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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Katten; Kätti; Kattowitz; Kattūn; Kattundruckerei; Kattunpapier; Katún; Katunja-Schneeberge; Katwijk

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Kattegat – Katwijk

Kattěgat, das Meer zwischen der Ostküste Jütlands und der Westküste Schwedens, nördlich von den dän. Inseln. Im Süden hängt das K. durch den Großen, den Kleinen Belt und den Sund mit der Ostsee zusammen, ist im W. flach, östlich der Inseln Läsö und Anholt bis 50 m tief. Es hat im W. und S. niedrige, an der schwed. Seite steile, felsige Gestade und ist nicht ungefährlich zu befahren. Der Schiffsverkehr ist sehr stark.

Katten (richtiger Chatten), german. Volksstamm in Hessen, die Vorfahren der heutigen Hessen. Der Name kommt zuerst im Anfang des 8. Jahrh. vor. Bei Cäsar noch unter dem allgemeinen Namen der Sueven begriffen, schlossen sich die K. dem rhein. Bunde der Franken (s. d.) an, vor deren Namen ihr eigener gegen Ende des 3. Jahrh. n. Chr. zurücktritt: K. werden zuletzt gegen Ende des 4. Jahrh. von Claudianus erwähnt. Schon um 100 v. Chr. hatten sich von den K. die Chattuarier, Bataver und Kanninefaten abgezweigt, die dann am Niederrhein den Kern der (salischen) Niederfranken bildeten. Tacitus rühmt die kriegerische Tüchtigkeit der K., die mehrfach in den Kämpfen gegen die Römer hervortrat. Die Südwestspitze ihres Landes wurde 9 v. Chr. von den Römern unter Drusus eingenommen, und die dort wohnenden kattischen Mattiaker (Mattiacum, jetzt Wiesbaden) waren längere Zeit röm. Unterthanen. Unter Marc Aurel machten die K. Einfälle in das röm. Germanien und Rhätien. Später beteiligten sie sich an der fränk. Besiedelung des Main- und Mosellandes. – Vgl. W. Arnold, Ansiedelungen und Wanderungen deutscher Stämme (2 Bde., Marb. 1875); H. von Pfister, Chattische Stammeskunde Cassel 1880); ders., Anhang zur chattischen Stammeskunde (ebd. 1888): ders., Über Verschiebung chattischer Sitze (Darmst. 1890).

Kätti, süd- und ostasiat. Gewicht, s. Catty.

Kattowitz. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Oppeln, hat 186,51 qkm, (1890) 120762 (60004 männl., 60758 weibl.) E., 2 Städte, 25 Landgemeinden und 22 Gutsbezirke. – 2) Kreisstadt im Kreis K., an

^[Abb.]

den Linien Breslau–Oswiecim, K.–Ratibor (83,7 km), K.–Dzieditz (47,1 km) und K.–Sosnowice (8,4 km) der Preuß. Staatsbahnen und durch zahlreiche Bahnen mit den benachbarten Berg- und Hüttenwerken verbunden, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Beuthen), einer Gewerbe- und Kreisschulinspektion, eines Betriebsamtes (361,28 km Bahnlinien) der königl. Eisenbahndirektion Breslau, Bergrevieramtes und verschiedener Bergwerks- und Hüttendirektionen, hat (1890) 16513 (8024 männl., 8489 weibl.) E., darunter 2866 Evangelische und 1483 Israeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph, drei Kirchen (darunter eine altkatholische), eine Synagoge, ein Gymnasium (Direktor Dr. Müller, 13 Lehrer, 8 Klassen, 298 Schüler), höhere Mädchenschule, Mittelschule; Eisengießereien, Eisenwalzwerke, Zinkhütten, Maschinenfabriken, mechan. Werkstätten, Dampfsägemühlen und Steinkohlengruben. K., früher ein unbedeutender Ort, ist seit 1867 Stadt und jetzt der Hauptsitz des oberschles. Steinkohlenhandels.

