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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bildhauerwerkstätte - Bildnerei

neue Punkte durch Messungen, die man auf dieselbe Weise auf den Stein überträgt; dies Verfahren wiederholt man so lange, bis alle wichtigern Punkte im Steine nach der Lage, die sie am Modell haben, angegeben sind. Der Bildhauer R. Toberenz in Berlin hat neuerdings eine Maschine erfunden, welche dieses Punktieren einfach und genau besorgt. Darauf beginnt erst die eigentliche Ausarbeitung des Steins, zuerst im Gröbern, hernach immer feiner. Die Instrumente zum Behauen des Steins sind der Meißel, von verschiedener Form und Benennung, der mit dem Hammer getrieben oder neuerdings auch als Druckluftmeißel (s. Preßluftwerkzeuge) angewendet wird, der Bohrer, den man für schärfere Tiefen nimmt, und die Raspel für die Ebnung des Steins; die weiche Glätte giebt man dem Bildwerk durch den Bimsstein. Politur wendete erst der Barock- und Empirestil an. Der Bemalung der Skulpturen bei den Alten, welche sowohl für figurale als architektonische Bildhauerarbeiten in Anwendung kam, wurde erst in neuerer Zeit wieder gebührende Aufmerksamkeit gewidmet. (S. Polychromie und Griechische Kunst.) - Über das Geschichtliche s. Bildnern und die betreffenden Abschnitte in den Artikeln über die Kunst der einzelnen Länder.

Bildhauerwerkstätte (Sculptor), ein kleines Sternbild der südl. Hemisphäre an der südl. Grenze des Sternbildes des Wassermanns und Walfisches.

Bildhauerwerkzeuge, s. Bildhauerkunst und Holzbildhauerei.

Bildmeßkunst, soviel wie Meßbildverfahren, s. Photogrammetrie.

Bildmikroskop oder objektives Mikroskop, ein optisches Instrument, das dazu dient, die vergrößerten und reellen Bilder sehr kleiner Gegenstände im Verein mit einem Projektionsapparat (s. d.) auf eine weiße Wand oder auf einen weißen Auffangschirm zu werfen, damit jene Bilder von einem größern Publikum gleichzeitig wahrgenommen werden können. Das Instrument führt, je nach dem angewendeten Lichte, verschiedene Namen, wie Sonnen-, Hydrooxygengas-, Lampen-und photoelektrisches Mikroskop. (S. Mikroskop.)

Bildnerei, im allgemeinen die Kunst, aus Stein, Erz, Elfenbein oder auch aus andern Stoffen Gegenstände körperlich nachzubilden, deren Vorbilder in der Natur vorhanden sind oder der Phantasie ihren Ursprung verdanken. Diese Nachbildung geschieht, indem die Gegenstände teils in vollkommen freier, abgeschlossener Körperlichkeit dargestellt, teils nur durch geringere oder stärkere Hervorhebung aus der Fläche angedeutet werden (Relief, Basrelief, Hautrelief). Nach dem Material, dessen man sich zur Herstellung bildnerischer Werke bedient, und nach dessen Behandlungsweise teilt man die B. ein in die eigentliche Bildhauerkunst (s. d., Plastik, Skulptur), in die Bildgießerei (s. d.), in die Kunst getriebener Metallarbeiten oder Toreutik (s. d.), in die Bildschnitzerei (s. d.), in die Glyptik oder Steinschneidekunst (s. d.), in die Stempelschneidekunst (s. d.) u. s. w. Der Ursprung der B. im weitern Sinne geht in sehr frühe Zeiten zurück. Charakteristische Versuche, zu einer bildnerischen Darstellung zu gelangen, sind besonders in den Denkmälern auf mehrern Inseln des Großen Oceans, namentlich auf den Sandwichinseln, erhalten. Weitere Stufen der Entwicklung gewahrt man bei den Bildwerken der alten Völker im südl. und namentlich im mittlern Amerika. So zeigen die Werke der mexikanischen Skulptur schon volkstümliche Unterschiede, verschiedene Entwicklungsgrade, ja selbst schon die Ausartung einer national-altertümlichen Richtung. (S. Amerikanische Altertümer.) Eine höhere umfassende Anwendung der B. zeigt sich zuerst, und zwar sehr früh, bei den Ägyptern (s. Ägypten, Bd. 1, S. 245a). Ferner hat das westliche Asien in den Überresten des Altchaldäischen, Assyrischen und Babylonischen Reichs seit einem halben Jahrhundert massenhafte Bildnerei-Denkmäler Mesopotamiens der Forschung dargeboten (s. Babylonien, S. 234 b). Für die bildende Kunst bei den Persern sind die Denkmäler von Persepolis das Merkwürdigste; sie bestehen aus flachen Reliefs an Mauern und an Façaden der Felsgräber. In der Kunst der alten Inder erscheint mehr geistige Bewegung, mehr poet. Leben; einzelne von den Skulpturen der dortigen Felsentempel stehen auf einer hohen Stufe technischer Durchbildung.

