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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Indische Philosophie – Indischer Ocean

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Indische Litteratur'

des rhetorischen Werkes Rasagangādhara (hg. in der «Kāvyamālā», Nr. 12) und zahlreicher kleinerer Werke. Er lebte unter Dārā Shākōh, der auch 50 der vorzüglichsten Upanishad ins Persische übersetzen ließ, die Anquetil ins Lateinische übertragen hat.

Neben den Dichtungen in Sanskrit giebt es eine gewaltige Masse von Werken in den heutigen Sprachen Indiens schon vom 9. Jahrh. n. Chr. an, namentlich in Hindī, wo Cand Bardāī (um 1190), Sūr Dās (um 1550) und Tulsī Dās (um 1600) die gefeiertsten Dichter sind. (Vgl. Grierson, The modern vernacular literature of Hindustan, Kalkutta 1889.) Unter den Dichtern in Marāṭhī ist der hervorragendste Tukārāma (um 1609). Außer Volksliedern, die noch nicht gesammelt sind, besteht diese Litteratur fast ausschließlich aus Übersetzungen und Nachahmungen von Sanskritwerken und ist sachlich ohne Interesse, sprachlich aber von hohem Wert.

Eine zusammenfassende Geschichte der I. L. fehlt noch. Zu nennen sind: Max Müller, A history of ancient Sanskrit literature (2. Aufl., Lond. 1860); A. Weber, Akademische Vorlesungen über ind. Litteraturgeschichte (2. Aufl., Berl. 1876); L. von Schröder, Indiens Litteratur und Kultur in histor. Entwicklung (Lpz. 1887).

Indische Philosophie. Die Philosophie hat sich in Indien im engsten Anschluß an die Religion und ohne nachweisbare Beeinflussung von außen entwickelt. Ihre Anfänge lassen sich bis in das Zeitalter der vedischen Hymnendichtung znrückverfolgen, wo bereits die Fragen nach dem Wesen der Gottheit, nach dem Ursprung der Welt, nach dem Seienden und Nichtseienden u. dgl. aufgeworfen werden. Auch die Brahmanas beschäftigten sich gelegentlich mit Betrachtungen dieser Art; einen wirklich philos. Charakter jedoch tragen erst einzelne Teile der Upanischaden, in denen ein spiritueller Pantheismus und bereits die vollständige Weseneinheit der Einzelseele (ātman) mit dem Brahman, der Weltseele, dem Grunde alles Seins, gelehrt wird. Aus diesen Anfängen entwickelten sich allmählich die sechs brahmanischen Systeme, darçana, d. h. Anschauungsweisen genannt, wie wir annehmen dürfen, noch in vorchristl. Zeit. Die Darstellung dieser Systeme in Lehrbüchern aber fand jedenfalls nicht vor dem 4. Jahrh. n. Chr. statt und hat sich sicher über einen längern Zeitraum verteilt. Wahrscheinlich sind die sechs Systeme in folgender Reihenfolge aufgetreten: Mīmāṁsā (dem Mythus nach begründet von Dschaimini), Vedānta (von Vjāsa oder Bādarājaṇa), Sāṁkhya (Samthja, von Kapila), Yoga (Joga, von Patandschali), Vaiçeshika (Kaṇāda), Nyāya (Njaja, von Gotama oder Akschapāda).

Diese Systeme gelten für orthodox (āstika) aus dem äußerlichen Grunde, weil sie die Autorität des Veda und die brahmanische Ordnung anerkennen; in der That aber zeichnen sie sich durch eine Freiheit und Kühnheit der Gedanken aus, die seltsam mit der religiösen Überlieferung kontrastiert; ein Beweis dafür, daß man in Indien alles lehren durfte, ohne seine sociale Stellung zu gefährden, solange man nur die Prärogative der Brahmanen und die Heiligkeit des Veda nicht direkt in Frage stellte.

