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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blütenstaub; Blütenstecher; Blütensträucher; Blütentange; Blutentziehung; Bluter; Bluterguß; Bluterkrankheit

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Blütenstaub - Bluterkrankheit

Ähren, deren Hauptachse holzig entwickelt und fest ist, heißen Zapfen (strobilus, Fig. 10). Ist die Hauptachse stark verkürzt und schließen die einzelnen Verzweigungen mit Blüten ab, ohne sich selbst weiter zu verzweigen, so heißt der B. eine einfache Dolde (umbella simplex, Fig. 5). Ist die Hauptachse stark verkürzt und sind Blütenstiele wenig entwickelt, sodaß die Blüten dicht der kegel-, walzen- oder scheibenförmigen Hauptachse aufsitzen, so bezeichnet man den B. als Köpfchen (capitulum, Fig. 6 und 7); solche B. haben z. B. sämtliche Kompositen. Zu den racemösen Inflorescenzen gehören ferner die B., in denen an Stelle der Blüten wiederum racemöse B. stehen; es sind dies sog. zusammengesetzte Inflorescenzen (vgl. die schematischen Fig. 14 a-c). So kann an Stelle jeder Verzweigung einer Traube oder Ähre wieder eine Traube oder eine Ähre stehen und man hat dann eine Rispe oder eine zusammengesetzte Ähre (Fig. 15 und 17); ebenso kann bei der Dolde an Stelle jeder Blüte wiederum eine Dolde stehen, der B. heißt dann eine zusammengesetzte Dolde (Fig. 16), wie sie z.B. in der Familie der Umbelliferen vorkommen; auch können an Stelle der Verzweigungen einer Traube andere Formen der racemösen B. stehen, z.B. Köpfchen, ebenso können Köpfchen zu einer Doldentraube u. s. w. vereinigt sein. Es ist leicht ersichtlich, daß auf diese Weise sehr zahlreiche Kombinationen von Inflorescenzen möglich sind.

Die sympodialen B. zerfallen ebenfalls in mehrere Unterabteilungen. Verzweigt sich die Hauptachse in der Weise, daß die Äste nach verschiedenen Richtungen hin gehen, und findet die Verzweigung der Seitenäste ganz auf dieselbe Art statt, so bezeichnet man die Inflorescenz als eine Trugdolde (cyina) und unterscheidet nach der Anzahl der Verzweigungen zweierlei Trugdolden; sind mehrere Seitenäste vorhanden, so nennt man dieselbe ein Pleiochasium, werden dagegen bloß zwei und zwar gegenständige Seitenäste gebildet, so heißt die Inflorescenz ein Dichasium. Zu den erstern gehören z.B. die B. von Euphorbia (Fig. 12), Sedum u. a.; Dichasien treten auf bei den Gattungen Cerastium (Fig. 13), Silene u. a. Bildet dagegen die Hauptachse immer bloß eine Verzweigung und ebenso dieser Seitenast nur einen weitern Inflorescenzzweig u. s. w., so entstehen sog. Monochasien, unter denen man gleichfalls verschiedene Formen unterscheidet, je nachdem die Verzweigungen immer nach derselben Seite oder abwechselnd nach verschiedenen Seiten erfolgt.

Ebenso wie bei den Monopodien können nun auch bei den Sympodien zusammengesetzte B. sowohl durch Kombination zweier gleichartiger als auch zweier ungleichartiger Formen vorkommen, und außerdem kann auch eine Vereinigung von Monopodien und Sympodien auftreten; es kommt z. B. vor, daß die Seitenäste einer Traube Dichasien oder Pleiochasien sind. Der Formenreichtum in den B. ist deshalb ein sehr großer, wie aus dem Gesagten hervorgeht.

Blütenstaub, s. Pollen.

