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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Formosa (Gobernacion) - Formosus
weiter einwärts die devonische Bildung bis an das
Hochgebirge zu erstrecken. Für die vulkanische Be-
schaffenheit der Insel sprechen auch viele ^olfataren
und heiße Schwefelquellen sowie häufige Erdbeben.
Die Flora zeigt einen fast tropischen Charakter,
indem hier der schmale, noch Palmen, Lorbeer-
bäume u. s. w. wild enthaltende Küstenstreifen ^üd-
oftasiens unter den: Wendekreise auslaust. Viele
Kulturpflanzen sind aus China eingeführt. Die
Wälder sind reich an Holzarten für den Schiff- und
Häuserbau, enthalten die Mutterpflanze des Agal-
lochcholzes, Kampferbäume und verschiedene Ge-
würzpflanzen. Die Fauna bietet 31 Säugetierarten,
11 davon sind eigentümliche, die andern südchines.
und ind. Formen. Unter ihnen finden sich fliegende
Hunde und andere Fledcrmüufe, ein Affe (InnuZ
3p6cio3U3 I^tt//?.), Maulwürfe, verschiedene fliegende
Eichhornchen, Grisons ((^lictis), Schweine, eigent-
liche Hirsche, Muntjakhirfche und Schuppentiere.
Vögel wurden 144 Arten entdeckt, von welchen 110
auch den benachbarten Kontinent bewohnen', auch
die 34 eigentümlichen Arten sind nahe mit indischen
oder südchinesischcn verwandt.
Bevölkerung, Handel und Verkehr. Die
Vevö lkeruug teilt sich in die chinesische und die
ursprüngliche, mit den Malaien verwandte, die
sich wahrscheinlich in vorgeschichtlicher Zeit auf F.
niedergelassen hat. Früher die ganze Insel einneh-
mend, bewohnt diese, vor der eindringenden über-
legenen chines. Kultur zurückweichend, nur noch die
wenig zugänglichen Thäler des Hochgebirges sowie
die östl. Inselhälfte und ist in fortwährender Ab-
nahmebegriffen, ^ie zerfällt in mehrere nach Sprache
verschiedene Stämme. Diejenigen, welche chines.
Sitten, Sprache und Kleiduug angenommen haben,
werden Pepo-Hoans genannt. Auch giebt es allent-
halben Mifchlinge. Chines. Ansiedelungen haben
auf der Westküste wahrscheinlich schon seit dem
15. Jahrh, bestanden. Seit dem 17. Jahrh, fand
eine starke Einwanderung statt. Im ganzen wird
die Einwohnerzahl auf 3 Mill., d. i. 83 auf 1 ^cm
geschätzt. F., früher ein Teil von Fu-kien, bildet
seit 1885 eine eigene Provinz Chinas, deren Haupt-
stadt nach dem neu erbauten Thai-pe-fu von dem
nunmehr Thai-nan-fu benannten Thai-wan-fu ver-
legt ist. Den Fremden geöffnete Häfen sind Thai-
wan-fu und Ta-kao im S., Tam-fui und Ki-lung im
N. (S. die Einzelartikel.) Die wichtigsten Erzeug-
nisse sind Erdnüsse, Südfrüchte (namentlich im S.),
Hanf, Nutzhölzer, Kohlen, vor allem aus den Gru-
den zwischen Ki-lung und Tam-sui, Petroleum,
Reis, dessen Ausfuhr in letzter Zeit zurückgeht, Salz,
Schwefel (Ausfuhr nur nach Shang-Hai ^188914520
Pikuls im Werte von 80000 M.), Eefam, Tabak,
Thee, besonders aus dem Norden (Ausfuhr 1889:
7,9 Mill. kF), und Zucker (32,.^ Mill. 1<^),. zur Hälfte
nach japan. Häfen. Die V e r k e h r s mittel sind noch
unzureichend. An Eisenbahnen bestehen die Linie
Thai-pe-fu-Ki-lung und ein Teil der Strecke Thai-
pe-fu-Thai-wan-fu-Ta-kao. Die Telcgraphenlinien
haben 367 km Länge. Der Schiffsverkehr in den
Vertragshäfen hat in letzter Zeit stark zugenommen
und betrug (1889) 61 Segler mit 17914 t und 180
Dampfer mit 126645 t. Die engl. Flagge ist vor-
herrschend. Dazu kommt noch ein lebhafter Güter-
verkehr mit den chines.Häfen durch zahlreiche Dfchun-
ken, der den durch Schiffe fremder Bauart bedeutend
übersteigt. Die Einfuhr liegt völlig in chincf. Hän-
den; nur den Opiumhandel betreiben die Fremden.
