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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Grimmen; Grimminger; Grimoald; Grimsby; Grimsel

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Grimmen - Grimsel

durch emsiges Studium der alten und fremden Litteraturen seinen Erkenntniskreis, nicht zum Vorteil für seine litterar. Physiognomie, zu erweitern sich bemüht. Ursprünglich Protestant, trat er zum Katholicismus über und wirkte lange Jahre in verschiedenen Stellungen in den Diensten des Straßburger Bischofs Egon von Fürstenberg, seit 1665 als Schultheiß zu Renchen in Baden, wo er 17. Aug. 1676 starb. Ein Denkmal ward ihm 17. Aug. 1879 daselbst errichtet. Als Schriftsteller seit 1659 thätig, hat sich G. gerade in den Schriften, welche seinen Ruf begründeten, nie seines wahren Namens, sondern stets einer anagrammatischen Form desselben bedient: Samuel Greifnson von Hirschfeld; German Schleifheim von Sulsfort; Philarchus Grossus von Trommenheim; Signeuer Meßmahl; Michael Regulin von Sehmstorff u. a. Erst 1837 ward sein wirklicher Name durch H. Kurz nachgewiesen. Sein Hauptwerk, durch das er in der Litteratur fortlebt, "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch, das ist: Die Beschreibung des Lebens eines seltzamen Vaganten, genant Melchior Sternfels von Fuchshaim" (Mompelgart 1669), erschien unter dem Namen German Schleifheim von Sulsfort. Die Bedeutung dieses Werks, eines Ich-Romans, in den wohl auch zweifellos autobiogr. Fragmente verflochten sind, beruht einerseits in dem Mut, mit dem der Verfasser dem Moderoman seiner Zeit zum Trotz, Menschen und Dinge drastisch und derb zu schildern wagte, wie sie wirklich waren und lebten, andernteils in der gelungenen dichterischen Gestaltung alles Gesehenen und Erlebten. Aus diesen Gründen ist der Roman auch vom kulturhistor. Standpunkte aus eins der wertvollsten Dokumente aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Neue Ausgaben besorgten O. L. B. Wolff (Lpz. 1848; 5. Aufl. 1876), Tittmann (Bd. 7 u. 8 von "Deutsche Dichter des 17. Jahrh.", 2. Aufl., ebd. 1875), Kögel (Halle 1880), F. Bobertag (in Kürschners "Deutscher Nationallitteratur"). Umarbeitungen, teils für das Volk, teils für die Jugend, lieferten E. von Bülow ("Abenteuer des Simplicissimus", Lpz. 1836), Lauckhard (ebd. 1876), E. H. Meyer (Brem. 1876), Weitbrecht (2. Aufl., Lpz. 1890) u. a. Um diesen Roman gruppieren sich mehrere kleinere, die sog. "simplicianischen" Schriften, die in dieselben Sphären führen, aber über seltsamen Erfindungen nicht die packende Wahrhaftigkeit des Hauptwerks erreichen: "Trutz Simplex" oder die "Landstörtzerin Courasche" (1669), "Der seltzame Springinsfeld" (1670), "Das Wunderbarliche Vogelnest" (Tl. 1 u. 2, 1672). Anderer Art ist eine Bearbeitung der biblischen Geschichte von "Joseph" (wahrscheinlich zuerst 1667, dann mit einer Fortsetzung 1670), die Novelle von "Dietwalt und Amelinde" (Nürnb. 1670), sodann eine Anzahl satir. Schriften, gegen die Laster und Thorheiten der Zeit. Diese Thätigkeit beginnt mit dem "Fliegenden Wandersmann nach dem Mond", nach dem Französischen (1659); es folgen: die "Traumgesichte von mir und dir" (1660), "Schwartz und Weiß oder der Satyrische Pilgram" (1666), "Der teutsche Michel" (1673) u. v. a. Eine Gesamtausgabe seiner Schriften erschien zu Nürnberg (3 Tle., 1683-1713); der Simplicissimus und die simplicianischen Schriften wurden herausgegeben von A. von Keller (in der "Bibliothek des Litterarischen Vereins", 4 Bde., darin auch der "Joseph", Stuttg. 1852-62), von H. Kurz (in der "Deutschen Bibliothek", Bd. 3-6, Lpz. 1863-64), von Tittmann (als 7., 8., 10. u. 11. Bd. von "Deutsche Dichter des 17. Jahrh.", ebd. 1877), von F. Bobertag (in Kürschners "Deutscher Nationallitteratur", Stuttg. 1883).

