Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

107
Enfant terrible - Engadin
bürgten Tradition eine in den letzten Jahren des
14. Jahrh, entstandene Gesellschaft von Pariser!
Bürgersöhnen, die an den Vühnenspielen der Ba-
soche(s.d.) teilzunehmen wünschten. Vielleicht waren i
die "Sorgenlosen" zuerst eine Karnevalsgesellschaft
zur Veranstaltung von Narrenspielen; später ge- !
hörten zu ihr Spielleute, Possenreißer und Luft- ^
springer von Beruf. Ihre Vorstände hießen ?liu00
cl68 i^0t8 (Narrenfürst) und Nei-6 80tt6 (Narren-
muttcr). Sie spielten in den Pariser Markthallen
und erfanden eine besondere Spielgattung, die
80U16 (Narrenspiel). Ein berühmter Vorsteher
und Dickter der Gesellschaft war Pierre Grillgore
(s. d.). Sie unterstützten auch die Passionsbrüder
(^ontröi'io ä6 1a M33ion, s. d.) und die Basocke
bei ibren Auffübrungenund bestanden bis Hiittedes
16. Iabrh. Während der Bürgerkriege hörten sie !
aus zu spielen und die Gesellschaft ging ein. ?iinc6 >
des 8ot8 nannte sich zuletzt noch Nicolas Ioubert
(gest. 1615). - Vgl. Petit de Iullcville, 1.68 coinö-
lii6li3 6U ^'i-anco MI IN0)'OU Ü.F6 (Par. 1885)). ^
Unlant terridis (frz., spr. angfang terrihbl, !
"Schreckenskind"), eigentlich ein plaudcrhaftes Kind, ^
das durch Wicdererzählung gehörter oder gefehener
Dinge Verlegenheiten bereitet; dann jemand, der ^
seine Partei oder Sache durch zu große Offenherzig- ^
keit kompromittiert. Der Ausdruck foll von dem
Satirenzeichner Gavarni (gest. 1866) erfunden wor-
den sein, der einen seiner komischen Bilderbogen
mit dem Titel "1^68 6niant8 t^ri-idi^s" be;eicknete.
Gnfield (spr. snnsthld), Stadt in der engl. Graf-
schaft Middlefex, links am Themsezufluß Ncw-River,
18 I(m im N. von London, hat (1891) 31532 E., eine
Lateinschule, ein litterar, und wissenschaftliches In-
stitut und eine großartige königl. Gewehrfabrik, die
wöchentlich 5000 Büchsen liefern kann. Der wild'
reiche Wald (E. Chafe) ist längst verschwunden.
Gnfilade (frz., spr. angsilabd), Reibe; im Bau-
wesen eine Reihe von Zimmern, deren Thüren wo-
möglich in einer Ackse liegen, sodaß man die ganze
Flucht auf einmal übersehen kann. Während das
Mittelalter die E. auch ihrem Wesen nach im Wohn-
hausbau nicht kannte, hat der Barockstil sie znr
höchsten Entwicklung gebracht (Palazzo Borghefe
in Rom, wo die E. in stumpfem Winkel die Ouer-
mauern schneidet; Schloß zu Versailles). Die Eti-
kette des franz. Hofs stellte auch die Reihenfolge
der in E. liegenden Raume fest, indem sie an den
von der Treppe zugänglichen Salon das Antichambrc
(s. d.), das (^iiamdi'6 d'a1c0v6 (s. Alkoven) oder
(^Hmdr6 äe lit und endlich die Garderobe angereiht
wünscht. Auch im neuern höhern Wohnbausbau
und in öffentlichen Gebäuden liebt man es, die E.
einzuführen. Durch Aufstellen von großen Spiegeln
am Ende der Achse erweitern sich die Räume schein-
bar ins Unendliche. - In militärischer Be-
ziehung ist E. die Bestreichung einer Stellung, Ve-
festigungslinic, Marschrichtung mit Längsfeuer,
d. !>). dcr Läncze nach. (S. Enfiliervatterien.) - Über
die E. ak> lnnterind. Geldgröße s. Dong.
Enfilierbatterien (spr. angf-), Batterien, die im
förmlichen Festungeangriff die Aufgabe baben, die
angegriffene Front ihrcr Länge nach unter Seiten-
feuer zu nehmen. Im Vaubanschen Angriffosystem
liegen die E. ganz seitwärts, unter Umständen
außerbalb des Bereiches der ersten Parallele in der
Verlängerung der Kurtine der Angriffsfront und
haben die Bestimmung, diese der Länge nach mit
voller Ladung und fchwacher Elevation zu beschießen.
