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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Heinrich III. (König von England) - Heinrich IV. (König von England)
seinen Nachfolger anzuerkennen. Von seinem Vater,
Graf Geoffrcy dem Schönen von Anjou, mit dem
Beinamen Plantagenet (s. d.), hatte H. 1151 Anjou,
Maine, Touraine, von feiner Mntter die Normandie
überkommen, durch feine Heirat mit Eleonore (s. d.)
N52 Poitou, Guyenne und Gascogne erworben'
N54: ft'lgte er diefen Reichen England hinzu. Die
raftlofen Kämpfe feiner ganzen Regiernngszeit
führte H. nicht im Interesse Englands, sondern für
den Ausban diefes Gefamtreichs, ein unmögliches
Ziel imperialistifchen Ehrgeizes, das gerade bei dem
Erstarken der großen felbständigen Nationalitäten
zu beiden Seiten des Kanals nicht oder nur für kür-
zeste Zeit erreicht werden konnte. Als daher H. starb,
fiel bald darauf fein Reich auseinander, und nur in
England lieh er Spuren feines Wirkens zurück durch
seine Gesetzgebung und seine Gerichts- und Ver-
waltungsordnung. Große Gefahr bereitete ihm
zu wiederholtenmalen die Verbindung feiner auf-
ständischen Söhne und Großen mit den schott. und
franz. Gegnern, zweimal (1173-75 und 1182-8.'))
überwand er sie siegreich. 1171 begann er die Er-
oberung Irlands (s. d.) und legte sich den Titel eines
"Herrn von Irland" bei, den seitdem die engl. Könige
führen. Denkwürdig ist vor allem H.s Kirchenstreit
mit seinem frühern Günstling Thomas a Becket (f.d.),
den er zum Erzbischof von Canterbury und Primas
von England erhoben hatte, und der gegen Wunfch
und Erwarten des Königs die vollste Selbständig-
keit der Kirche, zumal ihrer Gerichtsbarkeit gegen-
über dem König, verfocht. Nur vorübergehend gab
Becker nach und stimmte 1164 den Konstitutionen
von Clarendon bei, in denen H. von Bischöfen und
Magnaten Englands die Anerkennung all feiner
Ansprüche erhielt. Der Streit endete nach zeit-
weiliger Flucht Veckets und Vannung H.s mit der
Ermordung des Erzbischofs durch königl. Vasallen
(1,170). Aber wie H. nach vier Jahren am Sarge des
für einen Heiligen erklärten Thomas Buße thun
mußte, so sah er sich auch gezwungen, die Konstitu-
tionen zurückzunehmen, wenn er auch thatsächlich
seine beanspruchte Gewalt über die Kirche behielt.
In diesem Kampfe hatte er zuerst, um die Hilfe feiner
Magnaten zu erhalten, diefen in ihrer Gefamtheit
felbständigc Teilnahme an der bisher autokratischen
Regierung einräumen müssen und die Anfänge ge-
fchaffen, aus denen sich das spätere Magnaten-
parlament heraus entwickelte. An den Zwistigkeiten
seinen Söhnen ist H. 6. Juli 1189 gestorben. - Vgl.
Stubbs,^i6 63.r1xI'i3.nta"'6N6^,Vd.3(Loud.1876)-.
Kate Norgate, NriFianä unäer t1i6 ^nZevin XinFg
(2 Bde., ebd. 1887); Green, Hsn^ II. (ebd. 1888).
Heinrich III., König von England (1216
-72), geb. 1. Okt. 1207, folgte als neunjähriges
Kind seinem Vatcr Johann, während noch der franz.