Kattūn (aus dem ital. cotone, das vom arab. koton, d. i. Baumwolle, abstammt), leinwandbindig aus ungefärbtem Baumwollgarn Nr. 16–30 gewebte Zeuge, welche hauptsächlich für den Druck bestimmt sind, zum geringern Teil weiß als Shirting, Nessel und Futterleinwand, oder auch einfarbig gefärbt als Futterkattun, im letztern Fall mit besonders starker, glänzender Appretur, in den Handel kommen. Häufig wird die Bezeichnung K. auch auf andere glatte, etwas steif und glänzend appretierte Baumwollzeuge, wie Kittay, Nanking, Perkal ausgedehnt. Als die charakteristische Behandlungsweise der im engsten Sinn als K. zu bezeichnenden Gewebe, welche in Frankreich Indienne, in England Kaliko genannt werden, muß das Bedrucken gelten, obwohl noch heute in Ostindien, der Heimat des K., neben den gedruckten auch bemalte Stoffe dieser Art in den Handel gebracht werden. Über das Verfahren beim Kattundruck s. Zeugdruck. Durch ein besonderes Appreturverfahren, das Gaufrieren (s. d.), erhält man die moirierten, geköperten und kleingemusterten Futter- und Möbelkattune sowie die mit allerlei Mustern versehenen, stark appretierten Buchbinderkattune. Feine K. mit fünf- oder mehrfarbigen Mustern auf weißem oder hellfarbigem Grund werden Zitz genannt.

Die Herstellung bedruckter K. bildet trotz der Vorliebe unserer Zeit für wollene und gemischte Kleiderstoffe einen der wichtigsten Industriezweige in England, Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Bis zum Ende des 18. Jahrh. hatten die ostindischen K. den unbestrittenen Vorzug wegen der Lebhaftigkeit und Festigkeit ihrer Farben. Seit dem Ausgang des 17. Jahrh. bedrucken die Holländer die in Ostindien erzeugten weißen Gewebe, welches Verfahren zunächst in Hamburg und Augsburg sowie in Sachsen und in der Schweiz nachgeahmt wurde. In der Folge fing man an, die K. selbst zu weben. Den gewaltigsten Aufschwung nahm durch die mit Hilfe der Maschinen ermöglichte Massenproduktion die Kattunfabrikation in England, sodaß in neuerer Zeit die englischen K. selbst in Indien die Erzeugnisse der dortigen Handarbeit verdrängt haben. Zur Zeit des ersten Kaiserreichs wurden in Frankreich, namentlich im Elsaß, zahlreiche Kattundruckereien gegründet, und bald erhielten die französischen K., besonders in den feinern Qualitäten, durch geschmackvolle Muster den Vorrang. Gegenwärtig steht auch die deutsche Kattunindustrie auf einer hohen Stufe der Entwicklung, sodaß engl. und franz. Ware kaum noch eingeführt wird. Hauptorte des Kattundruckes sind in Deutschland außer dem Elsaß Berlin, Eilenburg, Augsburg, Elberfeld, Hamburg, Breslau.

Kattundruckerei, s. Zeugdruck.

Kattunpapier, eine den Kattun imitierende Art Buntpapier, meist hellfarbig grundiert und mit einfachen Mustern bedruckt.

Katún (richtiger Katunja), einer der Quellflüsse des Ob (s. d.).

Katunja-Schneeberge oder Katunjasäulen, russ. Katunskije bjelki oder Katunskije stolby, Berggruppe im Altai (s. d.), deren höchste Spitze die Bjelucha (3350 m) ist.

Katwijk (spr. -weik), Landgemeinde in der niederländ. Provinz Südholland, besteht aus zwei Dörfern, das kleinere K. am Rhein oder Katwijkbinnen, 7,5 km im NW. von Leiden, mit dem es durch eine Dampftrambahn verbunden ist, hat 1688 E. und eine Jesuitenpension; das größere K. aan Zee (oder am Meer) oder Katwijkbuiten, ein beträchtliches Fischerdorf, hat 5043, als Gemeinde 6731 E. und wird als Seebad viel besucht. In der Nähe der von Conrad erbaute Kanal mit drei groß-^[folgende Seite]

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