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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Russische Eisenbahnen

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Russische Eisenbahnen

C. Der Feldzug von 1815 in den Niederlanden und Frankreich. Während der Wiener Kongreß (s. d.) über die Neuordnung von Europa beriet, schiffte sich Napoleon in Elba heimlich ein, landete 1. März 1815 bei Antibes und zog 20. März, nachdem die ihm entgegengeschickten Truppen zu ihm übergegangen waren, in Paris ein. Seine Friedensanträge bei den verbündeten Monarchen scheiterten jedoch. Diese sprachen vielmehr die Acht über ihn aus und stellten sogleich eine engl.-niederländ. Armee von 100000 Mann unter Wellington und eine preußische von 120000 Mann unter Blücher in den Niederlanden gegen ihn auf, während die Streitkräfte aller europ. Staaten in Bewegung gesetzt wurden. Murat hatte sich wieder mit ihm verbunden, aber dieser wurde von den Österreichern 2. und 3. Mai bei Tolentino, 16. bei Mignano am Garigliano geschlagen und mußte aus Neapel fliehen. Napoleon begab sich nach Abhaltung des Maifeldes zur Armee, die 125000 Mann stark an der Nordgrenze versammelt war, griff 15. Juni plötzlich Blüchers Vorhut bei Charleroi an und warf sie zurück. Seine Absicht war, zwischen die beiden feindlichen Heere einzudringen und sie einzeln zu schlagen. Blücher vereinigte von seiner Armee drei Korps (Zieten, Pirch, Thielmann, die vierte unter Bülow war noch zurück) und nahm im Vertrauen auf die von Wellington zugesagte Hilfe in ungünstiger Stellung bei Ligny (s. d.) den Kampf auf, wurde aber, da diese ausblieb, 16. Juni von Napoleon geschlagen, der gleichzeitig durch Ney die Engländer bei Quatre-Bras (s. d.) angreifen ließ. Napoleon gab Grouchy Befehl, den Preußen, die er im Abmarsch gegen Osten glaubte, zu folgen, während sie nordwärts nach Wavre marschiert waren, um mit Wellington vereint den Kampf wieder aufzunehmen. Dieser hatte 18. Juni eine vorteilhafte Stellung bei Waterloo (s. d.) genommen, aus der ihn Napoleon trotz aller Anstrengungen nicht verdrängen konnte; gegen Abend, als die Kräfte beiderseits erschöpft waren, erschien Blücher in der rechten Flanke der Franzosen und entschied den Sieg. Zu spät dachte Napoleon an den Rückzug, der bald zur allgemeinen Flucht wurde. Eine beispiellos energische Verfolgung, durch Gneisenau geleitet, machte die Niederlage zugleich zur Entscheidung des Krieges. Weder Grouchys geschickter Rückzug nach dem glücklichen Gefecht bei Wavre 18. Juni gegen Thielmann, noch der Überfall von Versailles 2. Juli, wo zwei preuß. Husarenregimenter durch Exelmans aufgerieben wurden, noch Rapps und Suchets Widerstand am Oberrhein und im Süden konnten den Ausgang ändern. Napoleon hatte 22. Juni dem Throne entsagt und sich 15. Juli in Rochefort den Engländern ergeben, worauf er als Kriegsgefangener nach St. Helena gebracht wurde. Paris, wo Davout befehligte, kapitulierte 3. Juli, die franz. Armee mußte hinter die Loire zurückgehen; am 7. rückten die Verbündeten in die Hauptstadt ein; am 9. hielt Ludwig XVIII. seinen Einzug. Der zweite Pariser Friede (s. d.) wurde 20. Nov. geschlossen.

