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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Philolog - Philologie
heilte sie. Nun erlegte P. den Paris, und Troja wurde
erobert. Aus seiner Heimkehr nach Italien verschla-
gen, baute er Pctelia in Lucanien und Krimissa bei
Kroton. In einem stampfe gegen die frühern Ein-
wohner siel er. Die Geschichte des P., von dem bei
Homer nur wenig erzählt wird, hat Sophokles in
dem nach P. benannten und noch vorhandenen Trauer-
spiel dargestellt. Von den gleichnamigen Stücken des
Äschylus, Euripides und anderer Tragiker sind nur
Fragmente übrig. Auch die bildende Kunst hat die
Sage vielfach dargestellt. Berühmt war nament-
lich ein P. von dem Bildhauer Pythaqoras und von
dem Maler Parrhasios. - Vgl. L/A. Milani, II
iieii' arte iiFiii-HtÄ (Flor. 1879), und Xuovi manu-
m6Qti (in den "^nnaii äsii'Ingtiwto", Nom 1881).
Philolog, s. Philologie.
Philologie (grch.), eigentlich soviel wie Liebe
zu Neden, Gefallen an Unterhaltung; wenn sick
aber Sokrates bei Plato einen Philologen nennt,
so sind in engerm Sinne die wissenschaftlichen
Unterhaltungen verstanden, in denen sich noch obnc
schulmäßige Abgeschlossenheit die Philosophie des
Sokrates dialektisch bewegte. Als später mit Aristo-
teles der Ausbau der Philosophie und der Wissen-
schaften überhaupt begründet, aber auch die Kraft
des griech. Geistes ermattet war, näbrte sick
das geistige Leben vorzugsweise an den Schätzen
der Vergangenheit, die man sammelte, erläuterte
und von Entstellungen reinigte. Diese wissenschaft-
liche Thätigkeit von überwiegend reproduzierendem
Charakter, ohne Beschränkung auf ein einzelnes
Fach, hieß in den letzten Zeiten des Altertums bei
den Griechen P., und in demselben Sinne kam das
Wort zu den Römern. Encyklopädische oder ver-
mischte, auf vielerlei Fächer bezügliche Schriften
wurden philologische genannt. Nachdem bei den
Nomern Marcus Terentius Varro neun Einzel-
wissenschasten in eine Encyklopädie zusammengefaßt
hatte, bildete sich mit der Zeit unter Ausscklrch von
zweien, der Medizin und Architektur, der Inbegriff
der sog. sieben Freien Künste (s. d.).
Wenn auch der Name P. im Mittelalter nicht
gebräuchlich war, so blieb doch jene Begrenzung und
Gliederung des Unterrichts dieselbe. Aber die an-
tike P. war nun in einen ihr ganz fremden Boden
verpflanzt. Der durchgängige (^rundzug des Mittel-
alters ist neben dem unbedingten Autoritätsglauben
in Religion und Wissenschaft der davon unzertrenn-
liche völlige Mangel an histor. Sinn und bistor.
Kritik: Sage und Geschichte, Dichtung und Wahr-
heit mischten sich unbewußt, selbst in den Erschei-
nungen der Heimat und der Gegenwart; noch viel
nichr erschien das Altertum in nebelhafter Gestalt.
Wenn von einer P. des Mittelalters die Rede sein
kann, so ist diese nicht als Altertumsforschung, son-
dern als ein der kirchlichen Lehre und der scholasti-
schen Wissenschaft dienstbares Studium zu betrachten.
Die Antriebe, die über diesen Zustand hinaus-
drängten, gingen von Italien aus. Hier fübrte das
niemals außer Gebrauch gekommene röm. Neckt in
Verbindung mit dem Aufschwung des städtischen
Lebens und des Handels auf das Studium der alt-
röm. Rechtsquellen zurück; die Kreuzzüge, der ge-
steigerte Verkehr mit dem Byzantinischen Reich, die
Verhandlungen über die Vereinigung der röm. und
griech. Kirche brachten manche Kenntnis aus griechisch
redenden Gegenden nach Italien und erweckten Liebe
zur griech. Litteratur. Tie Gründung von Universi-
täten in Italien schuf neue Sammelplätze für aus-
gedehntere wissenschaftliche Studien und erweckte das
Bewußtsein, daß die griech. Litteratur einen noch
weit größern Schatz von Kenntnissen aller Art als
die lateinische berge, den der immer unfruchtbarer
gewordene Echolasticismus des Abendlandes nicht
gewähren oder ersetzen könne. (S. Humanismus.)
