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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Dervent; Derwas; Derwenakia; Derwent; Derwent Conway; Derwenthafen; Derwentwater; Derwisch

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Dervent – Derwisch

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Derschawin'

«Dank an Feliza», «Der Traum des Mursen» (alle drei an die Kaiserin), «An Reschemysl» (Potemkin) und die zu europ. Berühmtheit gelangte geistliche Ode «Gott». 1784 wurde er Gouverneur von Olonez, 1786 von Tambow, hier aber verleumdet, 1789 in Moskau vor Gericht gestellt, aber freigesprochen. In die nächste Zeit fallen die Gedichte «Schilderung der Feliza», «Auf die Eroberung von Ismail» und die berühmte Ode «Der Wasserfall» (auf den Tod Potemkins), «Der Große» (1794), «Auf- und Einnahme Warschaus» (1794). 1791 wurde er Kabinettssekretär der Kaiserin, 1793 Senator, 1796 unter Kaiser Paul Direktor der Kanzlei des Reichsrats, bald aber wegen seiner ungezügelten Sprache in den Senat zurückversetzt, 1800 Präsident des Kommerzkollegiums, im selben Jahr zweiter Minister am kaiserl. Schatzamt und schließlich Reichsschatzmeister. Alexander I. machte ihn 1802 zum Justizminister; er erhielt aber seiner reaktionären Gesinnung wegen bereits 1803 den Abschied und trat ganz aus dem Staatsdienst (Gedicht «Die Freiheit»). Er siedelte auf seine Nowgoroder Besitzung Swanka über, wo er 21. (9.) Juli 1816 starb. Sein Landleben beschrieb er in dem «Leben in Swanka» (1807). 1811 gründete er mit A. S. Schischkow zusammen einen litterar. Verein (Besĕda ljubitelej russkago slova), aus deren Abhandlungen (Čtenija) er selbst einiges veröffentlichte. D.s Werke mit erläuternden Anmerkungen wurden von J. Grot (Prachtausg. in 7 Bdn., 1864–80; einfachere Ausg. 1868–78) herausgegeben. Ein 8. Band (1881) enthält D.s Biographie von J. Grot. Deutsch erschienen: «Gedichte des Herrn Staatsrath D. Aus dem Russischen von Kotzebue» (Lpz. 1793). – Vgl. Wolfsohn, Die schönwissenschaftliche Litteratur der Russen (Lpz. 1843).

Dervent, Hauptstadt des bosn. Bezirks D. (43970 E., darunter 20061 röm., 16090 griech. Katholiken, 198 Israeliten und 7602 Mohammedaner) im Kreis Banjaluka, südlich von Bosnisch-Brod an der zur Save gehenden Ukraina und der Linie Bosnisch-Brod-Seraiewo (Bosnabahn), in flacher Gegend, in 150 m Höhe, hat (1885) 4449 E., darunter 1192 röm., 478 griech. Katholiken, 128 Israeliten und 2639 Mohammedaner und ist Sitz der Direktion der Bosnabahn sowie Garnison einer Compagnie des 7. bosn. Infanteriebataillons.

Derwas (Darwas), Chanat in Turkestan (s. d.).

Derwenákia, eine längliche Schlucht im Peloponnes, am alten Tretongebirge zwischen Argolis und Korinth. Indem Kolokotronis (s. d.) im griech. Befreiungskampfe diesen Paß besetzte, bereitete er 6. Aug. 1822 dem türk. Seraskier Dramalis bei dessen Rückmarsch aus Argos nach Korinth eine völlige Niederlage.

Derwent, Name von vier Flüssen in England.

1) Linker Nebenfluß des Trent, entspringt im nördlichsten Teile der Grafschaft Derby aus den Mooren des High-Peak, fließt anfangs in engem Thale nach SSO., wird bei Derby schiffbar und mündet, 96 km lang, links in den Trent.

2) D., entspringt am Sleights Moor in Yorkshire, unfern der Ostküste, läuft nach S., dann nach W. in die Ebene von York, geht, von New-Malton an schiffbar, nach SSW., dann nach S., und mündet, 92 km lang, links in die Ouse.

