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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mobilgarde - Mobilisierung des Grundbesitzes und des Bodenkredits
können sich mit großer Freiheit bewegen. Im be-
sondern versteht man unter M. K. solche Detache-
ments, die ein im Anfstande begriffenes Gebiet mit
M durchstreifen haben, um die Bevölkerung zu ent-
waffnen, Verpflegung, Strafgelder einzutreiben, be-
waffnete Banden zu zerstreuen u. a. Eine größere
M. 5k. nennt man auch fliegendes Korps.
Mobilgarde, Name einer Truppe, die im Früh-
jahr 1848 zu Paris in der Stärke von 24 Bataillonen
von je 1000 Mann errichtet wurde, um durch die-
selben Elemente, die die Nevolntion bewirkt hatten,
die Republik zu schützen, der beschäftigungslosen
jüngern männlichen Bevölkerung Unterhalt zu ge-
wahren und den Dienst der Nationalgarde zu er-
leichtern. In den Iunikämpfcn, wo sie mit den
Truppen gemeinsam zur Erhaltung der Ordnung
gegen das anfständische Proletariat focht, bewährte
sie sich, wnrde aber bald ansgelöst. Das Militär-
gesetz vom 1. Febr. 1868 fügte die mobile National-
garde als besondere Kategorie der bewaffneten Macht
Frankreichs ein. Sie sollte alle Wehrfähigen vom
20. bis 40. Lebensjahre umfassen, soweit sie vom
Dienst im Heere und der Reserve desselben befreit
wären und nicht durch Familienvcrhältnisse gesetz-
liche Berücksichtignng fänden. Im Kriege von 1870
und 1871 erhielten die mobilen Nationalgarden im
Gegensatz zu den sedentärcn den Namen M. und bil-
deten einen wesentlichen Bestandteil der Truppen-
formationen, die nach dem ^tnrz des Kaifcrreichs
aufgestellt wurden. Nach der Niederwerfung des
Commnneaufstandes wurde die M. aufgelöst und
hat auch in der reorganisierten Armee Frankreichs
teine Stelle gefunden.
Mobiliar, s. Möbel.
Mobiliargemeinfchaft oder Gemeinschaft
des beweglichen Vermögens und der Er-
rungenschaft, das gesetzliche Güterrecht, wel-
ches nach franz. und bad. Recht für die Ehe
maßgebend ist, sofern ein Ehevertrag überhaupt
nicht geschlossen ist oder in dem Ehevertrage ab-
weichende Festsetzungen nicht getroffen sind. Die-
selbe gilt, anßer in den Ländern oder Landes-
teilen, in welchen der Ooäo civil Art. 1400 fg. in
Geltung ist, und außer iu Baden, auch in einigen
Bezirken des vormaligen Iustizsenats Ehrenbreit-
stein sowie in den Städten Grenßen und Franken-
bausen. Die M. umfaßt das ganze Vermögen beider
Ehegatten mit Ansschluß der ihuen bei Eingehung
der Ehe gehörenden oder später, jedoch nicht aus
einem lästigen Grunde erworbenen Immobilien.
Von der Errungenschaftsgemeinschaft (s. d.) unter-
scheidet sie sich insbesondere dadurch, daß das Son-
dergnt nicht ans einem Vermögensganzen, sondern
stets aus einzelnen Gegenständen besteht. Mit-
unter gehören anch Immobilien, welche sonst zum
^ondergute zu rechuen sein würden, auf Grund
des Ehevertrags (ci^u^o ä'amLud1i886inont) zur Ge-
meinschaftsmasse. Nach der jetzt üblichen Anffassnng
wird das gemeinsame Vermögen als Miteigentum
der Ehegatten angesehen. Der Ehemann ist Ver-
walter des gemeinsamen Vermögens und verpflichtet
dasselbe; ihm steht die freie Verfüguug über das-
selbe zu, jedoch darf er nicht darüber oder über
gemeinschaftliche Immobilien ganz oder zu einem
Bruchteil durch Schenkung verfügen, wohl aber über
einzelne Fahrnisstücke, sofern er nur nicht die Nutz-
nießung sich vorbehält. Ebensowenig darf er sich
selbst auf Kosten der Gemeinschaft bereichern. Für
eheliche Schulden haftet auch das ehemännlichc
Sondergut. Die Ehefrau allein kann die Gemein-
schaft nnr in Haushaltungsangelegenheiten (vgl.
