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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Über Land und Meer - Überproduktion
gapur, Hong-kong, Shang-Hai, Iokohama, Hiogo,
so daß der Postdienst nach Ostindien und Australien
erheblich verbessert ist. Die ü. umfaßte im 1.18951
1494380 Stück Briefe und Zeitungen und der Ge-
samtverkehr 152415 t im Werte von 139507000 M.
über Land und Meer, in Stnttgart erschei-
nende illustrierte Wochenschrift, 1857 nach dem
Muster der Leipziger "Illustrierten Zeitung" von
dem Buchhändler Ed. vou Hallberger begründet im
Verein mit dem Romanschriftsteller .Hackländer, der
jahrelang die Redaktion führte. 1881 ging die Zeit-
schrift mit dem übrigen Hallbergerschen Verlag an
die Aktiengesellschaft "Deutsche Verlagsanstalt" über.
Jetziger Redacteur ist Ernst Schubert.
Überlegungsfrist oder Deliberationsfrist
(lat. .iu3 ä^iidki'anäi), diejenige Frist, welche dem
zur Erbschaft Berufenen zur Erklärung über An-
tretuug oder Ausschlaguug einer Erbschaft von dem
Gesetze, von dem Erblasser oder auf Antrag von
dem Richter gesetzt wird. Der Antrag kann von
dem Bernfenen selbst oder von Beteiligten gestellt
sein. Das Gemeine Recht kennt eine gesetzliche Frist
zur Erklärung über den Erbschaftsantritt nicht mehr.
Der erfolglose Ablauf der von dem Erblasser ange-
ordneten Frist (s. auch (^stio) bat, sofern darin
eine Bedingung zu finden ist, die Wirkung, daß der
Berufene so behandelt wird, wie wenn er ausgeschla-
gen hätte. Ist die Frist von dem Richter auf Antrag
von Billigten (Gläubigern, Vermächtnisneh-
mern u. s. w.) gesetzt, so wirkt der erfolglose Ablauf
der Frist, welche der Richter nicht über neun Mo-
nate, der Landesberr, soweit er dazn berechtigt ist,
nicht über ein Jahr hinaus bemessen soll, daß die
Erbschaft als angenommen gilt. Wenn der Antrag-
steller ein Nachberufener oder ein solcher Noterbe
ist, welcher das Testament anfechten will, so ist
nach der herrschenden Meinung die Androhung auf
Unterstellung der Ausschlagung zu richten. Das
Preuh. Allg. Landrecht und das Deutsche Vürgerl.
Gesetzbuch tennen nur eine Ausschlagungsfrist (s. Erb-
schaftserwerb), die nach letzterm (§.' 1944) 6 Wochen
beträgt. Nach dem österr. Gesetz vom 9. Aug. 1854
kann das Gericht eine Frist setzen, deren Versäumung
aber nur Nichtberücksichtigung bei der stets von Amts
wegen eintretenden Nachlaßreguliernng bewirkt.
Überliegezeit, im See- und Vinnenschisfahrts-
frachtverkehr diejenige bei einem Chartervertrage
bäufig vereinbarte Zeit, welche noch über die Ladezeit
( s. Frachtvertrag) hinaus der Verfrachter auf die
Lieferung der Laduug warten soll. Dem Verfrachter
ist für die Ü. eine Vergütung zu zahlen, das Über-
liegegeld oder Liegegeld. Ü. wird auch diejenige
Zeit genannt, welche behufs Löschung der Ladung
der Verfrachter auf Grund besonderer Vereinbarung
über die Loschzeit (s. Frachtvertrag) hinaus warten
muß. Die tt. beträgt im Seefrachtverkehr im Zweifel
14,beiVinnenschiffahrt im Zweifel 8 Tage. Altesund
neues Handelsgesetzbuch Art. 568fg., 595fg.; Reichs-
gesetz über die privatrechtlichen Verhältnisse der Bin-
nenschiffahrt vom 15.Iuni 1895,§§.3l fg.und50fg.
überlingen. 1) Amtsbezirk im bad. Kreis Kon-
stanz, hat (1895) 26 795 E. und 5636 Haushaltun-
gen in 52 Gemeinden. - 2) Amtsstadt im bad.
