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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Vis major - Vitalität.

Vorrichtung zur Erhaltung konstanter Temperatur. Die Zeit, in welcher ein gewisses Volumen der Flüssigkeit ausfließt, gibt einen Maßstab zur Beurteilung der Dickflüssigkeit. Vgl. Gummi arabicum, S. 926.

Vis mājor (lat.), »höhere Gewalt« (s. d.).

Visoko, Bezirksstadt in Bosnien, Kreis Sarajevo, an der Bosna und Station der Bosnabahn, mit griechisch-orient. Kirche, 13 Moscheen, einem Bezirksgericht und (1885) 4994 meist mohamm. Einwohnern. V. war früher der hervorragendste Handelsplatz Bosniens und hatte eine lebhafte Lederindustrie.

Vison, amerikan. Mink, s. Nörz.

Visp (auch Vispach, franz. Viège), Gemeinde im schweizer. Kanton Wallis, Station der Eisenbahn Villeneuve-Brieg, mit (1888) 838 Einw., wurde 25.-30. Juli 1855 von einem Erdbeben heimgesucht, welches viele Gebäude in Trümmer legte. Jenseit des Rhône, am Dörfchen Baltschieder, öffnet sich das in mineralogischer Beziehung interessante Baltschiederthal, welches zu den Firnen zwischen Bietsch- und Nesthorn hinansteigt. V. ist die Pforte zum Visper Thal, das, von der Visp durchflossen, hier ins Hauptthal mündet. Der Thalfluß, 37 km lang, beginnt als Gorner Visp hinter Zermatt (1620 m), wo die Abflüsse des Zmutt-, Gorner und Findelengletschers sich vereinigen. Fortwährend durch seitliche Gletscherwasser verstärkt, zieht er durch das majestätisch eingerahmte Matterthal, abwärts durch das Nikolaithal und nimmt bei Stalden (790 m) die fast gleich lange Saaser Visp auf, um nach kurzem Lauf den Rhône zu erreichen (650 m). Einer der Eisströme des Saaser Thals, der Allalingletscher, tritt quer in das Thal vor, staut den rückwärts liegenden Alpensee und verursacht, wenn der Querriegel plötzlich dem Druck weicht, gewaltige Hochwasser und Verheerungen (s. Monte Rosa). Im Hintergrund steigt man zum Paß des Monte Moro hinan (nach Macugnaga); bei Zermatt beginnt der Weg nach dem Theodulpaß (Matterjoch). Das Visper Thal, mit Inbegriff des Nebenthals von Saas, gehört unter die renommiertesten und besuchtesten Alpenthäler; es bildet den Bezirk V., mit 6964 deutsch sprechenden und kath. Einwohnern, die namentlich auf Viehzucht, den Waldertrag und den Fremdenverkehr angewiesen sind.

Vis probandi (lat.), Beweiskraft.

Viß, ostind. Gewicht, = ⅛ Maund (s. d.).

Visscher, Cornelis, niederländ. Kupferstecher, geb. 1629 zu Amsterdam, bildete sich zu Haarlem, angeblich unter der Leitung von Soutman, in dessen Auftrag er Stiche nach Rubens (das Jüngste Gericht und die Krönung der Madonna) und besonders zahlreiche Porträtstiche ausführte. 1653 trat er in die Lukasgilde und war dann noch einige Jahre selbständig thätig. Er stach und radierte ferner nach G. Reni, Parmegianino, Brouwer und Ostade. Er soll um 1658 gestorben sein. Vgl. Wussin, C. Visscher (Leipz. 1865). -

Sein Bruder Jan (geb. 1636, gestorben um 1692), gleichfalls Kupferstecher, stach besonders nach Ostade, Berchem und Wouwerman.

Vissering, Simon, holländ. Nationalökonom und Statistiker, geb. 23. Juni 1818 zu Amsterdam, studierte in Leiden, erhielt, nachdem er eine Zeitlang sich der Journalistik gewidmet hatte, 1850 die Professur der Nationalökonomie und Statistik in Leiden, wurde 18. Aug. 1879 zum Finanzminister ernannt, nahm aber 25. Mai 1881 seine Entlassung und starb 21. Sept. 1888. V. schrieb: »Geschiedenis der tariefhervorming in Engelland« (Amsterd. 1849); »Het wisselregt der XIX. eeuw« (das. 1850); »Handboek van praktische staatshuishoudkunde« (4. Aufl., das. 1879); »Handleiding tot het statistisch onderzoek« (utrecht 1857); »Herinneringen«, Sammlung kleinerer Schriften (Amsterd. 1863-72, 3 Bde.). Auch auf statistischem Gebiet leistete V. Hervorragendes und war seit 1859 Mitglied der statist. Zentralkommission.

