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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Les Brenets – Lesen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Lesbos'

wurde aber 427 wieder unterworfen. Nach der Schlacht bei Ägospotamoi (405) kam die Insel unter die Herrschaft der Spartaner, aber 394 schloß sie sich zum größten Teile wieder an Athen an. Im Kriege der Römer gegen König Mithridates von Pontus (88 v.Chr.) trat L. auf Seite des letztern und wurde nach dem Siege Roms hart bestraft. Als selbständiger Staat erscheint die Insel zum letztenmal seit 1355 n. Chr., wo sie eigene Herzöge aus der genuesischen Familie der Gattilusio hatte, bis sie 1462 unter die Herrschaft der Türken kam. Bei L., unweit Mytilene, schlugen die aufständischen Griechen 8. Juni 1821 eine türk. Flotte. In der griech. Kulturgeschichte spielt L. eine bedeutende Rolle als der Hauptsitz der melischen Poesie (s. Griechische Litteratur, Bd. 8, S.358) und der mit dieser eng verbundenen Musik. Auch die Historiker Hellanikus und Theophanes, der Philosoph Theophrastus u. a. gehören ihr durch Geburt an. – Vgl. Plehn, Lesbiacorum liber (Berl. 1826); Conze, Reise auf der Insel L. (Hannov. 1865); Koldewey, Die antiken Baureste der Insel L. (Berl. 1890).

Les Brenets, franz. Pfarrdorf, s. Brenets.

Les Cayes, Stadt auf Haïti, s. Aux Cayes.

Lesch, türk. Stadt, s. Alessio.

Lesche, im alten Griechenland Bezeichnung von Versammlungs- und Erholungsorten für Müßige.

Leschen., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Louis Theodor Leschenault de la Tour (spr. -noh dĕ la tuhr), geb. 13. Nov. 1773 zu Chalon-sur-Saône, gest. 14. März 1826 zu Paris; durchforschte Südasien, Polynesien und Südamerika botanisch und schrieb über die austral. Flora.

Leschkerreh, Oase in der Libyschen Wüste, unweit Audschila, 10 qkm groß, hat 20000 Palmen und 500 E., Araber vom Stamme der Suiya, mohammed. Kloster und Schule.

Leschnitz, Stadt im Kreis Groß-Strehlitz des preuß. Reg.-Bez. Oppeln, an der Linie Breslau-Cosel der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Oppeln) und Steueramtes erster Klasse, hat (1895) 1553 (1890: 1591) E., Post, Telegraph, Erziehungsanstalt für schwachsinnige Kinder; Schnupftabaksfabrik und Obstbau. Nördlich der St. Annaberg (406 m) mit Wallfahrtskirche und Kloster.

Lescot (spr. -koh), Pierre, franz. Architekt, geb. um 1510 zu Paris, gest. 1578, leitete 1546–78 den Bau des Louvre und wurde während dieser Zeit von König Heinrich II. zum Rat und Almosenier, außerdem zum Abt von Cluny und Kanoniker an Notre-Dame zu Paris ernannt. Von ihm stammt die westl. Façade des Hofs, die als eins der besten Werke der franz. Architektur gilt. Auch baute L. das Haus Franz' I. in den Champs-Elysées und entwarf die Zeichnung zur Fontaine des Innocents, woran Jean Goujon die Reliefs bildete. Gemeinsam mit diesem geschickten Bildhauer, der auch am Louvre thätig war, gab er seinen Werken jene feine Durchbildung, welche die franz. Renaissance von nun an auszeichnete. – Vgl. A. Berty, Les grands architectes français de la renaissance (Par. 1860).

Les Diablerets, Bergstock, s. Diablerets.

