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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Varazze - Variationsrechnung
Komitat umsaßt die königl. Freistadt V. und acht
Stublbezirke. - 2) Königl. Freistadt und Haupt-
stadt des Komitats, rechts an der Dräu (170 m),
über welche eine Holzbrücke führt, an den Linien
Agram-Csakathurn und V.-Golnbovec (34 km) der
Ungar. Staatsbahnen, Sitz der Komitatsbehörden,
eines Gerichtshofs sowie eines Kollegiatkapitels,
bat (1890) 11055 meist kath. kroat. und ferb. E.,
neun kath. Kircken, drei Kloster, eine Synagoge,
altes Schloß, schönes Komitatshaus, Obergymna-
sium, Haupt- und Unterrealschule; Fabriken für Ta-
bak, Nosoglio, Liqueur, Essigsiederei, Handel.
Varazze, Hafenstadt im Kreis Savona der Pro-
vinz Genua, in der Niviera di Ponente, am Golf von
Genna und der Eisenbahn Genua-Savona, hat
(1881) 8237 E.; Schiffbau und Ankerschmieden.
Vardanes, Fluß, s. Kuban.
Vardar, Fluh in Macedonien, s.^Wardar.
Vardö, Stadt im norweg.AmteFinmarken, am
nördl. Eingang znm Varangerfjord, auf der glcick-
namigen, durch den Bussesund vom Festlande ge-
trennten Insel, hat (Ende 1893) 2417 E., lebhaften
Handel mit Produkten der Fischerei besonders nach
Ruhland. Ein Molo schützt den Hafen dicht bei der
Stadt; unter 70" 22^ 35" nördl. Br. liegt die früher
wicktige Festung Vardöhns (um 1300 angelegt).
V. ist Sitz eines deutschen Vicekonsuls.
Varec (Varech, frz.), Tang, Seegras; auch die
an den franz. Küsten dargestellte Asche der Algen
zur Iodgewinnung. (S. Jod.)
Varel. 1) Amt, ohne die Stadt V., im oldenb.
Verwaltungsbezirk Oldenburg, bat 373,28 hkin und
(1895) 17 235 (8595 männl.,^8610 weibl.) E., dar-
unter 53 Katholiken, in 6 Gemeinden und 50 Vauer-
schaften. Zu dem Amt gebort die ehemalige edle
Herrschaft V. (f. Kniphausen), die 131 <i1<m und
8000 E. umfaßte. - 2) Hauptstadt dev Amtes V.,
an der Linie Vremen-Wilhelmshaven und der Neben-
linie nach Neuenburg (19 km) der Oldenb. Eisenbahn,
Sitz eines Amtsgerichts) Landgericht Oldenburg) und
Hauptzollamtes, hat (1895) 4907 E., darunter 253
Katholiken und 07 Israeliten, Postamt erster Klasse,
Telegraph, evang. Kirche (1144), kath. Kirche,
Synagoge, Realschule, höhere Mädchen-, Land-
wirtschafts-, Baugewerk- und Maschinenbauschule,
Waisenhaus, Gasanstalt; Baumwollspinnereien und
-Webereien, Eisengießerei, Maschinenfabriken, Pan-
tinen-, Cementplatten-, Tabak- und Kunstdünger-
fabrik, Sägewerke, Schiffswerfte, Brauereien, be-
deutenden Viehhandel und Schiffsverkehr in dem
am Iadebufen gelegenen Hafen Vareler Siel.
Vareler Nebenbahnen, s. Bd. 17.
Varennes-en-Argonne (spr. warenn annar-
gönn), Stadt im sranz. Depart. Meuse, Arrondisse-
ment Verdun, am Aire, hat (1896) 1277, als Ge-
meinde 1309 E. Hier ward 22. Juni 1791 Lud-
wig XVI. mit seiner Familie auf der Flucht erkannt
und zur Rückkehr nach Paris gezwungen.
Varese, Fabrikort und Hauptstadt des Kreises V.
(149144 E.) der ital. Provinz Como in der Lom-
bardei, zwischen Como und dem südl. Lago Mag-
giore, an den Eisenbahnen Gallarate-V. (19 km",
V.-Porto-Ceresio (13 kni), Como-Laveno und Ea-
ronno-V. (29 km), hat (1881) 5872, als Gemeinde
13966 E., eine Handelskammer, bedeutende Seiden-
zucht, Seidenspinnerei und Weberei, Papier- und
Möbelfabriken, technische Schule; eine 1600 erneute
Hauptkirche San Vittore mit Gemälden und 75 in
hohem Turm, Altertümersammlung, einen öffent-
lichen Garten und viele Landhäuser der Mailänder.
