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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Medem - Medici
zu der schauerlich-wilden Felskluft unterhalb Cu-
raglia (1332 m), durch die der Mittel- oder
Medelser Nh ein, der im Lago scuro (2453m) im
Val Cadlimo entspringt, dem Vordcrrhein zustießt.
Links von der verwitterten Granitkette des Piz
Rondadura (3019 m) und des Piz Ganneretsch
(3043 m), rechts von den vergletscherten Massiven
des Scopi (3200 m) und des Piz Medel (3203 m)
umschlossen, ist das M. ein ernstes.Hochthal mit
den Dörfchen Curaglia, Platta, Acla u. s. w. in
der untern, mit steinigen Weiden in der oberhalb
der Mündung des Seitenthals Val Cristallina gele-
genen Stufe. Das Thal bildet eine Gemeinde von
(1888) 528 katb. und roman. E.
Medem, Fluß in Hannover, entspringt als Aue
aus dem See von Vedertesa, ist von Otterndorf an
schiffbar und fließt nach Norden in die Elbmün-
dung. (^. auch Geeste.)
Nlsüön 3.F2.N (arch. ^3ei "72^, "in nichts zu
viel"), angeblicher Ausspruch des Ehilon (s. d.).
Medford, Gemeinde im nordamerik. Staate
Massachusetts, am Mystic-River, nordwestl. Vorstadt
von Boston, hat (1890) 11079 E. ^s. Laut.
ülbäiao (lat., mittlere, nämlich Konsonanten),
Klsäia. Fra.tia.s (Neäill i>^üti8, lat.), soviel
wie Gnadenmittel.
Medial (lat.), die Mitte bildend, zum Medium
(s. d.) gehörend, im Medium vorkommend.
Mediän (lat.), mittelgroß, besonders Bezeich-
nung eines Papierformats.
Nls6ia.nto (ital.) oder Mittelton heißt in der
Musik a) die Terz der Tonika; d) der auf dieser Terz ^
ausgebaute Accord und die zu ihm gehörige .Har-
monie. Man bezeichnet mit N. nicht bloß die obere,
sondern auch die untere Terz. Wenn also z. B. in
Oäur nach der ^1. moduliert werden soll, so kann
U-inoii oder ^-inoli folgen.
Mediafch,sächs. Mödwäsch,auch Medwisch,
ungar. Neä^LF, Stadt mit geordnetem Magistrat
mit dem Titel königl. Freistadt im Groß-Kokelburger
Komitat in Siebenbürgen, am linken Nfer der Großen
Kokel (Küküllö), an der Linie Budapest-Kronstadt der
Ungar. Staatsbahnen, bat (1890) 6760 meist deut-
sche E., in Garnison 2 Eskadrons des 2. .Husarenregi-
ments "Friedrich Leopold, Prinz von Preußen", ein
Kirchenkastell mit dreifacher Ringmauer, eine gotische
evang. Kirche (1460), ein evang. deutsches Obergym-
nasium und ein Rathaus, eine große Turnhalle, Denk-
mal des 1849 von den Ungarn erschossenen evang.
Predigers Noth, landwirtschaftliche Lehranstalt und
ist Mittelpunkt des Neinbaues in Siebenbürgen.
Mediastmum (lat.), das Mittel- oder Zwischen-
fell, welches die Brusthöhle in zwei gleiche Teile teilt
(s. Lunge); MediastinNis, die Entzündung des-
selben ;Med i astin al tum or, eine krankhafte Neu-
bildung, die vom Mittelfell ihren Ausgang nimmt.