Amtsbezirk U., am Nberlingcr See, in wein- und obst-
reicher Gegend, Sitz des Bezirksamtes, eines Amts-
gerichts (Landgericht Konstanz), Zoll- und Steuer-
amtes, an der Nebenlinie Stahringen-Ü. (181cm) der
4253 E., darunter 422 Evangelische, Postamt zweiter
Klasse, Telegraph, ein 1350 -1408 erbautes got.
Münster, schönes Rathaus (15. Jahrh.) mit reichem
Holzschnikwerk und herrlichem Saal, Real-, höhere
Mädchenschule, Fortbildungs-, Gewerbe- und In-
dustrieschule, ein kulturhistorisches und Naturalien
kabinett, Bibliothek (30000 Bände), Stadt- unv
Spitalarchiv; Handel, Weinbau, Schiffahrt und
Fischerei. Es wird als Kurort und Sommerfrische
besucht (eisenhaltige Mineralquelle zu Trink- und
Badekuren, Seebäder).
! überlinge^See, s. Bodensee.
übermangänsäure, als Anhydrid 5In., 07, als
^ Hydrat NnO^OII). Beide Formen sind darstellbar,
^ das Hydrat nur in wässeriger Lösung. Von den
! Salzen der u., den Permanganaten, hat das
! Kaliumpermanganat (s. d.) technische Bedeutung.
^ übermangimfaures Kalinm, s. Kalium
permanganat.
Übermäßig heißen in der Musik die Intervalle,
die durch einfache Erhöhung der großen und reinen
gebildet werden, z. B. c-äiä ist die übermäßige Se-
kunde von c, 0Ü8 die übermäßige Quarte von c
Die Gesangmusik der ältern Zeit hatte vor den über-
mäßigen Intervallen eine ausgeprägte Scheu, weil
sie im H capeiiH-Gesang schwer zu intonieren sind.
In den Harmonielehren hat sich von daher noch bis
heute das Verbot erhalten, in der melodischen Stimm-
führung übermüßige Sekunden und Quarten zu ge-
brauchen. Wenn übermäßige Quinten und andere
übermäßige Intervalle scheinbar unter dieses Ver-
bot uicht mitfallen, so erklärt sich das daraus, daß
sie der Komponist, wenn nicht die Absicht zu beson
denn charakteristischem Ausdruck darauf führt, von
selbst nicht hinschreibt. Man nennt auch Dreiklänge
übermäßig, die eine übermäßige Quinte haben.
Übernahmspreise, feste Preise, zu welchen
kaufmännische Besorgungen, insbesondere Speditio-
nen, übernommen werden. Sie sind jetzt im Spe-
ditionsgeschäft im Gegensatz zu den detaillierten
Spesenrechnungen die Regel, weil der Kaufmann
bei der Kalkulation (s. d.) der Waren mit festen
Sätzen rechnen und die Preise für Frankolieferung
leichter vorausbestimmeu kann. Die Ü. schließen
aber die Berechnung besonderer Auslagen, wie für
Reparaturen, Assckuranzprämien u. s. w., nicht aus.
(S. Spediteur.)
überpariemission, s. Nnterpariemission.
Überproduktion, ü. ist im weitern Sinn^
nur dann vorhanden, wenn von einem Gute mehr
erzeugt wird, als zur vollen Befriedigung des in
der Gesellschaft bestehenden Bedürfnisses crforder
lich ist. Dieser Fall kann indes nur ausnahms-
weise und vorübergehend für einzelne Güter ein-
treten, da in der Regel die Bedürfnisse und Wünsche
der meisten Menschen in Bezug aus fast alle Güter,
mit Ausnahme etwa der allcrgewöhnlichsten, nur
unvollständig oder gar nicht befriedigt sind. Die
wirkliche Konsumtion hängt aber nicht von dem
Wünschen und Begehren der Konsumenten ab, son-
dern von ihrer Fähigkeit, sich die gewünschten Güter
durch Arbeit oder sonstige Leistungen zu verschaffen,
oder, wie sich die Sache in der bestehenden Gesell
schaftsordnung gestaltet, einen Preis dafür zu be-
zahlen. Man spricht deshalb auch von Unterkon-
sumtion. Durch Herabsetzung des Preises kann in
der Regel der Absatz einer Ware beliebig ausgedehnt
werden; aber die Produzenten können ibrerseits
nicht unter einen gewissen Preissatz hinabgehen,
olme Schaden zu leiden. Demnach besteht u. im