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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Leroy-Beaulieu (Pierre Paul) - Lesbos
und Müller, Sondersh. 1884-89), eins der wicktig-
sten in Frankreich veröffentlichten Werke über rnff.
Geschichte und Politik; "Hn lwinnie d'etat i-n886"
(Nikolaus Vtilutine, 1884), "I.Ä tVancL, IcT 1^8816
6t 1'^UI-0P6" (1888), "1^3, i-6V0iution et 16 lidei'Ä-
1i8N6)) (1890), "I^H plante, 16 80ci^i8ine 6t 1^ ä6>
moci-atie" (1892), "1^68 ^uil8 6t I'^uti8emiti8me:
I8I-H61 clie^168 nati0N8" (1893; deutsch Wien 1893).
Leroy-Beaulieu (spr. -röä bollöh), Pierre Paul,
franz. Nationalökonom, Bruder des vorigen, geb.
9. Dez. 1843 zu ^aumur, studierte in Paris, Bonn
und Berlin und war nach seiner Rückkehr Mitarbeiter
an mehrern Zeitschriften in Paris. 1872 wurde er
Professor der Finanzwissenschaft an der 1>o1e lidi-e
668 801611^68 I)0iitiliu68 und gründete das Journal
"I^^ccmoini8t6 li-an^ai8)). 1878 vertrat er Micbel
Cbcvalier am Colie^ äe I'i-^nce und wurde 1880
als dessen Nachfolger zum Professor ernannt. Unter
seinen Schriften sind hervorzuheben: "1^63 FN6ri-e8
c0nt6inp0rllin68 ^1853 - 661; recli6i'c^63 3tati3'
ti(^U68 8U1- 163 P6rt68 (1'1i0ININ68 6t Ü6 CÄ^itllUX))
(2 Serien, Par. 1868 und Vrüsf. 1869), "1^^ siii63tic,n
ouvi-i6i'6 an XIX^ 8iecl6)) (Par. 1871; 2. Aufl., ebd.
1882), "I^äinini8ti'Htion locale en I^r^nce et en
^N^i6t6I-I-6)) (ebd. 1872), "1^6 tr3.V3.il ^63 femm63
3N XIX" Liede" (ebd. 1873), "1^3. eoi0ni33ti0n
l!kex 168 P6UP168 M0äeln68" (1873; 4. Aufl., ebd.
1891), "^i'aite äe 1a 8cience äe8 Ün3nc65" (ebd.
1877; 5. Aufl., ebd. 1892), "1.6 c0il6ctivi8M6))
(ebd. 1884; 3. Aufl. 1891), "I>i-eci8 cl'eoononiie ^oli-
ticiuev (ebd. 1888; 3. Aufl. 1891), "I.'^t3t moäei-ne
et 868 i0N6ti0N3" (ebd. 1889; neue Aufl., ebd. 1891),
"'I'i'aite t1i60i'i(iue 6t praticiu6 ä'ec0U0iui6 poli-
tihu6" (5 Bde., ebd. 1895).
Leroy de Saiut-Arnaud, s. Saint-Arnaud.
Lersen (Lcdersen), lederne Beinkleider, die in
der zweiten Halste des 14. Jahrh, in Gebrauch kamen.
Lerwick (spr. lerrick), Kauptort der sckott. Shet-
landinseln, auf der Ostküste der Insel Mainland,
am Bressasund, mit gutem.Hafen und (1891) 3930 E.,
ist Centrum der Heringsfischerei und Versammlungs-
ort der Walfischfänger.
^66., hinter lat. naturwissenschaftlichen Namen
Abkürzung sür Rene Primevere Lesson (s. d.).
Lefage (spr. -sahsch'), Alain Nene, franz. Dickter,
geb. 8. Mai 1668 zu Sarzeau auf der Halbinsel
Muys (Depart. Morbihau), studierte bei den Je-
suiten zu Bannes, seit 1692 in Paris Philosophie
und Jurisprudenz, wurde Advokat, gab jedock aus
Neigung für die Litteratur nach wenigen Iabren
die Advokatur ganz anf. In dem Abbe von Lyonne,
der, begeistert für die span. Sprache und Litteratur,
ihm das Spanische lehrte, fand er einen Freund, der
ibm eine Pension von 600 Livres gab. Seine zahl-
reichen theatralischen Arbeiten wurden meist auf
dem Jahrmarktsthcater gespielt. Sein <(Oi8pin
I'iv3i äe 80N in3iti'6)) (1707) und später sein tt^ui'-
caret" (1709), eine Satire gegen die Financiers
damaliger Zeit, fanden vielen Beifall. Noch grösiern
Ruhm erwarb er sich durch seine nach span. Vor-
bilde gearbeiteten komischen Romane. Dahin ge-
hört: "1.6 äi3di6 doiteux" (Par. 1707 u. ö.;
deutsch von Levin Schücking, Hildburgh. 1866, und
Lotheißen, ^tuttg. 1881) und "ttii 1^138 ä6 8311-
ti1i3N6" (4 Bde., Par. 1715-35 u. ö.; beste Ausg.
von Ianin, 2 Bde., ebd. 1862 u. 1873). Die Idee
zu crsterm gab ihm der span. Roman des Luis Velez
de Guevara: "N1 äiadio c0^i6i0)>; in der Aus-
führung ist L. jedoch völlig selbständig. Mit Unrecht
wurde lange Zeit auch der "(?i1 LIa,8" als Nach-
dichtung eines verlorenen span. Werks bezeichnet.