Als Philologen, die sich zunächst um die Sprach-
rcinigung Verdienste erwarben, sind in Italien nach
Petrarca und Boccaccio vor allen zu nennen: Fran-
ciscus Philelphus, Laurentius Valla, Angelus
Politianus u. a.; in Frankreich Stephanus Doletus,
Dionosius Lambinus, Muretus, Budäus; in Deutsch-
land Jak. Wimphcling, H. Vebel, Konr.Celtis, Herm.
Buschius (von dein Bussche), Langen u. a.
Wäbrend die Philologen roman. Stammes, na-
mentlich die Italiener, sich bald mit der formalen
P. begnügten und ihre Gewandtheit, sich die antiken
Formen der Prosa und Poesie anzueignen, ihnen aus-
reichende Befriedigung gewährte, hatte die Wieder-
geburt der Wissenschaften in Deutschland, England
und zum Teil auch in Frankreich viel tiefer ein-
greifende Wirkungen: sie wurde auf den Mittelpunkt
aller Wissenschaft, auf die Kirchenlehre und die Philo-
sophie bezogen und wirkte wesentlich mit zur kirch-
licken Reformation. Je mehr aber die Wissenschaften
fortschritten, desto mehr machten sich auch die mo-
dernen Elemente darin geltend. Weil der alte Begriff
damit verlassen wurde, erklärte man die P. auch wohl
bloß für einen Teil der Polymathie, den man als
Kenntnis der Sprachen (Grammatik, Rhetorik, Me-
trik) und des gesamten Altertums oder aber auch
der Geschichte überhaupt und ihrer Hilfswissen-
schaften zu bestimmen versuchte, so daß also die
sormalen und realen Bestandteile darin verknüpft
wurden. Scheinbar konsequenter war die Ansicht,
wonach die P. bloß Sprachwissenschaft sein sollte,
ihre Hauptteile demnach Grammatik, Kritik und
Hermeneutik. Diese Auffassung der P. als einer
bloß formalen Wissenschaft oder Fertigkeit war lange
sehr allgemein. Ihr letzter großer Vertreter war
Gottfr. Hermann. Noch einseitiger war der Stand-
punkt, den Hemsterhuis und seine Schule ein-
nahmen; nach ihm war der Philolog nichts anderes
als Kritiker. Im 16. Jahrh, sind in Italien als
hervorragende Philologen zu nennen P. Bembus,
Sadoletus, Nizolius, P. Manutius und Sigomus.
Unter den Franzosen waren im 16. Jahrh, nament-
lich von Bedeutung R. und H. Stephanus, Pithöus,
vor allen aber Casaubonus und als der größte Mei-
ster von umfassendstem Wissen Iustus Scaliger, fer-
ner der gelehrte El. Salmasius, die beiden letztern
hauptsächlich in Holland thätig. Aus der großen Zahl
der zum Teil in Deutschland geborenen niederländ.
Philologen ragen außer G.H.Vossius im 17. Jahrh,
besonders hervor: Dousa, Meursius und der auch
als Begründer der Rechtsphilosophie, des Staats-
und Völkerrechts und als Staatsmann berühmte
H. Grotius, im 18. Jahrh. Fr. und Jak. Gronov,
Vurman, Heinsius, Drakenborch, und endlich die an
Hemsterhuis sich anschließenden Rubnken, Valckenaer
und der Sckweizer Wyttenbach. Weniger zahlreich
sind die cngl. Philologen, aber an ihrer Spitze steht
einer der größten Kritiker aller Zeiten: Bentley;
außer ihm wirkten im 18. Jahrh. Potter, Markland,
Musgrave und besonders Porson. Zu den schon
genannten deutschen Philologen sind noch folgende
hinzuzufügen: aus dem 16. Jahrh. Erasmus, Reuch-
lin, Melanchthon; aus dem 17. Gruter (geboren in