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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bronzieren - Brooke (Henry)
Im allgemeinen unterscheidet man eine ältere und
eine jüngere V. In der ältern finden sich nur
Einfuhrartikel, wahrscheinlich ans dem Orient, ge-
gossene Geräte und Waffen, oft mit zahlreichen,
fein stilisierten, geometrischen und figürlichen Or-
namenten, in der jüngern neben einheimischen Er-
zeugnissen zum Teil auch Artikel aus Italien von
den Etruskern oder griech. Kolonien an den Küsten
des Mittelmeers. Neben den gegossenen massiven
Bronzen treten jetzt auch fein getriebene Arbeiten
auf, und mit ihnen beginnt die Eisenkultur. (S.
Urgeschichte; vgl. auch Tafel: Urgeschichte II,
Fig. 7, 9, 10, 15).
Bronzieren bezweckt, Kunstgegenstände, die aus
Holz geschnitzten Gips gegossen oder aus irgend einem
Metall angefertigt sein können, der wirklichen Bronze
ähnlich zu machen, indem sie mit einem gelblich-
roten, grünen oder braunschwarzen Überzuge ver-
sehen werden. Holz oder Gips wird mit einem Öl-
farbenanstrich von der Farbe der Bronze grundiert,
darauf mit einem Firnis überzogen und, ehe dieser
ganz getrocknet ist, mit Vronzefarben (s. d.) bestäubt.
Braune Vronzierung auf Kupfer und Messing er-
hält man, indem man den Gegenstand mit einer
Lösung von 1 Teil krystallisierten: Grünspan und
1 Teil Salmiak in 250 Teilen Wasser bestreicht und
so lange über schwaches Kohlenfeucr hält, bis die
grüne Farbe kupferfarbig anläuft; dasselbe wird
dann mit einer doppelt verdünnten Lösung noch
10-12mal wiederholt. Zum V. von Medaillen
mischt man in der Pariser Münze 32 Teile Grün-
span und 30 Teile Salmiak mit Essig zum Teig,
kocht diese Masse mit Wasser in einem kupfernen
Kessel 20 Minuten lang, gießt die klare Lösung auf
die Medaillen, die in einem Kessel auf hölzernen
Unterlagen so geordnet sind, daß sie sich weder
untereinander, noch die Seitenwandungen berühren,
und erhält sie eine Viertelstunde lang im Sieden.
Eine schwarze Farbe auf Messing entsteht, wenn die
gut gereinigten Gegenstände wiederholt in eine freie
Säure enthaltende, verdünnte Lösung von Kupfer-
nitrat getaucht und so über schwachem Kohlenfeuer
erhitzt, schließlich mit Ölläppchen abgerieben wer-
den. Künstliche Patinabildung wird hervorgerufen,
indem die frisch gegossenen Bronzen wiederholt mit
einer Lösung von 1 Teil Salmiak, 2 Teilen Wein-
stein, 6 Teilen Kochsalz in 12 Teilen heißem Wasser
und 8 Teilen einer Lösung von Kupfernitrat von
1,i spec. Gewicht überstrichen werden. Zinkguß läßt
sich auf galvanischem Wege bronzieren in einer Lö-
sung von 1 Teil Kupfervitriol, 8 Teilen Zinkvitriol,
18 Teilen Cyankalium und 250 Teilen Wasser; als
Anode dient am besten Bronze. - Über das B. der
Geweh r laufe s. Bronziersalz; über V. als Druck -
verfadren s. Vronzedruck. - Vgl. Büchner, Die
Metallfärbung (Berl. 1891); Haubold, Das Färben
des Holzes (ebd. 1888).
Bronziermafchine, s. Bronzedruck.
Bronziersalz ist Antimonchlorür (s. d.), dient
zum Bronzieren von Metallwaren, namentlich Ge-
wehrläufen, die dadurch einen schönen bräunlichen
Überzug von Eisenoxyd und Antimon erhalten.
Man mischt eine salzsaure Auflösung von V. mit
dem 10. Teil Olivenöl und reibt mit der entstan-
denen seifenartigen Masse den Lauf gleichmäßig ab,
entfernt die in Tagesfrist gebildete Rostschicht mit
einem geölten Tuch und wiederholt das Abreiben
mit derLösung, worauf man nach Entstehung des
braunen Tones mit dem Polierstahl poliert.
