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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ancona; Ancre

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Ancona - Ancre

regiment, 1., 7., 8., 12. bis 16. Compagnie des 25. Festungs-Artillerieregiments, Seehandel, Schifffahrt, Schiffbau, Fabrikation von Seidenwaren, Segeltuch und Papier. Die Stadt ist schlecht und eng gebaut, in neuester Zeit jedoch durch Anlagen breiter Straßen vom Hafen aus vielfach verschönert. Auf dem schonen, von Trajan erbauten Molo (650 m lang) befindet sich der 115 n. Chr. errichtete, 14 m hohe Triumphbogen Trajans aus weißem Marmor, während der neue Molo einen plumpen Bogen (Arco Clementino) aus Backsteinen trägt zu Ehren des Papstes Clemens XII., der die Stadt 1732 mit Hafenanlagen und Festungswerken umgab. Auch verdienen Erwähnung die Kathedrale San Ciriaco, in Form eines griech. Kreuzes, aus dem 11. und 12. Jahrh., an der Stelle eines Tempels der Venus Marina, mit dem prächtigen Sarkophag des Titus Gorgonius, Prätors von A., in der Krypta, die Kirche Sta. Maria della Piazza mit reicher Façade aus dem 13. Jahrh., das schöne, reiche Portal (1456) von Sant' Agostino, einer 1338 errichteten Kirche, die Kirche San Domenico (von 1470, 1788 erneuert), die prächtige spätgotische, 1443 begonnene Börse (mit Fresken von Tidaldi, 1557) und San Francesco delle Scale, jetzt Bürgerhospital, mit herrlichem spätgot. Portal von 1455, ferner das um 1270 erbaute Stadthaus. A. besitzt einen schönen, seit alter Zeit gerühmten Hafen mit 8 m Tiefgang, der 1732 zum Freihafen erklärt wurde. Durch Versandung desselben unter der päpstl. Regierung sank der einst blühende Handel des Platzes nach dem Orient und dem ganzen Mittelmeer. Seit 1860 hat die ital. Regierung die Wiederherstellung der Hafenanlagen mit Erfolg betrieben, die Befestigungswerke verstärkt und A. zum Kriegshafen und zur Flottenstation für die adriatischen Küsten erhoben. Kleinere Schiffe können jetzt direkt am Quai laden und löschen. Der Schiffsverkehr betrug 1888: 2192 Schiffe mit 842 135 t, darunter 846 Dampfer mit 782 607 t. Unter den Dampfschiffverbindungen A.s mit Griechenland und der Levante sind hervorzuheben die Linien Triest-Konstantinopel und Triest-Alexandria, die beide einmal wöchentlich A. anlaufen; ferner die Linie von Genua, welche die meisten ital. Häfen berührt, und eine Verbindung mit Liverpool. A. wird regelmäßig angelaufen von den Dampfern der Navigatione Generale Italiana, der Peninsular and Oriental Company und des Österreichisch-Ungarischen Lloyd. A. liegt an den Eisenbahnlinien Ala-A.-Otranto (1022 km) und A.-Foligno-Orte (213 km) des Adriatischen Netzes. Die Einfuhr besteht meist aus Stockfisch, Klippfisch, Kaffee (via Deutschland), Eisen u. s. w.; Weizen (aus Rußland, 1887: 10 000 Quintal), Rohzucker (aus Rußland, 1891: 13 365 395 kg), Holzkohlen (aus Österreich-Ungarn, 1888: 21 967 Quintal). Die Ausfuhr ist unbedeutend. Konsulate haben in A.: Argentinien, Belgien, Chile, Columbia, Costa-Rica (Generalkonsulat), Dänemark, Deutsches Reich (für die Provinzen Pesaro-Urbino, A., Macerata, Ascoli, Teramo, Chieti), Ecuador, Guatemala, Niederlande, Österreich-Ungarn, Paraguay, Peru, Portugal, San Marino, Schweiz, Türkei, Uruguay und Venezuela.

