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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Überrieselung - Überversicherung
engern Sinne dann, wenn dac-> Angebot einer Ware
so groß ist, das; der Absatz nur zu einein Preise
möglich wird, bei welchem viele Produzenten nickt
den normalen Gewinn haben oder sogar Verlust
erleiden (Produktionskrisis). Sehr bestritten
ist es, ob eine Ü. dieser Art bei allen Waren zugleich
stattfinden könne, weil jede Ware, die auf dem Markte
erscheint, zugleich Absatzgelegenheit für eine andere
schaffe. Jedenfalls ift aber eine ü. in einzelnen Zwei-
gen der Gütererzeugung möglich. Die Erscheinungen
der Ü. danern oft längere Zeit an, bis sie endlich in-
folge Einschränkung der Produktion, der Zunahme
der Bevölkerung, der weitern Entwicklung der Ver-
kehrsmittel und des Welthandels durch eine auf-
steigende Preisbewegung beseitigt werden. (^. Ab-
satz, Handelskrisen.) - Vgl. Neuratb, Die wahren
Ursachen der Überproduktionskrisen (Wien 1892).
überrieselung, Rieselung, s. Bewäsferung.
Überruhr, Bauerschaft, f. Bd. 17.
übersättigte Lösungen, f. Lösung.
überschar, O b e r s ch a r, M itte, in der Berg-
wissenschaft Gebirgsteile, welche von verliebenen
Grubenrechten so eingeschlossen sind, daß sie beim
Mangel der vorgeschriebenen Minimalgröße nickt
mehr ein verleihbares Grubenfeld bilden. <S. auck
Bergwerkseigentum.)
überfchlagelchen, f. Bäffcken.
Überschmelzung, s. Schmelzen.
Überschneidungen, s.VertnüpfunglderHölzer).
Überschriften, 1. Sinngedichte.
Überschuhe, Galosäsen, Kaloschen, eine
jetzt fast ausschließlich aus Kautschuk verfertigte
Fußbekleidung zum Überziehen, um Schuhe oder
Stiefel gegen Schmutz und Näsfe zu schützen, über
ihre Herstellung s. Gummiwarenfabrikation.
überschüssige Werke, soviel wie (^01^ ^iper-
ei'OMtionis (s. d.).
überschwängerung, s. Superfötatiou.
Überschwemmungen, f. Hockwasser.
Überseeisches Pulver, s. Insektenpulver.
übersehen, s. Böser Blick.
Übersetzung, s. Nachdruck.
Übersetzungsverhältnis, bei Triebwerken da5
Verhältnis der Umdrehungszahlen oder der Winkel-
geschwindigkeiten zweier miteinander arbeitenden
Räder, Riemen-, Seil-, Ketten- oder Schnurschciben
und deren Achsen oder Wellen. Bei Reibungsrädern
verhalten sich die Umdrehungszahlen oder die Winkel-
geschwindigkeiten umgekehrt wie die Radien der Rei-
bungskreise, bei Zahnrädern sind sie umgekehrt pro-
portional den Teiltreishalbmessern oder Zähnezah-
len, bei Riemen-, ^eil-, Ketten- und Schnurscheiben
den Scheibendurchmessern.
übersichtigkeit, s. Hyperopie.
Übersinnlich, was über die Sinnenwelt hinauo-
liegt oder von den Bedingungen der Sinnlichkeit
unabhängig ist. Das Übersinnliche deckt sich daher
im allgemeinen mit dem Intelligibeln (s. d.), indem,
was nicht durch die Sinne, nur etwa durch den Ver-
stand erkennbar sein könnte.
über Stag gehen, Segelmanöver, s. Wenden.
Überständig nennt man Einzclbaume oder
Bestünde, die das Alter ihrer Haubarkeit über-
schritten haben.
überftauung, s. Bewässerung und Rieselfelder.
Übertrag, s. Transportieren.
übertragbare Fonds, s. Dispositionsfonds.
übertragbarkeit, im Recht die Fabigkeit eines
Rechts oder einer Pflicht, ohne Linderung ihres We-
sens auf eine Person durch Cession oder Übernahme
übertragen zu werden: der Gegensatz istUuübertrag-
barkeit (z. B. der ehelichen Rechte und Pflichten).
