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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Fr. Müll.; Frivōl; Frô; Fröbel

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Frivol - Fröbel (Friedr.)

lugk, 1827 Honorarprofessor und 1830 ord. Professor zu Halle; er starb 19. Okt. 1850 in Zürich. Anfangs Supranaturalist, neigte F. später zum Rationalismus. Von seinen zahlreichen Abhandlungen und akademischen Gelegenheitsschriften erschien eine Anzahl in den Sammlungen "Fritzschiorum opuscula academica" (Lpz. 1838) und seinen "Nova opuscula academica" (Zür. 1846).

Sein ältester Sohn, Karl Friedrich August F., prot. Theolog, geb. 16. Dez. 1801 zu Steinbach bei Borna, studierte in Leipzig, wo er sich 1823 in der philos. Fakultät habilitierte und 1825 außerord. Professor wurde. 1826 wurde er ord. Professor der Theologie in Rostock, 1841 in Gießen; er starb daselbst 6. Dez. 1846. Ein Schüler des Philologen Gottfried Hermann, wandte er dessen streng grammatische und philol. Methode auf die biblische Exegese an. Seine Hauptwerte sind der "Kommentar über den Römerbrief" (3 Bde., Halle 1836 - 43) und die Kommentare zum Matthäus (Lpz. 1826) und zum Markus (ebd. 1830).

Der zweite Sohn, Franz Volkmar F., geb. 26. Jan. 1806 zu Steinbach bei Borna, studierte zu Leipzig Philologie. Nachdem er einige Jahre an der Thomasschule daselbst gewirkt, folgte er einem Rufe als Professor nach Rostock, wo er bis zu seinem 17. März 1887 erfolgten Tode ununterbrochen gelehrt hat. Als erste Frucht seiner Studien erschien die Ausgabe einiger Schriften Lucians zugleich mit den "Quaestiones Lucianeae" (Lpz. 1826), der die "De Atticismo et orthographia Luciani commentationes" (Rost. 1828) und eine Bearbeitung der "Dialogi Deorum" (Lpz. 1829) folgten. In mehrern Abhandlungen sowie in den Ausgaben der "Thesmophoriazusae" (Lpz. 1838) und der "Ranae" des Aristophanes (mit lat. Kommentar; Zür. 1845) zeigte er außerordentliche Belesenheit und ein tiefes Eingehen in das Wesen der griech. Komödie. F.s Hauptwerk aus späterer Zeit ist die kritische Ausgabe der sämtlichen Werke Lucians (Bd. 1 - 3, Rost. 1860 - 82). Außerdem hat er eine große Anzahl akademischer Abhandlungen geschrieben.

Der jüngste Sohn Christian Friedrich F.s, Otto Fridolin F., prot. Theolog, geb. 23. Sept. 1812 zu Dobrilugk, studierte zu Halle, habilitierte sich dort 1836, ging 1837 als außerord. Professor nach Zürich, wo er 1842 ord. Professor und 1844 Oberbibliothekar der Kantonsbibliothek wurde. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "De Theodori Mopsuesteni vita et scriptis" (Halle 1836), "Glarean, sein Leben und seine Schriften" (Frauenfeld 1890), sowie die kritischen Ausgaben der "Confessio Helvetica posterior" (Zür. 1839), des Lactantius (2 Bde., Lpz. 1842 - 44), der exegetischen Fragmente des Theodor von Mopsuestia (Zür. 1847), der griech. Übersetzung des Buchs Esther (ebd. 1848) und des Buchs der Richter (ebd. 1867), der Schrift Anselms "Cur deus homo" (ebd. 1868; 3. Aufl. 1893) und der alttestamentlichen Apokryphen (Lpz. 1871). Für das von ihm in Gemeinschaft mit W. Grimm geschriebene "Kurzgefaßte exegetische Handbuch zu den Apokryphen des Alten Testaments" (6 Bde., Lpz. 1851 - 60) bearbeitete er die erste (das dritte Buch Esra, die Zusätze zum Buch Esther und Daniel, das Gebet des Manasse,das Buch Baruch und den Brief des Jeremias), zweite (Tobi und Judith) und fünfte Lieferung (Jesus Sirach).

