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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Faid'herbe - Failly
Schlacht an der Hallue zunr Rückzüge bis nördlich
hinter Arms genötigt wurde. Nach einem zwei-
tägigen Gefecht bei Vapaume (s. d.) 2. und 3. Jan.
1871 wurde F. von Goeben unter großen Ver-
lusten zum Rückzüge nach Arras und Douai ge-
zwungen. F. versuchte wieder südlich vorzudringen,
wurde jedoch von Goeben auf Et. Quentin zurück-
geworfen und hier 19. Jan. entscheidend geschlagen.
Im Febr.1871 wurde er in Paris als eifriger Republi-
kaner und Anhänger Gambettas in die National-
versammlung gewählt, legte aber schon 19. Febr. sein
Mandat nieder. Am 2/. April 1871 wurde er in
den Ruhestand versetzt und von der Regierung nach
Oberägypten geschickt, um die dortigen Denkmäler
und Inschriften zu untersuchen. Bei den Ersatz-
wahlen zur Nationalversammlung Juni 1871 in
drei Departements erwählt, nahm er die Wahl in
Lille an, legte das Mandat jedoch bald nieder. Er
starb 28. Sept. 1889 zu Paris. Im Sept. 1891
wurde ihm in Vapaume ein Denkmal errichtet.
F. hat sich auch um die Geographie, Ethnographie
und Sprachkunde hervorragende Verdienste erwor-
ben. Außer verschiedenen Beiträgen zu dem "Zuiio
tinv der Pariser Geographischen Gesellschaft gab
er seit 1800 zu Et. Louis am Senegal das "^n-
nu3.ii'o du 86u6FHi" heraus, für das er schätzbare
Beiträge zur Kenntnis der dortigen Völker und
Sprachen veröffentlichte. Ferner erschien von ihm
"<I!Ii^)itit)8 d6 ALOFrapIiio 8ui' 1e noi'ä-oueät äs
I'^irihue" (St. Louis 1864), "^883.1 8ui' la IlMFue
?9u!" (Par. 1875), "1.03 do1m6Q8 d'^ti-i<iu6" (1873),
<d^)i^i'3.^Ilio ^Iiüuioi6iiii6" (1873), "Iu8ti'uotion8
LU1- 1'g.nt1ii'0i)0i0Ai6 cle I'^i^örie" (Par. 1874), "1^6
Zond^n li'iiu^i8" (1884), "1^6 86N6MI. 1^3, I^ranct)
äan31'^i'ri<iu0 occidsntHi^') (1889). Während seines
letzten Aufenthalts in Algier machte er sich durch eine
"(^oiiectiou compiets d<38 iu3ci'i^tioii3 numidi(iu68"
(Par. 1870) bekannt. Nach dem Friedensschlüsse
mit Deutschland suchte er seine Kriegführung in der
Schrift "(üaniMFQL d6 1'Hi'in66 du ^01 d en 1870/71"
(Par. 1871) zu rechtfertigen. Die unrichtigen An-
gaben dieser Schrift widerlegte General von^Gocben
in der (^Allgemeinen Militär-Zeitung" (Darmstadt),
Scton in "Xoteä 011 tlio operatioi^ 0k ttik ^ortii-
66i'Wilii tr00Z)8 in I,0i'i'liiu6 tuid I'icaid^)) (Lond.
1872). - Vgl. Vruncl, 1.6 86Q6rHi1^. (Par. 1890).
Faid'herbe (spr. fädsrb), Lucas, niederländ.
Architekt, geb. u;i7 zu Mecheln, gest. daselbst 1697,
ursprünglich Bildhauer, Schüler und Hausgenosse
des Rubens, erbaute die Michaeliskirche zu Löwen
(1650-66), die Veguinenkirche zu Brüssel (1657-
76),Notre-Damed'Hanswyckzull)tccheln(1673-78)
und zahlreiche andere in Grundriß und Durchbil-
dung gleich bemerkenswerte Kirchen in einem glänzen-
den, phantasiereichon Barockstil und wurde somit
der Lehrer einer weitverzweigten, namentlich auch
in Süddeutschland wirkenden Schule. - Vgl. Gur-
litt, Geschichte des Barockstils, des Rokoko und
des Klassicismus, Abteil. 2 (Stuttg. 1888).
