Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

578

Bronzieren - Brooke (Henry)

Im allgemeinen unterscheidet man eine ältere und eine jüngere B. In der ältern finden sich nur Einfuhrartikel, wahrscheinlich ans dem Orient, gegossene Geräte und Waffen, oft mit zahlreichen, fein stilisierten, geometrischen und figürlichen Ornamenten, in der jüngern neben einheimischen Erzeugnissen zum Teil auch Artikel aus Italien von den Etruskern oder griech. Kolonien an den Küsten des Mittelmeers. Neben den gegossenen massiven Bronzen treten jetzt auch fein getriebene Arbeiten auf, und mit ihnen beginnt die Eisenkultur. (S. Urgeschichte; vgl. auch Tafel: Urgeschichte II, Fig. 7, 9, 10, 15).

Bronzieren bezweckt, Kunstgegenstände, die aus Holz geschnitzt, in Gips gegossen oder aus irgend einem Metall angefertigt sein können, der wirklichen Bronze ähnlich zu machen, indem sie mit einem gelblich-roten, grünen oder braunschwarzen Überzuge versehen werden. Holz oder Gips wird mit einem Ölfarbenanstrich von der Farbe der Bronze grundiert, darauf mit einem Firnis überzogen und, ehe dieser ganz getrocknet ist, mit Bronzefarben (s. d.) bestäubt. Braune Bronzierung auf Kupfer und Messing erhält man, indem man den Gegenstand mit einer Lösung von 1 Teil krystallisiertem Grünspan und 1 Teil Salmiak in 250 Teilen Wasser bestreicht und so lange über schwaches Kohlenfeuer hält, bis die grüne Farbe kupferfarbig anläuft; dasselbe wird dann mit einer doppelt verdünnten Lösung noch 10-12mal wiederholt. Zum B. von Medaillen mischt man in der Pariser Münze 32 Teile Grünspan und 30 Teile Salmiak mit Essig zum Teig, kocht diese Masse mit Wasser in einem kupfernen Kessel 20 Minuten lang, gießt die klare Lösung auf die Medaillen, die in einem Kessel auf hölzernen Unterlagen so geordnet sind, daß sie sich weder untereinander, noch die Seitenwandungen berühren, und erhält sie eine Viertelstunde lang im Sieden. Eine schwarze Farbe auf Messing entsteht, wenn die gut gereinigten Gegenstände wiederholt in eine freie Säure enthaltende, verdünnte Lösung von Kupfernitrat getaucht und so über schwachem Kohlenfeuer erhitzt, schließlich mit Ölläppchen abgerieben werden. Künstliche Patinabildung wird hervorgerufen, indem die frisch gegossenen Bronzen wiederholt mit einer Lösung von 1 Teil Salmiak, 2 Teilen Weinstein, 6 Teilen Kochsalz in 12 Teilen heißem Wasser und 8 Teilen einer Lösung von Kupfernitrat von 1,1 spec. Gewicht überstrichen werden. Zinkguß läßt sich auf galvanischem Wege bronzieren in einer Lösung von 1 Teil Kupfervitriol, 8 Teilen Zinkvitriol, 18 Teilen Cyankalium und 250 Teilen Wasser; als Anode dient am besten Bronze. - Über das B. der Gewehrläufe s. Bronziersalz; über B. als Druckverfahren s. Bronzedruck. - Vgl. Büchner, Die Metallfärbung (Berl. 1891); Haubold, Das Färben des Holzes (ebd. 1888).

Bronziermaschine, s. Bronzedruck.

Bronziersalz ist Antimonchlorür (s. d.), dient zum Bronzieren von Metallwaren, namentlich Gewehrläufen, die dadurch einen schönen bräunlichen Überzug von Eisenoxyd und Antimon erhalten. Man mischt eine salzsaure Auflösung von B. mit dem 10. Teil Olivenöl und reibt mit der entstandenen seifenartigen Masse den Lauf gleichmäßig ab, entfernt die in Tagesfrist gebildete Rostschicht mit einem geölten Tuch und wiederholt das Abreiben mit der Lösung, worauf man nach Entstehung des braunen Tones mit dem Polierstahl poliert.