Thronfolger (f. Ludwig VIII.), Johanns Gegen-
tönig, einen Teil des Landes behauptete. Durch des
Regenten Pembroke Einfluß bewogen, räumte diefer
indes im Herbst 1217 das Land. H. blieb auch nach
erlangter Volljährigkeit Zeit feines Lebens ein
Schwächling. Er ließ sich beherrschen von den Ver-
wandten seiner franz. Gemahlin, Eleonore von Pro-
vence, war haltlos und wetterwendisch, dabei ver-
schwenderisch zum Äußersten. Ohne die Kraft, feine
Stellung irgend auszufüllen, war er beseelt vom
stärksten Dl'lntcl seiner Königsgcwalt.' so verliefen
ihm Negiernng und Leben gleich unglücklich. Unter
der Regentschaft des kraftvollen Grafen von Pem-
broke (s. d.) erfolgte 11. Febr. 1225 in einer Neu-
bestätigung der NaZnH Okai-tu. (s. d.) deren end-
gültige Neugestaltung, in der besonders ein Artikel
gestrichen wurde, der den König in allen besondern
Geldforderungen an die Zustimmung der ganzen
Magnatenschaft band. Trotzdem hat H. außerordent-
liche Leistungen immer nur durch deren Befragung
erlangen können, fodaß ihre Reichsstandschaft sich
immer fester entwickelte. Den steigenden Unmut
seiner Großen erregte die Bevorzugung franz. Günst-
linge bei Hofe und die vom König zugelassene Aus-
saugung des Landes für die päpstl. Kassen. An die
spitze der schließlich offen rebellierenden Barone
trat der Graf Simon von Montfort (s. d.); es kam
zur Unterwerfung des Königs, zu neuem Kampf,
feiner vollständigen Niederlage und Gefangennahme
in der Schlacht 'bei Lewes (14. Mai 1264). In der
kurzen Zeit von Montforts Regiment wurden zum
erstenmal zu dem "Parlament" der Magnaten auch
Vertreter der Graffchaften und Städte gemeinfam
hinzugezogen. Montfort erlag vor dem Thronfolger
(f. Eduard I.) bei Evesham (4. Aug. 1265), der feinen
Vater wieder in feine Macht einfetzte. Die letzten
RegierungsjahreH.sverliefenruhig,er starb 16. Nov.
1272. - Vgl. Pauli, Geschichte von England, Bd. 3
(Gotha 1853); Vlaauw, 'I'k6 I^i-ong' V^r (2. Aufl.
1871); Stubbs, OonZtiwtionai lliZtor)" ol Nng-
land (3 Bde., Lond. 1874-78).
Heinrich IV., König von England (1399-
l413), geb. 4. April 1367 auf Schloß Volingbroke
in Lincolnfhire, war ein Enkel Ednards III. und der
^ohn Johanns von Gannt, Herzogs von Lancaster.
H. vonBolingbroke, wie er nach seinem Geburts-
ort genannt wurde, führte zuerst den Titel eines Gra-
fen Derby, 1397 erhob ihn Richard II. zum Herzog
von Hereford. Einen Streit zwifchen ihm und dem
Herzog von Norfolk endete Richard II. durch die Ver-
dannung beider (1398), und als der alte Herzog von
Lancaster 1399 gestorben war, zog er willkürlich
dessen Güter ein. H., der in Frankreich weilte, fann
auf Rache, knüpfte mit andern Unzufriedenen Ver-
bindungen an und landete, als Richard in Irland
abwefend war, Juli 1399 an der engl. Küste. Der
Abfall vom König war allgemein, Richard geriet in
H.s Hand und wurde 29. Sept. 1399 zur Thron-
entfagung genötigt, die das eilends berufene Parla-
ment annahm. Äm 30. Sept. gefchah unter feiner
Zustimmung die Erhebung H.s zum König. Als
der erste Lancaster bestieg er den Thron und lieft
Richard nach einem für ihn erregten Aufstand in der
Stille befeitigen (Febr. 1400). Wie sich H. bei der
Begründung seiner Regierung auf das Parlament
stützte, fo auch in ihrer weitern Führung, sie war
geradezu eine parlamentarische. Auch muhte er der
Kirche, die ihm wesentlichen Beistand geliehen, die
unter Richard II. noch glimpflich behandelten Loll-
hardcn (s. d.), die Anhänger Wiclifs, preisgeben',
unter ihm ergingen die ersten Ketzerstatute und
brannten die ersten Scheiterhaufen. Kaum hatte er
den Thron bestiegen, als er eine Verschwörung unter-
drücken mußte; weit gefährlicher als sie war die Er-
hebung der Percies, seiner Genossen bei der Er-
oberung, im Norden Englands. Der kühne Henry
Percy, "der Heißsporn", verband sich mit den fchott.
Feinden und Owen Glendower (s. d.) von Wales,
erlag aber bei Shrewsbury 21. Juli 1403. Sein
Vater, der Herzog von Northumbcrland (s. d.), er-