Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

60
Umschlageisen - Umtrieb
Umfchlageisen, cm bei der Blechbearbeituug
(s. d.) benutztes Wertzeug zum scharfkantigen Ab-
biegen (Ums ch l a g e u, A b t an t e n) dünnen Bleches;
es besteht ans einem flachen, keilförmig gestalteten
und zur Befestigung in einem Klotz mit einer Angel
versehenen Eisenstüct, dessen verstählte, gerade, aber
stumpfe Schneide (Arbeitstante) horizontal gerichtet
ist. Ähnlich ist das Vördeleisen (s. d.).
Umschlagsplätze, s. Spedition
Umschlagsrecht, Umladungsrecht, das
von einzelnen Ortschaften früher ausgeübte Recht,
vermöge dessen sie verlangen tonnten, die Weiter
führung ankommender Waren nur durch ibre eigenen
Fuhrleute oder Schiffer zu besorgen. Gegenwärtig
ist dieses Vertehrshemmni^ überall beseitigt.
Umschlagtarife, s. Reerpedition.
Umschließung, Umfassung, s. Enceinte.
Umsetzen, s. Verpflanzen.
Umsetzungen, ch e m i sche, s. Chemische Prozesse.
Umfkiptingar, s. Wechselbälge.
Umspringen, plötzliche starte 'Änderungen der
Umstadt, s. Grosi-Ümstaot. Windrichtuug.
Umstandswort, s. Adverbiuiu.
Umsteuerungen, Mechanismen, welche den Zu-
tritt des motorischen Htittelv (Dampf, Gao, Wafser)
in den Arbeitscylinder eines Motors derart ver-
ändern, daß die Umdrehungsrichtung des Motors
sich umkehrt. Sie finden besondere an denjenigen
Motoren Anwendung, welche Tranoportzwecten die-
nen, wie Lokomotiven, Sckiffv- und Fördermaschinen.
Die U. wirken hauptsächlich in der Weise, das; durch
Hebelkombinationen die änßere Steueruug deo Vto-
tors und dadurck
die innere Steue-
rung unigestellt
wird. Die gebräuch-
lichsten U.'sind die
(5 ouliss e n st e u e -
rungen, durch de-
ren Unlftellnng,
außer derDrebricb-
tuug der '^laschiue,
gleichzeitig die Er
pansion des Dam-
pfer im Cylinder
verändert werden
taun.Nebenstehende
Abbildung zeigt die
von Stepbenson
konstruierte Cou-
lisfeustellerung, die
sür^okomotiveuuud
besouder^ auch sür
Schiff^masckinen
die nleifte Verbrei-
lung gefunden hat.
Die Figur stellt die
Umsteueruug der
Betriebomaschine
eine^kleinenDainpf-
boote^dar. Die^iia-
schineiststebend,mit
öden liegendeiu Cy-
linder. Die unten
angeordneteS chran-
benwclle ist mit 3, bezeichne!. Alls dieser sind zwei
Excenter festgekeilt, von denen das eine c für den
Vorwärtsgang, das andere ^ für den Rüäwä'rts-
gang dient, und die aus der Welle :" unter einem
bestimmten Winkel zu einander und zur Kurbel des
zugehörigen Dampfcvlinders verstellt sind. Beide
Excenter sind mit der Coulisse c durch die Er-
centerstangen I> und d^ verbunden, Fn der Coulisse c
sitzt ein Gleitstück ä ("Stein" genannt), das mit der
Echieberftange t' dnrch Zapfen in Verbindung steht.
Die Coulisse selbst kann durch die Hebelvorricktung ^
vom Führerstande au^ uack rechts oder link^ ver-
stellt werden. Wird sie so weit als möglich nach linke"
ausgelegt swie in der Fignr dargestellt), so tonlmt
allein das Crcenter ^ zllr Wirkung, und die Maschine
bewegt sich links berum; umgekehrt gelangt bei voll-
kommen nach rechte ausgelegter Coulisse das C'r-
center ^ zur Thätigkeit und bewnil "die Nechtsbe
weguug der Maschiue. In dicseir beiden Stellungen
findet zugleich die größte Füllung, also auch die
maximale Leistung der Maschine statt. Bei andern
als diesen äußeru Stellungen vereinigt sich die Wir-
kung beider Excenter nach dem Verhältnis der Stel-
lung des Steins zwischen den beiden Angriffspunk-
ten der Excentcrstangen an der Coulisse. Je mehr der
Stein in die Coulissenmittc gelangt, nm so mehr ver-
kleinert sich die Fülluug. Der Mittelstellung des
Steins entspricht der Stillstand der Maschine.
Außer der Stephensonschen Umsteueruug finden noch
Verwendung die Goochfche Steuerung, die U.
von Allan-Trick (s. Tafel: Lokomotiven II,
Fig. 1), h e u s i n g e rvonWaldegg, I o u, .U l u g.
Bei schlvereil Sckisfsmaschinen kann die Ver-
stellung der Hebel ^ nicht mebr mit der.Hand ge-
schehen. Man verwendet hierzu in diesem Falle eine
als Krafteinschalter (s. d.) wirkende Dampfum
steueruug. Dieselbe besteht aus einer kleinen
Dampfmaschine (Zwillingsmaschine) mit Notation,
welche, mit Handumsteuerung versehen, die Steue-
rung der Hauptmaschine in die geforderte Stellung
bringt, oder au5 einem einfachen Dampfcylinder,
dessen Kolben durch Stangen mit der Coulisse der
Hauptmaschine direkt so verbunden ist, dah die End-
stellnngen des Kolbens in seinem Cvlinder den
l^renzstellungen der Steuerung entsprechen.
Umsturzvorlage, Bezeichnung der bei der Ta-
gung des Reichstage von 18l)^/l)5 eingebrachten
Vorlage, die nach ibrer Begründung den gefähr-
lichen, auf den gewaltsamen Umsturz der bestehen-
den Staatsordnnng gerichteten Bestrebungen ent-
gegentreten sollte, zu deren Bekämpfung die bestehen-
den Strafgesetze nicht ausreichten. Da der Reichstag
für ein Strafgesetz mit so unbestimmt gelassenen
Satzungen, wie es die der U. waren, die der Freiheit
der Presse und selbst der Freiheit der Wissenschaft
und Kunst Gefahr drobten, nicht zu gewinnen war,
! fiel die in der Kommission wesentlich umgeänderte
> Vorlage im Mai 18li5i in zweiter Lesung.
^ Umtrieb oder Umtriebszcit, im Forstwesen der
! ')eitraum von der Begründung eines Bestandes bis
! zu seiner, mit Wiederverzüngung verknüpften Ernte.
Das Ende dieses Zeitraumes, also das Alter des
Bestandes bei seinem Abtrieb, nennt man das Ab-
triebs- oder Hanbarkeitsalter. Man unter-
scheidet hauptsächlich: 1) den physischen U., der für
die natürliche Wiederversüngung einer Holzart be-
! sonders geeignet ist; 2) den U. des böcksten Massen-
! ertrags, der mit dem Jahre des höchsten Durch-
! schnittszuwachses, also mit senem, in dem letzterer
gleich dem laufenden Zuwachs (s. d.) wird, zu-
sammenfällt', er gründet sich auf die Anwendung
des phyfiokratischen Systems der Volkswirtschaft
! auf die Forstwirtschaft; 3) den technischen U., bei