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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bilderdijk; Bilderdruck; Bilderfeinde; Bilderkapitäl; Bilderrätsel; Bilderreime; Bilderschrift

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Bilderdijk - Bilderschrift

und Kniebeugen Verehrung zu erweisen. Allein diese Entscheidung wurde durch den energischen Bilderfeind Leo V. den Armenier (813-820) auf einer Synode zu Konstantinopel (815) den Mönchen und ihrem fanatischen Führer, Theodorus Studita, zum Trotze wieder aufgehoben, und auch Theophilus (829-842) erließ strenge Maßregeln gegen die Bilderverehrung. Dagegen erneuerte und bestätigte die Kaiserin Theodora als Vormünderin Michaels III. (842-867) die Beschlüsse von 787 auf einer Synode zu Konstantinopel 842, und 19.Febr. gleichen Jahres wurden die Bilder feierlich in die Kirchen zurückgeführt, welcher Tag seitdem in der griech. Kirche als Fest der Orthodoxie gefeiert wird. Auch die lat. Kirche schloß sich der zu Nicäa aufgestellten Theorie an, obschon die frank. Kirche in den «Libri Carolini» (bestätigt auf den Synoden zu Frankfurt 794 und Paris 825) jeden Bilderdienst für Abgötterei erklärte und die Bilder nur zur Ausschmückung der Gotteshäuser und zur Beförderung der Andacht wollte gelten lassen. So bestimmte denn auch die Kirchenversammlung zu Trient, die Bilder Christi, der Gottesgebärerin und der Heiligen sollten in der Kirche beibehalten und ihnen die schuldige Ehrfurcht und Verehrung erwiesen werden. Der Protestantismus verwarf allerdings den Dienst der Heiligen und Bilder; allein Luther mit der luth. Kirche erklärte die Bilder als kirchlichen Schmuck für Adiaphora (gleichgültig) und ließ die Bilder meist in den Kirchen, während die reform. Kirche sie beseitigt hat. Über die Bilderstürmer während der Reformation s. Reformation. - Vgl. F. C. Schlosser, Geschichte der bilderstürmenden Kaiser (Frankf. 1812); Marx, Der Bilderstreit der byzant. Kaiser (Trier 1839; vom röm.-kath. Standpunkte); Wessenberg, Die christl. Bilder, ein Beförderungsmittel des christl. Sinnes (2 Bde., Konstanz 1827; neue Ausg., St. Gallen 1845); Piper, Über den christl. Bilderkreis (Berl. 1852); ders., Mythologie und Symbolik der christl. Kunst, Bd. 1 (Weim. 1847-51); Lüdtke, Die Bilderverehrung und die bildlichen Darstellungen in den ersten christl. Jahrhunderten (Freib. i. Br. 1874); Schwarzlose, Der Bilderstreit, ein Kampf der griech. Kirche um ihre Eigenart und Freiheit (Gotha 1890

