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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kirchenspaltung - Kirchenstaat
(2. Aufl., Weim. 1886). - Die bis ms 11. Jahrh, im !
altbulgar. Reiche blühende altkirchenslawische!
Litteratur ist fast durchgängig eine übersetzungs- >
litterawr. Aus dem Griechischen wurden außer bibli-
schen Büchern die zu gottesdienstlichem Gebrauche
bestimmten Werke übersetzt, außerdem namentlich
Werke der Kirchenväter, Heiligenlegenden und an-
dere mehr populärkirchliche Schriften. In weiterm
Sinne gehören zur kirchenslaw. Litteratur auch die
in Rußland, Serbien und Bulgarien im Laufe des
Mittelalters und darüber hinaus erstandenen Bücher
in kirchenslaw. Sprache.
Kirchenspaltung, f. Schisma.
Kirchenstaat (ital. 3t3.to äsli^ (^issa, 8tato
?0ntiüeio, stato Nomano; lat. ^atrimonium?6tii),
das ehemalige Staatengebiet, über welches dem
Papste als Oberhaupt der röm.-kath. Kirche die
Souveränität zustand. Bis 1859 erstreckte sich die-
ses in Mittelitalien gelegene Gebiet von 41° 10^
bis 44° 50' nördl. Br. und von 11° 25' bis 13° 50'
östl. L. von Greenwich, wurde im N. vom Lombar-
disch-Venetianischen Königreich, im W. von Modena
und Toscana, im SO. vom Königreich Neapel be-
grenzt, stieß im SW. an das Tyrrhenische Meer, im
O. an das Adriatische Meer. Nach dem Gesetz vom
22. Nov. 1850 bestand der K. aus den Provinzen
Viterbo, Civitavecchia und Orvieto, die zusammen
mit dem Stadtbezirk von Rom (Noma 6 ^omai-ca)
den Titel Roma 6 circouäario führten, und den vier
Legationen der Romagna, der Marken, von Um-
brien und der Campagna und Marittima, welche
wieder in 20 Delegationen (s. d.) eingeteilt waren.
Dies Gebiet entsprach ziemlich den gegenwärtigen
ital. Provinzen Bologna, Ferrara, ForÜ, Ravenna,
Ancona, Ascoli-Piceno, Macerata, Pesaro e Nr-
bino, Perugia und Rom und hatte insgesamt einen
Flächenraum von 752 Quadratmeilen (41407^km)
mit (1857) 3126 263 E. Von 1860 bis 1870 ge-
hörte zum K. nur noch Rom mit der Comarca, die Le-
gation Velletri und die drei Delegationen Viterbo,
Civitavecchia und Frosinone (ohne Pontecorvo),
entsprechend dem jetzigen Compartimento Latium
(Rom), ein Areal von 214,12 Quadratmeilen (11790
ykiu) mit (1869) 729 859 E. Nach dem Sept. 1870
wurde auch dieser Rest des K. dem Königreich Ita-
lien einverleibt. (S. die Historischen Karten
von Italien II, III, IV.)
An der Spitze des K. stand der Papst, ein geist-
licher Wahlfürst mit unumschränkter Gewalt; dem
Papst zur Seite stand das Kollegium der Kardi-
näle (Z^ero colikZio), welches 70 Mitglieder zählte.
Der Leiter des polit. Staatswesens war der Kardi-
nal-Staatssekretär, welcher vom Papste ernannt
ward. Neben dem Ministerrate bestand seit Sept.
1849 ein Staatsrat von 15 zum Teil weltlichen Mit-
gliedern; außerdem war zufolge Gesetz vom 21. Okt.
1850 eine Staatskonsulta für Finanzangelegenheiten
errichtet. Die Verwaltung jeder Legation war einem
Kardinallegaten anvertraut, den Provinzen oder
Delegationen waren Delegaten vorgesetzt. Als Heer
diente die Soldtruppe der Schlüsselsoldaten, die 1869:
15670 Mann zählte. Orden verleiht der Papst fünf:
den Christusorden (s. d.) -. den Orden Gregors d. Gr.,
gestiftet 1831; den Heiligen-Grabes-Orden (s. d.);
den Pius-Orden (s. d.); den Sylvesterorden (s. d.). -
Vgl.Calindri,8NFFioF60Fr3.tic0) statiätico 6 Ztorioo
äsiio 8tato ?0ntiüci0 (Perug. 1829); Tournon,
Ntuä68 8t3.ti8tit1I163 8UI- ^0IQ6 6t 1kl. PHltiL oeoi-
ä6utai6 ä68 Ntat8 HomainZ (2 Bde., nebst Atlas,
Par. 1831); Helfferich, Röm. Zustände im Frühjahr
1850 (Lpz. 1850); Palmieri, lopoZrHÜa 8tati8tica
äeiio 8tato?ontiüci0 (Rom 1857).
