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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Silberbill

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Silberbill (amerikanische).

mit einer Silbersalzlösung eine tiefrote, bei großer Konzentration fast schwarze Lösung, und es entsteht ein violetter Niederschlag, welcher zu einer metallisch glänzenden blaugrünen Masse eintrocknet. Er ist in Wasser mit tiefroter Farbe löslich, besteht fast nur aus S. (97 Proz.), ist frei von Sauerstoff und nur mit etwas Eisen und Zitronensäure verunreinigt. Beim Trocknen auf dem Wasserbad geht diese neue Modifikation des Silbers in normales weißes S. über. Die Lösung des violetten Körpers gibt in einer Lösung von Magnesiumsulfat einen dunkel rotbraunen Niederschlag, der durch Waschen noch dunkler wird, in Natriumborat mit brauner, in Natriumsulfat mit rötlichgelber, in Ammoniumsulfat mit roter Farbe löslich ist. Auch dieser Körper ist fast reines S. Silbernitratlösung gibt mit Ferrosulfatlösung bei Gegenwart von Seignettesalz einen rot glänzenden Niederschlag, welcher rasch schwarz wird, auf dem Filter aber eine schöne Bronzefarbe zeigt. Nach dem Auswaschen trocknet er bei freiwilliger Verdunstung zu Klumpen ein, welche hochpoliertem Golde gleichen und aus 98,75 Proz. S. bestehen. Der Rest ist weinsaures Eisenoxyd. Alle drei Modifikationen trocknen, in feuchtem Zustand auf Glastafeln oder Papier aufgetragen, zu zusammenhängenden glänzenden Häuten ein. Die beiden letzten Modifikationen nehmen dabei den Schein hoher Politur an. Schon durch gelindes Reiben werden sie aber in feinstes Pulver verwandelt. Die beiden ersten Modifikationen färben sich im Sonnenlicht bräunlich, während die dritte, rote goldgelb wird, ohne an Glanz zu verlieren. Durch verdünnte Mineralsäuren und selbst durch mäßig verdünnte Essigsäure werden die Präparate in gewöhnliches S. verwandelt, auch verändern sie sich häufig unter nicht näher bestimmbaren Bedingungen. Von zwei gleichzeitig erzeugten Proben der dritten Modifikation war die eine nach zwei Jahren in weißes S. übergegangen, ohne an Glanz und Zusammenhang zu verlieren, während die andre die tief goldgelbe Farbe unverändert behalten hatte. Abgesehen vom wissenschaftlichen Interesse haben diese Körper auch insofern Bedeutung, als es wohl denkbar wäre, daß das große Geheimnis der Alchimisten, die Kunst der Metallverwandlung, auf weiter nichts als auf solche und ähnliche Reaktionen zurückzuführen sei.

Silberbill, amerikanische. Unter diesem Namen wird das Gesetz vom 14. Juli 1890 verstanden, dessen Hauptbestimmung in der Anordnung von Silberkäufen durch die Vereinigte Staaten-Regierung im Ausmaß von 4½ Mill. Unzen pro Monat besteht. Dieses neue Gesetz ist eine Weiterführung der bis dahin bestandenen sogen. Blandbill vom 28. Febr. 1878.