1889 wurden 286194 kx importier:. Etwa 45 Proz.
der erwachsenen Männer huldig: dem Laster des
, Opiumrauchens.
! Geschichte. Die ersten Ansiedelungsversuche
> der Holländer (1634), der Spanier und der Japaner
z waren ohne dauernden Erfolg. Nachdem 1871 die
l Bemannung eines japanischen, an die Ostküste ver-
! schlagenen Schiffs durch den Stamm der Vntau
größtenteils ermordet worden war, landeten japan.
Truppen, da die chinef. Regierung die Verantwortung
ablehnte (April 1874). Die Eingeborenen wurden
gefchlagen, weitere Verstärkungen folgten, und die
^ chinesifcherseits gestellte Forderung der Räumung
i wurde zurückgewiesen, und nur den Vermittelungen
! des engl. Gesandten Parkes gelang es, einen chines.-
! japan. Krieg abzuwenden. Am 31. Okt. 1874 ward
festgesetzt, daß Japan sich von F. zurückziehen und
500000 Taels Kriegsentschädigung von China er-
halten solle. 1884 während des Krieges mit China
(s. Tongking) bemächtigten sich die Franzosen unter
Courbet 4. Okt. der Stadt Ki-lung, vermochten aber
die Kohlenbergwerke nicht zu nehmen und erlitten vor
Tam-sui eine Niederlage (8. Okt.). Eine Blockade
der ganzen Insel blieb unwirksam, die Cholera for-
derte viele Opfer, und erst der Friedensschluß (Juni
1885) befreite die Franzofen aus ihrer üblen Lage.
Die Verteidigung der Insel hatte General Lin, der
spätere Statthalter, geleitet. - Vgl.Imbault-Huart,
I/iw ^0i'ino36. lliswii-" et ässci-iMon (Par.1893).
Formösa, Gobernacion an der Grenze der ar-
gcntin. Republik gegen Paraguay, zwischen dem Rio
Pilcomayo und dem Teuco-Verm^o, dem Paraguay
und der Provinz Salta, umfaßt die weiten, kaum
erforschten Ebenen des Chaco Central. Die Größe
' beträgt 115600 hkm mit 5000 E. Der Haupt-
! o rt F. am rechten Ufer des Paraguay hat 1000 E.,
^ eine schule und ein Zollhaus. F. wurde errichtet
nach dem Eroberungszug des Generals Victoriea
gegen die Indianerstämme der Chaco 1884-85.
ssormöfabai, in Ostafrika, f. Ungamabai.
Formösafafan, s. Fasanen.
Formofe, ein Gemenge verschiedener zucker-
artiger Substanzen, das sich beim Behandeln von
Formaldehyd mit Kalkmilch bildet. In demselben
befindet sich unter anderm Acrose (f. 0.).
Formöfus, Papst (891-89P,ged.um816, ward
von Nikolaus I. zum Kardinalbischof von Porto er-
hoben, 866 als röm. Miffionar zu den Bulgaren ge-
sandt, war Vertrauensperson der Päpste Hadrian 11.
und Johann VIII. Dann verlor F. plötzlich die
päpstl. Gunst. Johann VIII. exkommunizierte ihn
876 auf einer röm. Synode, hauptsächlich weil er
sich an einer Verschwörung gegen Kaiser Karl den
Kahlen zu Gunsten Ludwigs des Deutschen beteiligt
hätte. Papst Marinus II. nahm ihn wieder in die
Kirche auf und im Sept. 891 wurde er selbst Papst.
Er verfuhr in den Wirren der griech., deutschen und
frünk. Kirche mit größter Strenge. Gegen den von
ihm selbst zum Kaiser gekrönten Herzog Guido von
^poleto rief er den deutschen König Arnulf zu Hilfe
und krönte ihn 896 als Kaiser. Bald darauf, 4. April
896, starb er; sein zweiter Nachfolger und lang-
! jähriger Gegner, Stephan VII., biclt über ihn 897
! wegen widerrechtlicher Besitzergreifung ^des päpstl.
Stuhls ein schmachvolles Totengericht, ^eine Leiche
wurde aus dem Grabe gerissen, der vävstl. Gewän-
der beraubt, durch die Straßen geschleift Uttd end-
lich in den Tiber geworfen. Als aber kurze Zeit
hernach Stephan selber erdrosselt ward, zog man