Badisches Landr. Satz 1420a) oder auf Grund eines
Auftrags des Ehemanns, oder wenn der Ehemann
verschollen ist, verpflichten. Der Deutsche Entwurf
regelt dieM. unter dem Namen Fährnis gemein-
fchaft als eine Art vertragsmäßigen ehelichen
Güterrechts (§8. 1532 fg.) und zwar, da die M,
wenn kein Ehegatte unbewegliches Vermögen besitzt,
mit der allgemeinen Gütergemeinschaft zusammen-
fällt, in Anlebnnng an diese. Fortgesetzte Güter-
gemeinschaft tritt jedoch nnr ein, wenn sie vereinbart
wird (§. 154a). - Vgl. Noth, Deutsches Privat-
recht l3Tlc.,Tüb. 1880-86), §§.124-130; Stobbe,
Deutsches Privatrecht, Bd. 4 (2. Aufl., Verl. 1884),
§§. 245-247.
Mobiliarkredit, s. Realkredit.
Mobiliarsteuer, jede nach beweglichem Ver-
mögen, oder dem Ertrag desselben bemessene und
veranlagte direkte Steuer, wie z. V. die Kapital-
rentcnsteuer (s. d.), die freilich nicht das gesamte
Mobiliarvermögen umfaßt. Über die franz. ()0iitri-
dntion modili^ro s. Mietstener. Die umfassendste
M. ist die ital. Steiler auf die i^lio^a mobile.
Mobilien (lat.), auch fahrende Habe oder
Fährnis, bewegliche Sachen (im Gegensatz zu
Immobilien oder Grundstücken) und im weitern
Sinne bewegliches Vermögen, zu welchem auch
Rechte, insbesondere Fordernngsrechtc, einschließ-
lich der Hypotheken und Grnndschuldcn gerechnet
werden, während zum unbeweglichen Vermögen die
übrigen Rechte an Grundstücken und die Forderun-
gen anf Übertragung eines Grundstückes odereines
Rechts an Grundstücken gehören. Eine solche Unter-
scheidnng gewinnt Bedeutung insbesondere im
ehelichen Güterrecht (Gemeinschaft des beweglichen
Vermögens, s. Mobiliargemeinschaft). Schon im
röm. Recht knüpfen sich an den natürlichen Unter-
schied zwischen beweglichen Sachen und Grund-
stücken in vielen Beziehungen rechtliche Folgen. Das
dentsche Recht, ausgehend von dem Umstände, daß
die ökonomische Sicherung einer Familie auf ihrem
Grundbesitze beruht, daß die ständische Gliederung
des Volks, die polit. und bürgerliche Stellung dev
Einzelnen durch den Grnndbesitz bestimmt werden,
behandelt M. und Immobilien als verschiedene Ob-
jekte. In den neuern Gesetzgebungen tritt der Unter-
schied in der Offenknndigkeit der Rechte an Grund-
stücken hervor, welche durch die Grundbucheinrich-
tung geschaffen ist. <S. anch Immobilien.)
Mobilisierung (militär.), s. Mobilmachung.
Mobilisierung des Grundbesitzes und des
Bodenkredits, die Erleichternng des Erwerbs
und der Verpfändung von Grundstücken durch eine
zu diesem Zwecke geeignete, möglichst einfache Ge-
setzgebung. Es handelt sich dabei in der neuesten
Zeit nicht mehr um die Aufhebuug der durch die
mittelalterlichen Feudal- und Grundberrschaftsver-
hältnisse bedingten Gebundenheit des Grundes und
Bodens, sondern hauptsächlich um eine Ordnung
des Grundbuch- und Hypothekenrechts, welche ge-
stattet, die Eigentnmsübertragung von Grundstücken
auf eiufache Formen zu bringen, wie sie in höch-
stem Maße in betreff der Aktien oder Etaats-
papiere verwirklicht sind, und auch den Hypothekar-
kredit hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Ausnutzbar-
keit dem Lombardtredit möglichst nahe zu bringen.
(S. Auflassung, Grundbuch, Grundschuld, Hypo-
thek.) Im Gegensatz zu dieser Mobilisierung hat