Frivōl (lat.), leichtfertig, nichtig, des sittlichen Halts ermangelnd, schlüpfrig; im jurist. Sinne: ^[Spaltenwechsel] nichtig, vermessen, strafbar; frivolisieren, in frivoler Weise behandeln; Frivolität, frivoles Wesen, Thun, frivole Äußerung u. s. w.; Frivolitäten ist auch die Bezeichnung für eine durch Handarbeit gefertigte Art leichter Spitzen.

Fr. Müll., hinter den lat. Namen naturgeschichtlicher Objekte Abkürzung für Fritz Müller (s. d.).

Frô, german. Gott, s. Freyr.

Fröbel, Friedr., Pädagog, geb. 21. April 1782 zu Oberweißbach in Schwarzburg-Rudolstadt, kam 1797 zu einem Förster in die Lehre, beschäftigte sich vielfach mit Geometrie und Naturwissenschaften und bezog 1799 die Universität Jena, konnte aber wegen Mangel an Mitteln seine Studien nicht beenden. Er wurde 1802 Aktuar in einem Forst- und Rentamte bei Bamberg, 1803 Geometer in Bamberg, 1804 Sekretär eines Landedelmanns in Mecklenburg, später Lehrer an der nach den Grundsätzen Pestalozzis geleiteten Grunerschen Musterschule in Frankfurt a. M. 1807 nahm er die Stelle eines Hofmeisters der Söhne des Herrn von Holzhausen an, mit denen er von 1808 bis 1810 in Pestalozzis Institut zu Yverdon zubrachte. Er studierte hierauf noch in Göttingen und Berlin, wo er zugleich an der Pestalozzischen Schule Plamanns thätig war. Während der Freiheitskriege nahm er im Lützowschen Freikorps an den Feldzügen von 1813 und 1814 teil. Nach dem Frieden erhielt er die Stelle eines Inspektors des Mineralogischen Museums zu Berlin, die er jedoch schon 1816 wieder niederlegte, um zu Griesheim bei Stadt-Ilm eine eigene Erziehungsanstalt zu begründen, welche er kurz darauf (1817), verbunden mit seinen Freunden Langenthal und Middendorf, nach Keilhau bei Rudolstadt verlegte, und die bald durch tüchtige Lehrer, unter ihnen besonders Barop, Aufschwung nahm. Seinem pädagogischen System suchte er durch verschiedene Schriften, wie "Die Menschenerziehung" (Bd. 1, Keilhau 1826), in größern Kreisen Eingang zu verschaffen. Nach demselben besteht das Wesen der Erziehung darin, daß jede Seite menschlicher Fähigkeit im Individuum ausgebildet wird, aber keine vereinzelt, sondern alle in harmonischem Verhältnis. Doch fehlte F. die Gabe, seine Ideen klar und einfach vorzutragen, und deshalb hat auch sein System vielfache Mißverständnisse und Anfeindungen erfahren. Dies und finanzielle Bedrängnisse veranlaßten F., 1831 in die Schweiz zu gehen, wo er erst im Kanton Luzern zu Wartensee eine Erziehungsanstalt gründete, die er kurz darauf nach Willisau verlegte; 1835 übernahm er die Einrichtung und Leitung eines Waisenhauses in Burgdorf bei Bern. Hier wurde er durch seine Wirksamkeit sowie durch das Studium der Schriften des Comenius besonders auf die Wichtigkeit der Erziehung der Kinder im ersten Kindesalter hingewiesen, und nachdem er 1837 nach Deutschland zurückgekehrt war, widmete er sich fast ausschließlich der Erziehung der Kinder im vorschulpflichtigen Alter. 1839 gründete er zu Blankenburg in Thüringen zur Erziehung solcher Kinder eine Anstalt, der er den Namen Kindergarten (s. d.) beilegte. Seine Ideen, für die er mit größter Begeisterung zu werben verstand, fanden vielfach Beifall und Nachahmung. Infolgedessen gründete er in dem ihm von der Regierung zu Sachsen-Meiningen eingeräumten Schlosse Marienthal bei Bad Liebenstein ein Seminar für Kindergärtnerinnen, das er im Frühling 1850 eröffnete. F. starb 21. Juni 1852 zu Marienthal. F.s Buch "Kommt, laßt uns unsern Kindern