Ferner sind nocb von ihm "Hi8toir6 ä6 6u^in3ii
ä'^1f3i-3c1i6" (2 Bde., Par. 1732 u. 1864), eine Ab-
kürzung des trefflichen niedrig-komifchen Romans
des Spaniers Aleman (s. d.), "Hi8t0ir6 ä'N8t6va-
ni1i6 (^0i^3le3" (2 Bde., 1734) und der Roman "I^e
1)3c1i6ii6i' äe 83i3in3N(iu6') (2 Bde., Par. 1736),
der an "(-ii LI33" erinnert, zu erwähnen. Seine
übrigen Werke, bestehend in Vaudevilles, komischen
Opern, Intermezzi, Possen u. s. w., finden sich in dem
"M63t!'6 (1613 t0ii-6)> (10 Bde., Par. 1721-37). L.
starb 17. Nov. 1747 zu Boulogne-sur-Mer. Außer
Ausgaben seiner "d5uvre8 c0inpi6t68" (12 Bde.,
Par. 1828; deutsch von Wallroth, 12 Bde., Etuttg.
1839-40) bat man mehrere seiner "d^uvi-68 clioi-
8168" (so von Veucbot, 14 Bde., Par. 1818-21) und
seiner Dramen (2 Bde., ebd. 1774). - Vgl. Bar-
beret, I.. et 1e tk63tre äe I3, t0ir6 (Dijon 1888);
Claretie, ^33318ur I.. (Par. 1890).
Le Saulnier, franz. Stadt, s. Lons-le-Saunier.
Les Bauges, Kalkplateau, s. Bauges.
Les Baux, franz. Stadt, s. Baux.
Lesbische Liebe, Tribadie, unnatürliche Ve-
sriedigung des Geschlechtstriebes zwischen zwei weib-
lichen Personen.
Lesbos, türk. Insel, nabe der westl. Küste Klein-
asiens, unmittelbar südlich von Troas gelegen, mit
einem Fläckenraum von 1750 (iwn und 40000 meist
grieck. Bewodnern, gegenwärtig nach dem Namen
der alten (und noch jetzigen) Hauptstadt Miti-
lini, von den Türken Midillü genannt, gehört
zum Wilajet Tsckesairi-Bahri-Sefid. Die Iusel
wird von mehrern Gebirgen durchzogen, unter
denen der Lepetymnos (jetzt Gelia) im N. und der
^lvmpos ljetzt Hagios Ilias) im S. die bedeutend-
sten sind. Dazwischen finden sich ausgedehnte und
fruchtbare Ebenen, Getreidefelder und Weingärten;
noch jetzt bilden Weizen, Ol, Wein und Südfrüchte
die Hauptprodukte der Insel, die Berge liesern treff-
lichen Marmor. Zwei Buchten dringen tief in das
Innere der Insel ein und gewähren mit ihren
engen Münduugen fast den Anblick von Landseen:
die von Kalloni im S. und die von Iero im SO.
Das ganze Gebiet der Insel war unter fünf Städte
verteilt: Mytilene (s. d.), Methymna, Antissa, Ere-
sos und Pyrrba; eine sechste, Arisbe, ist frühzeitig
untergegangen und ihr Gebiet von den Methym-
näern in Besitz genommen worden. - Die Insel
wurde im 11. bis 10. Jahrh. v. Chr. durch Einwan-
derer aus Griechenland äol. Stammes in Besitz ge-
nommen, nach der Tradition unter Führung eines
illegitimen Sohnes des Orestes, des Penthilos,
dessen Nachkommen, die Penthiliden, bis tief in das
8. Iabrd. als Könige, zuerst wohl über die ganze
Insel, dann in Mytilene herrschten. Später gab es
langwierige und heftige Parteikämpfe zwischen Adel
und Demos in Mytilene, bis Anfang des K. Jahrh,
v. Cbr. nach Vertreibung der Vorkämpfer der Adels-
partei Pittakus (s. d.) mit absoluter Regierungs-
vollmacht als sog. Äsymnct an die Spitze des
Staates gestellt wurde und Ordnung und Ruhe
berstellte. Die Verfassung wurde eine gemäßigte
Aristokratie oder vielmebr Timokratie. Ende des
6. Jahrb. v. Chr. wurde L. von den Persern unter-
worfen, bis es, nach der Schlackt bei Mykale (479)
von der Fremdherrschaft befreit, sich (478) dem
athenisckcn Seebunde anschloß. 428 fiel die Insel,
mit Ausnahme von Methymna, von Athen aö,