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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wilhelm

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Wilhelm (Österreich, Poitiers, Preußen).

derlande ausgerufen. Seine Erbländer in Deutschland mußte er für Luxemburg, das 22. Juli 1815 dem Deutschen Bund einverleibt wurde, und das er im Mai zum Großherzogtum erhoben hatte, an Nassau und Preußen abtreten. 1830 verlor er durch den Aufstand der Belgier den südlichen Teil des Königreichs; seine Hartnäckigkeit in dem Bestreben, denselben wiederzuerobern, bewirkte, daß der schließliche Friede 1838 namentlich finanziell höchst ungünstig für die Niederlande ausfiel. Die Mißstimmung, welche seine Verweigerung der geforderten Reformen auch in den Generalstaaten schon längere Zeit hervorgerufen hatte, ward durch seine Beziehungen zur katholischen Gräfin Henriette d'Oultremont, die er zu heiraten beabsichtigte, zu einer so bedenklichen Höhe gesteigert, daß er es geraten fand, die Krone 7. Okt. 1840 in die Hände seines ältesten Sohns, Wilhelms II., niederzulegen. Er nahm den Titel eines Grafen von Nassau an und begab sich mit seinem ungeheuern Vermögen nach Berlin, wo er sich 17. Febr. 1841 mit der Gräfin d'Oultremont trauen ließ und 12. Dez. 1843 starb.

26) W. II. Friedrich Georg Ludwig, König der Niederlande, Sohn des vorigen, geb. 6. Dez. 1792, wurde in der Militärakademie zu Berlin erzogen, studierte dann zu Oxford und trat in englische Militärdienste. Im Krieg auf der Pyrenäischen Halbinsel war er Adjutant des Herzogs von Wellington und bewies bei Ciudad Rodrigo und Badajoz sowie in der Schlacht von Salamanca seltene Tapferkeit. Als Kronprinz der Niederlande befehligte er 1815 das niederländische Heer und erwarb sich bei Quatrebras und Waterloo, wo er verwundet wurde, neuen Ruhm. Am 21. Febr. 1816 vermählte er sich mit der Schwester des Kaisers Alexander I., der Großfürstin Anna Paulowna (gest. 1. März 1865). 1830, beim Ausbruch der belgischen Revolution, begab sich der Prinz sofort nach Belgien, wo er, seine Vollmacht überschreitend, 16. Okt. die Freiheit Belgiens anerkannte. Der König kassierte des Prinzen Zugeständnis, und dieser ging nun nach England. 1831 übernahm er wieder den Oberbefehl über die holländische Armee, die er im August in dem Krieg mit Belgien siegreich anführte, bis er sich vor der bewaffneten Intervention Frankreichs zurückziehen mußte. Später führte er das Kommando über die holländische Observationsarmee an der belgischen Grenze. Nach seines Vaters Abdankung 7. Okt. 1840 trat er an die Spitze der Regierung, deren Ruder er mit Energie ergriff. Der wachsenden Finanznot suchte er mittels durchgreifender Mittel zu begegnen, verweigerte aber die Einführung der geforderten politischen Reformen, bis die Umgestaltung der europäischen Verhältnisse 1848 seinen Widerstand brach und er eine liberale Verfassung bewilligte. Er starb 17. März 1849 und hinterließ zwei Söhne, König Wilhelm III. und Prinz Heinrich, geb. 13. Juni 1820, Statthalter des Großherzogtums Luxemburg (gest. 13. Jan. 1879), und eine Prinzessin, Sophie, geb. 8. April 1824, vermählt seit 1842 mit dem Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar. Im Haag und in Luxemburg wurden ihm Standbilder errichtet.

