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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Allegorisieren; Allegretto; Allēgri; Allēgro; Alleinberechtigung; Alleinseligmachende Kirche

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Allegorisieren - Alleinseligmachende Kirche

Wortlaut der heiligen Schriften auszugleichen. Besonders ausgebildet war sie auch schon bei den alexandrinischen Juden in den letzten zwei Jahrhunderten vor Christus, da ihre griech.-philos. Bildung sie in Widerspruch brachte mit den Vorstellungen des Alten Testaments, ohne daß doch ihr Glaube an dessen Autorität wankend geworden wäre. Am weitesten hat sie Philo (s. d.) getrieben, indem er die A. A. auf das ganze alttestamentliche Ceremonialgesetz und auf einen großen Teil der alttestamentlichen Geschichtserzählungen erstreckte. Auch die jüd. Theologenschulen Palästinas, besonders die Pharisäer, übten diese Methode, wenn auch in beschränkterm Maße, und von den Pharisäern hat sie Paulus erlernt, während der Verfasser des Briefs an die Hebräer deutlich die Alexandrinische Schule verrät. Von Philo kam die A. A. auch zu den alexandrinischen Theologen der christl. Kirche (s. auch Gnosis). Auch die Neuplatoniker wendeten sie sowohl auf die alten Mythen wie auf die Homerischen Gesänge an. Die mittelalterliche Theologie unterschied vier Arten der A. A.: die mystische, die anagogische, die moralische oder tropologische und die typische, nach den Gegenständen, welche man in den Schriften angedeutet fand (Göttliches, Himmlisches, Innerliches und äußerlich Entferntes). Es ist klar, daß mit der A. A. spitzfindiger Willkür Thür und Thor geöffnet ist.

Allegorisieren, etwas allegorisch, in einer Allegorie (s. d.) darstellen.

Allegretto, s. Allegro.

Allēgri, Antonio, ital. Maler, s. Correggio.

Allēgri, Gregorio, ital. Tonsetzer, aus der Familie des Correggio stammend, geb. um 1580 in Rom, Zögling der dortigen Musikschule des Nanini, wurde 1629 durch Papst Urban VIII. als Altist in die päpstl. Kapelle berufen. In dieser Stellung blieb er bis zu seinem 18. Febr. 1652 erfolgten Tode. A. gehört unter die bedeutendsten Kirchenkomponisten Italiens. Weltberühmt wurde sein doppelchöriges "Miserere", das in der päpstl. Kapelle alle ältern Kompositionen dieses Psalms, selbst die von Palästrina und Anerio, verdrängte. Es war verboten, diesen für die Geschichte des Psalmenstils hochwichtigen Satz abzuschreiben. Der junge Mozart zeichnete ihn aber 1770 aus dem Gedächtnis auf. Im J. 1771 zuerst gedruckt (und zwar von Burney), ist der Satz seit dieser Zeit immer wieder aufgelegt worden. Von den übrigen Kompositionen A.s sind nur einige Lamentationen und Motetten neu gedruckt. - Vgl. R. Eitner, Verzeichnis neuer Ausgaben alter Musikwerke (1871).

Allēgro (ital., abgekürzt All<sup>o</sup>), d. i. geschwind, munter, hurtig, bezeichnet den vierten Hauptgrad musikalischer Bewegung (s. Adagio), ist aber in Bezug auf das Zeitmaß selbst mehr als jeder andere musikalische Bewegungsgrad verschiedenen Abstufungen unterworfen, die durch eine Anzahl von Beiwörtern angedeutet werden, wie z. B. A. assai, A. di molto, sehr schnell und lebhaft; A. moderato, mäßig schnell; A. ma non troppo, nicht zu schnell, u. a. m. In betreff der charakteristischen Erfindung und des Vortrags bildet ein A. den direkten Gegensatz früher zum Largo, jetzt zum Adagio; der Gang der Melodie im A. ist frisch, feurig, die rhythmischen und dynamischen Accente sind kräftig und markiert, die Passagen brillant. Da sich das A. mit dem Ausdrucke sehr verschiedener Empfindungen verträgt, so wird sich auch der Vortrag je nach dem Charakter und dem besondern Inhalte des betreffenden musikalischen Satzes ändern müssen. Die Art und Weise des Vortrags wird dann wiederum durch gewisse Beiwörter angedeutet, wie: A. vivace, lebhaft; A. maestoso, würdig, erhaben; A. scherzando, scherzend, neckend u. s. w. Außerdem bezeichnet A. aber auch ein ganzes für sich bestehendes Musikstück oder auch einen, gewöhnlich den ersten, Satz größerer Instrumentalstücke, Sinfonien, Quartette, Sonaten, Konzerte u. s. w., der in geschwinderer Bewegung, im Gegensatz zum nachfolgenden Adagio oder Andante, vorgetragen werden soll. Allegretto bezeichnet eine etwas langsamere und weniger schwungvolle Bewegung als A.