Alle sechs Systeme gehen von derselben Voraussetzung aus und haben ein gemeinsames Endziel. Sie sehen die Seelenwanderung als etwas Gegebenes an und wollen die Mittel zur Befreiung der Seele aus dem qualvollen Kreislauf der Existenzen (saṁsāra) lehren, der anfangslos ist und ewig ↔ währt, wofern nicht die Erlösung (mukti) durch die Philosophie erreicht wird. Ein System, das dieses Ziel nicht in Aussicht gestellt hätte, würde in Indien völlig unbeachtet geblieben sein. In der Art und Weise, wie die Erlösung gewonnen werden soll, und in der Auffassung des Zustandes der befreiten Seele weichen die Systeme wesentlich voneinander ab.

Schon frühzeitig hat es brahmanische Philosophen gegeben, denen keins der sechs Systeme genügte und die deshalb die von den verschiedenen Schulen vorgetragenen Lehren auf besondere Weise kombinierten. Bemerkenswert ist in dieser eklektischen Richtung eine jüngere Upanischad, die Çvetāçvatara-Upanishad (von Max Müller in den «Sacred Books of the East», Bd. 15, Oxford 1884, übersetzt), und in höherm Grade das in das Mahābhārata einverleibte philos. Lehrgedicht Bhagavad-Gītā (s. d.), welches die Vedānta-, Sāṁkhja- und Jogalehre zu vereinigen sucht.

Diesen sog. orthodoxen Systemen stehen die heterodoxen (nāstika) der Buddhisten, Dschaina und Tschārvāka gegenüber. (Die wichtigsten Werke über I. P., sowie die einzelnen Ausgaben der philos. Werke s. Indische Litteratur, S. 566 fg.)

Indischer Archipel, s. Malaiischer Archipel.

Indischer Balsam, s. Peruvianischer Balsam.

Indische Religion. Indien ist das für die Geschichte der Religion wichtigste Land der Erde, weil wir hier bei den arischen Indern besser als irgendwo sonst die Entwicklungsgeschichte einer Religion verfolgen können. In der I. R. lassen sich als Phasen unterscheiden: die Vedische Religion (s. d.), der Brahmanismus (s. d.), der Buddhismus (s. Buddha und Buddhismus), der Dschainismus (s. Dschain) und der Hinduismus (s. d.). Zusammenfassende Werke sind: Colebroole, Essays on the religion and philosophy of the Hindus (2. Aufl., Lond. 1858); Wilson, Select Works, Bd. 1 u. 2 (ebd. 1861–62); Muir, Original Sanskrit texts, Bd. 4 (2. Aufl., ebd. 1873) und Bd. 5 (ebd. 1870); Wurm, Geschichte der I. R. (Bas. 1874); Barth, Les Religions de l’Inde (Par. 1880; ins Englische übersetzt von Wood, Lond. 1881). Barth giebt auch fortlaufende Übersichten über die neuern Erscheinungen in der «Revue de l’Histoire des religions».

Indischer Flachs, s. Corchorus.

Indischer Gallus, s. Bablach.

Indischer Hanf (Cannabis indica Lam.), eine kräftige Abart des gewöhnlichen Hanfes, findet unter dem Namen Herba Cannabis indicae in der Arzneikunde als Kraut, alkoholisches Extrakt (Extractum cannabis indicae) und Tinktur (Tinctura cannabis indicae) Verwendung und kommt als Bhang (s. d.), Churrus (s. d.) und Ganjah (s. d.) hauptsächlich über London in den Handel. Der I. H. enthält stark narkotisch wirkende Stoffe, deren Isolierung noch nicht mit völliger Sicherheit gelungen ist. Von den Orientalen werden die getrockneten und zerschnittenen Pflanzen geraucht oder es werden berauschende Getränke daraus bereitet, auch dienen sie zur Herstellung des Haschisch (s. d.).

Indischer Kalmus, s. Acorus.

Indischer Kaukasus, s. Hindukusch.

Indischer Ocean oder Indisches Meer, der zwischen dem Atlantischen und dem Stillen Ocean gelegene Teil des Weltmeers. (Hierzu Karte: Indischer Ocean.) Seine Grenzen sind gegen N. die Südküste von Persien, Vorderindien und der westlichste Teil von Hinterindien; gegen W. Arabien,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 572.