Enfiliercn (frz., fpr. angf-), einfädeln; an-, auf-
reihen; verwickeln, verstricken (in ein Unternehmen).
- E. im militärischen Sinne s. Enfiladc.
Untin (frz., spr. angfäng), endlich; kurz.
Ellflammieren (frz., spr. angst-), entflammen,
^nüe (frz., fpr. angst, von 6uÜ6i', "schwellen"),
ein gewöbnlich von sechs Personen mit je acht Blättern
gespieltes Kartenspiel. Wer nicht Farbe zugeben
kann, "schwillt", d. h. muß alle Blätter des unter-
brochenen Stichs hereinnehmen. Gewonnen hat,
wer sich zuerst seiner Karten entledigt.
Gnfleurage (frz., spr. angflörahsch'), Verfahren
der Parfümeriebereitung, wird angewandt, um die
feinsten Blumendüfte, so die der Maiblumen, Tube-
rosen, Iasminblüte, die sich durch Destillation,
Maceratwn u. s. w. nicht gewinnen lassen, zu er-
halten. Die E. wird ausgeführt, indem die ganz
frisch gesammelten Blüten in flachen, kastenförmigen
Behältern, die mit einer auf der untern Seite mit
einer dünnen Fettschicht überzogenen Glastasel be-
deckt sind, ausgebreitet werden. Der von den Blüten
ausströmende Duft wird von dem Fett absorbiert.
Letzteres wird, nachdem es mehrfach derselben Ope-
ration gedient bat, entweder unmittelbar zur Dar-
stellung feiner Pomaden verwandt oder es wird mit
starkem Alkohol ertrahiert, an den es die Riechstoffe
abgicbt, deren alkoholische Lösung zur Darstellung
der sog. Ertraits dient.
Gnfoncieren (frz., spr. angfongß-), in die Tiefe
verfenken; ein-, durchbrechen, auch einsinken; sich in
etwas versenken; Enfoncement (spr. angfongß-
mäng), Vertiefung, Hintergrund (eines Gemäldes,
der Bühne) u. s. w.
Gnforcieren (frz., spr. angforß-), verstärken.
HnF2.aä2., griech.-röm. Name für Engedi (s. d.)
in Palästina.
Gngadttt, roman. i^nFiadina, ein Hochthal im
schweiz. Kanton Graubünden, vom Inn durchströmt,
der in 2480 in Höhe in dem Vergsee des Piz Lun-
ghino, unweit des Septimcr, entspringt und in der
obern Thalstufe die Seen von lHils, Silvaplana,
Campfer und St. Moritz bildet, erstreckt sich von der
Querschwelle der Maloja (s. d.) in einer Länge von
91 km von SW. nach NO. bis zu der Grenzschlucht
von Martinsbruck (1019 m), unterhalb welcher nur
i noch die linke Flußseite bis Schergenhof (bei Fin-
stermünz) dem E. angehört. Links wird das Thal
von dem Hauptstamme der nordrhätischen Alpen
eingeschlossen, deren vergletscherte, 3000-3400 m
^ hohe Bergstöcke (Piz La'grev 3170 iu, Piz d'Err
! 3395 m, Piz Kesch 3417 m, Piz Linard 3416 in,
Plz Buin 3327 m) das E. von den graubündischen
Thalschaftcn Oberhalbstein, Vergün, Davos und
Prättigau und von dem tirolischen Patznaunthale
scheiden. Rechts erheben sich in den südrhätischen
Alpen das Gletsckcrmassiv des Piz Vernina (4052 m)
und östlick vom Bcrninapasse niedrigere, meist sel-
! sige Bergstöcke (Piz Languard 3266 in, Piz Qna-
^ tervals 3157 in, Piz Seesvenna 3221 m) der Ofen-
paßalpen und trennen das Thal von den ital.Land-
! schaften Veltlin und Vormio, dem graubündischen
^ Münsterthale und dem tirolischen Vintfchgau.
Das E. besteht aus zwei durch die Querschlucht
Zernetz-Süs verbundenen Längenthälern und zahl-
reichen Seitenthälern, von denen die der linken
^ Seite: Val Bever, Val Sulsanna, Val Susasea,
> Val Sinestra, Val Samnaun, meist kurz und sckmal,
! zum Teil leine Winterdörfer besitzen; die der rechten
. Seite sind länger: so das vom Flatzbach durchflossene