Geschichte. A., das einstige Ancona Dorica (Ankón, "Ellbogen", von seiner Lage genannt), durch Syrakusaner 380 v. Chr. als die einzige griech. Stadt in Mittelitalien gegründet, kam 268 an die Römer und ward im 1. Jahrh. v. Chr. röm. Kolonie und Flottenstation gegen die Illyrier. Trajan erweiterte den Hafen der durch Handel und Gewerbe (Purpurfärberei) bedeutenden Stadt; unter oström. Herrschaft wurde A. vom Gotenkönig Totila erobert, aber von Belisar 551 zurückgewonnen. Die Langobarden, die es 592 eingenommen, nötigte Pippin, die Stadt an den Papst abzutreten. Nachdem A. sich 1143 wieder der Schutzherrschaft Ostroms unterstellt hatte, wurde es 1167 von Friedrich Barbarossa, 1174 von Rainald von Dassel und den Venetianern vergeblich belagert. Durch den Frieden zu Konstanz 1183 von Byzanz losgelöst, ward es Hauptstadt der dem Papst lehnsunterthänigen Mark A. Dann kam es unter die Schutzherrschaft Karls von Anjou, von dem es die drei Lilien im Wappen führt. Es hatte in der Folge wiederholt mit Venedig und den benachbarten Welfenstädten zu kämpfen. Nach der Pest 1348 und einem verheerenden Brande machten sich die Malatesta zu Herren über A., wurden aber schon 1353 von Fra Monreale niedergeworfen und A. durch Albornoz 1357 dem Kirchenstaat einverleibt. 1383 wieder selbständig geworden, wurde es 1443 durch Francesco Sforza vorübergehend zur Lehnsunterthänigkeit gezwungen. 1532 brachte es L. Gonzaga durch Verrat an den Kirchenstaat, bei dem es, durch eine Citadelle befestigt, fortan blieb. Clemens XII. suchte vergeblich 1732 durch kostspielige Hafenbauten A. zu einem bedeutenden Handelsplatz zu machen. Im Frieden zu Tolentino (23. Febr. 1797) von Pius VII. abgetreten und zur Republik erklärt, mußte es sich 13. Nov. 1799 den Österreichern ergeben. 1805 von den Franzosen wieder besetzt, kam A. 1808 an das Königreich Italien und wurde 1815, nach Schleifung der Festungswerke durch die Österreicher, an den Kirchenstaat zurückgegeben. 1849 drangen die Österreicher in die Marken ein und zwangen das von Aufständischen besetzte A. nach einem heftigen Bombardement (24. Mai bis 19. Juni) zur Kapitulation. Seitdem hielten sie es besetzt, gaben es aber 1859 nach der Schlacht von Magenta auf. Nach dem Siege der Piemontesen bei Castelfidardo (18. Sept. 1860) warf sich Lamoricière mit dem Rest des päpstl. Heers nach A., mußte sich aber nach zweitägiger Beschießung 29. Sept. ergeben. Mit Umbrien und den Marken wurde auch A. 17. Dez. 1860 dem Königreich Italien einverleibt. - Vgl. Tenckhoff, Der Kampf der Hohenstaufen um die Mark A. (Paderb. 1893).

Ancona, Alessandro d', s. D'Ancona.

Ancre (spr. angkr), Baron von Lussigny, Marschall d', eigentlich Concino Concini, ein Florentiner, aus senatorischem Geschlecht, kam empor durch den Einfluß, den seine Gattin Leonora Dori, genannt Galligai, auf Maria von Medici, die Gemahlin Heinrichs IV. von Frankreich, ausübte. Als nach der Ermordung des letztern (1610) der Königin die Regentschaft zufiel, wurde Concini Marquis von A., Marschall von Frankreich, und hielt die Zügel der Regierung in seiner Hand. Im Interesse der Königin und somit des Königtums widerstand er dem Ehrgeize der Großen; aber auch dem jungen Ludwig XIII. machte er sich verhaßt, und so gelang es den Mißvergnügten, mit Vorwissen des Königs, eine förmliche Verschwörung gegen das Leben A.s zu bilden. Als A. am Morgen des 14. April 1617 den Louvre betrat, schoß ihn der Kapitän der Garde, Vitry, nieder. Das Volk zog den Leichnam nach einigen Tagen hervor, schleifte ihn durch Paris, zerstückelte und verbrannte ihn an der Statue Heinrichs IV. Seine Gemahlin wurde der Zauberei angeklagt, verurteilt und 8. Juli 1617 hingerichtet.