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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Brahmapur; Brahmaputra; Brahmaputrahuhn; Brahmaputravölker; Brahmatscharin; Brahmaveda; Brahmini; Brahmosomatsch

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Brahmapur – Brahmosomadsch

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Brahmanismus'

(s. Dschain). Auch die Anfänge des Mönchtums bilden sich in dieser Zeit aus. Die Norm für den Priester ist der Veda, der in priesterlichem Sinne gedeutet wird, und der Priester selbst tritt an die Spitze der Gesellschaft, als der «Gott auf Erden». Der Buddhismus und Dschainismus bezeichnen verschiedene Arten der Reaktion gegen diese Lehre, und unter ihrem Einflusse, sowie dem natürlichen Verlangen des Volks nach einem greifbarern Gott als dem unpersönlichen brahman bildete sich die dritte Stufe der brahmanischen Religion heraus, der Neo-Brahmanismus oder Hinduismus (s. d.).

Brahmapur, Stadt in der indobrit. Präsidentschaft Madras, s. Barhampur.

Brahmaputra, Name des dritten Hauptstroms von Indien. Der Lauf desselben zerfällt in drei verschieden genannte Teile oder Abschnitte, einen obern, mittlern, untern. Nur diesem letztern, innerhalb Indiens gelegenen Teil kommt eigentlich der von den europ. Geographen auf den ganzen Strom übertragene Name B. zu. Derselbe entspringt im westl. Tibet, unter 31° 30' nördl. Br. und 82° 5' östl. L., am nördl. Fuße des Himalaja, östlich von dem heil. See Manassarowar (s. d.), an dessen Westseite die Quellen des Indus und Satladsch gelegen sind, und durchströmt, Jaru, Jaru-Sangpo-tsiu, Matschang-Sangpo oder bloß Sangpo genannt, genau in der Richtung von W. nach O., nördlich gleichlaufend mit der Kette des Himalaja, das südl. Tibet in 1650 km. Seine beträchtlichsten Nebenflüsse in diesem obern Teile seines Laufs, sämtlich auf seinem linken oder nördl. Ufer gelegen, sind, von W. nach O. gezählt, der Tschatra-Sangpo, der Raka-Sangpo und der Kiho oder Kischo, an welchem Lhassa, die Hauptstadt von Tibet, gelegen ist. Hierauf macht der B. im südöstl. Teile von Tibet eine Krümmung gegen O., durchbricht alsdann, seinen Lauf von N. nach S. nehmend, unter dem Namen Dihong (Dihang) das hochgelegene, sich an das östl. Ende des Himalaja anschließende, unzugängliche und wenig bekannte Alpenland und tritt als B. in die ind. Landschaft Assam ein. Daß der Dihong wirklich eine Fortsetzung des Sangpo und die mittlere Strecke des B. sei, ist erst durch die Reisen ind. Pandits, durch die von T. T. Cooper («The Mishmee Hills: an account of a journey made in an attempt to penetrate Thibet from Assam etc.», Lond. 1873), durch R. Gordons Bericht über die «Hydrography and Hydraulics of the Irawadi», sowie durch Kapitän Harmans Reise längs des Sangpo wahrscheinlich gemacht. Nach seinem Eintritt in Assam vereinigen sich mit ihm, von Norden kommend, der Sanßiri und der Dibong, sowie von O. sich in ihn ergießend der Lohit (Brahmakund), den man früher für den obern Lauf des B. hielt. Diese Vereinigungsstelle liegt unter 27° 50‘ nördl. Br. und 95° 20‘ östl. L. Hier nimmt der B. die Richtung von O. nach SW. an, durchströmt ganz Assam in der Länge von 570 km, umzieht hierauf unterhalb der Stadt Goalpara in einem gegen SW. gerichteten Bogen das Garogebirge, tritt alsdann in die Ebene von Bengalen ein und durchströmt diese zuerst in südl., später in südöstl. Richtung. Nach einem Laufe von 386 km erhält er den Namen Meghna, empfängt 40 km weiter unten einen Teil des Ganges und tritt nach einem Laufe von noch 144 km mit drei, zur Bildung des östlichsten Teils der Sundarban mitwirkenden Hauptmündungen in das Meer. Der B. ist durch seinen Inselreichtum ↔ sowie durch An- und Abschwemmung von Land im großartigsten Maßstabe ausgezeichnet. Seine ganze Länge beträgt 2888 km, also genau soviel wie die des Indus, der Flächeninhalt seines Thals 395435 qkm. H. Schlagintweit fand den B. bei Gauhati, 26° 9' nördl. Br. und 91° 45' östl. L., 1509 m breit und 23,930 m tief. Er berechnete, daß in einer Sekunde 25330 cbm Wasser vorbeiflössen. Wie der Ganges als weibliche Gottheit, wird der B. als männliche, als Sohn des Brahma, von den Hindu für heilig gehalten und verehrt. Außer von den Dampfschiffen zweier engl. Gesellschaften wird der B. von einheimischen Segelschiffen befahren.