Alle übrigen Völker des Altertums wurden in der B. durch die Griechen weit übertroffen. (S. Griechische Kunst.) Die Richtung des griech. Volksgeistes, welcher das Irdische als unmittelbaren Ausdruck des Göttlichen nahm und durch Läuterung oder Idealisierung des ersten das letztere anzudeuten strebte, fand in dieser Kunst ein vorzüglich angemessenes Feld zur Thätigkeit. Auch in ihr läßt sich eine stetige Fortentwicklung vom Typischen zum Erhabenen und Naturwahren, schließlich sogar zum Sinnlichen nachweisen.

Die griech. Kunst in ihrer spätern Gestaltung wurde nach Italien übertragen, nachdem bereits die Etrusker ihren poesielosen unschönen Realismus nach dem Vorbilde der griech. Kunst zu überwinden gestrebt hatten. (S. Etruskische Kunst.) An Stelle der etrusk. Künstler traten dann in Rom griech. Künstler in ihrer Nachblüte. So bezeichnet das 1. Jahrh. der röm. Kaiserzeit diejenige Periode, in der auch für den Luxus edle und geistvolle Werke im griech. Stile gearbeitet wurden, obgleich bei diesen Skulpturen die griech. Naivetät mehr und mehr zu verschwinden beginnt. In der Zeit Hadrians finden wir noch einen hellenistischen Aufschwung der B., nach ihm sinkt sie schnell, und unter Konstantin erscheint sie bereits völlig entartet.

Gleichzeitig treten die ersten Leistungen christlicher B. hervor. Da in der altchristlichen Kunst (s. d.) sich von vornherein die Malerei als die eigentlich monumentale Kunstgattung zeigt, so spielt die B. eine mehr untergeordnete Rolle und wird mehr zu dekorativen Zwecken verwandt. In den Kulturländern des Mittelalters entwickelte sich meist aus antiken Anregungen eine nach den nationalen Eigenschaften der Hauptvölker sich verschiedenartig äußernde B. Im 12. und 13. Jahrh. erreichte diese sowohl in Frankreich (s. Französische Kunst), in Italien (s. Italienische Kunst) als auch in Deutschland (s. Deutsche Kunst) einen Höhepunkt, der teils mit dem roman., teils mit dem got. Stile der Baukunst zusammenfällt. Im 15. Jahrh. nahm die B. einen lebhaften Aufschwung, wobei sie im Norden einstweilen noch in den bisherigen Formen beharrt, in Italien aber an antiken Formen sich aufrichtend zur Renaissance (s. d.) übergeht und nun bei kräftigem Individualismus der Künstler schnell jene höchste Stufe des neuern Schaffens erreicht, welche durch Michelangelo Buonarroli bezeichnet wird.

Der individualistische Künstlergeist steigerte sich schnell zu einer starken Willkür in den Formen und zu unerquicklicher Formenüberladung, indem seit