In der zweiten Hälfte der 70er Jahre war infolge der deutschen Silberverkäufe, der Beschränkung und schließlichen Einstellung der Silberprägungen in den Ländern der lateinischen Münzunion und der Steigerung der Silberproduktion in Amerika das Silber erheblich im Preise gefallen. Die Silberminenbesitzer sahen sich hierdurch aufgefordert, den Möglichkeiten einer Hebung des Silberpreises nachzugehen. Sie fanden alsbald, daß der Bundesstaat Silberkäufer in großem Stile werden müsse, und leiteten im Lande eine großartige Agitation in diesem Sinn ein. Die Depression, welche der Börsenkatastrophe von 1873 gefolgt war, kam ihnen zu Hilfe. Man lechzte nach Erlösung. Die Silberleute verhießen sie. Die der Masse mangelnde Einsicht in Wesen und Unterschied von Geld und Kapital wurde dazu benutzt, um ein Gesetz zu schaffen, durch welches die Unionsregierung gehalten war, allmonatlich für einen Betrag von mindestens 2 Mill. Golddollar Silberdollars auszuprägen. Im Kongreß wurde die Bill durchgesetzt gegen den Einspruch der östlichen »Gläubiger«-Staaten, welche künftig Zinsen und Amortisationen der westlichen Schuldner in Silber bezahlt bekommen sollten, gegen das Veto des Präsidenten (man räumte es durch zwei Drittel Majorität weg) und die sachlichen Einwendungen, welche immer neu der damals als Finanzsekretär amtierende Karl Schurz dem Drängen der Silberleute entgegenstellte. Immerhin blieb es dem Präsidenten der Union vorbehalten, künftighin zwischen 24 Mill. Doll. Goldwert Minimum und 48 Mill. Maximum jährlich zur Prägung in Silber zu bestimmen. Von den Präsidenten seit 1878 hat nun keiner über 2 Mill. Golddollar monatlich prägen lassen. Aber da der Wert des Silberdollars dauernd sank, entsprachen zuletzt etwa 34 Mill. Doll. Silber einem Wert von 24 Mill. Doll. Gold. In Silber gerechnet sind die Prägungen derart im Laufe der Zeit sehr wesentlich gestiegen.

Der Verkehr hat sich mit den Silberdollars nicht befreundet. Eine verhältnismäßig geringe Menge ist im Umlauf; für den größern Teil sind Silbercertifikate ausgegeben, welche gleichsam als vollgedecktes Papiergeld statt der Silbermünze den Dienst versehen. Das Schatzamt war nämlich durch die Blandbill ermächtigt worden, gegen Hinterlegung von Silbermünze Depositenscheine in Beträgen von 10, 20, 50 Doll. zu emittieren. Am 1. Okt. 1888 waren nun von 306,751,000 geprägten Silberdollar nur 57,959,000 als Münze im Umlauf neben 218,562,000 Doll. in Silbercertifikaten.

Den gehegten Erwartungen entgegen hatte die Blandbill dem weitern Sinken des Silberpreises nicht Halt zu gebieten vermocht. Von Jahr zu Jahr, fast von Monat zu Monat bröckelte er ab. Zurückzuführen war diese Erscheinung durchaus nicht ausschließlich auf die sogen. Demonetisation des Silbers, sondern ebensosehr auf dessen maßlos vermehrte Produktion. 1871-75 hatte die Durchschnittsproduktion des Jahres 2 Mill. kg noch nicht erreicht, 1889 war sie 4,120,000 kg. Speziell die Vereinigten Staaten und Mexiko förderten 1871-75 nicht ganz 1,170,000 kg zu Tage gegenüber 2,800,000 kg im J. 1889. Gegenwärtig bestreiten diese beiden Gebiete also rund 68 Proz. der gesamten Silberproduktion der Erde gegen etwas über 58 Proz. in den Jahren 1871-75. Hieraus geht zweierlei hervor, erstens, daß die Schuld an dem Sinken des Silberpreises großenteils den Silberminenbesitzern selbst zufällt, zweitens, daß der Silberpreis auch auf seinem niedrigsten Stande noch hoch genug war, um jene zu steter Erweiterung der Produktion aufzufordern. Dies hinderte sie jedoch nicht, nachdem unter Präsident Harrison die republikanische Partei wieder zur Gewalt gelangt war, mit dem Begehren an den Kongreß heranzutreten, daß die Rate der jährlichen Silberkäufe der Bundesregierung erhöht werde. Ihre Agitation hat diesmal zu dem eingangs erwähnten Gesetz geführt. Aber es hat viel Mühe gekostet, sich zu einigen, und einigemal im Laufe der Verhandlungen schien es, als werde ein Gesetz vorerst überhaupt nicht zu stande kommen. Das Repräsentantenhaus hatte den monatlichen Ankauf von 4,500,000 Doll. in Aussicht genommen; der Senat hätte am liebsten eine andre Regelung gesehen, derzufolge die Münze gegen Übergabe von Silber zirkulationsfähige Certifikate, zum Tageskurs des Silbers berechnet, ausgeliefert hätte. Für eine derartige Bestimmung war aber das Repräsentantenhaus nicht zu gewinnen, und wahrscheinlich hätte auch