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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Verschwindungslafetten - Versicherungsamt
trag auch ein Entmündigungsverfahren (f. Elltnnul-
digung) eingeleitet werden. Das Gemeine Recht
läßt nach der Entmündigung nur Pflegschaft ein-
treten, welche eine Fürsorge für das Vermögen des
V. bezweckt, ebenso die Rechte der freien Städte. Die
übrigen, neuern Rechte (auch das Deutsche Bürgerl.
Gesetzb. §§. 6 und 1896), mit Ausuahme des ^oäo
elvil, welcher nach Art. 513, 514 sogar nur einen
Beistand bestellen läßt, ordnen Vormundschaft an.
Der entmündigte V. steht in der Handlnngsfühig-
keit nach Deutfchem Vürgerl. Gesetzb. §. 114 dein
Minderjährigen gleich, der das siebente Jahr voll-
endet hat. Doch kann er nicht einmal mit Zustim-
mung des Vormundes eine letztwillige Verfügung
errichten. Die Unfähigkeit dazu tritt schon mit Stel-
lung des Antrags auf Entmündiguug ein (§. 2229).
Das Preuß. Al'lg. Landr. 1,12, §§. 27 fg. und das
Österr. Vürgerl. Gesetzb. §.568 gewähren ihm Wider-
rufsrecht der errichteten Verfügung und die Befug-
nis, über die Hälfte des Vermögens letztwillig zu ver-
fügen. Die Frau kann bei Verschwendung auf Auf-
hebung der Gütergemeinschaft klagen (§. 1468).
Verschwindungslafetten, Tauchlafetten,
Lafetten, die das Verschwinden eines Geschützrohrs
hinter die Deckung (Wall) nach dem Schuß zum
Zweck des Ladens ermöglichen; das Rohr sinkt beim
Schuß vermöge der Kraft des Rückstoßes selbstthätig
unter die Feuerlinie hinab, und die überschüssige Kraft
wird zugleich aufgefpeichert, so daß das wieder schuft-
fertig gemachte Rohr auch selbstthätig wieder in die
Feuerstellung geht. Geschieht dieses Aufspeichern
der Kraft durch Heben eines Gegengewichts, fo hei-
ßen die V. Gegengewichtslafetten (s. d. und
Moncriefflafette), geschieht es durch Zusammen-
pressen von Luft, HydropneumatischeLafetten
<s.d.). Die Tafel: Gefchütze VI, Fig. 1, zeigt Arm-
strongs 20 cm-Kanone 1^/30 in Verschwindelafette.
Verschwindungspunkt, s. Perspektive.
Verschwörung (lat. coi^uratio), die geheime,
gewöhnlich durch Eidschwur bekräftigte Verbindung
mcbrerer zu unerlaubter Umgestaltung des Staates,
seiner Verfassung und seiner Regierung; sie ist eine
besondere Art des Komplotts (s. d.). Der Ausdruck V.
kommt im geltenden Deutschen und Österr. Straf-
gesetzbuch nicht mehr vor. H. 83 des Deutschen
Strafgesetzbuchs enthält dasjenige Verbrechen, wel-
ches man gewöhnlich als V. bezeichnet. Nach diesem
Paragraphen werden der Regel nach mit Zuchthaus
nicht unter 5 Jahren diejenigen bestraft, welche die
Allsführung eines hochverräterischen Unternehmens
verabredet habm, ohne daß es auch nur zum Be-
ginn gekommen ist (s. Hochverrat).
Versecz, deutsch Werschetz, Stadt mit geord-
neten: Magistrat im ungar. Komitat Temes, am
Fuße des Berges V. (645 m), in der Nähe des Ali-
bunarer Sumpfes und am Theresienkanal, an den
Linien Temesvär-Väziäs, V. - Kubin - Dunapart
(85 km) der Ungar. Staatsbahnen und Nagy-Vecs-
kerek-V. (88 km) der Torontäler Lokalbahnen, Sitz
eines griech.-orient. Bischofs, hat (1890) 21819 meist
kath. deutsche (5. (7712 Serben, 1254 Magyaren),
darunter 8271 Griechisch-Orientalische und 695 Is-
raeliten, Reste eines alten Schlosses, eine kath. und
eine griech.-orient. Kirche, eine Staatsoberrealschule,
zwei Mädchenbürgerschulen; Maschinenfabrikation,
Dampfmühlen, Brauerei, Weinball und Handel
mit Wein. Der hier erzeugte Cognac und Rotwein
sind berülnnt. Am 11. Juli 1848 fchlugen hier die
Ungarn die Serben; 19. Jan. 1849 nahmen die
Österreicher die Stadt. In der Nähe Römerschanzen
und Neste eines Römerkastells (bei Varadia).
