Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schlittenapparat; Schlittenfahrer; Schlittensport; Schlittschuhe; Schlitz

518

Schlittenapparat - Schlitz (Rittergeschlecht)

gebirgen (Harz) Eingang gefunden haben. Der S. im engern Sinne teilt sich in den Rutschschlitten- und Tretschlittensport. Ersterer ist in Norwegen als Volksbelustigung wie als vollendeter Sport heimisch, der sich zu sehr kühnen Leistungen erhebt. Als Gerät dienen die unter dem Namen Kjälke bekannten kleinen Schlitten, denen die Rodel in Tirol und das Schlittel in St. Moritz und Davos entspricht. Außerdem ist der sog. Sattelschlitten in Gebrauch, der für zwei Personen bestimmt ist und im hintern Teil eine besondere Steuervorrichtung besitzt. Für gewöhnlich geschieht das Steuern, welches auf sehr steilen, eisbedeckten und in starken Windungen verlaufenden Bahnen oft sehr schwierig ist, mit den Händen unter Mitwirkung von kurzen Pflöcken oder einer langen Lenkstange oder mit den durch starksohlige Fußbekleidung geschützten Füßen. In Nordamerika sind vielfach gußeiserne Rutschschlitten in Verwendung, dazu kommen noch die als coaster und bobsledge bezeichneten künstlichern Gefährte. Der älteste und vollkommenste Rutschschlitten ist der Toboggan oder Indianerschlitten, der auf den großen Rutschbahnen in Canada dominiert und nach dem Muster der von den indian. Ureinwohnern benutzten Fahrzeuge erbaut ist. Der Toboggan rutscht auf der ganzen Bodenfläche, nicht auf den Kufen, wodurch die Gefahr des Umschlagens aufgehoben ist. – Der Tretschlittensport wird durch den Rennwolf (s. d.) repräsentiert. Dieser als Verkehrsmittel längst geschätzte S. wurde von den schwed. Touristen zum Sportgerät erhoben und unter wesentlichen Verbesserungen (zerlegbarer Rennwolf: Schneiders Patent) nach Deutschland verpflanzt, wo das Rennwolffahren als Wintersport dem Schneeschuhlaufen an Bedeutung zur Seite trat. – Der Segelschlitten oder die Eisjacht, der die treibende Kraft des Windes für die Fortbewegung auf dem Eise benutzt, ist ein Balkendreieck, das auf drei Kufen gestellt ist, deren zwei vordere fest und parallel mit der Längsachse des Gefährts sind, während die dritte beweglich ist und als Steuer dient. Dieses Gefährt wird völlig nach Art eines Segelbootes aufgetakelt und erreicht bei kräftigem Winde die größte Geschwindigkeit, welche menschliche Konstruktionen, Blitzzüge und Schnelldampfer eingeschlossen, überhaupt zu ereichen vermögen. – Vgl. Schneider, Katechismus des Wintersports (Lpz. 1894).

Im Maschinenbau nennt man S. im allgemeinen einen Konstruktionsteil, der sich, in Nuten geführt, in einer Horizontal- oder Vertikalebene bewegen kann; im besondern bei Hobelmaschinen den das Werkzeug oder auch das Arbeitsstück tragenden Teil, ferner den Support einer Drehbank u. s. w. – Über S. beim Schiffbau s. Helling.

Schlittenapparat, Duboisscher, s. Induktionsmaschinen.

Schlittenfahrer oder Schlittenschieber, Bezeichnung für eine bestimmte Gattung von engl. Schwindelfirmen (meist deutschen Ursprungs), welche von London oder einem andern engl. Platze aus bei ausländischen (vorzugsweise deutschen und österr.) Firmen größere Warenposten auf Kredit bestellen und dabei von andern an dem Schwindel Beteiligten günstige Auskunft über sich geben lassen. Die bezogenen Waren werden dann zu Schleuderpreisen verkauft und die Lieferanten um ihr Guthaben geprellt. Der Name S. ist wohl von dem Schieben der Waren von einem Schwindler zu dem andern hergenommen. In Deutschland und anderwärts bezeichnet man eine derartige Gaunergesellschaft häufiger als Schwarze Bande. Die «Kölnische Volkszeitung» hat sich schon seit Jahren (zuerst 1887) durch ihren Londoner Korrespondenten um die Aufdeckung des Treibens der S. sehr verdient gemacht. Vgl. Der Schlittenfahrerprozeß der «Kölnischen Volkszeitung» (Köln 1895). ^[Spaltenwechsel]

Schlittensport, s. Schlitten.