Geschichte. Der K. verdankte seine Entstehung
der Pippinischen Schenkung und nicht der
Konstantinischen (s. vouatio OouLtantini). 754 ließ
sich Stephan III. (II.), Bischof von Rom, von Pippin
gegen Übertragung der Merowingerkrone und Er-
teilung des Patriciats und der Schirmvogtei über
die röm. Kirche die zum "Patrimonium Petri
und Herzogtum Rom" (d. h. das Gebiet zwischen
Gaeta, Tibur und Todi) gehörigen Landstriche zu-
erkennen, zu deren Auslieferung Pippin die Lango-
barden zwang; 755 fügte Pippin dazu noch Bologna,
Ferrara und die Küste von Ravenna bis Ancona,
sowie die anstoßende Romagna. Die Schenkung
seines Vaters bestätigte Karl V Gr. 774 dem Papst
Hadrian I. Die angemaßte Lehnsoberhoheit der
Kirche über das von den Normannen eroberte
Unteritalien und Sicilien aus der Welt zu schaffen,
gelang Heinrich IV. nicht, wohl aber verhinderte
Heinrich V. die Einziehung von Toscana seitens
der Kurie, der dieses Gebiet von der Markgräsin
Mathilde vermacht worden war; Lothar von
Supplinburg erkannte dann allerdings die Lehns-
oberhoheit des Papstes über die Mathildischen
Güter an, aber Friedrich I. zog dieselben wieder
ans Reich. Die Vernichtung des K. drohte 1194, als
Heinrich VI. das normann. lKrbe in Unteritalien und
Sicilien an sich nahm; allein von seinen gefährlichen
Nachbarn aus dem Hause Hohenstaufen befreite
sich der päpstl. Stuhl dadurch, daß er 1265 das
Haus Anjou auf den Thron von Neapel rief. Die
Intriguen König Philipps IV. von Frankreich be-
wirkten 1305 die Verlegung der Kurie nach Avignon
(Babylonisches Exil, 1309-77). Nach dem Aus-
stand des Cola di Rienzi in Rom (1347) und dessen
Ermordung (1354) wurde sowohl der ganze K. als
auch Rom selbst der Kurie durch Albornoz (s. d.)
wieder unterworfen. Aber das 1378 ausgebrochene
Schisma nötigte die röm. Päpste, ihrer Oberherr-
lichkeit sich zu begeben, um nicht die Unterthanen
dem Gegenpapst in Avignon zuzutreiben.
Während aber im ganzen Mittelalter die Herr-
schaft der Päpste über den K. mehr eine nominelle
war, schufen die Borgia (s. d. und Alexander VI.)
und ihr Erbe Papst Julius II. einen wirklichen Staat
aus einem großen Teil der bisherigen päpstl. Gebiete.
Letzterer gewann außer Rimini und Fae'nza auch Ra-
venna und Cervia von den Venetianern zurück und
unterwarf Perugia, Bologna, Imola, Forlr, Mo-
dena, Reggio, Parma und Piacenza der päpstl.
Herrschaft. Sein Nachfolger Leo X. (1513-21) ver-
wandte sein diplomat. Geschick in der Hauptsache
auf Rückführung der Medici nach Florenz, die
sein zweiter Nachfolger, Clemens VII. (1523-34),
dann durchführte. Des letztern Politik zog über
den K. den furchtbaren Kampf zwischen Karl V. und
Franz I. herein, welcher niemals wieder erlebte
Schrecken über die Ewige Stadt brachte. Während
Clemens VII., von den kaiserl. Truppen belagert, in
der Engelsburg saß, nahmen die Este Modena, die
Venetianer Ravenna und Cervia, Giovanni di
Sassatello Imola, die Malatesta Rimini, Rodolfo
Varano Camerino, die Baglioni Perugia. Durch
den Vertrag von Barcelona (1528) und den Frieden
von Cambrai wurde zwar Ravenna und Cervia dem
K. zurückgegeben, die Este und Rovere aber in ihren
Erwerbungen erhalten. Wie Clemens VII., so be-
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.