Aus der reichhaltigen Litteratur über diesen Krieg sind hervorzuheben: Chambray, Histoire de l'expédition de Russie (3 Bde., Par. 1824); Buturlin, Histoire militaire de la campagne de Russie en 1812 (2 Bde., ebd. 1824); Ségur, Histoire de Napoléon et de la grande armée pendant 1812 (2 Bde., ebd. 1824 u. ö.); die beiden letztern überholt durch Bogdanowitsch, Geschichte des Feldzugs im J. 1812 (deutsch, 3 Bde., Lpz. 1863); Fain, Manuscrit de 1812 (2 Bde., Par. 1827); Danilewski, Geschichte des vaterländischen Krieges von 1812 (deutsch, 4 Bde., Riga 1840); Beitzke, Geschichte des russ. Krieges im J. 1812 (Berl. 1856); Bernhardi, Denkwürdigkeiten aus dem Leben des kaiserlich russ. Generals von Toll (2. Aufl., 4 Bde., Lpz. 1865); Plotho, Der Krieg in Deutschland und Frankreich 1813 und 1814 (3 Bde., Berl. 1817; Band 4 u. d. T.: Der Krieg des verbündeten Europa gegen Napoleon i. J. 1815, ebd. 1818); Londonderry, Narrative of the war in Germany and France in 1813 and 1814 (Lond. 1830; deutsch, 2 Bde., Weim. 1836); (Müffling), Zur Kriegsgeschichte von 1813 und 1814 (2 Bde., Berl. 1824); ders., Betrachtungen über die großen Operationen und Schlachten von 1813 und 1814 (ebd. 1825); Norvins, Histoire de la campagne de 1813 (2 Bde., Par. 1834); Damitz (von Grolman), Geschichte des Feldzugs von 1814 im östl. und nördl. Frankreich (4 Bde., Berl. 1842); Charras, Histoire de la guerre de 1813 en Allemagne (Lpz. 1866; deutsch ebd. 1867); Beitzke, Geschichte der deutschen Freiheitskriege (4. Aufl., von P. Goldschmidt, 2 Bde., Brem. 1881-83); Odeleben, Napoleons Feldzug in Sachsen i. J. 1813 (Dresd. 1816; 2. Aufl. 1840); Georg von Schimpff, 1813. Napoleon in Sachsen (ebd. 1894); Wiehr, Napoleon und Bernadotte im Herbstfeldzug 1813 (Berl. 1893); von Quistorp, Geschichte der Nordarmee im J. 1813 (3 Bde., ebd. 1894); Jomini, Précis politique et militaire de la campagne de 1815 (Par. 1839); Siborne, History of the war in France and Belgium in 1815 (2 Bde., Lond. 1848); Charras, Histoire de la campagne de 1815. Waterloo (2 Bde., Brüss. 1858; 6. Aufl., Par. 1869; deutsch Dresd. 1858); Chesney, Waterloo-Vorlesungen (2. Aufl., englisch, französisch und deutsch, Lond. und Berl. 1869); von Ollech, Geschichte des Feldzugs von 1815 (Berl. 1876); Quinet, Histoire de la campagne 1815 (2. Aufl., Par. 1867); Gardner, Quatrebras, Ligny and Waterloo (Boston 1882).

Russische Eisenbahnen. Am 1. Aug. 1894 waren im europäischen Rußland 34499 km Eisenbahnen im Betrieb, davon 2108 km in Finland. Auf 100 qkm Flächenraum entfielen 0,64, auf 10000 E. 3,44 km Eisenbahnen. 17161 km sind Staats- und 15230 Privatbahnen; erstere werden vom Ministerium der Verkehrsanstalten, die finn. Bahnen vom Großfürstentum Finland verwaltet. Im asiatischen Rußland waren, abgesehen von einer kurzen Strecke der Ural-Eisenbahn, Ende 1894 vorhanden: die Transkaspische Eisenbahn (s. d.) und die im Bau befindliche Sibirische Eisenbahn (s. d.). Das gesamte russ. Eisenbahnnetz in Europa und Asien umfaßt daher (Ende 1894) 37552 km Betriebsstrecken.

I. Europäisches Rußland. Die erste Eisenbahn in Rußland ist die 15. (27.) April 1836 einer Privatgesellschaft genehmigte, von Anton von Gerstner (s. d.) erbaute Linie von Petersburg über Zarskoje-Selo nach Pawlowsk (25 km). Für die Spurweite wurden 1,82 m festgesetzt, weil das von Stephenson (s. d.) angenommene Maß von 1,435 m für schwere Lokomotiven zu gering erschien. Die mit einem Anlagekapital von 3½ Mill. Rubel Assignaten (später auf 1050000 Silberrubel festgesetzt) gebaute Bahn wurde 30. Okt. (10. Nov.) 1837 eröffnet und zwar zunächst abwechselnd mit Lokomotiven und Pferden, seit April 1838 jedoch ausschließlich mit Lokomotiven. 1842 ordnete der Zar