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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlingbeschwerden, s. Dysphagie und Schlingen.

Schlingen oder Hinabschlucken (Deglutitio), der Akt, mittels dessen feste oder flüssige Körper, besonders Nahrungsmittel aus dem Munde in den Magen gefördert werden. Das S. besteht in einer Reihenfolge von (anfangs willkürlichen, später unwillkürlichen) Muskelzusammenziehungen, die den Bissen allmählich nach hinten und unten fortschieben. Die dabei beteiligten Organe (Schlingwerkzeuge) sind: die Zunge, der weiche Gaumen, besonders die beiden Gaumenbögen, der Kehldeckel, der Schlundkopf (s. Schlund) und endlich die Speiseröhre (s. d.). Das S. beginnt damit, daß die Zunge, indem sie sich erst vorn, dann allmählich weiter hinten an den Gaumen andrückt, den Bissen hinter die Zungenwurzel schiebt. Dort empfängt ihn der weiche Gaumen und zieht sich zusammen, während gleichzeitig der Kehlkopf in die Höhe steigt, der Kehldeckel rückwärts klappt und dadurch den Eingang in die Luftwege verschließt. Über ihn hinweg gleitet nun der Bissen in den trichterförmigen Schlundkopf und von da in die Speiseröhre, die ihn durch wurmförmige Zusammenziehungen in den Magen hinabbefördert.

Das S. kann mannigfach krankhaft gestört sein, durch organische oder Nervenleiden der beteiligten Organe. (S. Dysphagie.) Bisweilen kommt der Bissen durch die Nase zurück (besonders bei Löchern im Gaumen, Lähmung der Gaumenbögen oder Verschwellung des Schlundkopfes); in andern Fällen gelangen die Flüssigkeiten oder festen Bissen in die Luftwege (sie «kommen in die unrechte Kehle», das sog. Verschlucken), wenn entweder der Kehldeckel während des S. sich aufrichtet, wie beim Lachen und Einatmen, oder organische Zerstörungen und Verbildungen des Kehldeckels vorhanden sind. Mitunter, bei Lähmungen der Speiseröhre, stürzt das Getränk polternd in den Magen hinab. Bisweilen bleibt ein Bissen, dem Patienten fühlbar, an einer bestimmten Stelle im Halse oder in der Brust sitzen, was entweder auf Entzündung, Verengung, Krampf oder dgl. der Speiseröhre beruht. Endlich kommen auch die hinabgeschluckten Speisen nach kürzerer oder längerer Zeit, ohne bis in den Magen gelangt zu sein, wieder in den Mund herausgestiegen (Wiederkäuen, Ruminatio), was meist auf organischen Störungen (Erweiterung, Verengerung, Lähmung) der Speiseröhre, mitunter auch auf einer abnormen Reizbarkeit des Nervensystems beruht.

Schlingen, beim Vogelfang, soviel wie Dohnen (s. d.).

Schlingern, auch Schlängern oder Rollen, die Bewegung des Schiffs von einer Seite zur andern, im Gegensatz zum Stampfen, der Bewegung in der Längenachse. Ein jedes Schiff schlingert nach dem Zustande der See mehr oder weniger, und diese Bewegung nimmt zu, wenn der Wind von hinten kommt, da dann die Fläche der Segel und der Druck des Windes auf sie keine Stütze bietet. Liegt der Schwerpunkt tief, so werden die schlingernden Bewegungen schnell und heftig; liegt er hoch, so werden sie länger und der Ausschlagwinkel größer, wie meistens bei Panzerschiffen, bei denen sowohl der Panzer als die schweren Geschütze den Schwerpunkt erhöhen. (S. auch Kiel, Metacentrum.) – S. ist auch eine störende Bewegung der Lokomotive (s. Störende Bewegungen). ^[Spaltenwechsel]

Schlinglähmung, s. Dysphagie und Schlingen.

Schlingnatter, glatte oder österreichische Natter, Haselotter, Jachschlange (Coronella laevis Merr., austriaca Laur., s. Tafel: Schlangen, Fig. 5), eine bis 80 cm lange Natter Mitteleuropas, besonders Deutschlands, von wechselnder, derjenigen der Kreuzotter (s. d.) ähnlicher Färbung; meist ist sie rötlichgrau, bräunlich oder grünlich, mit einer doppelten Reihe dunkler Flecken längs des Rückens; ihre Schuppen sind vollkommen glatt (hierdurch von der Kreuzotter stets unterscheidbar). Sie ist sehr bissig, vermag aber mit ihren kleinen, scharfen Zähnchen keinen Schaden anzurichten.

Schlingpflanzen, s. Lianen.

Schlingwerkzeuge, s. Schlingen.

Schlipp, auch Slip oder Schlipphelling, eine Einrichtung zum Aufschleppen von (besonders kleinern) Schiffen zur Reparatur. Sie werden aus Billigkeitsrücksichten da ausgeführt, wo Docks (s. d.) sich nicht rentieren würden. Eine besonders gute Art ist Mortons Patentschlipp, ein Eisenbahngleis mit niedrigen Rollschlitten, die unter das Schiff geschoben und, sobald dieses festliegt, mit hydraulischen Pressen auf die Helling (s. d.) gezogen werden. In den Kriegshäfen befinden sich S. für Torpedoboote, da diese zur bessern Konservierung stets an Land aufbewahrt werden. Eads Projekt der Schiffseisenbahn über den Panama-Isthmus beruht auf demselben Gedanken.

Schlippesches Salz, Natriumsulfantimoniat, Na3SbS4+ 9H2O ^[Na<sub>3</sub>SbS<sub>4</sub> + 9H<sub>2</sub>O]. Es wird zur Darstellung des Antimonsulfides (s. d.) verwendet.

Schlitten, ein auf Gleitschienen statt Rädern bewegtes Fuhrwerk. In der ursprünglichen Form ist der S. oder die Schleife das älteste und einfachste Hilfsmittel zum Transport von Lasten. Es besteht aus zwei meist hölzernen, parallelen, durch geeignete Querverbände miteinander vereinigten Bäumen, Läufer oder Kufen genannt, die an ihrer Unterseite gehörig geebnet, auch wohl mit Eisen beschlagen sind, um auf dem Erdboden mit möglichst wenig Reibung fortgleiten zu können.

Die ausgedehnteste Anwendung finden die S. zum Lasten- und Personentransport im Winter, wenn durch Schneefall und Frost eine glatte Bahn zur Verfügung steht. Auf den in Norddeutschland viel benutzten Peekschlitten steht der Fahrende und bewegt den S. mittels einer Peeke oder Pike (einer langen, unten mit einer eisernen Spitze versehenen Stange) vorwärts.

Die sportmäßige Ausübung des Schlittenfahrens war bis vor kurzem auf Skandinavien und Nordamerika beschränkt und ist erst ganz neuerdings nach Deutschland verpflanzt worden. Freilich wurde schon früher das Pikschlittenfahren auf den Ostseehaffs und vielen Binnenseen betrieben; zu besonderer Entwicklung waren jedoch nur die Hörnerschlittenfahrten gelangt (so genannt nach der hörnerartigen Aufbiegung der Schlittenkufen), die seit langen Jahren im Riesengebirge üblich sind und erst in jüngster Zeit in andern deutschen Mittel- ^[folgende Seite]