Verbandes wollener, 3-8 cm breiter Binden, welche in kunstgerechter Weise an jeder Körperstelle in besonders für diese passender Art angelegt werden, z. B. am Kopf als Mitra Hippocratis, am Schulter und Hüftgelenk als Spica humeri oder coxae, an der Brust als Suspensorium mammae, am Schlüssel-^[folgende Seite]