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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Differenzhandel
wenn sie durch Differenzhandel mit Waren oder
Börsenpapieren übermäßige Summen verbraucht
haben oder schuldig geworden sind. Unter Differenz-
handel sind hier sowohl die reinen D. als die D.
im weitern Sinne verstanden. - Vgl. Wiener, Das
Differenzgeschäft vom Standpunkt der jetzigen Recht-
sprechung (Berl. 18W).
Differenzhandel, s. Differenz geschäfte.
Differenzieren (Disferentiieren, lat.),
unterscheiden, den Unterschied hervorheben; über D.
in biologischem Sinne s. Arbeitsteilung; über D. in
der Mathematik s. Differentialrechnung.
Differenzklage, die Klage auf Zahlung der
Preisdifferenz, welche der Verkäufer von dem säu-
migen Muser oder der Käufer von dem säumigen
Verkäufer statt der Erfüllung fordert (f. Kauf). ^
Differönzlampe, f. Bogenlicht.
Differenzstrom, s. Telegraphen-Betriebsweise.
Differenzton, f. Kombinationston.
Differieren (lat.), einen Unterschied zeigen, ab-
weichen.
Diffession (lat.), im Sinne des frühern deutschen
Prozeßrechts die Ableugnung der Echtheit einer
von einer Partei vorgelegten Privaturkunde seitens
der Gegenpartei. Der Leugnende (Diffitent)
hatte, sofern nicht ein sonstiger Beweis für die Echt-
beit oder die Uncchtheit vorlag, einen Eid (den fog.
Diffessionseid) des Inhalts zu leisten, daß er die
fragliche Urkunde weder selbst geschrieben oder unter-
schrieben, noch durch einen andern für sich habe
schreiben oder unterschreiben lassen. BeiNichtleistung
dieses Eides galt die Echtheit der Urkunde als er-
wiesen. Die Deutsche Civilprozehordnung hat den
daß die Echtheit einer nicht anerkannten Urkunde
zu beweisen ist (Civilprozeßordn. §. 405).
Diffessionseid, s. Diffession.
Difficil (lat.), schwierig, Schwierigkeiten ma-
chend, schwer zu behandeln.
Vikkoilo sst, sa.tirain non soridore,
schwer ist es, (darüber) keine Satire zu schreiben,
Citat aus Iuvenals "Satiren" (I, 30).
Diffidieren (lat.), mißtrauen; Diffidönz,
Mißtrauen; Diffidation (mittellat.), Fehdcan-
tünoigung, Herausforderung.
Diffiknltät (lat.), Schwierigkeit.
Diffindieren (lat.), zcrfpalten; in der Rechts-
sprache: eine Verhandlung unterbrechen und ver-
schieben; Diffission, Ze'rspaltung, Aufschiebung.
Diffitieren (tat.), ableugnen, abschwören; Dis-
fit^nt,s. Diffefsion.
Diffluieren (lat.), zerfließen; diffluent, zer-
fließend; Difflusnz, das Zerfließen.
Difförm (lat.), mißgestaltet; difformieren,
verunstalten; Difformität, Mißgestalt, Häftlich-
Diffraktion (lat.), s. Beugung. ^ l.kcit.
Diffundieren (lat.), uach allen (Zeiten hin zer-
streuen, ausgießen; vergeuden, verschwenden; dif-
fus, zerstreut, weitschweifig.
Diffuses Licht, s. Neflcrion.
Diffuseur (frz., fpr.-füföhr), f. Zuckerfabrikation.
Diffusion (lat.), Ergießung, Ausbreitung. Die
D. derFlüffigkeiten ist ein Vewegungsvorgang
der Moleküle, der ohne äußere Einwirkung eintritt,
wenn zwei mischbare, nicht chemisch aufeinander
wirkende Flüssigkeiten, sei es frei, sei es durch eine
Membran voneinander getrennt, in Berührung
kommen. Die Erscheinung wird am leichtesten ver-
ständlich, wenn man sich eine Salzlösung von einer
- Diffusion
Wassermasse so überschichtet denkt, daß beide nur
in einer scharfen Grenzlinie miteinander in Be-
rührung sind. Die Salzlösung ist eine gleichförm^e
Mischung von Salzmolekülen und Wassermolekülen,
in der Gleichgewicht der Anziehungskräfte herrscht.
