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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bülow (Margarete von) - Bulthaupt

roda bei Braunschweig, dem Stammgute seines Vaters, besuchte von 1788 bis 1790 die Ritterakademie zu Lüneburg und dann bis 1794 die Universität zu Göttingen. Durch seinen Verwandten, den nachmaligen preuß. Staatskanzler Fürsten von Hardenberg, wurde er zunächst bei der Kammer zu Bayreuth als Referendar und 1796 als Assessor angestellt und nach dessen Berufung nach Berlin 1801 als Kriegs- und Domänenrat beim Generaldirektorium ebenfalls dorthin versetzt. 1804 kam er als Kammerpräsident nach Magdeburg. Nach dem Abschlüsse des Tilsiter Friedens (1807) wurde er bei der Bildung des Staatsrats im neuerrichteten Königreich Westfalen als Mitglied desselben nach Cassel berufen und 1808 zum Finanzminister ernannt. Unter den schwierigsten Verhältnissen organisierte er das System und die Verwaltung der Steuern und war mit vielem Geschick bemüht, den namentlich durch Napoleons maßlose Forderungen zerrütteten Finanzen Ordnung und Festigkeit zu verleihen. In Anerkennung dessen erhob ihn König Jérôme in den Grafenstand, den 1816 auch der König von Preußen bestätigte. Jedoch infolge von Intriguen seiner Gegner wurde er als deutsch-patriotischer Gesinnungen verdächtig 7. April 1811 seines Amtes entlassen und lebte von da an auf seinem Gute Essenroda, bis ihn der König von Preußen gegen Ende 1813 auf Hardenbergs Vorschlag zum Staats-und Finanzminister ernannte. Als ehemaliger westfäl. Beamter hatte er von vornherein hier eine ungünstige Stellung. Daß er Ersparungen erstrebte durch Schwächung der Wehrverfassung, steigerte die Gegnerschaft gegen ihn, und seine Finanzpläne fanden 1817 entschiedene Ablehnung im Staatsrate. Er trat zurück und übernahm das für ihn neuerrichtete Ministerium des Handels und der Gewerbe nebst dem Baudepartement. Als darauf 1825 das Ministerium des Handels und der Gewerbe mit dem Ministerium des Innern verbunden wurde, übertrug ihm der König das Oberpräsidium von Schlesien. B. starb jedoch bald darauf 11. Aug. 1825 im Bade zu Landeck.

Bülow, Margarete von, Novellistin, geb. 23. Febr. 1860 zu Berlin, verbrachte ihre Kindheit teils in Thüringen, teils in Smyrna, wo ihr Vater preuß. Konsul war. Früh zu Selbständigkeit entwickelt, lebte sie 1876-78 mit der Familie in England, seit 1881 in Berlin, wo sie 2. Jan. 1884 beim Versuche, einen beim Eislauf eingebrochenen Knaben zu retten, im Rummelsburger See ertrank. Sie schrieb "Novellen" (Berl. 1885; mit Vorwort von Julian Schmidt), "Neue Novellen" (ebd. 1890), die Erzählungen "Jonas Briccius" (Lpz. 1886), "Herr im Hause" (Münch. 1886) und "Aus der Chronik derer von Riffelshausen" (Lpz. 1887).

