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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Arbeiter

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Arbeiter

sonders die geistige A. in ihren originalen Produkten durch Anerkennung des geistigen Eigentums im Urheberrecht (s. d.), durch Gewährung des Patentschutzes (s. Patentrecht) und Musterschutzes (s. d.) gegen fremde Ausbeutung geschützt und so ihre angemessene Verwertung gesichert.

Arbeiter ist ein jeder, welcher an der wirtschaftlichen Produktion, an der Wertschaffung thätig teilnimmt. Allein in einem engern, wenngleich gebräuchlichern Sinne bezeichnet man als A. oder Arbeitnehmer diejenigen, welche von Arbeitgebern (Unternehmern, Fabrikanten) gegen Lohn mit einer Arbeit beschäftigt werden, bei der die körperliche Thätigkeit stark überwiegt, mithin Tagelöhner, Fabrikarbeiter, Gesellen u. s. w. Die hier besonders in Betracht kommenden A. sind die Lohnarbeiter in den Gewerben der Stoffgewinnung (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei, Bergbau u. s. w.) und in den Gewerben der Stoffherrichtung (Handwerk und Fabrikation). Die Gesamtheit dieser A. bildet den Arbeiterstand, die arbeitende Klasse.

Eine genaue Feststellung der Zahl der in den Kulturstaaten thätigen A. ist nicht möglich. Noch am ehesten kann dies für Deutschland geschehen, und zwar nach der Berufszählung vom 5. Juni 1882. Diese Zahlen sind aber nur annähernd richtig, weil unter den gezählten A. sich auch solche befinden, die selbständige Lohnarbeiter in Hauswirtschaften sind, ferner alle selbständigen kleinen Landwirte, welche zugleich landwirtschaftliche Tagelöhner sind, ebenso alle in der Hausindustrie selbständig Erwerbsthätige; andererseits sind einzelne an sich zu den A. gehörige Arbeitergruppen nicht mit aufgenommen. Nach der erwähnten Berufszählung waren von der Gesamtbevölkerung (45 222 113 Personen) 17 632 008 (39 Proz.) Erwerbsthätige, 1 354 486 Personen (3 Proz.)waren berufslose Selbständige und Anstaltsinsassen, auch in Berufsvorbereitung Begriffene, Dienste und 24 910 695 (55,1 Proz.) Angehörige. Unter den Erwerbsthätigen waren A. in:

^[Tabelle]

Erwerbszweig Arbeiter

Landwirtschaft (mit Ausschluß der Familienangehörigen) 3 867 000

Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei 80 000

Industrie, Bergbau und Bauwesen 4 430 000

Handel und Verkehr (einschließlich Gast- und Schankwirtschaft) 727 000

Häuslichen Dienstleistungen und Lohnarbeit wechselnder Art 398 000

Zusammen 9 502 000

^[Tabellenende]

Unter den 3 867 000 landwirtschaftlichen A. waren 1 326 000 weibliche A. oder 34 Proz.; unter den 4 430 000 "industriellen" A. etwa 340 000 Hausindustrielle und etwa 545 000 weibliche A. Von den A. <än häuslichen Dienstleistungen und Lohnarbeit wechselnder Art" wie von den 1 325 000 "dienenden für häusliche Dienste" waren die große Mehrzahl weibliche A., nämlich 86 Proz. und 95 Proz. Geben diese Zahlen nur ein ungefähres Bild, so ist weiterhin zu berücksichtigen, daß die A., welche hier statistisch zusammengefaßt worden sind, keineswegs gleichartig sind, auch nicht gleiche Interessen besitzen. Der ländliche A., der Tagelöhner, der Fabrikarbeiter, der Handwerker, welcher sich vielleicht sogar dem Künstler nähert u. s. w., stehen infolge ihrer Thätigkeit, ihres Erwerbs, ihrer Bildung auf sehr verschiedener socialer Stufe, so daß man nicht von einer Arbeiterklasse sprechen kann. Dies ist oft verkannt oder nicht gehörig beachtet worden. Innerhalb der großen sog. Arbeiterklasse scheiden sich die A. in sehr viele Unterklassen; jede derselben hat ihre besondern Verhältnisse in Bezug auf Angebot und Nachfrage, jede ihre besondere durchschnittliche Lohnhöhe, wr jede ist der gewohnte Lebensbedarf verschieden. Im allgemeinen scheidet man die A. in gelernte und ungelernte; nach dem Alter werden die in der Industrie thätigen in Kinder (Personen unter 14 Jahren), jugendliche A. (Personen von 14 bis unter 18 Jahren, vereinzelt bis unter 16 Jahren) und Erwachsene, nach dem Geschlecht in männliche und weibliche A. unterschieden. Über die Kinder und jugendlichen A. hat die Berufszählung von 1882 keinen genauern Aufschluß gegeben. Es wurden ermittelt unter den Erwerbsthätigen 2,0 Proz. unter 15 Jahren und 16,3 Proz. 15 bis unter 20 Jahre alte Personen. In den Jahresberichten der Fabrikinspektoren finden sich Angaben über die in Fabriken und gewerblichen Anlagen beschäftigten Kinder und jungen Leute. Danach sind etwa 22 000 unter 14jährige und 135 000 14-16jährige in Fabriken u. s. w. beschäftigt.

Die Vorbildung der A. ist eine äußerst verschiedene. Der "ungelernte A.", welcher Arbeitsleistungen verrichtet, die keine besondere technische und geistige Ausbildung voraussetzen, die jeder vornehmen oder doch in kurzer Zeit erlernen kann, hat nur die in den Volksschulen gelehrte Elementarbildung notdürftig genossen, während der "gelernte A." eine längere oder kürzere Lehrzeit durchgemacht, auch vielfach in gewerblichen Fortbildungsschulen sich weitere Kenntnisse erworben hat. Letztere dienen zur theoretischen Fachbildung vornehmlich für künftige Kleinmeister, Gesellen, gelernte Fabrikarbeiter, Werkführer und Meister in Fabriken. Andere A., vor allem im Handwerk, haben auch wohl specielle gewerbliche Fortbildungsschulen (niedere Fachschulen) oder Lehrkurse durchgemacht, welche zur theoretischen Ausbildung der Angehörigen eines Gewerbes oder verwandter Gewerbe von Innungen oder andern gewerblichen Korporationen begründet sind.

Unter den verschiedenen Arbeiterklassen ist die zahlreichste die der ungelernten A. Diese A. häufen sich in den Industriemittelpunkten an, in allen möglichen gewerblichen Unternehmungen können sie Beschäftigung finden, sie können jederzeit die Unternehmungsarten, in denen sie arbeiten, wechseln, weil überall von ihnen nur eine Äußerung ihrer natürlichen physischen und geistigen Kraft gefordert wird. Die wirtschaftliche und sociale Lage dieser A. war und ist vielfach eine wenig befriedigende. An ihrer Verbesserung arbeiten alle um das Wohl der Gesamtheit bemühten Kräfte in Staat, Kirche und Gesellschaft. Über die Bestrebungen zur Hebung des Arbeiterstandes in wirtschaftlicher, sittlicher und socialer Hinsicht s. Sociale Frage.

Geschichte. In der antiken Volkswirtschaft, wenigstens bei den Griechen und Römern, waren die unselbständigen Handarbeiter in der Landwirtschaft, im Bergbau, in den Gewerben und im Handel zumeist Sklaven. Bei den german. und andern europ. Völkern lag auf niederer Wirtschaftsstufe die landwirtschaftliche und die nur geringfügige gewerbliche Arbeit unfreien, hörigen A. ob. Erst mit dem Aufkommen der Städte wird das Handwerk von