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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Coupage - Coupons
Blick, Überblick (über ein Terrain, eine Situation
u. s. w.); dann das Augenmaß oder die Fähigkeit,
eine Größe oder Menge nach dem bloßen Anblick
annähernd richtig anzugeben; auch der Standpunkt,
von welchem aus ein Gegenstand betrachtet wird.
0. äe t^6^ti-6 (spr. -aht'r), Tbeaterstreich, jeder auf
einen überraschenden Eindruck berechnete Vorgang
auf der Bühne, mcist im tadelnden Sinne gebraucht
zur Bezeichnung eines unmotivierten Scheineffekts.
vonpa.FS (frz.,spr.kupahsch'), das Verschneiden,
Schmieren des Weins, f. Verschneiden des Weins.
Coupö (frz., spr. ku-), Abteilung eines Eisen-
bahnwaggons; auch eine zweisitzige geschlossene
Kutsche, Halbkutsche, sowie die vordere Abteilung
(Kabriolett, s. d.) eines Postwagens.
Couperin (spr. kup'räng), Francois, franz.
Klavierkomponist, geb. 10. Nov. 1668 zü Paris als
Sohn des als Orgelspieler berühmten Charles C.
(1638-69), wurde 1698 Organist von St. Gervais
und 1701 Hofkapellorganist des Königs. Er starb
1733. C., von den Zeitgenossen (besonders von
1. S. Bach) hochgeschätzt,'ist der bedeutendste Kla-
vierkomponist des 17. Jahrh., gleich interessant durch
die Formen wie durch die Poet. Tendenzen seiner
Werke. Zum größten Teile gehören sie zur Familie
der Suite. C. suchte aber aus deren einfachen Tanz-
sätzen Charakterstücke zu bilden, behandelte in ihnen
bestimmte durch Überschriften und Titel bezeichnete
Vorwürfe und kleidete diese Bilder durch Erfindung
neuer Spielarten und Verzierungen in ein Klang-
gewand, das immer neue Reize bietet. Hervorzu-
heben sind unter diefen Beiträgen zur Programm-
musik die Apotheose Corellis und die Apotheose
Lullys. Am verbreitetsten waren die vier Bücher
"?i6068 ä6 clavscinn, "I^'art äs toueker 16 eia-
V6oin" (Klavierschule, 1717), "1^68 Foüt8 r6uui8".
Eine neue Ausgabe von Klavierkompositionen C.s
redigierte Vrahms in Chrysanders "Denkmälern der
Tonkunst". >^S. 904d).
Coupesystem (spr. ku-), s. Betriebsmittel (Bd. 2,
Coupieren (frz., spr. ku-), schneiden, abschneiden;
die Karte abheben, auch: eine Karte mit einer höhern
stechen; den Wein verschneiden, d. h. verschiedene
Sorten mischen. In der Fechtkunst: Wechsel des En-
gagements (s. d.) dadurch, daß man bei steiler Aus-
lage durch Heben der eigenen Klingenspitze auf die
andere Seite der feindlichen Klinge übergeht. Über
C. bei Krankheiten s. Adortivkur.
Coupiertes Terrain (spr. ku>), mit Hinder-
nissen, welche dem Vorrücken von Truppen Schwierig-
keiten bereiten, versehenes Terrain.
Coupierung (spr. ku-), im Wasserbau, und
zwar im Flußbau (s. d.) die Absperrung eines Fluß-
arms zu dem Zwecke, die Strömung in dem andern
Flußlaufe zu vergrößern. Die Herstellungsart der
C. ähnelt derjenigen der Buhnen.
Couplet (frz., spr. kupleh; provencal. eodia;
span. copia, von lat. copula, "Band"), ursprünglich
in der Musik und Poesie die Verbindung von zwei
parallelen rhythmischen Sätzen; bei den Trouba-
dours und Trouveres und in der modernen "Olian-
80Q" gleichbedeutend mit dem im Deutschen gebräuch-
lichen Ausdruck Strophe (s. d.), also der aus der
symmetrischen Verknüpfung mehrerer rbythmischen
Glieder (Verse) bestehende Absatz eines Liedes. In
den altfranz. "(^1iÄii80ii8 äs F63t6" wird auch die
längere oder kürzere Reihenfolge von Versen gleicher
Assonanz oder mit gleichen Reimen C. genannt. Seit
dem Aufkommen der komischen Oper erhielten kleine
Lieder oder Arien, die meist eine witzige Pointe
hatten, oft auch satir. Inhalts waren, diesen Namen.