Vronzuw, Angelo, storent. Maler, geb. um 1502
zu Florenz, gest.23. Nov. 1572, Schüler und Gehilfe
des Pontormo, gehörte zu den talentvollern Nach-
ahmern des Michelangelo, doch sind seine histor.
Bilder bereits manieriert. Harte Formen und ein
gesuchtes Kolorit sind seinen Kompositionen eigen,
aber es ist Geist und flotte Zeichnung denselben
nicht abzusprechen. Überladung der Komposition,
Zurschaustellung übertrieben bewegter nackter Kör-
per kennzeichnen seinen Stil, so besonders indem
Christus (Akademie zu Florenz). In Sta. Maria
Novella daselbst ist von ihm eine schöne Pietä; im
Hofmuseum zu Wien eine Heilige Familie. Das Tüch-
tigste leistete er in Porträten, die berühmte Persön-
lichkeiten zum Gegenstande haben, so Großherzog
(5osimo I. von Florenz und dessen Gemahlin Eleonora,
in Dresden und Wien. Aus seiner Schule ging sein
Neffe Alessandro Allori (s. d.), auch V. genannt, her-
Bronzist(ital.), Erzarbeiter, Rotgieher. >vor.
Bronzit, ein dem rhombischen System an-
gehöriges Glied der Augit- oder Pyrorengruppc;
das Mineral ist isomorph mit Enstatit und
Hypersthen, aber seine stets eingewachsenen Indi-
viduen zeigen gewöhnlich keine freie Formausbil-
dung; sie sind sehr vollkommen spaltbar nach dem
Vrachypinakoid des Prismas von 94" und mit
mannigfacher Iwillingsbildung versehen, wodurch
eine oft mehrfache horizontale Knickung hervor-
gebracht wird. Die Härte ist 4-5, das fpec. Ge-
wicht 3- 3,5, die Farbe nelkenbraun bis tombak-
braun; auf der besten Spaltfläche zeigt sich ein schil-
lernder metallartiger Perlmutterglanz, der durch ein-
gelagerte mikroskopische Lamellen und Leistchen von
bräunlicher oder grünlicher Farbe erzeugt wird.
Chemisch ist das Mineral eine isomorphe Mischung
des Magnesiumsilikats, NFsi^, und des Eisen-
orydulsilikats, 1^6 ZiO^, wobei das erstere stark
vorwaltet. Vor dem Lötrohr schmilzt es sehr
schwer, von Säuren wird es nicht angegriffen.
Durch Umwandlung geht aus ihm Schillerspat
hervor. Der V. findet sich zu Kupferberg bei Bay-
reuth, im Tiroler Ultenthal, zu Kraubat in Steier-
mark, auch wohl eingewachsen im Vasalt (Sieben-
gebirge) und Serpentin (Starkenbach im Ober-
elsaß); mikroskopische Individuen sind in gewissen
Porphyriten, Melaphyrcn, Andesiten enthalten. Die
Meteorsteine von Ibbenbüren in Westfalen und an-
dere bestehen fast gänzlich aus sehr eisenreichem V.
Brood, Stadt in Kroatien, s. Brod.
.V/'ttftk., bei zoolog. Namen Abkürzung für
Richard Brookes (spr. brucks), engl. Naturforscher
in der ersten Hälfte des 18. Jahrh.
Brooke (spr. bruk), Henry, engl. Dichter, geb.
1706 zu Nantavan in Irland, studierte zu Dublin
und London Rechtswissenschaft und widmete sich
zugleich der Poesie. Eine frühe Ehe bei schlechter
Berufspraxis brachte ihn in Not. Sein erstes Werk:
"Universal d63<ut^, a. pkii080p1iio3.1 posin" (1735),
erntete großen Beifall. 1740-83 lebte B. schrift-
stellernd und oft mit bitterster Bedrängnis kämpfend
auf seinem Gute zuRantavan, wo er, demWahnsinn
nahe, starb. Unter seinen vielen Dramen steht das
im Interesse der Tories geschriebene "6^8tI.vu3
V9.83." (1738), dessen Aufführung aus polit. Grün-
den verboten wurde, obenan, unter den Romanen
"11i6 lool 0k HNHÜt^, 01' tlio Ki3t0i')' c>f H6nr^ N^ri
ok Norolaiiä" (5 Bde., 1760; neu hg. von Ch.
Kingsley mit Vorrede, 1859), zu dem man I. F.
Jüngers (s. d.) "Des Grafen Heinrich von More-