Dieses Gleichgewicht wird nun durch die darüber-
liegende Wasserschicht gestört, da die Anziehungs-
kräfte der Wassermoleküle auf ihresgleichen andere
sind, als auf Salzmoleküle. Erst, wenn so viel
Wassermoleküle in die Salzlösung und eine ent-
sprechende Menge Salzmoletüle in die Wasserschicht
eingedrungen sind, daß eine gleichmäßige Mischung
hergestellt ist, befinden sich die Anziehungskräfte
wieder im Gleichgewicht. Die Geschwindigkeit des
Diffusionsstroms oder die Zeit, die zur Herstellung
der gleichmäßigen Mischung erforderlich ist, ist bei
den einzelnen Körpern nicht gleich. Nimmt man z. B.
bei gleicher Konzentration der Lösungen die Menge
von Eiweiß, die in der Zeiteinheit zum Wasser
übertritt, ^ 1, so ist die Menge des Zuckers ^ 8,7,
die Menge des Kochsalzes ^ 19, die Menge der
Schwefelsäure -^ 22,5. Es beruht dies offenbar dar-
auf, daß die Wassermoleküle auf die Schwefelsäure
eine Anziehungskraft geltend machen, die zu der, die
sie auf die Eiweißmoleküle ausüben können, im Ver-
hältnis von 22,5 :1 steht.
Analoge Vorgänge treten ein, wenn die Lösungen
von dem Wasser durch eine mit Wasser imbibierte
(f. Imbibition) Membran getrennt sind, und diese
sind für die Ernährung der Pflanzen wie der Tiere,
für alle Lebcnsvorgänge derfelben von allergrößter
Bedeutung. Alle imbibierten Membranen kann
man mit Sieben von sehr kleiner Maschenweite
vergleichen, in denen das feste Geflecht aus zusam-
menhängenden Membranteilchen besteht, während
die Zwischenräume mit Wasserschichten gefüllt sind.
Ist nun eine Lösung ringsum von einer solchen
Membran umgeben, wie z.V. in einer Pflanzen-
zelle, und wird sie mit derselben in WaM gehängt,
so wandern Moleküle des Zellinhalts zum Wasser
durch die Membran hindurch, und andererseits gehen
Wassermoleküle durch die Membran in die Zelle,
ein Vorgang, den man auch Endosmosc und
Exosmose genannt hat. (S. Osmose.) Der-
selbe dauert so lange, bis die umspielende Flüssig-
keit und der Zellinhalt gleiche Konzentration erreicht
haben. Wird erstere aber beständig durch reines
Wasser ersetzt, so wandert schließlich die Gesamt-
menge des diffusionsfähigen Inhalts aus der Zelle
aus und es tritt Wasser an seine Stelle. Das Gleiche,
nur in umgekehrtem Sinne, erfolgt selbstverständ-
lich, wenn der Zellinhalt aus Wasser, dagegen die
umspülende Flüssigkeit aus einer Lösung besteht.
Und ebenso, wie bei der freien D. je nach den ver-
schiedenen Anziehungskräften sich eine verschiedene
Diffusionsgefchwindigkeit geltend macht, so auch
hier, nur kommt hier noch ein weiterer Umstand
hinzu, nämlich das Verhältnis der Größe der Mo-
leküle zu der Größe der Zwischenräume in der Mem-
bran. Denkt man sich ein Pulver von sehr ver-
schiedener Korngröße auf ein Sieb gebracht, fo wer-
den alle Körner, deren Durchmesser beträchtlich klei-
ner als die Maschen des Siebes sind, mit größter
Leichtigkeit durch das Sieb gehen, solche Körner,
deren Durchmesser nur um ein weniges geringer ist
als die Maschenweite, werden schwerer das Sied
passieren, während alle solche, die größer als die
freien Öffnungen sind, auf dem Siebe liegen blei-
ben. So auch bei der Membrandiffusion. Die klein-