3) D., entspringt in den cumbrischen Gebirgen am Scaw Fell, entwässert mehrere Seen, darunter den schönsten Bergsee Englands, das Derwentwater, an dem Keswick (s. d.) liegt, durchfließt das Thal Borrowdale, wendet sich nach ↔ W., berührt Cockermouth und mündet, etwa 55 km lang, bei Workington in den Solwaybusen.

4) D., entspringt bei Allenheads, trennt Durham von Northumberland und ergießt sich oberhalb Newcastle, nach einem Laufe von 50 km, rechts in den Tyne.

Derwent Conway (spr. konnwĬ), Pseudonym, s. Inglis, Henry David.

Derwenthafen, s. Hobart.

Derwentwater, s. Derwent.

Derwisch (pers., «Bettler»), eigentlich jemand, der sich an den Thüren aufhält. D. wird wie das synonyme arab. Wort Fakir (s. d.) in der Bedeutung eines der Gnade Gottes «bedürftigen», der Welt entsagenden, frommen Menschen und sodann eines Mitgliedes gewisser mystisch-religiöser Brüderschaften (Orden) des Islam angewendet. Solcher durch das Band besonderer religiöser Übungen und Riten, sowie pantheistisch-theosophischer Lehren unter sich vereinigter Brüderschaften giebt es viele; das Zusammenleben der Teilnehmer in ihren Tekjes oder Chankahs, die zumeist mit reichen Wakfs (Stiftungen) in Geld und Landgütern ausgestattet sind und denen, wie den christl. Klöstern, ein Prior, ein Scheich oder Pir, d. d. ein Ordensalter, vorsteht, gemeinschaftliche Andachtsübungen und äußere Abzeichen in der Tracht geben ihnen Ähnlichkeit mit den christl. Mönchsorden, von denen wieder die Nichtausschließlichkeit des Cölibats und die völlige Beziehungslosigkeit zur offiziellen Kirchenorganisation sie scheidet. Die Derwischorden führen ihre Tradition auf die ältesten Zeiten des Islam zurück und betrachten die ersten Chalifen, namentlich aber den Ali, als ihre ersten Obern und Begründer. Thatsächlich aber hängt ihre Entstehung mit dem Eindringen fremder, pers. und ind. Ideen in den Islam zusammen. Der älteste, historisch nachweisbare Orden ist der 766 begründete Alwânija-Orden. Die bekanntesten Derwischorden sind heutzutage die Rufâ'ija (seit 1182), deren Mitglieder heulende D. genannt werden, die Schâdsilija (1258), die Mewlewije, begründet 1273 durch den berühmten Dichter des Meßnewi, Dschelâl ed-din Rumi, als die tanzenden D. Bekannt: die weitverbreiteten Nakischhendije seit 1319, die Sa'dija seit 1335. Außer diesen sind die Bektâschi (seit 1357, benannt nach dem Stifter Hadschi Bektâsch) zu erwähnen, denen das Janitscharentum affiliiert war, weil ihr Stifter diese gewaltige Schöpfung des Sultans Orchan eingesegnet hatte. Die Bektâschi, welche von der Erlaubnis zu betteln einen schamlosen Gebrauch machten, standen bei dem mohammed. gemeinen Volke in großem Ansehen, wurden aber 1826 vom Sultan Mahmud II. nach der Vernichtung der Janitscharen aufgehoben. Die gemeinschaftlichen Andachtsübungen der Ordensbrüder, unter dem Namen Dsikr bekannt, sind in den verschiedenen Orden von verschiedener Art. Dieselben sind teils an bestimmten Wochentagen wiederkehrende Dsikrs, teils werden sie an besondern Feiertagen, namentlich gelegentlich des Geburtstags des Mohammed (s. Dôseh) und des Môlid (Erinnerungsfestes) des Ordensstifters abgehalten. Außer den regelmäßigen Klosterbrüdern zählen viele Orden freie Mitglieder, Affiliierte, die außer dem Klosterverbande leben, aber sich zu den Lehren der betreffenden Brüderschaften bekennen und an der Förderung ihrer Tendenzen teilnehmen. – Von den bisher erwähnten Derwischorden, welche sich trotz ihrer nicht ganz orthodoxen Dogmatik im ganzen in den Schranken des Religionsgesetzes halten, sind jene zu unterscheiden, deren Mitglieder sich durch die Vernach-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 962.