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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Leimapparat - Leinenindustrie
Über Chondrin s. d. - Vgl. Friedberg, Die Verwertung der Knochen auf chem. Wege (Wien 1884); Dawidowsky, Die Leim- und Gelatinefabrikation (3. Aufl., ebd. 1893).
Leimapparat, s. Buchbinderei (Bd. 3, S. 652 a).
Leimbach, Stadt im Mansfelder Gebirgskreis des preuß. Reg.-Bez. Merseburg, an der Wipper, hat (1895) 3488 (1890: 3353) E., darunter 401 Katholiken, Post, Telegraph; Kupfer- und Nickelschmelzhütten, Schwefelsäurefabrikation, Dynamitfabrik und Brauereien.
Leimbäder, s. Bad (Bd. 2, S. 254 a).
Leimdruck, s. Lichtdruck.
Leimfarben, s. Anstrich.
Leimgut, s. Leim.
Leimkitt, s. Kitt.
Leimringe, die mit Brumataleim (s. d.) oder Raupenleim (s. d.) bestrichenen Schutzringe an Bäumen gegen Infekten.
Leimruten, die mit Vogelleim bestrichenen Ruten, an denen die Vögel beim Aufsetzen oder Berühren mit den Flügeln hängen bleiben.
Leimseife, s. Seife.
Leimsüß, Leimzucker, s. Glykokoll.
Lein, Pflanze, s. Linum.
Leina, Leinakanal, s. Hörfel.
Leindotter, Pflanzengattung, s. Camelina.
Leine, eine starke Art Seil (s. d.).
Leine, linker Nebenfluß der Aller, entspringt auf dem Eichsfelde, unweit Worbis im preuß. Reg.-Bez. Erfurt, in 270 m Höhe, fließt erst westwärts nach Heiligenstadt, dann nördlich über Göttingen und Hannover und mündet, etwa 185 km lang, bei Vothmer zwischen Celle und Verden. Sie nimmt rechts die Rhume mit den Harzflüßchen Oder und Söse, dann die Innerste (s. d.), links die Ilme von Einbeck her auf. Ihr Flußgebiet umfaßt 6280 qkm. Das obere Thal ist breit, nur zwischen Northeim bis Alfeld eng und abschüssig. Unterhalb Elze tritt sie in die Ebene, wo sie bei Neustadt das Leinemoor bildet. Nach der Mündung der Rhume wird sie flößbar, bei Hannover schiffbar.
Leinen, soviel wie Leinwand (s. d.).
Leinen-Berufsgenossenschaft für das Gebiet des Deutschen Reichs mit Ausschluß von Elsaß-Lothringen, Schlesien und dem Königreich Sachsen. Sitz ist Bielefeld, Sitz der 5 Sektionen: Blaubeuren, Viersen, Bielefeld, Hamburg, Braunschweig. Ende 1894 bestanden 408 Betriebe mit 42144 versicherten Personen, deren anrechnungsfähige Jahreslöhne 24025889 M. betrugen. Die Jahreseinnahmen beliefen sich auf 123566 M., die Ausgaben auf 129 729 M., der Reservefonds (Ende 1894) auf 336072 M. Entschädigt wurden (1894) 148 Unfälle (3,51 auf 1000 versicherte Personen), darunter 4 Unfälle mit tödlichem Ausgang, 2 mit völliger Erwerbsunfähigkeit. Die Summe der gezahlten Entschädigungen, einschließlich der Renten für Unfälle aus frühern Jahren, betrug (1894) 107516 M. (s. Berufsgenossenschaft.)
Leinenfaser, s. Fasergebilde.