27) W. III. Alexander Paul Friedrich Ludwig, König der Niederlande, Sohn des vorigen, geb. 19. Febr. 1817, trat 17. März 1849 die Regierung an, kam der öffentlichen Meinung durch freiwillige Verminderung der Zivilliste entgegen, berief auch im Oktober das entschieden liberale Ministerium Thorbecke, das er 1853 wieder zur Einreichung seiner Entlassung zwang, zog sich dann aber mehr und mehr von einem selbstthätigen Anteil an der Leitung des Staats zurück, überließ, dem parlamentarischen Regierungssystem getreu, dieselbe den von der Majorität der Generalstaaten abhängigen Ministerien und that nichts, um der durch den fortwährenden Ministerwechsel eintretenden Stockung und Unfruchtbarkeit der Politik ein Ende zu machen. 1874 feierte er unter großen Ovationen sein 25jähriges Regierungsjubiläum. Seit 1888 wegen seines Gesundheitszustandes von den Staatsgeschäften sich fast gänzlich fern haltend, erkrankte er im Schloß Loo 1889 so schwer, daß im April im Haag eine Regentschaft eingesetzt, in Luxemburg Herzog Adolf von Nassau als Regent proklamiert wurde. Doch genas er unerwarteterweise so weit wieder, daß er im Mai die Regierung wieder übernahm. Er war seit 18. Juni 1839 mit Sophie, Tochter des Königs Wilhelm von Württemberg (geb. 17. Juni 1818, gest. 3. Juni 1877), vermählt, welche ihm 4. Sept. 1840 den Kronprinzen Wilhelm (gest. 11. Juni 1879) und 25. Aug. 1851 den Prinzen Alexander (gest. 21. Juni 1884) gebar. Am 12. Jan. 1879 vermählte er sich zum zweitenmal in Arolsen mit der Prinzessin Emma von Waldeck (geb. 2. Aug. 1858), dritten Tochter des regierenden Fürsten Georg von Waldeck, die ihm 31. Aug. 1880 eine Tochter, Wilhelmine, gebar; dieselbe wurde, weil mit W. der Mannesstamm der Oranier erlischt, 1884 zur Thronerbin erklärt.

[Österreich.] 28) W. Franz Karl, Erzherzog von Österreich, dritter Sohn des Generalfeldmarschalls Erzherzog Karl, geb. 21. April 1827, machte den italienischen Krieg von 1848 und 1849 als Freiwilliger, den von 1859 als Feldartillerieinspektor mit und ward 1862 Gouverneur von Mainz und 1864 Generalinspektor der ganzen Artillerie und Feldmarschallleutnant. Nebenbei bekleidete er auch für Österreich das Amt eines Großmeisters des Deutschen Ordens. In der Schlacht von Königgrätz 1866 befehligte er die Artillerie und wurde verwundet.

[Poitiers.] 29) W. IX., Graf von Poitiers, der älteste Troubadour, von dem wir Kunde haben, ein mächtiger, geistreicher, obschon leichtsinniger Fürst, welcher 1087-1127 regierte und auch an dem unglücklichen Kreuzzug von 1101 an der Spitze eines Heers von 300,000 Mann teilnahm. Seine Gedichte, von denen sich nur neun erhalten haben, sind leicht und anmutig, der Form nach noch volkstümlich einfach und bekunden ebenso sein dichterisches Talent und seinen artigen Witz wie seine ausgeprägte Sinnlichkeit. Herausgegeben wurden sie von W. Holland und A. Keller (2. Ausg., Tübing. 1850). Vgl. Sachse, Über das Leben und die Lieder Wilhelms IX. von Poitou (Leipz. 1882).

[Preußen.] 30) Friedrich W. Karl, Prinz von Preußen, dritter Sohn des Königs Friedrich Wilhelm II., geb. 3. Juli 1783 zu Berlin, diente seit 1799 in der Garde und focht 1806 an der Spitze einer Kavalleriebrigade bei Auerstädt. Um eine Ermäßigung der dem Land auferlegten Kriegslasten von Napoleon I. zu erlangen, reiste er im Dezember 1807 nach Paris, vermochte jedoch nur eine geringe Verminderung zu bewirken; auch vertrat er 1808 Preußen auf dem Erfurter Kongreß. Ende d. J. begleitete er seinen Bruder Friedrich Wilhelm III. nach Petersburg und nahm dann namhaften Anteil an der Umgestaltung Preußens und der Armee. In dem Befreiungskrieg von 1813 befand er sich in Blüchers Hauptquartier; in der Schlacht bei Lützen 2. Mai kommandierte er die Reservekavallerie auf dem linken Flügel der Armee, und während der Schlacht von Leipzig ver-^[folgende Seite]