Grimmen (Jägerspr.), s. Burgstall.

Grimmen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Stralsund, hat 958,82 qkm, (1890) 34576 (16959 männl., 17617 weibl.) E., 3 Städte, 40 Landgemeinden und 152 Gutsbezirke. - 2) G. in Pommern, Kreisstadt im Kreis G., 23 km südlich von Stralsund, links an der Trebel und an der Linie Berlin-Neubrandenburg-Stralsund der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Greifswald), hat (1890) 3419 meist evang. E., Post zweiter Klasse und Telegraph.

Grimminger, Adolf, Sänger, Dichter und Bildhauer, geb. 2. Mai 1827 in Stuttgart, besuchte daselbst 1845-48 die Kunstschule, um Bildhauer zu werden, studierte dann Musik, besonders Gesang unter A. Bayer in München, wo er 1853 als Tenorist mit Erfolg debütierte. In demselben Jahre wurde er von Vincenz Lachner nach Mannheim, im folgenden von Ed. Devrient nach Karlsruhe berufen. 1858 ging er nach Hannover, dann nach Wien und 1860 nach Rotterdam an die neu begründete deutsche Oper. Häufige Gastspiele in Berlin, Leipzig, München, Köln u. s. w. brachten ihm glänzende Erfolge. Seit 1869 lebt G. in Stuttgart. Er veröffentlichte zwei Sammlungen von Gedichten in schwäb. Mundart: "Mei Derhoim" (Stuttg. 1868; 5. Aufl. 1888) und "Lug-ins-Land" (1873).

Grimoald. 1) Herzog der Langobarden von Benevent, wurde 662 gegen das regierende Brüderpaar Pertari und Godibert zum König erhoben, vertrieb den erstern, tötete den letztern und vermählte sich mit ihrer Schwester. Als er 671 starb, wurde sein unmündiger Sohn König Garibald von seinem mütterlichen Oheim Pertari beseitigt, der jetzt selbst wieder zur Regierung gelangte und sie bei seinem Tode 688 auf seinen Sohn Kunibert (bis 700) vererbte. - 2) Sohn Pippins des Ältern, regierte von 642 bis 656 Austrasien als Majordomus des Königs Sigibert. Als er bei Sigiberts Tode dessen Sohn Dagobert II. ins Kloster steckte und den eigenen Sohn Childebert als König erhob, wurde er von den Großen überwältigt, dem neustrischen König Chlodwig II. ausgeliefert und hingerichtet. Erst Ende des Jahrhunderts erhob sich das Haus Pippins unter G.s Neffen Pippin dem Mittlern zu neuer Bedeutung. - 3) G., Sohn Pippins des Mittlern, 714 kurz vor dem Tode des Vaters ermordet, dessen Nachfolger nun Karl Martell wurde. - Vgl. Bonnell, Die Anfänge des karolingischen Hauses (Lpz. 1866). - 4) G., Sohn des Bayernherzogs Theodo, s. Bayern (Bd. 2, S. 566 b).

Grimsby, Stadt in England, s. Great-Grimsby.

Grimsel, die, Paß der Berner Alpen (s. Westalpen) zwischen der Finsteraarhorn- und der Dammagruppe, an der Grenze der schweiz. Kantone Bern und Wallis, die Wasserscheide zwischen Aare und Rhône. Der Weg führt, von Meiringen die Aare aufwärts durch das Hasli (s. d.) an dem Handeckfall (s. d.) vorbei, in 7 Stunden zu dem düstern Grimselgrund (1875 m), einem kahlen Bergkessel mit einem kleinen See, an dessen Ufer das Grimselhospiz steht, ein steinernes Gebäude, ursprünglich eine fromme Stiftung der Landschaft Hasli, zur Zufluchtstätte der Wanderer bestimmt, jetzt ein stark besuchter Gasthof und Ausgangspunkt für Gletscherwanderungen in den Berner Alpen. Von hier zieht