Blütenstecher oder Brenner (Anthonomus) heißt eine zahlreiche Gattung kleiner Rüsselkäfer, meist mit hellern Flecken oder Binden auf den bräunlichen Flügeldecken, deren Weibchen im ersten Frühjahr die Knospen der Bäume anstechen und in das Loch ein Ei legen. Aus dem Ei entwickelt sich eine fußlose, hinten zugespitzte Larve, welche die Knospe ausfrißt; dadurch werden deren äußere Schuppen braun und sehen wie verbrannt aus, woher der Name "Brenner". Der Apfelblütenstecher (s. d., Anthonomus pomorum L.) und der Birnblütenstecher (Anthonomus pyri Schh.) verursachen oft großen Schaden in Obstgärten.

Blütensträucher, s. Strauch.

Blütentange, s. Rhodophyceen.

Blutentziehung oder Blutentleerung, die durch künstliche Eröffnung der Gefäße bewirkte Entfernung von Blut aus dem lebenden Organismus. Sie ist entweder allgemein oder örtlich. Die allgemeine B. wird durch Öffnung eines an der Oberfläche gelegenen größern Gefäßzweiges vorgenommen; dieser kann entweder eine Vene oder eine Arterie sein. Die Eröffnung einer Vene nennt man gewöhnlich Aderlaß (s. d.), die Eröffnung einer Arterie Arteriotomie. Bei den örtlichen B. wird das Blut nicht aus den größern Gefäßstämmen, sondern aus den Kapillargefäßen und der Substanz der Organe unmittelbar entleert, entweder mittels kleiner Einschnitte oder durch Blutegel (s. d.). Die Einschnitte macht man z. B. in die Mandeln, die äußere Haut, das Zahnfleisch u. s. w. mit einem Messer (Skarifikation) oder mittels besonderer Instrumente, wie der Schnepper (s. d.) und künstlichen Blutegel (s. d.), deren man sich beim Schröpfen (s. d.) bedient. Bei der örtlichen B. ist es notwendig, daß die Nachblutung einige Zeit unterhalten werde, entweder durch warme Bähungen, wie beim Skarifizieren und den Blutegeln, oder durch Saugapparate, wie beim Schröpfen durch Schröpfköpfe. Die nächste Wirkung der B. ist unmittelbare Entleerung des örtlich stockenden Blutes oder künstliche Heranziehung des Blutstroms, daher sie sowohl bei vorhandenen Kongestionen und Entzündungen einzelner Teile an diesen unmittelbar, als auch, wenn diese nicht zugänglich, an entferntern behufs der Ableitung sowie zum Ersatz unterdrückter oder stockender Blutungen angewendet werden. Die entferntere Wirkung ist eine allgemeine Herabsetzung des Blutdrucks in den Gefäßen und später ein Wässerigwerden des Blutes, weil an Stelle des verlorenen Blutes Wasser in die Blutgefäße aufgesaugt wird. Jede stärkere B. hat also eine Verdünnung und Verarmung des Blutes zur Folge und kann demnach zwar augenblicklich heilsam, später aber sehr nachteilig wirken. Es ist daher vor jeder größeren B. sorglich zu erwägen, ob nicht der spätere Schaden den augenblicklichen Nutzen überwiegen wird.

Bluter, an der Bluterkrankheit (s. d.) leidende Menschen.

Bluterguß, s. Blutung.

Bluterkrankheit, Blutsucht, Hämophilie oder Hämorrhophilie, die angeborene krankhafte Geneigtheit zu Blutungen verschiedener Art. Jede kleine Verletzung, ein Stich, ein Schnitt, das Ausziehen eines Zahns hat bei den sog. Blutern oder Hämophilen unstillbare Blutungen zur Folge; ein Schlag oder Stoß, in den höhern Graden der Krankheit schon ein leichter Druck, bewirkt Blutunterlaufungen und rote und blaue Flecke; außerdem zeigen sich häufig spontane Blutungen aus der Nase, dem Magen und Darm, den Geschlechtsteilen. Allen diesen Blutungen ist eigentümlich, daß sie durch die gewöhnlichen blutstillenden Mittel in der Regel nicht zum Stillstand gebracht werden können; vielmehr dauert das Bluten meist bis zur Erschöpfung des Kranken fort, wo dann die Schwäche der Herzthätigkeit demselben bisweilen ein Ziel setzt. Aber leicht beginnt die Blutung von