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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Simon (Richard); Simonea; Simonianer; Simonides; Simonie; Simonis; Simonis-Empis; Simonoseki

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Simon (Richard) – Simonoseki

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Simon (Jules)'

nirs du 4 Septembre» (2 Bde., 1874 u.ö.) erscheinen. Am 16. Dez. 1875 wurde er von der Nationalversammlung zum lebenslänglichen Senator und gleichzeitig von der Französischen Akademie zum Mitglied gewählt. Am 12. Dez. 1870 Präsident eines neuen Kabinetts, in dem er zugleich das Ministerium des Innern übernahm, wurde er 16. Mai 1877 angeblich darum, weil er in der Deputiertenkammer die Aussage des Papstes bezüglich seiner sog. Gefangenschaft für grundlos erklärt habe, verabschiedet. Seit 1879 trat er den radikalen Unterrichtsgesetzen Ferrys entgegen, ebenso der allgemeinen Amnestie, wobei er die konservativ-republikanischen Gruppen des Senats hinter sich hatte. 1890 vertrat er Frankreich auf der internationalen Arbeiterschutzkonferenz (s. d.) in Berlin. Von S.s sehr zahlreichen Schriften sind noch zu erwähnen: «Le gouvernement de M. Thiers» (2 Bde., 1878 u.ö.), «Le livre du petit citoyen» (1880 u. ö.), eine Art polit. Handbuchs für den kleinen Mann, «Victor Cousin» (1887), «La femme du XXᵉ siècle» (1891; 21. Aufl. 1893) u.a.

Simon, Richard, kath. Theolog, geb. 13. Mai 1638 zu Dieppe, trat in die Kongregation der Väter des Oratoriums, verließ diese aber wieder und studierte in Paris. Er ging 1679 nach Bolleville als Priester, wo er bis 1682 blieb, lebte dann abwechselnd in Dieppe und Paris und starb 11. April 1712 zu Dieppe. S. bekämpfte die Autorität der kirchlichen Tradition über den Ursprung, die Integrität und die Auslegung der Heiligen Schrift, bahnte in dieser Beziehung für die Protestanten den Weg der freien Forschung an, zog sich aber auch dadurch heftige Angriffe zu. Sein Hauptwerk ist die «Histoire critique du texte du Vieux Testament» (Amsterd. 1679; besser 1685), dem sich in drei Abteilungen die «Histoire critique du texte du Nouveau Testament» (Rotterd. 1689–93) anschloß. Ein Verzeichnis sämtlicher Schriften findet sich bei Bernus, Notice bibliographique sur Richard S. (Bas. 1882). S.s wichtigste kritische Schriften wurden von Cramer übersetzt (3 Bde., Halle 1776–80). – Vgl. Bernus, Richard S. (Lausanne 1869); Reusch, Der Index der verbotenen Bücher, Bd. 2 (Bonn 1885).

Simonĕa, s. Haarbalgmilben.

Simoniāner, Sekte, s. Simon (Magus).

Simonĭdes, Name zweier berühmter griech. Dichter. Der ältere (der aber, wie es scheint, vielmehr Semonides hieß), von der Insel Amorgos (ursprünglich von Samos, von wo er eine Kolonie nach Amorgos führte), um 660 v.Chr. blühend, verfaßte zwei Bücher iambische Gedichte, von denen mehrere Fragmente erhalten sind, darunter eins, das eine spöttische Schilderung der Frauen nach verschiedenen Klassen enthält, deren Eigentümlichkeiten von verschiedenen Tieren hergeleitet werden. Die Fragmente sind am besten bearbeitet in Bergks «Poetae lyrici graeci», Bd. 2 (4. Aufl., Lpz. 1882).

