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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Burger (Johann) - Bürger (Gottfr. Aug.)
der Berliner Akademie gebildet, entnahm seine Stoffe
zumeist dem Wendenvolke des Sprecwaldcs. Die
Berliner Nationalgalerie besitzt von ihm: Begräbnis
bei den Wenden im Sprcewald, für das er 1869 auf
der Kunstallsstellung in München die goldene Me-
daille erhielt. Ferner sind zu nennen: Altenburger
Bauernhochzeit (1873) und Toilette vor dem Kirch-
gange (1875). Er starb 13. Dez. 1876 in Berlin.
Burger, Johann, Knpferstecher, geb. 31. Mai
1829 zu Burg im Kanton Aargau, bildete sich 1850
-56 unter Thäter in München im Kartonstich aus.
Nach mehrjährigem Aufenthalt in Italien ließ er
sich 1859 in München nieder. Er stach in Karton-
manier 1855: Die Steinigung des Stephanus nach
Schraudolphs Freskobild im Dom zu Speier, zwei
Blätter aus dem Leben des heil. Bonifacius nach
Heß, den Raub der Europa nach Gcnclli (1867; eine
seiner besten Arbeiten). In Linienmanier stach er:
Faust und Gretchen an der Kirchthür nach E. ^tückel-
berg (1868), Nuhe auf der Flucht nach Ägypten
nach van Dyck (München 1873), die Dame mit dem
Papagei nach Mieris (Dresden), die Violante nach
Palma Vecchio (Wien 1876), die Vestalin nach
Angelika Kauffmann (Dresden 1879), Rasfaels
Madonna della Sedia (1882), die Aurora nach
Guido Reni (1887), die heil. Barbara nach Palma
Vecchio (1889), sowie die Einzelfigur der heil. Cäcilia
nach Raffaels Gemälde. Auch nach Vautier und
Grützner lieferte er einige Blätter.
Burger, Ludw., Zeichner und Maler, Bruder
von Adolf B., geb. 19. Sept. 1825 zu Krakau, be-
suchte seit 1844 die Berliner Akademie, machte 1851
-53 eine Studienreise nach Belgien und nach Paris,
wo er bei Couture arbeitete. Dann hauptsächlich
als Illustrator für die Leipziger Illustrierte Zeitung
thätig, fertigte er auch die Zeichnungen zu Ferd.
Schmidts "Preußen in Wort und Bild"; er wohnte
dem schlcsw.-holstein. sowie dem österr. Feldzug als
Illustrator bei und veröffentlichte feine Aufnahmen
in den Werken Fontancs: "Der Schleswig-Holstei-
nische Krieg" (1866) und "Der Deutsche Arieg von
1866" (2 Bde., 1870-71). Seit 1868 wandte sich B.
der dekorativen Malerei zu. Beim Berliner Natbaus-
bau, in Privathäusern (Ravens, Pringsheim, Ticle-
Winkler, Palais Radziwill u. s. w.) sowie in der
"Flora" zu Charlottenburg, zuletzt in der Universi-
tätsbibliothek, an der Kriegsakademie und im Erd-
geschosse des Zeughauses lieferte er zahlreiche Deko-
rationen. Er starb 22. Okt. 1884 in Berlin.
Bürger wurden ursprünglich die Einwohner der
Burgen (dnrF6Q868) genannt, später die Einwohner
der befestigten, mit gewissen Privilegien und Rech-
ten ausgestatteten Städte, und zwar vorzugsweise
diejenigen, welche die gesamten städtischen Rechte
(s. Stadt) ausübten. Je nachdem diese Rechte wei-
tern Kreisen zugestanden wurden, dehnte sich die
Bürgerschaft aus. Anfänglich gehörten zu ihr nur
die im Besitze des Stadtregiments befindlichen Fa-
milien (Geschlechter), später auch, als sie regiments-
fähig geworden, die Handelsleute, gewisse Künstler
u. s. w., endlich die Glieder der Zünfte, die Hand-
werker, nachdem sie in heftigen Kämpfen ihre Gleich-
berechtigung erstritten hatten. Zu den V. zählten
auch die Aus bürg er, Perfonen, welche zwar das
Bürgerrecht erworben, um in der Stadt ein Haus
besitzen, oder Gewerbe betreiben, oder den Schutz
der Gemeinde genießen zu können, aber nicht am
Orte wohnhaft waren. (S.Pfahlbürger.) Dagegen
hießen Schutzverwandte, Beisassen diejeni-
gen, welche zwar in der Stadt wohnten, aber das
Bürgerrecht nicht besaßen. Das Recht, Gewerbe
zu treiben, stand lange Zeit nur den B. zu, und
ihren gewerblichen Korporationen, den Innungen,
pflegten sich auch diejenigen, welche sich mit Handel
und Gewerbe nicht beschäftigten, anzuschließen. So
bildete sich neben dem Adel, der Geistlichkeit, dem
Bauernstände der in den Städten wohnende, vor-
zugsweise gewerbtreibende Bürg er stand, der als
ein freier Stand galt. Auch waren die Städte, und
zwar die Landstädte auf den Landtagen, die Reichs-
städte auf dem Reichstage vertreten, und ihre B.