Schlittschuhe oder Schrittschuhe, zum Eislauf an den Schuhen befestigte Geräte; die S. sind eine sehr alte Erfindung. Ihrer oder doch der Schneeschuhe wird schon in der «Edda» in dem Bilde von dem Gott Uller, den Schönheit, Pfeil und S. vor den übrigen auszeichnen, gedacht. In neuerer Zeit hat sich die Konstruktion der S. sehr vervollkommnet; so ist die frühere Befestigungsweise durch Riemen durch leicht zu handhabende Schrauben und Hebel fast ganz verdrängt worden. Am meisten wird im Norden auf S. gelaufen, besonders in dem von Kanälen durchschnittenen Holland, von wo aus sich das Schlittschuhlaufen in Europa verbreitet hat. – Vgl. Brink, Die Schlittschuhfahrkunst (Plauen 1882); Stößer, Lehrkarten zum Schlittschuhlaufen (Baden-Baden 1890); Holletschek, Kunstfertigkeit im Eislaufen (4. Aufl., Wien 1892); Calistus, Kunst des Schlittschuhlaufens (2. Aufl., ebd. 1891).

In neuerer Zeit wird auch in den größern Städten Deutschlands das Laufen auf Rollschlittschuhen betrieben (s. Skating-Rink).

Schlitz, Stadt im Kreis Lauterbach der Hess. Provinz Oberhessen, links an der S., oberhalb deren Mündung in die Fulda, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Gießen), hat (1890) 2545 meist evang. E., Post, Telegraph, fünf Burgen; Damastweberei und große Bleichereien. Die Hallenburg ist Sitz des Grafen Schlitz genannt von Görtz.

Schlitz genannt von Görtz, altes deutsches Rittergeschlecht im Buchenlande (Buchonia) an der Fulda, wo es die Herrschaft Schlitz (Slitese) besitzt. Bereits gegen Anfang des 12. Jahrh. lassen sich urkundlich Otto und Erminold von Slitese nachweisen. Die Familie war in mehrere Zweige gespalten, die jedoch allmählich bis auf die mit dem Beinamen Görtz erloschen. 1548 war nur ein einziger am Leben, Friedrich von S. genannt von Görtz (gest. 1560), der durch seinen Enkel Wilhelm Balthasar (gest. 1631) der Stammvater der noch blühenden Linien des Hauses wurde. Drei Söhne des letztgenannten hinterließen Nachkommen. Von diesen ist A. Joh. Volprecht (gest. 1677) der Ahnherr der beiden noch blühenden gräfl. Linien. Seine Söhne sind Johann von S. genannt von Görtz (geb. 1644, gest. 1699), hess.-casselscher Geheimrat und Kammerpräsident, dessen Nachkommen 1724 erloschen, und Friedrich Wilhelm von S. genannt von Görtz (gest. 26. Sept. 1728 als kurbraunschw. Premierminister), der 1726 die reichsgräfl. Würde erhielt. Des ersten Grafen beide Söhne Johann und Ernst August sind die Begründer der beiden gräfl. Linien zu S. und zu Rittmarshausen.

Der Linie zu S., die 1804 in das Wetterauische Reichsgrafenkollegium aufgenommen wurde und seit 1829 in ihrem Chef das Prädikat Erlaucht führt, gehörten an: Graf Friedrich Karl Adam von S. genannt von Görtz (geb. 1733, gest. 1797 als preuß. General der Kavallerie) und dessen Bruder Graf Joh. Eustach von S. genannt von Görtz (s. den folgenden Artikel). Graf Karl von S. genannt von Görtz (geb. 15.Febr. 1822, gest. 7. Dez. 1885 zu