Leinenfischerei, die Angelfischerei des Meers, die in großer Ausdehnung namentlich in den nördl. Meeren betrieben wird. Man unterscheidet Langleinen, Handleinen und Schießleinen. Erstere sind die wichtigsten und bestehen aus langen mit Hunderten oder Tausenden von Angeln versehenen Leinen, die, durch Gewichte beschwert, in verschiedene Tiefe, meist auf den Grund gesenkt werden und bei Neufundland und den Lofoten vorzugsweise zum Fange des Kabeljaus, in der Nordsee zum Fang von Kabeljau und Schellfischen, in der Ostsee für Lachs und Flundern gebraucht werden. Als Köder benutzt man den regenwurmartigen Pier oder Wattwurm (Arenicola piscatorum Lam.), Garneelen, Sandaale (Ammodytes tobianus L.), Brislinge, Heringe, Hornhechte, gesalzene Leber u. a. Handleinen sind Angelleinen mit einem oder zwei Haken, die mit der Hand vom Schiff aus gehandhabt werden und vor dem Köder oft mit glänzenden Metallstücken oder künstlichen Fischen (dann Pilken genannt) zum Anlocken der Fische versehen sind. Schießleinen oder Laufangeln sind Leinen mit künstlichem, glänzendem Köder, die bei voller Fahrt des Schiffs nachschleppen und zum Fang von Makrelen und andern schnell schwimmenden Fischen der Oberfläche dienen.
Leinengarn oder Flachsgarn, Bezeichnung für das aus Flachs bereitete Garn (s. d.).
Leinengut, s. Tauwerk.
Leinenindustrie, die Bearbeitung von Flachs, Hanf, Werg, Hede zu Garnen und sodann zu Webwaren. Die L. ist uralt, möglicherweise jedoch nicht so alt wie die Wollindustrie, da die Rohstoffe der L. bis zum Verspinnen mehr vorbereitende Arbeiten erfordern als Wolle und selbst Baumwolle. Schon mehrere Jahrtausende vor Christi Geburt waren leinene Gewebe in Ägypten und andern Ländern des Morgenlandes weit verbreitet, Griechen und Römer trugen solche, und bei den alten Deutschen bildete Leinwand den Hauptstoff der Bekleidung. Für die meisten slaw. Völkerschaften des östl. Europas gilt dies noch heute. Im Laufe der letzten Jahrhunderte ist die Verwendung der Leinwand zu Kleidungsstücken aus mehrern Gründen zurückgegangen. Gewebe aus Baumwolle sind zwar nicht so haltbar wie solche aus Flachs, dafür aber billiger, und seitdem der Anbau von Baumwolle mit den technischen Fortschritten der Spinnerei und Weberei Hand in Hand gegangen ist, haben baumwollene Stoffe die Leinengewebe in vielen Ländern zurückgedrängt. - Über die einzelnen Leinwandsorten s. Leinwand; über die Leinwand als Kleidung s. d.
Bis etwa Anfang, in vielen Ländern bis zur Mitte des 19. Jahrh. und in wenig kultivierten Ländern noch heute war und ist das Spinnen des Flachses und das Weben der Leinengarne eine Hausarbeit. Namentlich auf den Dörfern deckte jede Familie ihren eigenen Bedarf aus dem erbauten Flachs selbst. Das Spinnen der gröbern und mittelfeinen Garne war leicht zu erlernen, die Arbeit selbst nicht beschwerlich. Manche Spinnerinnen erlangten darin eine große Geschicklichkeit und verstanden einen Faden von außerordentlicher Feinheit und, was fast noch wichtiger ist, größter Gleichmäßigkeit in solcher Weise herzustellen, wie dies selbst die beste Spinnmaschine kaum vermag. Diese Handspinnerei besteht vereinzelt noch heute; durch die in der ersten Hälfte des 19. Jahrh. eingebürgerte Spinnmaschine ist jedoch der Preis des Handgespinstes mit jedem Jahre zurückgegangen und selbst für die hochfeinsten Garnsorten, wie solche die Spitzenklöppelei braucht, kaum noch lohnend. Die Maschine hat die Handarbeit verdrängt. Der Weberei der Leinenwaren steht dasselbe Schicksal bevor, wenn auch die Handweberei heute noch nicht ganz ausgestorben ist. Das Spinnen war die Arbeit der Frauen, das mehr Kräfte erfordernde Weben in der Regel die der Männer. Das Handgespinst hat