Im Finanzwesen ist Ü. die einer Ausgabebewil-
ligung des Staatsbudgets (Staatshaushaltsetats)
durch ausdrückliche Bestimmung des letztern oder im
Wege sonstiger Vereinbarung zwischen Regierung
und Volksvertretung beigelegte Eigenschaft, vermöge
deren die von einer solchen Bewilligung am Schlüsse
der Vudgetperiode (Etatperiode) noch nicht ausge-
gebenen Summen auch fernerhin noch für die näm-
lichen Ausgabezwecke zur Verfügung der Verwal-
tungen bleiben. Je nachdem die ü. auf eine be-
stimmte Dauer beschränkt ist oder nicht, unterschei-
det man zwischen begrenzter oder unbegrenzter Ü.
(S. Ausgabereservate.)
Übertrager, in der Telegraphie ein zwei Linien
derart verbindender Apparat, daß jedes Zeichen,
das in der einen Linie anlangt, sofort und ohne
Zutbun eines Beamten in die andere Linie weiter-
gegeben wird. Der erste derartige Apparat (^uto-
matic i'6p6Ät6i-) wurde von Edison erfunden. Näheres
über ü. im allgemeinen s. Elektrische Telegraphen.
Übertretung, Kontravention, im strafrecht-
lichen Sinne Bezeichnung für die Klasse der gering-
sten Straffälle, die man zum Teil in besondcrn Po-
lizeistrafgesetzbüchern zusammengestellt hat oder die
außerhalb des allgemeinen Strafgesetzes durch be-
sondere Vorschriften (Gewerbeordnung, Fischcrei-,
^orst-, Jagdgesetze, Preß-, Post-, Zoll-, Steuergesetze)
betroffen werden. Das Deutsche Reichsstrafgesetzbuch
hat in Nachahmung des Preuß. Strafgesetzbuchs
von 1851 in seinem 29. Abschnitt eine Reihe solcher
Ü. aufgestellt, weil es dieselben für erheblich genug
eracktete, um sie zum Gegenstande reichsgesetzlicher
Bestimmung zu machen, die Vervollständigung der
Reicks- und Landesgesetzgebung überlassend. Auf
die ü. finden die allgemeinen Bestimmungen des
Strafgesetzbuchs Anwendung, jedock mit folgenden
Ausnabmen: 1) Versuch und Beihilfe sind straflos.
2) Im Auslande begangene Ü. sind straflos, sofern
nicht besondere Gesetze oder Verträge eine Ausnahme
hiervon aufstellen. 3) Bei Realkonkurrenz (s. d.)
kommt die volle Strafe der einzelnen ü. zur An-
wendung. Partiererci (s. Hehlerei) findet auch bei Ü.
statt und ist strafbar. Bei Angeschuldigten zwischen
12 - 18 Jahren kann in besonders leichten Fällen
auf Verweis erkannt werden Die Strafverfolgung
von ü. verjährt in 3 Monaten, die Vollstreckung der
rechtskräftig erkannten Strafe (Haft oder Geld) in
2 Jahren. Das österr. Strafgefetz versteht unter Ü.
die im Gegensatze zu den Verbrechen minder strafbaren
Delikte, ebenso der Schweiz. Strafgefetzvorentwurf
von 1896, welcher aber in Rücksicht aufdie Verschieden-
heit der Vermögensverhältnisse mit Recht die Straf-
marima im Einzelfalle hoch setzt (bis zu 10000 Frs.).
übertritt, s. Austritt aus der Kirche.
Überversicherung, die Versicherung eines den
"zeitigen gemeinen" Wert des versicherten Gegen-
standes übersteigenden Interesses. Die Gesetzbücher
aller Kulturstaaten haben übereinstimmend den
Grundsatz aufgestellt, daß Zweck der Schaden- oder
Sachversicherung, bei der das Interesse des Ver-
sicherungsnehmers an Erhaltung des Versicherungs-
gegenstandes in Geld bestimmt, schätzbar ist oder
durch Übereinkunft der Parteien festgesetzt werden
kann, immer nur Ersatz des eintretenden Schadens,
niemals eine Bereicherung des Versicherten sein soll
und verbieten demgemäß die Ü., insbesondere bei