Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

979
Moloch (Erdagame) - Moltke (Adelsgeschlecht)
hat im Mosaischen Gesetz eii^e letzte Spur in der
Vorschrift hinterlassen, die Erstgeburt zu lösen.
"Durchs Feuer gehen lassen" ist ein euphemistischer
Ausdruck für das Opser der Erstgeburt, über dessen
Ceremonien die Rabbinen allerhand Fabeln ausge-
klügelt haben. Aus Kultverschmelzung erklären sich
wahrscheinlich die Gottesnamen An ammele ch und
Adrammelech. Der Kult dieser Götter kam durch
babylon. Kolonisten nach Palästina. Nicht zusam-
menzuwerfen mit M. ist der Volksgott der Ammo-
niter Milkom. über den Kult des M. vgl. Stade,
Geschichte des Volks Israel, Bd. 1 (Ver< 1887).
Moloch (Noioeli 1i0i'ii(In3 <7i'tt?/), eine 15 -
18 (^m. lkncze, in steinigen Gegenden Australiens
heimische, krötenähnliche Erdagame, die außer am
Bauch überall von verschieden großen, hornigen
Stacheln bedeckt ist. Dieses Aussebcn hat dem voll-
kommen harmlosen Tiere bei den Eingeborenen den
Namen Dornteufel eingebracht.
Molöga, linker Nebenfluß der Wolga, entspringt
im Gouvernement Twer und mündet im Gouverne-
ment Iaroslawl, da, wo die Wolga ihren nördlich-
sten Punkt erreicht. Sie ist 547 km lang, von der
Mündung der Tschagodotschtscha an auf 216 km
schiffbar. Dampfer gehen bis Wessjegonsk auf
144 km. 1892 passierten den Fluh 853 Schiffe
und 1558 Flöße. Die M. gehört zum Tichwinschen
Kanalsystcm.
Molöga. 1) Kreis im westl. Teil des russ. Gou-
vernements Iaroslawl, links an der Wolga und zu
beiden Seiten der M., hat 5002,1 hkm, 118349 E.;
Sumpfeisenerz, Ackerbau, Waldindustrie, Nagel-
sabrikation und Weberei. - 2) Kreisstadt im Kreis
M., an der Mündung der M., hat (1893) 7930 E.,
Post, Telegraph, 4 Kirchen, 1 Kloster, 1 Stadtbank:
Talgsiedereien, Mühlen, Fischerei, Schiffahrt, Handel
mit Getreide, Holz, Leinwand u. a.
Molokai, eine der Sandwichinseln ls. d.), um-
faßt mit der kleinern Insel Lana'i im S. 792 qkm
und hat (1890) 2826 E. Hierhin werden die Aus-
satzkranken der ganzen Inselgruppe (ungesähr 1100)
transportiert.
Molokanen (eigentlich "Milchcsser", weil sie
auch in den Fasten Milch essen), russ. Sekte, eine
Abzweiczvma. der Duchoborzen. Sie balten die Bibel
sehr boch und glauben das Urchristentum zu besitzen.
Die Gemeinden stammen wohl aus dem 18. Jahrh.
Ihre Blütezeit fällt in die I. 1820-30, wo ihre
Hauptsitze an der mittlern Wolga waren; später
muhten sie in den Kaukasus auswandern. - Vgl.
Kostomarow, Über die Lehre der M. (deutsch in
Raumers "Histor. Taschenbuch", 5. Folge, Bd. 8,
Lpz. 1878).
Molosser, ein Hauptstamm der griech. Bewob-
ner des alten Epirus, der seine Sitze im Innern
des Landes um den Pembotissee (See von Iannina)
hatte und unter Fürsten aus dem Hause der ^lakiden
oder Pyrrhiden, bis zum Untergange dieses Ge-
schlechts (um 235 v. Chr.), das Übergewicht in Epi-
rus bebauptete. Hauptorte waren Passaron, Tek-
mon, Dodone. Im ganzen Altertum berühmt
waren die molossischen Hunde.
Molossos, Sohn des Neoptolcmos (s. d.).
Moloffus, ein aus drei Längen (---------) be-
stehender Versfuß, z. B. Wartburgfest, Mond-
scheinnacht.
NlolötUru", Vogelgescklecht, s. Viehstar.
