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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Centrifugal - Centrum
einer Führung ohne Spielraum zu erreichen. Zum
C. dient ein besonderer, dicht hinter dem Ogiv be-
findlicher kupferner Ring oder Band, oder nur eine
ringförmige Wulst des Geschoßkörpers.
Eentrifugal slat.), den Mittelpunkt fliehend,
im Gegenfatz zu Centripetal (s. d.).
Centrifugalexhaustor, s. Crdauftor
Centrifugalkr'aft, f. Schwungkraft.
Eentrifugälmaschine, s. Schwungmafchine.
Eentrifugälpendel oder tonisches Pendel,
ein Pendel, das bei seiner Bewegung mit seinem
Aufhängefaden die Oberstäche eines Kegels beschreibt,
dessen Basis einen Kreis bildet. Um eine derartige
Bewegung einzuleiten, erteilt man einem gewöhn-
lichen Pendel (s. d.), sobald es sich in seiner größten
Ausweichung befindet, einen gehörig abgemessenen
Seitenstoß, worauf dann der untere Punkt des Pen-
dels einen Kreis um seine ursprüngliche Ruhelage,
und der Aufhängefaden den zugehörigen Kegelmantel
beschreibt. Die Bewegung des C. ist eine gleich-
förmige; seine Umlaufszeit ist bei kleiner Abwei-
chung von der Vertikalen doppelt so groß als die
Schwingungsdauer eines gewöhnlichen Pendels von
gleicher Länge. Da die Aufhängungsweise des C.
Schwierigkeiten bietet und es auch eines festen Stan-
des und noch anderer Vorsichten bedarf, so wird das
C. an Uhren selten angewendet, wohl aber an Rota-
tionswerken (wie bei Chronographen, astron. Regi-
strierapparaten, Drehlichtern an Leuchttürmen) zur
Erzielung einer gleichförmigen Bewegung.
Eentrifugälsichtmaschine, s. Mehlsichtmaschi-
nen. ^ Md. 1, S. 762a).
Eentrifugaltrockenmaschine, s. Appretur
Centrifügen, Maschinen, bei denen durch die
Wirkung der Centrifugal- oder Fliehkraft die^Ent-
wässerung, resp. Trocknung verschiedenartiger Stoffe
oder die Absonderung fester Körper von Flüssigkeiten
erreicht wird und die für diese Zwecke in verschiede-
nen Industrien, besonders zum Trocknen der Garne
und Gewebe in Wasch-, Appretur- und Vleichanstal-
ten, zum Entwässern des Holzstoffs in der Papier-
fabrikation, zum Ausschleudern des Sirups in der
Zuckerfabrikation, zum Entwässern der Stärkemasse
in der Stärkefabrikation, ausgedehnte Verwendung
finden. Sie dienen auch zum Trennen von Flüssig-
keiten verschiedenen specifischen Gewichts, z. B. in der
Meierei zum Entrahmen der Milch. Die wirksamen
Teile der C. bestehen in sehr schnell rotierenden Ge-
säßen mit durchlochten Wandungen, d^n sog. Centri-
fugenkörben, in welche die zu behandelnden Stosse
gebracht werden, worauf durch die bei der raschen
Drehung auftretende Centrifugaltraft die Flüssigkeit
durch die Löcher der Wandungen ausgeschleudert
wird, während die festen Körper in den Gefäßen
zurückgehalten werden. Der Antrieb der C. erfolgt
durch Stirnräder oder konische Räder, durch Riemen-
detrieb oder durch Friktionsscheiben. (Abbildungen
und Beschreibungen von (5. s. Appretur und Butter.)
Centrifugieren, einen Stoff mit der Zentrifuge
behandeln.
Eentripetäl (lat.), zum Mittelpunkt hinstrebend,
im Gegensatz zu Centrifugal (s. d.).
"Zentripetalkraft, s. Schwungkraft.
Eentrifch, soviel wie central; centrisch nach
der Ecke heißt ein Vieleck, um das sich ein Kreis
beschreiben läßt; centrisch nach den reiten ein
solches, dem sich ein Kreis einschreiben läßt.
Centro-Amerika, s. Centralamerika.
Centrobarisch, soviel wie Barycentriscb (s. d.).
Oentropkorus, s. Haisische.