Bronzino, Angelo, florent. Maler, geb. um 1502 zu Florenz, gest.23. Nov. 1572, Schüler und Gehilfe des Pontormo, gehörte zu den talentvollern Nachahmern des Michelangelo, doch sind seine histor. Bilder bereits manieriert. Harte Formen und ein gesuchtes Kolorit sind seinen Kompositionen eigen, aber es ist Geist und flotte Zeichnung denselben nicht abzusprechen. Überladung der Komposition, Zurschaustellung übertrieben bewegter nackter Körper kennzeichnen seinen Stil, so besonders in dem Christus (Akademie zu Florenz). In Sta. Maria Novella daselbst ist von ihm eine schöne Pietá; im Hofmuseum zu Wien eine Heilige Familie. Das Tüchtigste leistete er in Porträten, die berühmte Persönlichkeiten zum Gegenstande haben, so Großherzog Cosimo I. von Florenz und dessen Gemahlin Eleonora, in Dresden und Wien. Aus seiner Schule ging sein Neffe Alessandro Allori (s. d.), auch B. genannt, hervor.

Bronzist (ital.), Erzarbeiter, Rotgießer.

Bronzit, ein dem rhombischen System angehöriges Glied der Augit- oder Pyroxengruppe; das Mineral ist isomorph mit Enstatit und Hypersthen, aber seine stets eingewachsenen Individuen zeigen gewöhnlich keine freie Formausbildung; sie sind sehr vollkommen spaltbar nach dem Brachypinakoid des Prismas von 94° und mit mannigfacher Zwillingsbildung versehen, wodurch eine oft mehrfache horizontale Knickung hervorgebracht wird. Die Härte ist 4-5, das spec. Gewicht 3-3,5, die Farbe nelkenbraun bis tombakbraun; auf der besten Spaltfläche zeigt sich ein schillernder metallartiger Perlmutterglanz, der durch eingelagerte mikroskopische Lamellen und Leistchen von bräunlicher oder grünlicher Farbe erzeugt wird. Chemisch ist das Mineral eine isomorphe Mischung des Magnesiumsilikats, MgSiO3, und des Eisenoxydulsilikats, FeSiO3, wobei das erstere stark vorwaltet. Vor dem Lötrohr schmilzt es sehr schwer, von Säuren wird es nicht angegriffen. Durch Umwandlung geht aus ihm Schillerspat hervor. Der B. findet sich zu Kupferberg bei Bayreuth, im Tiroler Ultenthal, zu Kraubat in Steiermark, auch wohl eingewachsen im Basalt (Siebengebirge) und Serpentin (Starkenbach im Oberelsaß); mikroskopische Individuen sind in gewissen Porphyriten, Melaphyren, Andesiten enthalten. Die Meteorsteine von Ibbenbüren in Westfalen und andere bestehen fast gänzlich aus sehr eisenreichem B.

Brood, Stadt in Kroatien, s. Brod.

Brook., bei zoolog. Namen Abkürzung für Richard Brookes (spr. brucks), engl. Naturforscher in der ersten Hälfte des 18. Jahrh.

Brooke (spr. bruk), Henry, engl. Dichter, geb. 1706 zu Rantavan in Irland, studierte zu Dublin und London Rechtswissenschaft und widmete sich zugleich der Poesie. Eine frühe Ehe bei schlechter Berufspraxis brachte ihn in Not. Sein erstes Werk: "Universal beauty, a philosophical poem" (1735), erntete großen Beifall. 1740-83 lebte B. schriftstellernd und oft mit bitterster Bedrängnis kämpfend auf seinem Gute zu Rantavan, wo er, dem Wahnsinn nahe, starb. Unter seinen vielen Dramen steht das im Interesse der Tories geschriebene "Gustavus Vasa" (1738), dessen Aufführung aus polit. Grünen verboten wurde, obenan, unter den Romanen "The fool of quality, or the history of Henry Earl of Moreland" (5 Bde., 1760; neu hg. von Ch. Kingsley mit Vorrede, 1859), zu dem man J. F. Jüngers (s. d.) "Des Grafen Heinrich von More-^[folgende Seite]