Bilderdijk (spr. -deik), Willem, niederländ. Dichter und Gelehrter, geb. 7. Sept. 1750 zu Amsterdam, studierte zu Leiden die Reckte und praktizierte dann im Haag. Beim Einbrüche der Franzosen verließ er als Anhänger des Erbstatthalters sein Vaterland, begab sich nach London, später nach Braunschweig und kehrte 1806 in die Heimat zurück, wo er Bibliothekar des Königs und Sekretär des Holland. Nationalinstituts wurde. Nack längerm Aufenthalte in Leiden ging er nach Haarlem, wo er 18. Dez. 1831 starb. B. zeigte in allen Richtungen der Poesie große Technik und in seinen Prosaschriften eine erstaunlich vielseitige Gelehrsamkeit. Von seinen didaktischen Dichtungen sind die bedeutendsten: «Buitenleven» (2. Aufl., Rotterd. 1821), eine Bearbeitung von Delilles «L'homme des champs», «De ziekte der geleerden» (2. Aufl., ebd. 1829) und «De mensch» (Zwolle 1808, Rotterd. 1829), eine Umdichtung von Popes «Essay on man». Die Blüte seiner Lyrik bilden «Hollands verlossing» (2 Bde., 2. Aufl., Amsterd. 1833), die Hymne «Willem Frederik» (1815), «Wapenkreet» (1815) und «Vaderlandsche uitboezemigen» (Leid. 1815). In spätern Jahren schrieb B. die unvollendete epische Dichtung «De ondergang der eerste wereld» (Amsterd. 1820; letzte Ausg. ebd. 1880). Diesen Hauptwerken schließen sich zahlreiche Sammlungen kleinerer Dichtungen an. Seine Poesien zeigen Reichtum an Gedanken und Korrektheit des Ausdrucks, doch fehlt es ihnen oft an Innigkeit und Frische. Wenig bedeutend sind seine «Treurspelen» (3 Bde., Leid. 1809). «De geestenwereld» und «Het waarachtig goed», erst nach B.s Tode von David (Amsterd. 1843) herausgegebene Dichtungen, verdeutschte Quack (Stuttg. 1853). Eine Gesamtausgabe seiner «Sichtwerken» besorgte da Costa (16 Bde., Haarlem 1856-59). B. betrieb auch das theoretische Studium der Muttersprache. Von einschlägigen Schriften sind hervorzuheben: die «Verhandeling over de geslachten der naamwoorden» (1805, 1818), «Taal-en dichtkundige verscheidenheden» (4Bde., 1820-23), «Geslachtlijst der zelfstandige Nederduitsche naamworden» (2 Bde., 1822; 2. Aufl., 3 Bde., 1832-34), «Nieuwe taal-en dichtkundige verscheidenheden» (4 Bde., 1824-25), «Nederlandsche spraakleer» (1826). Der vaterländischen Geschichte widmete er in der absolutistisch gehaltenen «Geschiedenes des vaderlands», nach seinem Tode von Tydeman (12 Bde., Leid. 1832-39) herausgegeben, eine ausführliche Darstellung. - Vgl. da Costa, Overzicht van het leven en de werken van B. (Amsterd. 1844); ten Kate, B. en da Costa (ebd. 1862); Gorter, Bilderdijk (ebd. 1871). - B.s zweite Gattin, Katharine Wilhelmine B., geborene Schweickhardt, geb. 3. Juli 1777 im Haag, gest. 16. April 1830 in Haarlem, widmete sich mit Erfolg der Malerei und Dichtkunst. Unter ihren als «Dichtwerken» (2 Bde., Amsterd. 1859) gesammelten Poesien sind «Overstrooming van Gelderland» (1809), «Gedichten voor kinderen» (Amsterd. 1813) und die Tragödie «Elfride» geschätzt.

Bilderdruck, s. Farbendruck.

Bilderfeinde, Bilderfreunde, s. Bilderdienst

Bilderkapitäl, das besonders im roman. Stil häufig vorkommende Kapital (s. d.), das mit lebenden Wesen oder fabelhaften Phantasiegebilden verziert ist

Bilderrätsel, s. Rebus.

Bilderreime, gereimte Gedichte, bei denen die Worte in den einzelnen Zeilen oder Versen derartig abgemessen und gewählt sind, daß dadurch in Druck oder Schrift irgend ein Bild (Altar, Säule, Pyramide, zweigipfliger Parnaß, Kreuz, sogar Wappenfiguren u. s. w.) entsteht, also die Poesie dem Auge dienen soll. Schon die griech. Anthologie enthält mehrere derartige Erzeugnisse aus der Zeit der Alexandrinischen Poesie, die z. B. eine Hirtenpfeife, ein Beil, eine Pyramide, ein Ei, Flügel des Amor vorstellen (vgl. Häberlin, Carmina figurata graeca, Hannov. 1887). Durch J. C. Scaliger (s. d.), der diese Künstelei auffrischte, drangen die B. auch in die deutsche Renaissancelyrik des 17. Jahrh., wo sie namentlich die Pegnitzschäfer (Harsdörffer u. s. w.), auch Schottel u. a. pflegten.

Bilderschrift, Piktographie, die zur Gedankenmitteilung durch Bilder einst bei vielen Völkern übliche Schrift, die Vorstufe der Buchstabenschrift. (S. auch Schrift, Hieroglyphen, Keilschrift, Chinesische Sprache, Schrift und Litteratur.) Besonders entwickelt hat sie sich bei den indian. Stämmen und ist bei diesen auch bis in die jüngste Zeit noch im Gebrauch gewesen. Sie diente zu Briefen, geschichtlichen Aufzeichnungen und zur Versinnbildlichung gewisser Texte, Lieder und Gesänge, deren Wortlaut durch mündliche Überlieferung fortgepflanzt wurde.