Versehen der Schwangern, die angebliche
Einwirkung von Sinnes-, insbesondere Gesichtsein-
drücken Schwangerer auf die Formbildung der Leibes-
frucht. (S. Mißbildungen.)
Verseifung, ursprünglich die Zersetzung der
Fette, der Glycerinester der fetten Säuren und der
Ölfäuren durch basische Hydrate, wobei die Seifen,
d. h. die Salze der Säuren, neben freiem Glycerin
entstehen. (S. auch Glyceride.) Die Bezeichnung ist
dann auf alle analogen Prozesse der Zersetzung von
Estern durch starke Vasen, namentlich durch die Al-
kalien, übertragen und ganz allgemein angewendet
worden, gleichviel welcher Art die Säure oder der
Alkohol des zu zersetzenden oder zu verseifenden
Esters ist.
Versendungsfchein, s. Legitimationsschein.
Versenkbare Panzertürme, s. Panzerdreh-
türme.
Verfenker, soviel wie Ausreiber (s. d.).
Versenkt heißen Schildzapfen (f. Geschütz), deren
Achse unterhalb der Seelenachse (s. Lauf) liegt. Bei
Vorderladern sehr viel, neuerdings nur selten in
Anwendung.
Versenkung, auf der Bühne ein Ausschnitt des
Podiums mit Vorrichtung, Personen oder Gegen-
stände unter die Bühne hinabzulassen. Die modernen
V. werden durch hydraulische Aufzüge bewegt.
Über V. beim Dachstuhl und über Versen-
kungsrahmen s. Dachstuhl.
Versenkungswand, s. Kniestockwand.
Versetzen der Pflanzen, s. Verpflanzen.
Verfetzgerüfte, s. Gerüste.
Versetzstücke, Versatzstücke oder Tetzstücte,
kleinere Dekorationsstücke, die das Bühnenbild, das
Prospekte, Coulissen und Soffiten gewähren, vervoll-
ständigen: Häuser, Bäume, Säulen u. a.
Versetzungszeichen oder Accidentalen, in
der Musik die Zeichen ff, h, p, 77 und X, durch die
die Erhöhung oder Erniedrigung eines Haupttons
auf dem Notenplan angedentet wird. Soll ein fchon
erhöhter oder erniedrigter Ton wieder in seine erste
Größe zurückgeführt werden, fo wird dies durch das
Aufhebungszeichen, Quadrat W genannt, angezeigt.
Name und Zeichen des Quadrats stammen von der
Bezeichnung des Tons Ii, der im Mittelalter als
viereckiges d (d ciuadi-lTtum) von dem eigentlichen !>,
dem sog. runden d (d i-ownäum), unterschieden
Versfüße, s. Rhythmus. >Miroe.
Versicherung, s. Versicherungswesen und Ver-'
sicherungsvertrag. ^ Nber Freiwillige Ver-
sicherung s. d.
Versicherung an Gidesftatt, s Eid.
Versicherungsamt,jede oberste Staatst'ebördc,
die das Versicherungswesen, auch wenn es ausschließ-
lich in der Form von Privatunternehmungen auf-
tritt, im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt über-
wacht. So giebt es in Osterreich seit 1880 ein Ver-
sich e r u n g s t o n t r o l l a m t als v erst ch erun g 5 te ck -
nisches Bureau im Ministerium des Innern. Auck
in der Schweiz (seit ^886) und in mehrern Einzel-
staaten der amerik. Union giebt es solcke Behörden.
Das deutsche Reichs Versicherung 5 amt (s. d.>
ist Aufsichts- und Entscheidungsbehörde der staat-
lich geordneten Arbeiterversicherung und wiro mit
der weitern Entwicklung dieser durch die Alters-
! und Invalidenversicherung eine nock wicktigere
! Stellung erhalten. Außerdem hat man in einzelnen