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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Manchester (Sammet) - Manchester (Stadt in England)
Weiden, aber auch mit sandigen Heiden, Sümpfen
und Moorgründen bedeckt. Das Klima ist immer
feucht und gleichmäßig warm; heftige Stürme nicht
selten. Küstenflüsse sind: Douve, Vire, Seluneund
Sienne. Der Boden, von welchem 3892 cikin an-
gebaut sind, liefert viel Getreide aller Art (1892:
1161542 kl Weizen auf 76 200 ka, 39 801 KI
Roggen, 766909 Kl Gerste auf 41013 ka, 518000 kl
Hafer), namentlich auch Ölpflanzen und Kartoffeln.
Man baut auch viel Obst, besonders Birnen und Apfel,
welche, da Wein fehlt, zur Bereitung von Poire und
Cider verwendet werden. Der Viehstand ist sehr be-
deutend; es giebt viele Pferde (82877 Stück), Rinder
(349558), Schafe (223747) und Schweine (119899).
Das Mineralreich liefert nur Schiefer und gute Bau-
steine. Die Industrie beschäftigt sich mit der Fabri-
kation von Leinwand, Spitzen, Eiscnwaren, Hand-
schuhen, Glas- und Topfwaren und dem Bau von
Schiffen; aucb giebt es Spinnerei, Gerberei, Papier-
fabriten, und die Fischerei an den Küsten und bei
Neufundland ist von Wichtigkeit. Eingeführt wird
Getreide, Vieh, Butter, Honig, Fifche, Fleisch und
Eier, ausgeführt C'ifen, Bauholz und Kohlen. -
Vgl. Ioanne, (^LOFrapkie äu ä^artemLiit äs 1^
M. iPar. 1882). >met (s. d.).
Manchester (spr. männtsckest'r), eine Art Sam-
Manchester (spr. mä'nntschest'r), nächst London
und Liverpool die größte Stadt Englands, County-
und Municipalborough in der
Grafschaft Lancashire, liegt
unter 53" 29^ no'rdl. Vr. und
2'14'23"wcstl.L.vonGreen-
wich, in hügeliger Gegend,
am Irwell, Mcdlock, Irk und
dem säst ganzüberbautenTib.
Das Klima ist sehr feucht
(Niederschlagsmenge 910 mm
im Jahre); die Sterblichkeit
beträgt noch immer 24,5i Promille. In früherer
Zeit war M. die ungesundeste Stadt des König-
reichs. (Hierzu eine Karte: Industriegebiet
Manckestcr-Leeds.)
M. ist mit Ealford, rechts vom Irwell, völlig
verwachsen. M. allein hat (1891) 505343 E. gegen
462303 im 1.1881. Salsord zählte 198136 E. gegen
176235 im I. 1881. Im 1.1895 wurden 524 865
und 208 253 E. berechnet. Die Iren sind ziemlich
zahlreich, Deutsche giebt es 4-5000 mit eigenem
Klub (Schillcranstalt) und evang. Kirche. Faßt man
das wirtschaftliche Weichbild ins Auge, so gehören
zu M. und Salford viele Vororte wie Cheetbam-
Hill, Broughton, Harpurhey, Newton, Openshaw,
Ardwick, Heaton-Norris, Chorlton, Eccles, Pendlcton
u. a. sowie die entfernter liegenden noch selbständigen
Orte Failsworth (10425 E.), Moss Side (23833),
Levenshulme (5506), Gorton (15 215), Nithington
(25729), Stretsord (21751), Eccles (30000 E.) u.a.