Mediät (neulat., "mittelbar") nannte man im
Gegensatz zu Immediat (s. d.) im alten Deutschen
Reiche solche Herrschaften oder Vesitznngen, welche
nicht unmittelbar unter dem Reiche standen, son-
dern bloß durch ihren nähern Herrn, einen Reichs-
stand, zu dessen obersteln Lehnsherrn, dem Kaiser,
in Beziehung traten, ^chon früher war es ab und
Zu den mächtigern Reichsständen gelungen, kleinere
Mitstände, zumal wenn deren Besitzungen in den
ihrigen eingeschlossen lagen, in ein solches Abhängig-
keitsverhältnis herabzudrücken, sie ihrer Neichs-
unmittelbarkeit zu berauben. In größerm Maßstabe
fand eine solche Mediati sie rung zuerst durch den
Reichsdeputationsreceft von 1803 statt, welcher einer
Anzahl deutscher Reichsfürsten als Entschädigung für
die Abtretung von Besitzungen auf dem linken Rhein-
ufer an Frankreich gewisse, bis dahin reichsunmittel-
bar gewesene Gebiete zuwies, letztere somit in ein
wenn auch etwas modifiziertes Unterthanenverhält-
nis zu jenen versetzte. Weit umfassender noch ward
mit solchen Mediatisierungen bei und nach der Stif-
tung des Rheinbundes (1806) vorgegangen. Doch
verlor mit dem gleichzeitigen Aufhörendes Deutschen
Reichs der Ausdruck MediatisierunH feine eigentliche,
durch die Beziehungen zu jenem bedingte Bedeutung.
Einigermaßen trat dieselbe wieder in Kraft bei der
Gründung des Deutschen Bundes, in welchem nur
die souveränen Staaten Deutschlands unmittelbar,
dagegen die einer andern Souveränität entweder
schon früher oder durch die Beschlüsse des Wiener
Kongresses unterworfenen (letzteres Schicksal traf die
Häuser Salm, Isenburg und Leyen) nur mittelbar
durch jene vertreten waren. In der Bundesakte
(Art. 14) wurden den Mediatisierten oder ehe-
mals Reichsunmittelbaren gewisse Vorrechte zuge-
sichert, unter anderm das Recht der persönlichen,
erblichen Standschaft in den Landesvertretungen der
Staaten, denen ihre Besitzungen einverleibt worden
waren; daher nennt man sie auch wo^ Staudes-
berren (s. d.). - Vgl. Hesster, Die Sonderrechte der
souveränen und der mediatisierten, vormals reichs-
ständischen Häuser Deutschlands (Berl. 1871).
Mediateur (frz., fpr. -töhr) oder Vermittler
nennt man im Völkerrechte diejenige Macht, welche
unter mehrern streitenden Mächten vor oder nack
Allsbruch eines Krieges die Vermittelung unter-
nimmt. (S. Intervention.)
Mediatisierung, f. Mediat.
Mediäval (nenlat.), mittelalterlich; im Buchdruck
eine mittelalterliche Antiqna (s. d.) und Kursivschrift
(s. d.). Mediäv i st, Persönlichkeit (besonders
Schriftsteller) des Mittelalters.
NIoäioa.30 ^>., Schnecken klee, Pflanzengat-
tnng aus der Familie der Leguminose" (s. d.), Ab-
teilung der Papilionaceen, mit gegen 40 größten-
teils in Europa und den Mittelmeerländern vor-
kommenden Arten, krautartigen Gewächsen mit
meist niederliegendem Stengel. Charakteristisch sind
die sichel- oder schneckenförmig gekrümmten Hülsen.
Am bekanntesten ist N. sativa ^/., die Luzerne (s. d.);
N. iQ6l1iH, s. Sandluzcrne und Tafel: Futter-
pflanzen, Fig. 9, beim Artikel Futterbau.
Nleaioainenta. (lat.), Arzneimittel (s. d.).
Mediceische Venus, s. Aphrodite.
Medici (spr. -tschi), berühmtes Geschlecht von
Florenz, das, gestützt auf die im Handel, nament-
lich in Bankgeschäften, erworbenen Reichtümer im
14. Jahrh, die Führerschaft des niedern Volks
gegen die Geschlechter übernahm und im 15. Jahrh,
unter Erhaltnng der republikanischen Formen that-
sächlich über Florenz herrschte, endlich im 16. Jahrb.
die vorübergehend verlorene Herrschaft durch die
Gunst der zwei ersteil der aus ihm hervorgegange-
nen drei Päpste (Leo X., Clemens VII. und^Leo XI.)
und des Kaisers Karl V., zum Herzogtum verwan-
delt, wiedergewann und überdies Frankreich zwei
.Königinnen (Katharina und Maria de' M.) gab.
Cosimo de' M., Sohn des Gonfaloniere Gio-
vanni di Vicci de'M. (geb. 13Ü0, gest. 1428),
geb. im Sept. 138^, erlangte großen Anhang durck
seine Freigebigkeit und unermüdliche Thätigkeit für
die untern Klassen, was die Albizzi bewog, ihn