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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bonifacio - Bonifacius (Päpste)

B. hat stets nur widerwillig die Oberherrschaft der Niederländer anerkannt und wiederholt Versuche gemacht, dieselbe abzuschütteln, zuletzt 1858. Infolgedessen fand eine holländ. Expedition gegen B. statt und 1859 wurde die Hauptstadt B. von den Holländern eingenommen. Die Fürstin trat aber bald wieder feindlich gegen die niederländ. Regierung auf, und in einer zweiten Expedition wurde unter General van Swieten 23. Okt. B. und 24. Nov. Sindjai erobert. Die Fürstin flüchtete; ihr Thron wurde für verfallen erklärt, und 30. Jan. 1860 stellte die niederländ. Regierung einen neuen Fürsten auf, der 13. Febr. die Souveränität der Niederlande über das Reich B. anerkannte.

Bonifacio (spr. -fahtscho), Stadt, s. Bonifaciusstraße.

Bonifacius, weström. Feldherr, hatte sich zuerst 413 als Verteidiger von Massilia gegen Athaulfs Westgoten ausgezeichnet und nachmals 423 und 424 die afrik. Provinzen für die Regentin Placidia und ihren Sohn behauptet, als in Italien der Usurpator Johannes auftrat. Der auf sein Ansehen bei der Kaiserin eifersüchtige Aetius (s. d.) redete jedoch dem B. ein, daß Placidia damit umgehe, ihn zu töten. B. rief nun die Vandalen aus Spanien zu seiner Unterstützung nach Afrika, aber als König Geiserich 428 erschien, war Placidia über die Sachlage aufgeklärt und mit B. wieder versöhnt. Nun aber wollten die Vandalen Afrika nicht wieder verlassen, und in dem darüber entbrennenden Kriege verlor B. fast das ganze Land. 432 nach Italien zurückgekehrt, wurde er von Placidia an Stelle des Aetius zum Oberfeldherrn ernannt. Darüber kam es zwischen beiden Nebenbuhlern zum Kampfe, in dem B. Sieg und Leben verlor.

Bonifacius, Apostel der Deutschen, s. Bonifatius.

Bonifacius, Name von neun Päpsten:

B. I. (418-422), vom Kaiser Honorius unter Beseitigung des Gegenkandidaten Eulalius auf den päpstl. Stuhl erhoben, verfolgte die Pelagianer und geriet mit Kaiser Theodosius II. wegen der Oberherrlichkeit über die Bischöfe Illyriens in Konflikt. Er bezeichnete zuerst den röm. Bischof als den obersten der Christenheit. Die röm. Kirche verehrt ihn als Heiligen (25. Okt.). - B. II. regierte von 530 bis 532. - B. III. regierte nur vom 19. Febr. bis 12. Nov. 607 und war der erste röm. Bischof, dem (durch den griech. Kaiser Phokas) der Titel "Allgemeiner Bischof der Christenheit" eingeräumt wurde. - Ganz unbedeutend waren B. IV. (608-615), B. V. (619-625), B. VI. (15 Tage im J. 896). - B. VII. drang sich zweimal widerrechtlich auf, erst 974 durch den Einfluß der Partei des Crescentius (s. d.) nach der wahrscheinlich mit durch ihn veranlaßten Ermordung Benedikts VI., dann 984 nach der Ermordung Johanns XIV. Er wurde 985 in Rom ermordet.