Bülow-Cummerow, Ernst von, konservativer Publizist, geb. 13. April 1775 zu Pritzau in Mecklenburg-Schwerin, trat 1788 als Lieutenant in die hannov. Armee ein, schied jedoch 1790 bereits wieder aus. Nachdem er in Rostock und Jena studiert hatte, ließ er sich als Grundbesitzer in Pommern nieder und erwarb u. a. 1804 das Gut Cummerow im Kreise Regenwalde. Seit dieser Zeit nahm er sehr thätigen Anteil an den ständischen Verhandlungen über die Verfassungsreformen in Preußen. 1812 war er Mitglied der sog. interimistischen Nationalrepräsentation und später der unter dem Vorsitze des Kronprinzen gebildeten Kommission für die Beratung der neuen ständischen Organisationsgesetze. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er den Kredit- und Kulturverhältnissen des flachen Landes. B. ging als Politiker von rein praktischen Gesichtspunkten aus. Teilweise ein Anhänger der Hardenbergschen liberalen Reformen und ohne Adelsprätensionen, wollte er doch andererseits dem Grundbesitze als solchem eine bevorzugte Stellung im Staate gewahrt wissen; dem modernen Konstitutionalismus und der Herrschaft der Bureaukratie war er entschieden abhold. Aufsehen erregten seine Schriften "Ein Punkt aufs I" (Lpz. 1821) und als Fortsetzung "Über die Verwaltung des Staatskanzlers Hardenberg" (Zerbst 1821). An der Gründung der Pommerschen Ritterschaftlichen Privatbank 1824 war er hervorragend beteiligt. Später zog er sich von den öffentlichen Geschäften zurück, um der Verwaltung seiner Güter und seinen schriftstellerischen Bestrebungen zu leben. Sein Werk "Preußen, seine Verfassung und Verwaltung, sein Verhältnis zu Deutschland" (2 Tle., 3. bez. 2. Aufl., Berl. u. Jena 1842-43) besprach die preuß. Zustände in freimütiger Weise. Sodann folgten u. a. "Polit. und finanzielle Abhandlungen" (2 Hefte, Berl. 1844 -45), "Die europ. Staaten nach ihren innern und äußern polit. Verhältnissen" (Altona 1845), "Der Zollverein" (Berl. 1844), "Preußen im Jan. 1847 und das Patent vom 3. Febr." (ebd. 1847). Ein neuer Abschnitt seines öffentlichen Wirkens begann nach der Umwälzung von 1848, wo er, um der angebahnten Aufhebung der Grundsteuerbefreiung des ritterschaftlichen Grundbesitzes entgegenzutreten, einen "Verein zum Schutze des Eigentums" gründete, der von gegnerischer Seite den Namen "Junkerparlament" erhielt. Auch in der Presse war er außerordentlich thätig. Von spätern Flugschriften seien genannt: "Die Revolution, ihre Früchte u. s. w." (Berl. 1850), "Die Reform der Verfassung aus dem konservativen Gesichtspunkte" (ebd. 1851). B. starb 26. April 1851 zu Berlin.

Buloz (spr. büloh), François, franz. Schriftsteller, geb. 1803 zu Vulbens (Depart. Haute-Savoie), war erst Korrektor in einer Druckerei, übersetzte manches aus dem Englischen und begründete 1831 die "Revue des Deux Mondes" (s. d.), die er über 40 Jahre lang leitete und zu einer Zeitschrift ersten Ranges erhob. Obgleich B. wenig geschrieben hat, war sein Einfluß auf seine Zeitgenossen doch groß, denn er besaß ein vorzügliches litterar. Urteil und verstand es, alle hervorragenden Talente für seine Zeitschrift zu gewinnen. Hervorzuheben sind seine "Lettres et mémoires". Er starb 12. Jan. 1877 zu Paris.

Bütten, s. Plaggen.

Bulthaupt, Heinrich Alfr., Dichter und Dramaturg, geb. 26. Okt. 1849 zu Bremen, studierte 1868-72 in Würzburg, Göttingen, Berlin und Leipzig die Rechte, ward Hauslehrer in Kiew und bereiste den Orient, Griechenland, Tunis und Italien. Seit 1875 Rechtsanwalt in seiner Vaterstadt, wurde er 1879 Stadtbibliothekar daselbst und erhielt 1892 den Professortitel. Schon als Gymnasiast begann B. die Jambentragödie "Saul" (gedruckt 1871; aufgeführt 1870); ihr folgten das bürgerliche Drama "Ein corsisches Trauerspiel" (Lpz. 1872), die kleinen oft gegebenen Lustspiele "Die Kopisten" (1875) und "Lebende Bilder" (1876) und 1877 das sociale Trauerspiel "Die Arbeiter" (ungedruckt). Eine Frucht theoretisch-kritischer Beschäftigung mit dem Theater sind: "Dramaturgische Skizzen" (Brem. 1878; 2. Ausg. 1884), "Streifzüge auf dramaturgischem und kritischem Gebiet (ebd. 1879;