Bedeutender ist S., der Sohn des Leoprepes, aus Julis auf der Insel Keos, der mit Pindar die höchste Blüte der lyrischen Dichtung der Griechen vertritt. Geb. 556 v.Chr., verfaßte er Chorgesänge für Feste des Apollon, ging dann wohl nach Großgriechenland und lebte hernach zu Athen an dem Hofe der Pisistratiden und nach Vertreibung derselben in Thessalien an dem Hofe der Skopaden. Beim Beginn der Perserkriege war er wieder im eigentlichen Hellas und hielt sich wohl meist in Athen auf. Er stand mit Themistokles sowie auch mit dem Spartaner Pausanias in Verbindung. Der bereits ↔ 80jährige Dichter folgte 476 einer Einladung des Hiero nach Syrakus und lebte dort zugleich mit seinem Neffen Bacchylides und mit Pindar in hohem Ansehen bis zu seinem 467 v. Chr. erfolgten Tode. Er hat sich fast in allen Gattungen der Lyrik mit Erfolg versucht; den meisten Beifall aber erntete er bei der Mit- und Nachwelt für seine Trauergesänge (Threnoi) und seine Epigramme. Die Reste seiner Dichtungen sind zu finden bei Bergk in den «Poetae lyrici graeci», Bd. 3 (4. Aufl., Lpz. 1882).

Simŏnie, im kanonischen Recht die Erwerbung eines geistlichen Gutes oder eines mit solchem verbundenen weltlichen Gutes, insbesondere geistlicher Ämter um Geld oder Geldeswert. Die Strafe für das Vergehen der S. ist im allgemeinen eine arbiträre, doch soll bei simonistischer Pfründenerwerbung der Verlust derselben eintreten. Der Name rührt von Simon (s. d.) Magus her, der, wie die Apostelgeschichte erzählt, von den Aposteln die Mitteilung des Heiligen Geistes für Geld zu erlangen suchte. Im Mittelalter hatte die S. einen die Kirche geradezu verwüstenden Umfang angenommen; der gewaltige Kampf Gregors VII. gegen das deutsche Königtum nahm seinen Ausgangspunkt von den Maßregeln jenes Papstes gegen die S.

Simonis, Eugène, belg. Bildhauer, geb. 1810 zu Lüttich, machte seine ersten Studien auf der Akademie daselbst. Während eines mehrjährigen Aufenthalts in Rom entwickelte sich sein Talent dermaßen, daß er, nach der Heimat zurückgekehrt, 1836 seinen Ruf als Künstler begründete mit einer Idealskulptur großen Stils: der für das Vaterland kämpfende Krieger, und einem Genrebildwerk: ein Kind, das ein von einem Windspiel verfolgtes Kaninchen beschützt. Auf der Ausstellung von 1838 war S. dann mit sechs Werken vertreten: die Barmherzigkeit, die jetzt das Grabmal des Kanonikus Triest in Ste. Gudule zu Brüssel schmückt; die Unschuld (Museum zu Brüssel), zwei Gruppen spielender Kinder und zwei treffliche Tiergruppen. Diesen Schöpfungen folgten 1842: ein Grabesengel, der über seine zerbrochene Trommel weinende Knabe, ein Werk, das den Ruf des Künstlers auch über die Grenzen seines Vaterlandes hinaustrug, und das Mädchen mit dem Blumenstrauß. Zu voller Entfaltung kam sein Talent erst durch die monumentalen Aufgaben, die er in den folgenden Jahren zu erledigen hatte; so schuf er 1848 für die Stadt Brüssel die kolossale Reiterstatue Gottfrieds von Bouillon (s. Tafel: Niederländische Kunst IV, Fig. 4); die Statue der religiösen Freiheit und das Rundrelief des Genius Belgiens, umgeben von den neun Provinzen, endlich die beiden Löwen für die Kongreßsäule, und die Statue Pippins von Heristal im Parlamentshaus zu Brüssel. Seit 1845 Mitglied der königl. Akademie der Wissenschaften und 1863 zum Direktor der Akademie der schönen Künste ernannt, starb er 10. Juli 1882 in Brüssel.

Simonis-Empis, franz. Dramatiker, s. Empis.

Simonoseki, Shimonoseki, auch Akamagaseki oder Bakan, Handelsstadt an der Südwestspitze der japan. Insel Nipon, an der schmalen Straße van der Capellen oder Straße von S., unter 34°7' nördl. Br. und 131° östl. L. von Greenwich, dem Hafen Modschi gegenüber, hat (1892) 33592 E., gehört zu den Häfen, die für die Aus- und Einfuhr ausländischer Waren durch japan. Schiffe geöffnet sind. 1893 betrug die Ausfuhr (z. B. Kohlen) 1 Mill., die Einfuhr über 500000 Yen an Wert. In S.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 988.