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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Britisch-Indien - Britisch-Nordamerika

butts-Falls am Belizeflusse ausdehnte, erhoben die mittelamerik. Staaten vergebens Einspruch, und nach längern Verhandlungen und diplomat. Protesten der Vereinigten Staaten (s. Panamakanal) kam es durch die Konvention vom 30. April 1859 zu einem Ausgleich. Doch war die Niederlassung (settlement) britischerseits bereits durch die Akte vom 17. Sept. 1853 zur Kolonie erhoben worden. Seit 1884 steht sie unter einem Gouverneur. - Vgl. Usher, Karte von B. 1:380 000; Gibbs, British-Honduras (Lond. 1883); Morris, The colony of British Honduras (ebd. 1884); Consolidated laws of the colony of British Honduras (ebd. 1887).

Britisch-Indien, s. Ostindien.

Britisch-Kaffraria, s. Kaffern.

Britisch-Neuguinea, s. Neuguinea.

Britisch-Nordamerika. (Hierzu eine Karte: Britisch-Nordamerika und Alaska.) Gesamtname für die aus dem halbsouveränen Staatenbund der Dominion of Canada (s. d.) und der Kolonie Neufundland (s. d.) bestehenden brit. Besitzungen in Nordamerika, umfaßt, mit Ausnahme des Territoriums der Vereinigten Staaten, Alaska, das gesamte Nordamerika nördlich der Union mit einem Flächeninhalt von 8 412 170 qkm.

Oberflächengestaltung. Das Rückgrat des Landes bilden die Rocky-Mountains oder das Felsengebirge (s. d.), die, parallel der pacifischen Küste das westliche B. durchziehend, unter 52° 20' nördl. Br. ihre größten Höhen erreichen und nördlich vom 56.° Mittelgebirgscharakter annehmen. Im W. schließt sich an das Felsengebirge das reich mit Seen besetzte Hochland von Britisch-Columbia (s. d.), dessen SW. von einer Reihe von Parallelketten des Felsengebirges, die Gold-, Selkirk- und Purcell-Range, eingenommen wird und in das der Columbia und der Fraser tiefe Thäler eingesenkt haben. Den Westrand dieses Plateau bildet das Cascaden-Gebirge, das mit seinen Parallelketten bis an die Küste herantritt und im Meere durch eine Reihe von Inseln, wie Vancouver und die Königin-Charlotte-Inseln, fortgesetzt wird. Im O. des Felsengebirges bildet ein Stufenland die Verbindung zwischen dem Gebirge und dem ungeheuern Flachlande, das sich bis zu den Ufern des Nördlichen Eismeers und des Atlantischen Oceans ausdehnt. Eigentliche Bergzüge fehlen, nur niedrige Landrücken bilden die Wasserscheiden zwischen den sekundären Becken; wirklichen Gebirgscharakter tragen die zum Appalachensystem gehörenden Bergzüge im Süden des St. Lorenzstromes. Durch eine Kette von großen Seen, von den großen canad. Seen bis zum Großen Bärensee, wird das canad. Flachland in zwei ihrer Bodenbeschaffenheit nach sehr verschiedene Hälften geteilt: die östliche ist aus altkrystallinschen Gesteinen aufgebaut, in die eine Unzahl von Wasserbecken eingehöhlt sind, und ist daher nur von spärlicher Vegetation bedeckt; man bezeichnet sie mit Einschluß der Halbinsel Labrador auch als das Laurentische Gebirgsplateau; es trägt in seinem bis 500 m hohen südl. Teile auf dem linken Ufer des St. Lorenz Gipfel, die bis 900 m über das Tafelland emporragen. An einigen Stellen im Süden fällt das Plateau in Steilrändern ab; auch die Südost- und Nordostküste von Labrador ist durchweg Steilküste. Die westl. Hälfte des Flachlandes dagegen bis zu dem Felsengebirge bedecken Sedimentgesteine, die einen fruchtbaren Prairieboden abgeben, den man seit einem Jahrzehnt der Weizenkultur erschlossen hat.

