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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stufenberg - Stuhlmann

hatte nur zwei Fahrbahnen. Die obere oder schnellfahrende Bahn besaß dreisitzige Bänke in Abständen von 0,9 m. Legt jede Bank in der Stunde nur 10 km zurück, so können vom Ausgangspunkte 3·10 000/0,9 = rund 33 000 Personen in der Stunde befördert werden, wozu bei einer gewöhnlichen Eisenbahn das Ablassen von 66 Zügen zu 10 Wagen mit je 50 Plätzen nötig wäre. Auf der Berliner Gewerbeausstellung 1896 befand sich ebenfalls eine S. im Betriebe.

Stufenberg, Schloß bei Baunach (s. d.).

Stufenerze, Stufferze, Erze, die so reich sind, daß sie in den abgesprengten Stücken ohne weitere Reinigung in den Hütten verschmolzen werden können. (S. auch Erz.)

Stufengebet, Staffelgebet, in der kath. Kirche die Gesamtheit der Gebete, die beim Anfang der Messe (s. d.) der celebrierende Priester und die Altardiener (Ministranten) vor der untersten Stufe des Altars beten; also derjenige Teil der Messe, welcher als Introitus im weitern Sinne dem eigentlichen Introitus (s. d.) vorangeht.

Stufenhacke, s. Gartengeräte.

Stufenjahre, s. Klimakterische Jahre.

Stufenland, s. Hochland.

Stufenpsalmen, Gradualpsalmen (hebr. Hamaaloth, "Wallfahrtspsalmen"), die Psalmen 120-134; über die Deutung des Namens ist unter den Fachgelehrten ein Einverständnis bisher nicht erzielt.

Stufenscheibe, eine treppenförmig abgestufte breite Riemenscheibe (s. beistehende Figur), welche mit einer andern, nach der umgekehrten Richtung abgestuften durch einen Riemen verbunden, zusammen arbeitet. Die S. ermöglichen es, die Umdrehungszahl der angetriebenen Welle in verschiedenen den Stufen entsprechenden Graden zu ändern, wenn die treibende Welle mit konstanter Tourenzahl läuft.

^[Abb.]

Stufenventil, Etagenventil, ein Ventil, dessen Durchgangsfläche in einzelne ringförmige Teile geteilt ist, die kegelförmig übereinander angeordnet sind. (S. Ventil.)

Stuffe, s. Stufe.

Stufferze, s. Stufenerze.