Alleinberechtigung, die einer (physischen oder juristischen) Person allein, mit Ausschluß aller übrigen, zustehende Befugnis. Der Ausdruck kann im Gegensatze zu "Mitberechtigung" gebraucht sein, oder auch hervorheben sollen, daß der Berechtigte etwas (thun oder lassen) dürfe, was andere nicht dürfen. Insbesondere gehören hierher das Monopol (s. d.) und das Privilegium (s. d.).

Alleinseligmachende Kirche. Da die Bekenner bestimmter, auf göttliche Offenbarung zurückgeführter Religionen die eigenen religiösen Vorstellungen als ausschließliche göttliche Wahrheit betrachten, stellen sie zugleich den eigenen Glauben fremden Glaubensmeinungen als den alleinseligmachenden gegenüber. So machte schon das älteste Christentum die alleinseligmachende Kraft des Evangeliums von Jesus Christus geltend (Apostelgesch. 4,12). Es war dies zunächst die Aussage über eine unmittelbare Gemütserfahrung, die aber auch auf die bestimmten Dogmen oder auf die Formen, in denen den Christen die neue religiöse Erfahrung aufgegangen war, übertragen wurde. Daher kam es, daß jede kirchliche Partei ihre eigene Lehrüberlieferung für unfehlbar und diejenige Sonderkirche, die diese Lehre besaß, samt ihren Ordnungen und Institutionen (Gnadenmitteln) für alleinseligmachend erachtete. So bildete sich bereits gegen Ende des 2. Jahrh. der Begriff und Name "Katholische Kirche" und zugleich der Begriff des ausschließlichen Heils in ihr aus. Die Kirchenversammlungen statteten ihre Glaubensbekenntnisse regelmäßig mit Verdammungsformeln gegen Andersdenkende aus, und die Staatsgewalt lieh den priesterlichen Bannsprüchen freiwillig den weltlichen Arm. Gleichzeitig gewöhnte man sich, außer den "Ketzern", die in der Lehre abwichen, auch die sog. "Schismatiker", die in Fragen der Verfassung, des Kultus und der Sitte der herrschenden kirchlichen Autorität den Gehorsam weigerten, des ewigen Heils für verlustig zu erklären. Besonders im Abendlande, wo man seit dem 5. Jahrh. die Verbindung mit der Kirche von Rom als das Hauptmerkmal der Zugehörigkeit zur Kirche Christi zu betrachten begann, wurde der Satz, daß außerhalb der kath. Kirche kein Heil sei, nicht bloß von Päpsten wie Leo d. Gr. und Gregor d. Gr., sondern auch von namhaften Kirchenlehrern, wie Augustinus, ausgesprochen. Hieraus ergaben sich für die röm.-kath. Kirche die Sätze von selbst: "Außerhalb des kath. Glaubens kann niemand selig werden" (Professio fidei Tridentinae); "Ohne den kath. Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen" (Tridentiner Konzil, Sitzung 5); "Wenn jemand entgegen diesen Beschlüssen (des Tridentimer Konzils) lehrt oder denkt, so sei er verdammt" (Sitzung 25). Alle Heiden und Ketzer, d. h. Nichtkatholiken, sind daher selbstverständlich nach kath. Dogma verdammt.