Vista (ital.), s. v. w. Sicht; daher Wechsel a vista, Vistawechsel, s. v. w. Sichtwechsel (s. Wechsel).

Vistritza (der alte Haliakmon, türk. Indsche Karasu, »kleines Schwarzwasser«), Fluß im südlichen Makedonien, hat seine Hauptquelle im See von Kastoria (647 m), fließt erst südöstlich, dann nordöstlich und mündet in den Busen von Saloniki. Sein Quellgebiet gehört zu den unbekanntesten Teilen der Balkanhalbinsel.

Vistŭla, lat. Name der Weichsel (slaw. Wisla).

Visum (lat., »das Gesehene«), amtliche Beglaubigung auf einem Reisepaß etc. (s. Vidi).

Visum repértum (lat., Fundschein), der auf amtliche Veranlassung verfaßte Bericht eines Arztes über die Ergebnisse einer medizinischen Untersuchung, namentlich einer Totenschau (s. d.).

Visúrgis, lat. Name der Weser.

Vita (lat.), das Leben; V. ante acta, der frühere Lebenswandel.

Vita brevis, ars longa (lat.), »das Leben ist kurz, die Kunst ist lang«, ein Ausspruch, der auf Hippokrates zurückgeführt wird.

Vitaceen, s. Ampelideen.

Vitalĭenbrüder (Vitalianer), eine Seeräuberbande, die gegen Ende des 14. Jahrh. den deutschen Norden beunruhigte. Als die Königin Margarete von Dänemark den König Albrecht von Schweden nebst seinem Sohn Erich 1389 bei Falköping besiegt und gefangen genommen hatte und 1391 Stockholm belagerte, rüsteten dessen Verwandte, die Herzöge von Mecklenburg, in Rostock und Wismar Freibeuter gegen die drei nordischen Reiche aus. Diese Scharen nannte man V. (Viktualienbrüder), weil sie Stockholm mit Viktualien oder Proviant versahen, auch wegen gleicher Verteilung der Beute Liekendeeler (»Gleichbeuter«). Glückliche Erfolge gegen die Dänen und Schweden vermehrten die Anzahl der V., sie eroberten 1392 die Insel Gotland und wurden gefürchtete Seeräuber mit der Losung: »Gottes Freunde, aller Welt Feinde«. Endlich wurden sie 1398 von dem Deutschen Orden unter Konrad von Jungingen aus Gotland, das dem Orden von Schweden verpfändet war, vertrieben und auch von der Königin Margarete sowie von Hamburg und Lübeck für gemeinsame Feinde erklärt, worauf ein Teil nach der Heimat zurückkehrte, die größere Zahl aber sich in die Nordsee wendete, wo sie bei den friesischen Häuptlingen Aufnahme fanden. Engländer, Dänen, Schweden und besonders die nach England handelnden Schiffe der Hansestädte wurden von ihnen ohne Unterschied beraubt, bis sie endlich 1401 von den Hamburgern bei Helgoland entscheidend geschlagen und ihre Anführer Klaus Störtebeker und Wigman zu Hamburg hingerichtet wurden. Seit 1429, wo sie Bergen plünderten und niederbrannten, verschwindet ihr Name aus der Geschichte. Vgl. Voigt, Die V., in Raumers »Historischem Taschenbuch« 1841; Koppmann in der Einleitung zu Band 4 der Hanserezesse (Leipz. 1877).

Vitālis, Pseudonym, s. Sjöberg.

Vitalismus (lat.), Annahme einer »Lebenskraft« als Erklärung der Erscheinungen.

Vitalität (lat.), Lebensfähigkeit; auch die mittlere (durchschnittliche) Lebensdauer oder Lebenserwartung (s. Sterblichkeit, S. 297).