Molotschnaja, Fluß im russ. Gouvernement
Tauricn, auf der Grenze der Kreise Berdjansk und
Melitopol, 174 km lang, erreicht nur bei Zochwasser
den Molotscbanskij-Liman, einen See (207
tikm) an der Nordwestküste des Asowschen Meers.
An der M. finden sich viele deutsche Kolonien. (S.
Deutsche Sprache, Bd. 5, S. 86 a.)
Molpadia, Tochter des Staphylos (s. d.).
Molsheim. 1) Kreis im Bezirk Unterelsaß, hat
740,03 ykm, (1890) 67 931 (32385 männl., 35546
weibl.), 1895: 66 612 E. in 70 Gemeinden und
zerfällt in die 5 Kantone M., Rosheim, Saales,
Schirmeck und Wasselnheim. - 2) Kreisstadt im
Kreis M. und Hauptort des Kantons M. (19924 E.),
am linken Ufer der Breusch und an den Linien Za-
bern-Schlettstadt und Straßburg-Saales der Elsaß-
Lothr. Eisenbahnen, Sitz der Kreisdirektion, eines
Amtsgerichts (Landgericht Zabern), Steueramtes,
kath. Dekanats und Bezirkskommandos, hat (1890)
3103 E., darunter 364 Evangelische und 46 Israe-
liten, Postamt zweiter Klasse mit Zweigstelle, Tele-
graph, Neste der alten Etadtbefestigung, spätgotische
kath. Basilika; Eisenwarenfabrikation, Wein- und
Hopfenbau. - M. (Molleshem, 9. Jahrh.) gehörte
bis zur Französischen Nevolution den Bischöfen von
Straßburg. Bischof Johann von Manderscheidt er-
richtete daselbst 1580 ein Iesuitenkolleg, das 1680
zur Akademie erhoben, 1701 nach Strahburg ver-
legt und mit dem bischöfl. Seminar daselbst als
bischöfl. Universität vereinigt wurde.
Molteni, Benedetta Emilia, Sängerin, Frau
von Joh. Friedr. Agricola (s. d.).
Moltke, Adelsgeschlecht, von dem zuerst Mat-
thäus M. (1220-46) erwähnt wird. Es war ur-
sprünglich in Mecklenburg auf Stridfeld angesessen,
welcher Besitz bis 1780 in der Familie forterbte.
Von stridfeld aus verbreitete sich im 13. Jahrh,
ein Zweig dieses Geschlechts nach Schweden, der
jedoch 1413 im Mannsstamm erlosch. Marga-
rete M. batte dort 1414 den schwed. Reichsrat
Christian Nielsen Wasa geheiratet und ist in vierter
Generation die Stammmutter des Königs Gustav
Wasa. Ebenso gelangte früh schon die Familie in
Dänemark und Norwegen zu Macht und Ansehen
in Kirche und Staat. Gegen Ende des 16. Jahrh,
war das Geschlecht M. dem gänzlichen Erlöschen
nahe. So ist Gerb ard M. auf Stridfeld (gest. 1563)
der Stammvater sämtlicker noch lebenden M.; durch
seine Söhne Otto von M. auf Samow (gest. 1609)
und Klaus von M. auf Stridfeld (gest. 1610)
teilten sich die M. in zwei Linien.
^. Gerhards Enkel (von der ältern Linie) in
dritter Generation, Joachim M. auf Samow
und Schorssow (1602-65), ist der Stammvater
aller deutschen M. Diese teilten sich nach 1665
wieder in zwei Linien, eine ältere auf Samow und
eine jüngere auf Schorssow. Von 1643 bis 1785
war das Gut Samow das Stammhaus der ältesten
deutschen Linie, wäbrend Stridfeld auf dle jüngere
deutsche Linie überging. Von den Nachkommen der
jüngern Linie verbreiteten sich mehrere nach Würt-
temberg, Bayern und Osterreich. Aus dieser jün-
gern deutfchen (^chorssower) Linie stammt Fried-
rich Detlev M. (geb. 1750), der sich mil einer
Prinzessin von Holstein-Veck (Großmutter des Kö-
nigs Christian IX. von Dänemark) vermählte, 1776
in den deutschen Reichsgrasenstand erhoben wurde,
seine mecklenb. Güter gegen die Herrschast Behle im
Großherzogtum Posen vertauschte, preuß. Ober-
jägermeister wurde und 1825 starb. Aus der ältern
deutschen (Samower) Linie stieg ein Enkel Joachims
62*