konnten, wenn sie landständlsche Güter erwarben,
die Landstandschast ausüben, gehörten also dann
ebenfalls zu den gefreiten oder privilegierten Per-
sonen. Nach und nach begann indes der Unterschied
zwischen Staatsbürgern und Bauern zu verschwin-
den. Die Bauern wurden frei; auf dem Lande durf-
ten städtische Gewerbe betrieben werden; Bauern
zogen häufig in die Städte und Städter auf das
Land hinaus. B. und bürgerlich war nunmehr, wer
nicht dem Adel angehörte, also die große Masse des
Volks mit wenigen Ausnahmen. Zum Teil rechtlich,
noch mehr aber faktisch besaß der Adel manche
Privilegien. Ihm fielen die Hof- und diplomat.
Stellen zu, er allein ward zu den Offizierstellen zu-
gelassen, wußte sich die höhern kirchlichen und Ver-.
waltungsämter zuzueignen, durfte allein gewisse, mit
besondern Vorrechten ausgestattete Güter besitzen
u. s. w.; dagegen sollte er weder Handel noch Ge-
werbe betreiben. Adel und Bürgerstand fanden sich
somit wirklich geschieden, obwohl Heiraten zwischen
Gliedern des niedern Adels und Bürgerlichen nicht
immer Mesalliancen waren. Allmählich sind aber
diese Unterschiede wenigstens rechtlich in den meisten
Staaten weggefallen, und man ist dahin gelangt, alle
Glieder des Staates, der großen Landesgemeinde,
ohne Ausnahme als B., Staatsbürger zu bezeichnen.
Indessen bleibt doch ein Unterschied zwischen Staats-
bürger ((üto^en) und Ortsbürger (80111-36013), ob-
wohl niemand Ortsbürger sein kann, ohne zugleich
Staatsbürger zu sein oder es doch zu werden. (S.
Bürgerrecht, Indigenat und Staatsbürger.) - Die
Bezeichnung B. wird auch als Gegensatz zum Militär
gebraucht. Servisberechtigte Militärpersonen des
aktiven Dienststandes sind (vgl. §. 3 der Preuß.
Städteordnung vom 30. Mai 1853) von der Erwer-
bung des Bürgerrechts überhaupt ausgeschlossen.
Dagegen müssen die zur Disposition gestellten Offi-
ziere als Angehörige derjenigen Stadtgemeinde be-
trachtet werden, in welcher sie wohnen, sind also
auch zur Erwerbung des Bürgerrechts befähigt. -
In einem andern Sinne, welcher mit der staatsrecht-
lichen Bedeutung des Wortes zusammenhängt, ist
bürgerlich oder civil der Inbegriff derjenigen
Rechtsverhältnisse, welche sich unter den V. selbst
ohne Beziehung auf den Staat und seine Zwecke er-
geben. Hieraus erwächst der Gegensatz des bürger-
lichen oderPrivatrechts (s.BürgcrlichesNecht)und des
öffentlichen Rechts. (S. auch Staatsangehörigkeit.)
Bürger, Gottfr. Aug., Dichter, geb. 31. Dez.
1747 zu Molmerswende am Unterbarz als Sohn
des Pfarrers, kam 1759 zu seinem Großvater müt-
terlicherseits nach Aschcrsleben, wo er die Latein-
schule besuchte, die er aber bald verließ. Er bezog
dann das Pädagogium zu Halle, wo er mit Gökingt
Freundschaft schloß, 1764 die dortige Universität,
Theologie, später Rechte studierend. 1768 ging er
nach Göttingen und geriet im Hause der Schwiegen