Eentrospermen, Ordnung aus der Gruppe
der Dikotyledonen, Abteilung der Choripetalen,
charakterisiert durch den centralen Samenträger in
dem sonst ziemlich verschiedenartig gestalteten Frucht-
knoten. Die übrigen Vlütenteile sind gleichfalls in
den einzelnen Familien verschieden ausgebildet. In
der Regel sind sie fünf- oder dreizählig, häusig fehlt
die Blumenkrone und es ist nur eine aus schuppen-
förmigen Vlättchen bestehende Vlä'tterhülle vor-
handen, andere haben wieder eine lebhaft gefärbte
Blumenkrone. Die Anzahl der Staubgefäße ist ver-
schieden. Die Ordnung umfaßt die Familien der
Chenopodiaceen, Amarantaceen, Phytolaccaceen,
Nyctaginaceen, Caryophyllaceen, Aizoaceen, Por-
tulacaceen. S. die einzelnen Artikel und umstehende
Abbildung: Fig. 1 Netii vn^ai is ^. (s. Lsw); Fig. 2
(^i6ii0i)oäinm (^uiiioa ^. (s. Olienopoäium); Fig. 3
^.Aro8t6minH (^itiiHAo ^. (s. ^^r08t6niinN); Fig. 4
DiantliuL cHi'twiLiLmoi'nm ^. ls. Nelke).
Centrum (lat.), Mittelpunkt, zunächst in der
Mathematik und Physik, dann aber auch in über-
tragener Bedeutung gebraucht. In der Geo-
metrie ist C. derjenige Punkt einer Figur oder
eines Körpers, der alle durch ihn gehenden, zwei
Punkte des Umfangs oder der Oberfläche verbin-
denden geraden Linien halbiert, z. V. eines Kreises,
eines Parallelogramms, einer Kugel, eines Paral-
lelepipeds mit gleichen oder ungleichen Durchmessern.
C. der Schwere oder Schwerpunkt (s. d.) heißt in der
Physik der Punkt, durch dessen Unterstützung ein
Körper verhindert wird zu fallen; C. der Bewegung
dagegen der Punkt, um den sich ein Körper oder
ein System von Körpern bewegt; C. des Stoßes
endlich der Punkt, in dein ein Körper einen andern
treffen muß, um mit ganzer Kraft auf ihn zu wirken.
In derKriegsw'issenschaft ist C. die Mitte,
der mittlere Teil einer jeden größern gefechtsmäßigen
Truppenaufstellung im Gegenfatz zu den Flügeln,
jetzt meist ohne bestimmte Abgrenzung, soweit die-
selbe nicht durch die Truppeneinteilung als solche ge-
gebenist, über Durchbrechen des C.s. Durchbrechung.
In der Politik versteht man unter C. diejeni-
gen Mitglieder einer parlamentarischen Versamm-
lung, die nicht nur die mittlern Plätze des Verhand-
lungssaals, sondern in der Regel zugleich zwischen
den beiden extremen Parteien,"der Rechten und der
Linken, eine mittlere polit. Stellung einnehmen.
Zuweilen teilt sicb das C. in zwei Gruppen, in ein
rechtes und ein linkes C. In der Deutschen National-
versammlung von 1848 gab es zuerst nur einC., den
sog. Württemberger Hof (Zell, Cetto, Mitter-
maier u. s. w.), den man indes bisweilen wohl auch
linkes C. nannte, wenn mandieKasino part ei, weil
neben ihr noch eine Große Rechte stand, als rechtes C.
betrachtete. Später spaltete sich vom Württemberger
Hofnach rechts der Au g sburgerHof (Biedermann,
Riefser, W. Veseler u. a.), vom Kasino nach link?
der Land sb er g (W. Jordan, die beiden Löwen, a.)
ab, und von da an pflegte man wohl die aus der
Vereinigung des Augsburger Hofs und des Lands-
berges entstandene Partei als rechtes, den Würt-
temberger Hof als linkes C. zu bezeichnen.
Eine besonders wichtige Bedeutung hat der Aus-
druck C. in der neuesten parlamentarischen Geschichte
Deutschlands erhalten, indem sich nach den preuß.
Landtagswahlcn vom 16. Nov. 1870im preuh. Ab-
geordnetenbauseund nach den Reichstagswahlen vom
7. März 1871 auch im Deutschen Reichstage unter
Artikel, die man unrer C vermißt, sind unter K aufzusuchen.