Stuhl, ein durch vier Beine gestützter Einzelsitz mit Rückenlehne oder auch mit Seitenlehnen, aus Holz, Rohr oder Eisen gefertigt. Die alten Ägypter brauchten ihn als Sessel ohne Lehne und mit Lehne und gestalteten ihn in eigentümlicher Weise, der Bequemlichkeit Rechnung tragend, indem sie nicht die Stützen selbst rückwärts bogen, sondern eine zweite, schräg gestellte Lehne an die gerade anlegten. Die Männer zogen bei den Griechen und Römern das Liegen dem Sitzen vor, sowohl bei der Arbeit wie bei dem Essen; der S. war einmal ein Ehrensitz oder ein obrigkeitlicher Sitz, so der Kurulische Sessel bei den Römern, und dann hatte er seine Stelle in den Gemächern der Frauen. Auch im Mittelalter galt der S. als Ehrensitz. Als solcher hatte er entweder die Form des Faltstuhls (s. d.) oder eines hohen S. mit Seitenlehnen und Rücklehne. In der karoling. und roman. Epoche wurde das Gestühl farbig bemalt; in der gotischen war er meist geschnitzt, dabei wurde die Rücklehne des Ehrenstuhls hoch hinauf geführt und oben selbst mit einem Baldachin versehen. Der S. als Ehrensitz in der ritterlichen oder fürstl. Halle pflegte seinen ständigen Platz am Ende in der Mitte einer der Schmalseiten zu haben. Im Frauengemach hatte der S. einen regelmäßigen Platz neben dem Kopfende des Bettes. Am Ausgange des Mittelalters gab es neben dem S. als Ehrensitz, obwohl die Bank die bevorzugte Rolle im Wohn- und Speisegemach hatte, noch mannigfache S. von einfacher Bauart zu gewöhnlichem Gebrauche; darunter findet sich der Sessel mit strohgeflochtenem Sitz und der heutige sog. Bauernsessel mit und ohne Lehne, dessen reichere, künstlerische Gestaltung freilich erst dem 16. Jahrh. angehört. Gegen Ende des 16. Jahrh. wurde der bisher nur mit einem losen Kissen belegte Sitz fest gepolstert. Diese Polsterung ging auch auf die Rücklehne über, wo sie nicht etwa durch angebundenen Stoff ersetzt war. Auch Leder, geschnitten, leicht mit Relief versehen und vergoldet, das aus Spanien kam, bildete am Ende des 16. und im Anfang des 17. Jahrh. einen viel gebrauchten Ersatz der Kissen und der Polsterung. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. wuchs die Rückenlehne hoch, oft bis über die Kopfhöhe empor, und zwischen den Beinen stellte sich zu ihrer Verbindung und Verstärkung (aus den Kreuzhölzern) ein reicher geschnitzter Zierat ein. Die geschweifte Form des S. war eine Erfindung des 18. Jahrh.; sie war einerseits eine Folge des alle Linien schweifenden Rokoko, andererseits sollte sie der Bequemlichkeit des Sitzenden dienen. Die Empireepoche hat versucht, den S. der Griechen wieder einzuführen, romantische Liebhaberei hat mittelalterliche Formen nachgeahmt, die moderne Reform des Geschmacks hat die Renaissance begünstigt und geradlehnige S., Bauernsessel, Lederstühle mit ihrem Beschlag blanker Knöpfe wiedergebracht; sie alle aber haben den Rokokostuhl nicht wieder verdrängen können. (S. Möbel sowie Möbelfabrikation.)

Stuhl, frühere Bezeichnung für gewisse hohe Gerichtsbarkeit, für einen Gerichtsbezirk (daher Stuhlbezirk, Stuhlherr, Stuhlrichter); in der Freimaurerei Sitz des Meisters vom S. (s. Freimaurerei.). - Heiliger oder Päpstlicher S., der Thron des Papstes; in übertragener Bedeutung die päpstl. Regierung (s. Kurie).

Stuhlentleerung, s. Ausleerung und Exkremente.

Stuhlfeier Petri, s. Petrus (Apostel).

Stuhlgericht, soviel wie Femgericht (s. d.).

Stuhlherr, in älterer Zeit derjenige, welcher das Gericht durch Belehnung erhalten hatte, der Eigentümer eines Gerichtsstuhles, besonders der Inhaber einer Freigrafschaft (s. d. und Femgerichte), der Gerichtsherr.

Stühlingen, Stadt im Amtsbezirk Bonndorf des bad. Kreises Waldshut, rechts über der Wutach, an der Linie Waldshut-Immendingen der Bad. Staatsbahnen, Sitz eines Hauptsteueramtes, hat (1895) 1213 E., darunter 163 Altkatholiken und 91 Evangelische, Post, Telegraph, ein Schloß Hohenlupfen; Baumwollweberei, Gerberei, Kunstmühle und Gipsbruch.

Stuhlmann, Franz, Naturforscher und Afrikareisender, geb. 29. Okt. 1863 in Hamburg, studierte Zoologie in Freiburg i. Br., begab sich 1888 mit Unterstützung der Akademie der Wissenschaften in Berlin nach Deutsch-Ostafrika, bereiste zwei Monate vor Beginn des Araberaufstandes die Landschaften Usegua, Nguru und Südusambara, trat als Lieute-^[folgende Seite]