Bauten und Unterrichtsanstalten. Die
innere Stadt ist ausschließlich Geschäftsstadt und,
seitdem die Fabriken und Spinnereien meist in die
Außenteile oder in die Vororte verlegt sind, zumeist
Handelsstadt. Hauptverkehrsadern sind Market-
Street, wo die Börse in griech. Stil (1864-74) und
das Hauptpostamt liegen, Deansgate, Peter-Street,
Orford-Road, Portland-Street mit den stattlichsten
Geschäftshäusern, Morsley-Street u. a. Die äußern
Teile sind regelmäßig angelegt; Salford enthält
vornehmlich Ärbeiterwohnungen. Unter den zahl-
reichen Kirchen sind nur zu nennen: die Kathedrale
am Irwell (im 14. Jahrh, erbaut, jetzt restauriert),
die Et. Peterskirche, die katb. ckui-ck ol tks llol^
^aui6 und die Allerheiligenkirche. In Salford lie-
gen die kath. St. Johnskathcdrale und die Philipps-
kirche. Alle Sekten besitzen Kapellen. Das schönste
öffentliche Bauwerk ist das neue Stadthaus am
Albert-Square, 1868-77 für 1 Mill. Pfd. St. im
got. Stil von Waterhouse errichtet, mit 250 Zim-
mern (darunter der von Ford Maddok Brown mit
Fresken geschmückte Festsaal) und 79 m hohem
Turm; außerdem die Free-Trade-Hall mit der 6000
Personen fassenden Versammlungshalle, wo auch
die großen Halle-Konzerte stattfinden, auf der Stelle
des alten Hauses der Anti-Corn-Law-League von
1838, der Schwurgerichtshof (^33126 (^ourt8) in
Great-Ducic-Street, die Markthalle in Water-
Street und die Town-Hall in Salford. Denkmäler
sind Wellington, Cromwell (in Bronze), Peel, James
Watt, dem Prinz-Gemahl Zllbert und dem Be-
gründer der Freihandelspolitik, Richard Cobden,
John Vright, Bischof Fräser u. a. errichtet. - M.
ist Sitz der Victoria-Universität seit 1880, einer
Prüfungsbehörde mit drei Colleges, nämlich dem
0n6n'8^o1i6F6 in M. (1851), seit 1873 in einem
stattlichen Bau von Waterhouse, mit großem Mu-
seum, 28 Professoren, 70 Docenten und 936 Stu-
denten und besondern: Kurse für Frauen (108) und
besonderm Abendunterricht, sowie dem Univei-Lit^
(^0116^6 in Liverpool und dem ^0i'li3kir6 lüoiie^s
in Lccds. (S. Englisches Schul- und Universitäts-
wesen, Bd. 6, S. 143a.) Ferner bestehen Zwei
Gymnasien ((^rÄnnn^r 8ck0ol8), eine höhere tech-
nische Schule, theol. Fachschulen für Katholiken,
Kongregationalisten, Baptisten und Unitarier, das
(^ketkalli (^o1l686 oder Il08pitcTl, 1651 begründet,
eine Knabensreischule mit großer Bibliothek (40 000
Bände) und das Ilo^al ^1. ^olleZs ok Nusie. Die
185 Volksschulen (96 VoluniHi'^- und 62 Noarä-
8ck00l8) wurden 1895 von 97 726 Kindern besucht.
Vildungsmittel ist auch die öffentliche Bibliothek in
King-Street mit 11 Filialen und 260000 Bänden,
die 1892 von 2 093 000 Lesern benutzt wurden.
Der Kunst ist die cit^ ^Vrt (^Hllsi^ in griech. Stil
mit Gemäldesammlung, Nachbildungen der Nl^in
N^rkl68 aus dem Liiti8k HIu36um und jährlichen
Kunstausstellungen gewidmet, ferner das N. ^rt
Nu86um, zugleich für Vorlesungen und Konzerte.
M. ist Sitz eines anglikan., Salford eines kath.
Bifchofs. Die Verwaltung beider Städte ist geson-
dert. An der Spitze von M. steht ein Lord-Mayor,
26 Aldermen und 78 Councillors. Im Parlament
ist M. (erst seit der Reform von 1832) durch sechs,
Salford durch drei Abgeordnete vertreten. Wasser-
leitungen, vonVlackstone-Edge und vomThirlmerc-
seo in(5umberland hergeleitet, versorgen beide Orte.
Dem Handel mit Lebensrnitteln dienen 10 Markt-
hallen. Unter den Theatern ist das 15.0^1 Ikeatre,
?rwc6'8) Hu66n'8 und in Ealford?rinc6 0k^Vlil68'
1k6Hti-6 hervorzuheben. Die wichtigsten Zeitungen
sind: die liberalen "NHnck68t6r (^uarcliau" und
"I5v6ninF ^6-^3", die konservativen "Uv6ninF Nai1"
und der "NHnck68tLi' (^oui-iei'"; wöchentlich erschei-
nen die "cüt^ !^v8". Unter den Vereinen sind
neben den polit. Klubs und Zahllosen geselligen Ver-
einigungen die Litterarische und Philologische Ge-
sellschaft, die für Statistik, Botanik und Naturfor-
schung, der Verein christl. junger Männer sowie das
Handwerkerinstitut mit Bibliothek von 17 000 Bän-
den hervorzuheben. Das wichtigste Krankenhaus ist