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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Krystalliten - Krystallwasser

zieht. Befördert wird die K. durch Darbietung vieler Ansatzpunkte für die Krystalle und durch gelinde Bewegung, verzögert wird sie durch möglichst niedrige Temperatur und völlige Ruhe. Man kann die Krystallbildung oft dadurch bedeutend befördern, daß man auf die betreffende Flüssigkeit, wenn sie dem Krystallisationspunkt, dem Zeitpunkt, wo sich Krystalle abzusetzen beginnen, nahe ist, einen geringen Stoß ausübt, der die Masse in schwache Bewegung setzt; oder daß man den Stoff, der krystallisieren soll, mit einem fertigen Krystall derselben Materie in Berührung bringt, in welchem Falle offenbar die Adhäsion begünstigend wirkt. Je rascher die K. vor sich geht, desto zahlreicher werden die Krystalle; aber sie bleiben kleiner, stören sich gegenseitig in der Ausbildung, und man erhält krystallinische Massen statt deutlicher Krystalle. Dieser Umstand wird technisch benutzt; so läßt man Kochsalz unter stetem Umrühren krystallisieren, damit es kleinkörnig werde; Zucker wird in den Formen gestört, um ihn feinkörnig-krystallinisch zu machen; Kandiszucker, Alaun, Blutlaugensalz und andere Salze läßt man dagegen langsam und ruhig krystallisieren, indem man durch die Flüssigkeit Fäden oder Stäbchen als Ansatzpunkte zieht. Metalle, Glas u. s. w. darf man nicht zu rasch erkalten lassen, damit sie nicht im Innern krystallinisch und spröde werden. Bei völliger Ruhe können geschmolzene Körper, z. B. Schwefel, oft weit unter den Erstarrungspunkt abgekühlt, Salzlösungen, z. B. Glaubersalzlösung, weit unter den Krystallisationspunkt erkaltet werden, ohne daß Krystallbildung eintritt; sowie aber eine leichte Erschütterung stattfindet, erscheinen die Krystalle mit einem Mal unter Freiwerden von Wärme. Merkwürdig sind die beim Krystallisieren mancher Stoffe auftretenden Lichterscheinungen. Löst man z. B. nicht krystallinische arsenige Säure in verdünnter kochender Salzsäure auf und läßt die Auflösung langsam erkalten, so leuchtet, im Dunkeln beobachtet, jeder Krystall im Moment seines Ausscheidens lebhaft mit einem blitzartigen Funken.

Die K., dem Amorphismus entgegengesetzt, ist als eine besondere Art der Äußerung der Anziehungskraft der kleinsten Teile anzusehen, und man hat nach Haüys Vorgang vielfach versucht, den Grund der verschiedenen Krystallformen in einer Verschiedenheit der primären Form der sich an- und aufeinander lagernden kleinsten Teilchen zu finden, während andererseits Ampere und andere gezeigt haben, daß man auch aus einer gleichen primitiven Kugelgestalt aller Atome die Krystallformen ableiten könne. Der dynamischen Ansicht von den Körpern kann weder die eine noch die andere Ansicht genügen.

Krystalliten, ein Produkt der Entglasung (s. d.), mikroskopisch kleine Gebilde, welche die Anfänge der Krystallisation darstellen, aber, weil optisch gegen polarisiertes Licht reaktionslos, im Gegensatz zu den Mikrolithen (s. d.) die Zurechnung zu einer bestimmten Mineralspecies nicht gestatten. Je nach ihrer Form unterscheidet man Belonite, Globuliten und Trichite (s. diese Artikel). - Vgl. Vogelsang, Die K. (hg. von Zirkel, Bonn 1874).

Krystallkeller, s. Höhlen.

Krystalllinse des Augapfels, s. Auge (Bd. 2, S. 105 b).

Krystallmagnetismus, s. Diamagnetismus.

Krystallographie, Krystallometrie (grch.), s. Krystalle (S. 775).

Krystalloide, s. Diffusion und Dialyse.

Krystallpalast, engl. Crystal-Palace, das großartigste, dem Vergnügen und der Belehrung dienende Etablissement der Welt, liegt bei Sydenham im SO. von London in der Grafschaft Kent. Das Gebäude, ganz aus Glas und Eisen, wurde 1851-54 unter teilweiser Benutzung des Materials der ersten Weltausstellung im Hydepark von einer Aktiengesellschaft nach Plänen von Joseph Paxton für etwa 30 Mill. M. aufgeführt und erhebt sich auf dem höchsten Hügel einer unebenen Fläche von 120 ha inmitten prächtiger Terrassen, Gärten und Parks, Seen und Inseln. Das Mittelschiff ist 490 m lang, das mittlere Querschiff hat 117 m Länge, 36 m Breite und 53 m Höhe. (S. Tafel: Ausstellungsgebäude I, Fig. 1, und Taf. II, Fig. 1, Bd. 2, S. 165.) Es enthält das Händel-Orchester für 4000 Mitglieder mit der gewaltigen Orgel (4568 Pfeifen) und den Zuhörerraum; ferner eine Konzerthalle mit täglichen Aufführungen und einen Theaterraum für 2000 Personen. Durch das Hauptschiff verteilen sich botan., zoolog. und ethnolog. Gruppen und Darstellungen, die die Vegetation, die Tier- und Menschenwelt aller Zonen und Rassen veranschaulichen. Von großem wissenschaftlichen Werte sind die Courts auf beiden Seiten mit Nachbildungen der Architektur und Bildnerei aller Kulturvölker in chronol. Anordnung. Drei Bahnlinien, auf denen fast viertelstündlich Züge verkehren, dienen dem Verkehr mit London. - Vgl. Official Guide (3 Bde., London) und die Prachtwerke: Views of the Crystal Palace and Park (ebd. 1854) und Cundall, Works of art in the Crystal Palace (ebd. 1855).

Krystallphysik, s. Krystalle (S. 775 b).

Krystallponceau (spr. -pongßoh), Neucoccin, ein roter Azofarbstoff, der aus dem Natriumsalz der α-Naphthylamin-Azo-β- Naphtholdisulfosäure besteht und zum Färben von Wolle dient.

Krystallsoda, s. Soda und Natriumcarbonat.

Krystallsysteme, s. Krystalle (S. 774 a).

Krystalltierchen, soviel wie Rädertiere (s. d.).

Krystallviolett, das salzsaure Salz des Hexamethylpararosanilins, das in schönen bronze- oder kantharidenglänzenden Krystallen in den Handel kommt. Es wird bei der Einwirkung von Phosgen auf Dimethylanilin erhalten. Hierbei bildet sich zunächst Tetramethyldiamidobenzophenon nach folgender Gleichung:

COCl2 + 2 C6H5.N(CH3)2 = CO[C6H4.N(CH3)2]2 + 2 HCl.

Phosgen Dimethylanilin.

Auf das letztere wirkt ein weiteres Molekül Dimethylanilin, und es entsteht die Farbbase des K.:

CO[C6H4.N(CH3)2]2 + C6H5.N(CH3)2 = C(OH)[C6H4.N(CH3)2]3,

die durch Salzsäure in das salzsaure Salz, den eigentlichen Farbstoff, übergeführt wird:

^[img]

Krystallviolett.

Das K. färbt Seide, Wolle und gebeizte Baumwolle prächtig violett.

Krystallwasser, die Wassermenge, mit der sich chem. Verbindungen zu meist festen krystallisierbaren Körpern vereinigen, ohne daß sich dabei eine Hydratbildung (s. Hydrate) nachweisen läßt. Die Festigkeit der Bindung des K. ist im ganzen gering, wenn auch

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]