Faidit (spr.fädih), Gaucelm, proveneal. Dichter
aus Uzerche imLimousin, führte erst das Leben eines
Spielmanns, indem er mit seiner Geliebten, Guil-
lelma, die er später heiratete, umherzog, später
wandte er sich dem Hofdienste zu, verherrlichte in
seinen Liedern die schöne und gefeierte Vizgräfin
Maria von Ventadorn und kam in Gunst bei König
Richard I. von England (1189 - 99), den er auf
seinem Kreuzzuge begleitete und dessen Tod er in
einem schönen innigen Liede beklagte. Auch am
Hofe des Markgrafen Bonifaz von Montferrat fand
er Aufnahme. Er dichtete zwischen 1190 und 1240.
Er ist einer der fruchtbarsten Troubadours, von
dem sich über 60 Lieder und Tenzonen erhalten
babcn. - Vgl. Rob. Meyer, Das Leben des Tro-
badors Gaucclm F. (Hcidelb. 1876): Diez, Leben
und Werke der Troubadours (2. Aufl., Lpz. 1882).
ssmdo, deutsch Pfaid, Flecken und Hauptort
des Bezirks Livinen (Leventina) im schweiz. Kan-
ton Tessin, liegt 19 km nordwestlich von Viasca
in 758 in Höhe, links des Ticino an der Gotthard-
straße und -Bahn. Der Flecken, dessen Häuser ein
eigentümliches Gemisch schweizerisch-alpiner und
ital. Bauart darbieten, hat (1888) 991 meist ital.
und tath. E., darunter 14 Evangelische; Post, Tele-
graph, eine Kirche, ein Kapuzinerkloster und ein
stattliches, 1772 erbautes Gerichtshaus (Pretorio),
in welchem vor 1798 die urncrischen Landvögte der
Leventina residierten' Ackerbau, Alpenwirtschaft,
Fremdcnindustrie und etwas Seidenzucht. Die be-
merkenswertesten Pnnkte der Umgebung sind die
Schlucht von Dazio grande, die sich 1V2 ^ui oberhalb
F. öffnet, und denl Flecken gerade gegein'lber, auf den:
rechten Ufer des Tieino, der Wasserfall, mit dem
die Piumogna aus ihrer vom Piz Eampo Tencia
(3075 m) beherrschten Schlucht in das Hauptthal
Faience, s. Fayence. ^Herau5tritt.
?a.'i'snos8 V2.triotieine3 (frz., spr. falangß
-tik), Schüsseln, Teller und Trinkgeschirre in franz.
Fayencemasse aus der Zeit der Französischen Re-
volution, mit Darstelluugen, Erinnerungen, Em-
blemen u. s. w. aus jener Zeit. Diese i^. p. sind
ohne Kunstwert und nur um des Gegenstandes
willen von den Sammlern geschätzt. - Vgl. Champ-
fleury, lli8wii'" dL8^. p. 80U3 1a Involution (3.Aufl.,
Par. 1875). (^>. Fayeuce.)
Faijüm, ägypt. Provinz, s. Fajum.
Faille (frz., spr. faj), ein leichter, aus Florett-
seide hergestellter Taffet.
Failly (spr. fajih), Pierre Louis Charles Achille
de, franz. General, geb. 21. Jan. 1810 zu Rozoy-
fur-Serre (Depart. Aisne), lrat 1828 als Unter-
lientenant in die Armee, wnrde 1837 Kapitän,
1843Bataillonskommandant,1848Oberstlieutenant
und Kommandant der Militärvorbereitungsfchule
zu Toulouse. Dort blieb er bis 1850, war dann
als Oberst des 20. Infanterieregiments in Algerien
und wurde beim Ausbruch des Krimkrieges Brigade-
general. Hier that er sich in der Schlacht an der
Alma hervor, leitete 7. Juni 1855 den Sturm auf
die Weißen Werke von Sewastopol und zeichnete
sich 10. Juni beim Angriff auf den Nedan sowie
16. Aug. in der Schlacht an der Tschernaja aus.
Er nahm am Sturme auf den Malakow teil, wurde
Divisionsgeneral und besetzte mit der 4. Division
des 2. Armeekorps Eupatoria. Nach der Rückkehr
nach Frankreich wurde er Adjutant des Kaisers.
Im ital. Feldzuge 1859 entwickelte er in der Schlacht
von Solferino gegen den überlegenen Feind große
Ausdauer. Später stand F. als Präsident an der
Spitze des Komitees der Infanterie und beteiligte
sich an der Armeereorganisation unter Marschall
Niel und der Einführung des Ehassepotgcwehres,
die wesentlich sein Verdienst ist. Im Okt. 1867 führte
er das zum Schutze des Papstes bestimmte Expe-
ditionskorps nach Rom und schlug die Freischaren
Garibaldis bei Mcntana 4. Nov/i867. 1870 er-
hielt er den Befehl über das 5. Armeekorps, blieb
während der Schlachten von Epicheren und Wörth