5kin nach SW. der 15,7 <ikm große See von V.,
der nach W. durch den Bardello znm Lago Maggiore
abfließt, und 10 km nach NNW. der Wallfabrtsort
Madonna del Monte (880m) mit 14 Kapellen.
- Vgl. I. Fifcher, V. und feine nächste Umgebung,
! (Münch. 1892).
Värfvad, s. Schwedisches Heerwesen.
Varhely, Dorf in Siebenbürgen, f. Hatszeg.
Vari, Halbaffe, s. Lemnr.
Varia, llat.), Verschiedenes, Allerlei, vermischte
^i
mge.
! Veränderlichkeit.
Variabel (lat.), veränderlich; Variabilität^
z Variable Sterne, s. Veränderliche Sterne.
! Varianten (lat. vai-i^ i6cti0N68, auch vm-i^taz
I6cti0ni8), die abweichenden oder verschiedenen
! Lesarten in den Handschriften eines und desselben
! alten Schriststellers. Eine Sammlung solcher V.,
die sich in den Handschriften finden, welche für die
Überlieferung des Textes von Wichtigkeit sind, heißt
der kritische Apparat (^p^iaw" ci-iticns).
z Va.ria.tio as1sota.t(lat.), Abwechselung ergötzt.
! Variation (lat.), Verändernng; in der Musik eine
auf mannigfache Art veränderte Wiederholung eines
musikalischen Satzes, die durch Zergliederung der
Hauptnoten der Melodie, durch Einmischung durch-
gehender harmonischer Neben- oder Wechselnoten,
melodische Verzierungen der einfachen Noten und
l ähnliche Hilfsmittel, zum Teil auch durch veränderte
> Harmonie u. s. w. bewirkt wird. Der Hauptsatz,
^ welcher auf diese Art variiert wird, heißt das Thema.
Es galt früher als Regel, daß man in einer jeden
V. die Grundmelodie des Themas noch durchklingen
! boren muß. In neuerer Zeit (Schumann, Brahms)
i begnügt man sich, wenn die V. nnr einen kleinen
! Anklang ans Thema bringt, und unterscheidet strenge
und freie V. Die V. wird am häufigsten in der In-
I strumentalmusit verwendet, doch kommt sie auch in
! der Chorkomposition, seltener im Sologesang vor.
- über die V. der Magnetnadel s. Magnetismus.
- In der Mathematik bedeutet V. eine mit Permu-
tation verbundene Kombination (s. d.). (S. auch
Variationsrechnung.)
Variationsrechnung, der Teil der böbern
Analysis, der eine Funktion so zu bestimmen lehrt,
daß ein von derselben abhängiges bestimmtes In-
tegral einen größten oder kleinsten Wert (Manmum
oder Minimum, s. Marima) annimmt. Die erste
derartige Aufgabe wurde 1696 von Johann Ber-
j nonlli gestellt: die Brach ist o chron e zu finden, d. h.
diejenige Kurve, die ein schwerer materieller Punkt
z durcbfalleu muß, um am schnellsten von einem ge-
gebenen Punkte zu einen: andern zu gelangen.
(S. Cykloide.) An der Lösnng dieser Aufgabe be-
teiligten sich alle großen Mathematiker der dama-
ligen Zeit. Als Begründer der V. ist L. Euler an-
! zusehen, dessen Verfahren später von Lagrangc scbr
i wesentlich vereinfacht und vervollkommnet wurde.
! Die V. liefert z. B. die kürzesten Linien ans ge-
gebener Oberfläche, die Fläche, die bei gegebener
Begrenzung den kleinsten Inhalt einschließt (s. Mini-
! malflüchen), die isoperimetrischen Figuren (s. Iso-
^ perimetrisch) u. dgl. m. Unter allen Körpern mit ge-
! gebener Oberfläche hat die Kugel den größten In-
' balt, und umgekehrt bei gegebenem Inhalt die kleinste
! Oberflüche. - Vgl. Lindelöf und Moigno, (^leul
lies vln'ilUions (Par. 1861); Abhandlungen über V.,
bg. von Stäckel (Tl. 1 u. 2, in Ostwaldö "Klassikern
der erakten Wissenschaften", Lpz. 1894).