B. VIII., vorher Benedikt Cajetan, Papst vom 24. Dez. 1294 bis 11. Okt. 1303, geb. zu Anagni, war rechtskundig und geschäftsgewandt, wurde Notar der röm. Kurie, 1281 Kardinal, von mehrern Päpsten in einflußreichen Ämtern und Sendungen verwendet und bestieg nach der Abdankung des von ihm völlig beherrschten Cölestin V. den päpstl. Stuhl. Seinen Vorgänger setzte er gefangen, die mächtige Familie der Colonna, die Cölestins Abdankung für unzulässig erklärte, bekämpfte er, konfiscierte ihre Güter und zerstörte ihre Stadt Palestrina. Sein Ziel war, die Grundsätze Gregors VII. (s. d.) zu verwirklichen, das Papsttum zur höchsten Macht zu erheben und die weltliche Gewalt ihm zu Füßen zu legen. Er verfolgte dies Ziel hartnäckig, aber ohne Erfolge, sodaß mit ihm der Niedergang der päpstl. Weltherrschaft beginnt. Venedig und Genua wiesen seine Friedensvermittelungen ab (1295), in Sicillen mußte er den König Friedrich II. von Aragonien anerkennen (1303), in Toscana bemühte er sich vergeblich, dem Kampfe der Schwarzen und der Weißen ein Ende zu machen. Den Ungarn versuchte er den neapolit. Prinzen Karl Robert als König aufzudrängen (1300); Wenzel II. von Böhmen verbot er, die Krone Polens anzunehmen (1300): Eduard I. von England lud er wegen der Eroberung Schottlands als Antastung eines päpstl. Lehns vor seinen Richterstuhl (1299), aber alles vergebens. Von Erfolg war nur seine Einmischung in Deutschland, wo Albrecht I. durch Verzicht auf alle kaiserl. Rechte die päpstl. Anerkennung erkaufte (1303). Von den weittragendsten Folgen war der Konflikt mit Frankreich. Als der Klerus von Frankreich und England sich beschwerte über die ihm zum Zweck der Kriegführung von Philipp IV. dem Schönen und Eduard I. auferlegten Steuern, bedrohte B. in der Bulle Clericis laicos vom 25. Febr. 1296 alle Fürsten, die ohne Einwilligung des Papstes die Geistlichen besteuerten, mit dem Bann. Eduard I. gab nach, Philipp IV. dagegen erließ als Antwort ein Verbot jeder Ausfuhr edler Metalle. Jetzt mußte B. nachgeben. Eine zweite Bulle, Ausculta fili, 1301, worin B. jeden für einen Ketzer erklärte, der nicht glaube, daß der König dem Papste wie in geistlichen, so in weltlichen Dingen unterworfen sei, wurde von Philipp damit beantwortet, daß er auf einem Reichstage zu Paris (10. April 1302) von Baronen, Prälaten und Vertretern der Städte erklären ließ, sie seien in weltlichen Dingen nächst Gott nur dem Könige unterworfen, und dieser trage seine Gewalt von niemand zu Lehn. Vergeblich suchte B. in der Bulle Unam sanctam vom 18. Nov. 1302 die Gregorianischen Grundsätze von der päpstl. Universalmonarchie zu erneuern, und sprach 13. April 1303 über Philipp Bann und Absetzung aus. Dieser appellierte an ein allgemeines Konzil und an den künftigen Papst und schickte seinen Kanzler Wilhelm Nogaret nach Italien, der, verbündet mit Sciarra Colonna, zu Anagni B. überfiel und ihn zwei Tage gefangen hielt. Dann befreiten ihn die Anagnaner und B. kehrte nach Rom zurück. Aus Furcht, vergiftet zu werden, hatte er während seiner Gefangenschaft sich der Nahrung enthalten und sich dadurch ein Fieber zugezogen, das ihn, 11. Okt. 1303, dahinraffte. B. war einer der ersten Päpste, die das röm. Erpressungssystem in Übung brachten; auch kam er durch die Erfindung des Jubeljahres (s. d.) der bedrängten päpstl. Kasse zu Hilfe. - Vgl. Drumann, Geschichte B.' VIII. (2 Tle., Königsb. 1852); Wattenbach, Geschichte des röm. Papsttums (Berl. 1876); Desjardins, La bulle Unam Sanctam (Lyon 1880); Digard, Faucon und Thomas, Les registres de Boniface VIII (2 Bde., Par. 1884 fg.).

B. IX., vorher Peter Tomacelli, aus Neapel gebürtig, Papst von 1389 bis 1404, ward als Nachfolger des schismatischen Papstes Urban VI. gewählt, während in Avignon Clemens VII. regierte. Trotz der Anstrengungen Frankreichs verschaffte er die Krone von Neapel dem jungen Ladislaus von Polen. Die Römer zwang er zum Verzicht auf ihre republikanischen Freiheiten, indem er nach zweimaliger Vertreibung. 1391 und 1394, nur unter