Aus diesen Liedern gingen die gewöhnlich mit einem
Refrain vcrfchenen C. der Vaudevilles und Possen
hervor, die auch in Deutschland gebräuchlich sind.
Coupons (frz., fpr. kupöng), die den öffentlichen
Schuldscheinen (z. B. den Staatspapieren u. s. w.)
und Aktien (früherhin nur den 3.u porteur, d. i. auf
den Inhaber, lautenden Dokumenten solcher Art)
auf eine Reihe von Jahren behufs der Erhebung
der fälligen Zinsen und Dividenden beigegebenen
gedruckten Quittungen (Zinscoupons, Divi-
dendencoupons oder Dividendenscheine),
die bei der Auszahlung der Zinsen zum Beleg
an die Auszahlungsstelle zurückgegeben werden.
Der Name rührt daher, daß sie auf einem ge-
meinsamen Bogen gedruckt sind, von welchem sie
zum Zweck der Einlösung abgeschnitten (coup68)
werden. Der Bogen, welcher die C. enthält, heißt
Zins bogen. Am Ende oder an der Spitze der C.
befindet sich gewöhnlich der sog. Talon (d. h. Ferse,
jetzt häusig Anweisung genannt), gegen dessen
Rückgabe, wenn die daran befindlich gewesenen C.
ausgezahlt sind, der neue Zinsbogen ausgehändigt
wird; doch erfüllt in einigen Fällen der letzte Coupon
des Bogens zugleich auch diesen Zweck und heißt
dann Stich coupon, während in vielen Fällen das
Hauptdokument selbst zur Beziehung der neuen C.
eingereicht werden muß. Der losgetrennte Coupon
wird Inhaberpapier und berechtigt in dieser Eigen-
schaft zur Geltendmachung aller Rechte aus dem-
selben; aber die rechtliche Natur der dem Inhaber
zustehenden Forderung bleibt trotzdem unverändert
und ist völlig verschieden, je nachdem ein Zinscoupon
oder ein Dividendenschein vorliegt; denn im ersten
Falle handelt es sich um die Nebensordnung aus
einem Darlehn, im zweiten Falle um eine selbstän-
dige Hauptschuld aus der Aktienzeichnung. Fällige
C. guter Papiere kann man an den Plätzen, wo ihre
Einlösung erfolgt, an Zahlungsstatt ausgeben,
ohne Abzug gewärtigen zu müssen, diejenigen in-
ländischer Staatspapiere gewöhnlich im ganzen
Lande; ein Nnfug aber ist die mißbräuchliche Be-
nutzung von Dividendencoupons aller Art zu Zah-
lungen, selbst im eigentlichen Handel, geworden, bei
welchen Papieren man es mit einem wechselnden Be-
trage zu thun hat, dessen Kontrolle Weitläufigkeiten
macht, während häusig auch ein Coupon uneinge-
löst bleibt, weil das betreffende Aktienunternehmen
für die bezügliche Periode keinen Ertrag gegeben
hat; die Verwendung von C. und Dividenden-
scheinen als Zahlungsmittel hat zum Vorteil des
Verkehrs erheblich abgenommen, seitdem das Post-
anweisungs- und Postauftragsverfabren mehr m
Aufnahme gekommen ist. Die C. der Staatspapiere
werden in Deutschland meist noch innerhalb 4 Jahren
nach dem Verfalltage an den betreffenden öffent-
lichen Kassen emgelöst, und dieser Umstand ermög-
licht ihren Umlauf. Einen Zinscoupon oder gar
einen Dividendenschein vor seiner Fälligkeit in Zah-
lung zu nehmen, ist ganz unratsam. Von fälligen
C. zu unterscheiden sind verfallene C., welche nicht
mehr eingelöst werden, weil die Verjährungsfrist
verstrichen ist. Nicht selten werden die C. auslän-
discher Papiere nicht mit dem angegebenen Nenn-
betrag, sondern mit gewissen Abzügen bezahlt (Cou-
ponsteuer, s. d.). Papiere, die mit Couponsbogen
versehen sind, kauft und verkauft man mit den noch
nicht verfallenen C. Beim Ankaufe hat man sich
Artikel, die man unter C vermißt, sind unter K aufzusuchen.