Der Wasserreichtum ist sehr bedeutend; neben den fünf großen canad. Seen, die zur Hälfte zu B. gehören, bedecken noch eine Reihe größerer Seen, wie der Winnipeg-, Deer-, Athabasca-, Große Sklaven- und Große Bärensee, und unzählige kleinere den östl. Teil wie auch das Hochland von Britisch-Columbia. Eine Anzahl mächtiger Ströme, deren Gebiete nur durch niedrige, leicht passierbare Wasserscheiden (Portages) voneinander getrennt sind, verbindet die einzelnen Seen untereinander und mit dem Ocean und bildet ein weitverzweigtes Flußschiffahrtsnetz. Im Südosten stellt der St. Lorenzstrom mit Hilfe einiger Kanäle die schiffbare Verbindung zwischen den großen canad. Seen und dem Atlantischen Ocean her; das südl. Gebiet wird von einer großen Wasserstraße durchschnitten, die durch den Saskatchawan, den Winnipegsee und den Nelson gebildet wird. Der 4426 km weit schiffbare Mackenzie entwässert den Nordwesten zum Nördlichen Eismeer, der Fraser und Stikine das Hochland von Britisch-Columbia zum Stillen Ocean. Von der Laurentischen Hochfläche findet eine Unzahl größerer und kleinerer Flüsse ihren Weg zur Hudsonbai, die aber, wie die Hudsonstraße selbst, fast immer mit Eis bedeckt, Schiffen nur wenig zugänglich sind.

Klima. Bei 4-6 Monate langem, strengem Winter, kurzem Frühjahr und heißem Sommer beeinträchtigen die großen täglichen und jährlichen Temperaturschwankungen das sonst gesunde Klima und verursachen eine unverhältnismäßig hohe Sterblichkeit während der ersten Lebensjahre. Einer Tagestemperatur von +2,5° bis 3,75° C. steht oft eine Nachttemperatur von -20° C. gegenüber, und zu Toronto schwankt das Thermometer im Jahre zwischen +37,3 ° C. im August und -32,5° C. im Januar; nach dem Innern zu wird die Temperatur immer extremer; der Sommer ist wegen der Hitze, des blendenden Lichts und der Moskitos fast unerträglich und die Eingeborenen verrichten dann ihre Geschäfte bei Nacht, während vom November bis Mai das Land unter einer starken Schnee- und Eisdecke begraben liegt. Erst jenseit der Felsengebirge wird das Klima wieder gemäßigt, ähnlich dem Großbritanniens.

Pflanzenwelt. Das nördliche B. ist mit arktischer Flora besetzt, hauptsächlich Tundren. Die von der Weißfichte und Papier- oder Nachenbirke Betula papyracea Ait.) gebildete Baumgrenze senkt sich vom Mündungsgebiete des Mackenzie zur Wasserscheide gegen die Hudsonbai, deren Westküste von ihr unter 59° nördl. Br. geschnitten wird, um in Labrador noch tiefer zu sinken und nahe Neufundland den tiefsten Stand in Nordamerika zu erreichen. Südlich dieser Linie bedecken erst zerstreute, dann weit zusammenhängende, großartige Waldungen weite Flächen, welche mit dem 50.° nördl. Br. durch das Auftreten der Weymouthskiefer (Pinus strobus L.) und Hemlocktanne (Tsuga canadensis Carr.) mit mannigfachen Laubhölzern bunter zusammengesetzt werden und in Ontario fast den vollen Reichtum des nordamerik. Seengebietes erreichen. Sie liefern Nutzholz, vorzüglich Schiffbauholz, welches eins der wichtigsten Ausfuhrprodukte abgiebt. Unter den Laubhölzern gedeihen neben der canad. Eiche noch Pappeln, Birken, Erlen, Weiden, Ahorn; aus dem Zuckerahorn wird eine bedeutende Menge Zucker, aus der immergrünen Balsamtanne der Canadische Balsam gewonnen. Am Saskatchawan und in Manitoba sind Graslandschaften eingestreut. Der Wein reift in den südl.