Brahmaputrahuhn, gewöhnlich bloß Brahmahuhn genannt, ist dem Cochinchinahuhn (s. d.) sehr ähnlich, doch stattlicher und schöner und unterscheidet sich wesentlich von diesem durch den dreireihigen, seicht ausgezackten Kamm, den sog. Erbsenkamm. Größe des Hahns 65–70 cm, selten darüber, Gewicht 5–7,5 kg; Henne: Gewicht 4–6,5 kg. (S. Tafel: Geflügel, Fig. 29.)

Brahmaputravölker, s. Lohitavölker.

Brahmatschārin, s. Brahmanen.

Brahmavēda, s. Atharvaveda.

Brahmĭnī, Fluß in Ostindien, s. Brahmani.

Brahmosomādsch, Brahmosomāj, ist der Name einer religiösen Sekte Indiens, welche 1830 von dem Brahmanen Rām Mōhan Roy (geb. 1774 bei Bardwān in Bengalen, gest. 1833 zu Bristol) gegründet wurde zu dem Zwecke, sich ohne besondere Kultusformen zu erbauen und unter Annäherung der verschiedenen Religionen Menschenglück zu befördern, Tendenzen, welche in Indien nicht neu waren und bereits Kaiser Akbar beschäftigt hatten. Ram Mōhan Roys Nachfolger wurde 1843 Dēbēndra Nath Tagōre, welcher einem reinen Deismus huldigte, während der später hinzugetretene Kēschab Chander Sēn sich zu einem geoffenbarten Deismus bekannte, wie er mehr dem religiösen als dem spekulativen Bedürfnis des Menschen entspricht. Kēschab brach entschieden mit dem Hinduismus; aber die von ihm angestrebten weitgehenden Reformen (Aufhebung der Kasten, obligatorische Ablegung der Brahmanenschnur, namentlich aber eine größere Freiheit auf dem Gebiete der Eheschließung) bewirkten eine Spaltung der Gemeinde in eine konservative Partei unter Dēbēndra und eine Fortschrittspartei unter Kēschab. Letzterer trat nun an die Spitze der Reformbewegung, welche durch Missionare in verschiedene Gegenden Indiens getragen wurde, sodaß es 1876 bereits 128 zu dieser Sekte gehörige Gemeinden gab. Die Andachten derselben bestehen darin, daß an den Sonntagen Abschnitte aus dem Veda, dem Avesta, der Bibel oder dem Koran vorgelesen und daran Disputationen geschlossen werden. Auch hatte Kēschab 1870 die Reform-Association zu Kalkutta gegründet zur Beförderung eines mäßigen und moralischen Lebens, zur Verbreitung der Litteratur und zur Hebung des Loses der Frauen, zu welchem letztern Zwecke der 1872 durch Petition von der Regierung erlangte Native Marriage Act (Anerkennung der Civilehe in gewissen Fällen) besonders beitragen sollte. Indessen führte der immer ausgeprägtere Hang Kēschabs zum Mysticismus sowie die von ihm zum Ärger der Gemäßigten vollzogene Verheiratung seiner Tochter mit einem Maharadscha abermals eine Spaltung herbei, und es bildete sich 1877 eine neue Partei nach rein rationalistischen Prin-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 406.