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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elasticitätsgrenze - Elastischer Quarz
verschwänden; daß also z. V. Mctalldrähte, wenn
sie durch Anhängen eines nicht bedeutenden Ge-
wichts eine geringe Verlängerung erfahren hätten,
nach dem Abnehmen dieses Gewichts wieder ganz
auf ihre ursprüngliche Länge zurückgingen, und
nannte diese Grenze, innerhalb deren ein solcher
Draht keine bleibende Veränderung seiner Länge
erlitt, die Elasticitätsgrenze. Nach genauen
Untersuchungen von Wertheim (1844) scheint es
aber eine scharfe Elasticitätsgrenze wenigstens bei
den Metallen nicht zu geben. Man muß daher die
Elasticitätsgrenze willkürlich bestimmen, indem man
z. B. festsetzt, daß sie dann eintritt, wenn das Metall
eine bleibende Veränderung von 0,0005 seiner Länge
erleidet. Man wird also, wenn man die bloße
elastische Verlängerung (d. i. die wieder ver-
schwindende) eines metallischen Drahtes oder Stabes
wissen will, seine Länge bei angehängtem Gewicht
mit seiner Länge nach dem Abheben desselben ver-
gleichen müssen. Es zeigt sich dann, daß diese Ver-
längerungen den angehängten Gewichten, ferner!
der Länge des Stabes direkt proportional und ^
seinem Querschnitte umgekehrt proportional sind. ^
Man kann nun aus solchen Messungen berechnen, >
wie groß das Gewicht sein mühte, das einen Draht >
oder Stab, dessen Querschnitt der Einheit (in der ^
Regel 1 ymin) gleich ist, auf seine doppelte Länge l
auszudehnen vermag, wenn es nämlich mo'glicb!
wäre, den Draht oder Stab so weit auszudehnen,
ohne ihn zu zerreißen, und wenn die E. bis zu die-
ser Grenze hin unverändert dieselbe bliebe. Das
bierzu nötige Gewicht, das für die verschiedenen
Stoffe verschieden ist, nennt man den Elastici-
tätskoefficienten oder den Elasticitäts-
modul. Derselbe ist indes für ein und dasselbe
Metall nicht konstant, sondern alle Umstände, welche
die Dichte des Metalls vermehren, vergrößern in
der Regel denselben.
Die E. zeigt sich aber nicht nur, wenn die Körper
nach ihrer Länge gezogen, sondern auch, wenn sie
zusammengedrückt oder in einer auf ihrer Länge
lenkrechten Richtung gebogen oder um ihre Achse
gedreht werden. Bezüglich der Druckelasticität
gelten auch die oben angeführten Gesetze der E.
durch Zug, nur bedeutet hier die Längcnvcrände-
rung eine Verkürzung, während sie dort eine Ver-
längerung war. Mit der Verkürzung ist zugleich
eine Ausdehnung, mit der Verlängerung eine Ver-
ringerung der Querdimension verbunden, über
deren numerischen Wert die Forscher nicht überein-
stimmen. Bezüglich derViegungselasticität ist
die Biegungsgröße abhängig sowohl von den Di-
mensionen als von der Form, wie auch von der
Unterstützungsweise der betreffenden Stäbe; sie ist in
allen Fällen proportional dem biegenden Gewicht.
Auch bezüglich der E. durch Umdrehung oder
Torsion ist die verändernde Kraft proportional
dem Torsionswinkel. Um die E. auffällig zu zeigen,
dient folgender Versuch: Läßt man eine Elfenbein-
kugcl aus einiger Höhe auf eine berußte Marmor-
platte fallen, so zeigt sich, wenn sie nach dem Ab-
springen aufgefangen wird, daß die Kugel die
Marmorplatte nicht in einem Punkte, sondern in
einem Kreise von 4 bis 6 mm Durchmesser berührt
hat; sie mußte also ihre vollkommene Kugelgestalt
an den Punkten, mit denen sie auf die Platte siel,
abändern. Die E., die Drähte und Glasfädcn beim
Drehen um ihre Achse zeigen, dient in der Dreh-
wage (s. Torsionswage) zur Messung magnetischer
oder elektrischer Kräfte. Sehr bekannte elastische
Körper sind Stahl, Elfenbein, Kautschuk u. dgl. Die
E. dieser Körper wird technisch vielfach benutzt,
z. B. in den sog. Federn als bewegende Kraft (Feder-
uhren), ferner um Stöße unschädlich zu machen
(Waggonpuffer und Wagenfedern), um einen Ver-
schluß zu bewirken (Kork- und Kautschukstöpsel), als
Kraft- und Druckmesser (Dynamometer und Feder-
wagen). Da die Fortpflanzung der Schallwelle m
den festen Körpern von ihrer E. abhängt, so läßt
sich auch aus den an einem Stäbe beobachteten
Längs - oder Querschwingungen der Elasticitäts-
koefsicient für denselben herleiten; man erhält aber
wegen der bei diesen Schwingungsbewegungen ent-
wickelten Wärme nur nahezu denselben Wert, wie
ihn die obenerwähnten Versuche über die Verlänge-
rung der Stäbe durch angehängte Gewichte geben.