Lesdiguières (spr.-digiähr), François de Bonne, Duc de, franz. Feldherr und Parteimann, geb. 1 .April 1543 zu St. Bonnet de Champsaur am Drac, wurde für die jurist. Laufbahn bestimmt, trat aber in das Heer ein und beteiligte sich auf Seite der Protestanten an den Hugenottenkriegen. 1595 ernannte ihn Heinrich IV., dessen Sache er gegen die Liga (s. d.) ↔ verfochten hatte, zum Statthalter der Provence, 1597 nach einem Siege über den Herzog von Savoyen zum Statthalter der Dauphiné, wo L. seit langem wie ein selbständiger Herrscher geboten hatte. Bis zum Frieden von 1601 hielt L. die Waffen Frankreichs gegen Savoyen aufrecht und wurde 1608 zum Marschall erhoben. Von Maria von Medici, nach dem Tode Heinrichs IV., zum Herzog und Pair ernannt, war er bemüht, die Politik Heinrichs IV. fortzusetzen, die Regierung zu stützen und seine Religionsgenossen vom Aufruhr abzuhalten. Ebenso kämpfte er in Heinrichs Sinne zusammen mit Karl Emanuel von Savoyen gegen die Spanier. Von den Jesuiten gewonnen, trat er etwa 1621 zum Katholicismus über, wurde 1622 Connétable von Frankreich und starb, nach einem neuen span. Feldzuge, unter den Vorbereitungen zu Kämpfen gegen die Hugenotten, 28. Sept. 1626 zu Valence. Er war einer der mächtigsten Männer und der tüchtigsten Kriegsführer seiner Zeit. – Vgl. Actes et correspondance du connétable de L. (hg. Von Douglas und Roman, 3 Bde., Grenoble 1878–84); Dufayard, Le connétable de L. (ebd. 1892).

Lese, Benozzo di, ital. Maler, s. Gozzoli.

Les Echelles, franz. Ort, s. Echelles.

Lesem, Nebenform von Lais, dem ältern Namen der Stadt Dan (s. d.) in Palästina.

Lesemaschinen, Apparate, die in Schulen die Erlernung der Druckschrift erleichtern. Pestalozzi wandte zuerst Papptäfelchen mit großgedruckten Buchstaben an, die er zu Silben und Wörtern zusammenstellte. Gewöhnlich besteht die Lesemaschine aus einer Tafel, die der Breite nach mit durchgehenden Schlitzführungen versehen ist; in letztere schiebt man die auf einzelne Brettchen oder steife Pappen in großem Maßstab gedruckten Buchstaben ein, um sie sämtlichen Schülern sichtbar zu machen. In neuerer Zeit sind verschiedene künstliche L. gebaut worden, doch ohne Anklang zu finden.

Lesen und Lesemethoden. Lesen, ursprünglich gleichbedeutend mit Sammeln, Zusammenlegen, und bei den alten Deutschen angewendet auf die Runen (s. d.), ist ein Zusammenfassen der Lautzeichen oder Buchstaben zu Wörtern und Sätzen, die Sinn und Bedeutung haben. Die Methode des Lesenlehrens hat im Laufe der Zeit verschiedene Verbesserungen erfahren. Die älteste Methode ist die Buchstabiermethode, bei welcher den Schülern zunächst die Namen der Buchstaben (nicht ihrer Laute) eingeprägt werden, worauf das Syllabieren, das «Zusammenschlagen» der Buchstaben in Silben, und endlich das Lesen ganzer Wörter und Sätze folgte. Schon Valentin Ickelsamer (1530) forderte jedoch, daß der Schüler die Worte in ihre Laute (nicht Buchstaben) zerlegen und die Laute wieder zusammenfügen lerne. Die vielfachen Mängel der Buchstabiermethode wurden auch von andern schon zeitig anerkannt, so von Zeidtler (um 1700), vom Prediger Vontzky (1721), dem Pseudonymen Nachsinner (1735); besonders drastisch wurden sie von Samuel Heinicke (s. d.) dargestellt. Auch wurden vielfach Verbesserungen vorgeschlagen, z. B. von Gedicke in Berlin, der zuerst die Vokale beibrachte und dann gleich ganze Silben vorführte und aussprechen ließ; von Olivier, Lehrer am Philanthropinum in Dessau (gest. 1815 als Privatlehrer in Wien), der vor dem eigentlichen Lesen die Kinder im Analysieren von Wörtern übte und vom Laute ausging, jedoch die Konsonanten noch mit angehängtem leisen e in der Aussprache verband (etwa

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 111.