Wäbrend die festen Körper wahrscheinlich sämtlich
nicht vollkommen elastisch sind, d. h. nach Hinweg-
nahmc der sie beeinflussenden Kräfte nicht vollkommen
ihre frühere Größe und ihre anfängliche Gestalt an-
nebmen, zeigen dagegen flüssige und gasförmige
Körper eine vollkommene E., d. h. sie dehnen sich
nach der Hinwegnahme des äußern Druckes wieder
auf ihr früheres Volumen aus. Bei Flüssigkeiten
und Gasen treten aber nicht formerhaltende, son-
dern nur volumenerhaltende Kräste auf. (S. Kom-
pressibilität, Boylcschcs Gesetz). - Vgl. Lams, I.e>
^0N8 8UI- 111, tilöm'ie äe 1'6i3.8tioit6 (2. Aufl., Par.
1866); Clebsch, Theorie der E. fester Körper (Lpz.
1862); E. Winklcr, Lehre von der E. und Festigkeit
(Prag 1868); Beer, Einleitung in die Theorie der E.
und Kapillarität (Lpz. 1869); H. Klein, Theorie der
E., Akustik und Optik (ebd. 1877); Grasbof, Theorie
der E. und Festigkeit u. s. w. (2. Aufl., Verl. 1878);
Franz Neumann, Vorlesungen über die Theorie der
E. der festen Körper und des Lichtäthers (Lpz. 1885);
Bach, E. und Festigkeit (Berl. 1890); Reifs, E. und
Elektricität (Freib. i. Vr. 1893); Keck, Vorträge über
Elasticitätslehre (2 Tle., Hannov. 1893).
Elasticitätsgrenze, s. Elasticität und Festigkeit.
Glasticitätskoefficient, s. Elasticität.
Elasticitätsmesser oder Elaterometer im
engern Sinne, Instrumente zur Bestimmung der
Spannung von Gasen und Dämpfen in abgeschlos-
senen Näumen, also besonders die sog. Varometer-
probe (s. d.) und Manometer (s. 0.).
Elasticitätsmodul, s. Elasticität.
Glaftiks (engl. 6la8tie8; frz. 6ic>.8ticiu68), auä>
Kautschukgewebegenannt,leinene,baumwollene,
wollene oder seidene Gewebe, die entweder in Kette
und Einschlag oder meist nur in der Kette Kautschut-
fäden enthalten und besonders zu Strumpfbändern,
Einsäßen in Halbstiefel, Tragbändern (Hosenträ^
gern) u. s. w. verwendet werden. Auch nennt mau
E. geköperte und gewalkte sehr dehnbare Streich-
wollzeuge zu Männerklcidungsstücken.
Elastln, der Hauptbestandteil der elastischen Ge-
webe des tierischen Organismus; man rechnet es
zu den Albuminoiden, d. i. dem Eiweiß nahesteben-
den Stoffen. Es soll schwefelfrei sein und bei seiner
Spaltung Tyrosin liefern. Von Hunden wird das
E. fast vollständig verdaut.
Elastisch, mit Elasticität (s. d.) begabt, feder-
kräftig, spannkräftig. ^S. 360 a).
Elastische Vänder, s. Bandsabrikation (Bd. 2,
Elastische Fasern, s. Bindegewebe.
Elastischer Quarz, Elastischer Sand-
stein, s. Itakolumit.